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Interview zum Band-Wettbewerb "Europeana - The Metal Version"

28.05.2012 | 17:57

Conny Conrad zum Band-Wettbewerb "Europeana - The Metal Version" in Zusammenarbeit mit POWERMETAL.de und seiner Arbeit an der Europa-Hymne.

Gemeinsam mit POWERMETAL.de hat der Songwriter und Gitarrist Conny Conrad den Bandwettbewerb "Europeana - The Metal Version" (Teilnahmeschluss: 31. August 2012) initiiert. Wir sprachen mit dem Musiker über seine Europa-Hymne 'Europeana', den Band-Wettbewerb und das, was danach folgen soll.


Martin:
Conny, du hast eine Europahymne mit dem Titel 'Europeana' komponiert, die vor einem Jahr ihre Uraufführung durch das Philharmonische Orchester Hagen feierte. Was war denn der Initialzünder für dich, dieses sehr ambitionierte Projekt anzupacken?


Conny:
Ich wollte einfach zeigen, dass man in Deutschland etwas für Europa tun kann, das nicht nur im Land bleibt. Wie auf der Internetseite www.eu-hymne.de zu ersehen ist nicht etwa angedacht, Beethoven zu ersetzen sondern mit etwas neuem zu ergänzen. Die Grundüberlegung war die, dass die Staaten, die zu Europa gehören, sich in der Grundmelodie der 'Ode an die Freude' nicht wirklich wiederfinden. In meiner Hymne 'Europeana' hingegen kann jedes Land sein eigenes landestypisches Instrument in der Hymne einsetzen. An der Stelle beispielsweise, an der die Franzosen ein Akkordeon einsetzen, können die Griechen beispielsweise eine Mandoline platzieren. Oder die Spanier beispielsweise eine spanische Gitarre, sodass jedes Land sich in dieser Melodie besser wiederfindet.


Martin:
Es ist nun aber so, dass seit über eineinhalb Jahren - bedingt durch die Wirtschafts- und Finanzkrise und unter anderem sogenannte Rettungspakete - die EU ständig im Gespräch ist. Und das auch oft mit negativer Färbung. Leider ist ja dieser Zeitpunkt nicht gerade der beste, um die Leute für eine EU-Hymne zu begeistern. Wie siehst du das?


Conny:
Wer Europa aufgegeben hat, mag das so sehen. Aber gerade weil es in der EU schwierig geworden ist, setzt die 'Europeana' ein sehr positives Zeichen, weil man durch Kreativität und Musik zeigt, dass Länder, die ohnehin schon seit Jahrzehnten zusammenarbeiten, weiterhin zusammengehören. Wer salopp gesagt keinen Bock mehr auf Europa hat, der wird natürlich auch nicht mit einer Melodie zu überzeugen sein. Aber man sensibilisiert durch die Melodie. Jemand, der das Stück hört, denkt vielleicht darüber nach, dass es um das Thema Europa geht. Wenn ich für Europa bin, dann ist das Stück ein Träger-Medium. Darum denke ich, dass die 'Europeana' genau im richtigen Zeitpunkt erschienen ist.

 

 

Martin:
Könnte die Hymne ein positives Identifikationsmerkmal sein?


Conny:
Die Assoziation mit dem Positiven ist der Hauptaspekt. Die Leute sollen durch die Melodie zusammenkommen. Man kann die Melodie alleine auf der Gitarre oder auch mit einem 90-köpfigen Orchester spielen. Es kommen Menschen zusammen, die durch eine Melodie ein Gemeinschaftserlebnis haben wollen. So bin ich auf die Idee gekommen, die 'Europeana' in verschiedenen Musikstilen anzubieten. Denn nicht jeder mag klassische Musik. Ich habe ja auch ein Parallelprojekt mit dem Titel "Rock For Your Children", einem Projekt, bei dem es um die Rechte von Kindern geht. Bei diesem Projekt habe ich mit einem Rocktitel begonnen, da ich in erster Linie Rockmusiker bin. Mit der 'Europeana' ist es umgekehrt. Ich fange jetzt gerade an, die Melodie zum Beispiel in einer Akustikversion einzuspielen und natürlich auch in einer Metal-Version.


Martin:
Ich  möchte nochmals zur klassischen Orchester-Version zurückgehen. Kannst du es eigentlich verstehen, wenn jemand ketzerisch die Frage aufwirft, warum es neben der feierlichen 'Ode an die Freude’'von Ludwig van Beethoven nun noch eine neue Hymne geben soll?


Conny:
Es gibt übrigens noch eine dritte Hymne, nämlich die Eurovisionsmelodie des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier. Die 'Ode an die Freude' und die Eurovisionsmelodie existieren seit Jahrenzehnten wunderbar nebeneinander. Aber - wie ich eingangs schon sagte: Die bestehenden Europa-Hymnen repräsentieren die Länder nicht. Durch die 'Europeana' kann jedes Land selbst bestimmen,  mit welchen Instrumenten die Melodie gespielt wird und welche landestypischen Instrumente eingesetzt werden. Und das ist das Novum. Das haben die anderen Hymnen nicht. Die andere Sache ist die: Die Hymne von Beethoven wurde den Menschen praktisch "aufs Auge gedrückt". Die Menschen wurden nicht gefragt, ob sie diese Hymne wollen oder nicht. Der Europarat hatte das 1972 einfach per Verwaltungsakt festgelegt und in den 1980ern umgesetzt.


Martin:
Sind dir auch schon Versionen der 'Europeana' aus anderen Ländern untergekommen, die ihr landestypisches Instrument eingesetzt und das Ganze auch aufgenommen haben?


Conny:
Ich habe selbst leider noch keine Version gehört, aber ich habe die Info bekommen, dass damit gearbeitet wird.


Martin:
Du bezeichnest die Hymne 'Europeana' selbst als den bisherigen Höhepunkt deiner Karriere als Musiker. So eine Hymne komponiert man ja nicht nebenher. Wie lange hat es gedauert, bis die Hymne nun soweit war, dass du selbst den Eindruck hattest: Ja, mit diesem Werk bin ich vollauf zufrieden?


Conny:
Ich habe etwa zwei Jahre an der Melodie gearbeitet. Natürlich nicht am Stück sondern zusammengerechnet, da ich ja auch mit vielen anderen Projekten beschäftigt bin. Es ist so, dass ich viele Ideen auch wieder verwerfe und durch Neues ersetze. Was mir sehr viel Freude bereitet hat war die Anerkennung meines Schaffens aus dem klassischen Bereich. Es ist leider noch immer so, dass man als Rockmusiker vom Klassiker-Lager meistens nur belächelt wird. Interessanterweise habe ich fast offene Türen eingetreten. Die GEMA hat die Musik beispielsweise sofort der klassischen Musik zugeordnet. Der ausschließlich im Bereich der Klassik tätigen Verlags "Edition Peters" hat 'Europeana' sofort in sein Repertoire aufgenommen.


Martin:
Kommen wir auf unseren gemeinsamen Wettbewerb "Europeana- The Metal Version" zu sprechen. Was ist dir in diesem Zusammenhang an den Einsendungen der Bands wichtig?


Conny:
Mir ist an dem Wettbewerb wichtig, dass die Bands extrem unterschiedliche Versionen präsentieren. Mit meinem Demo habe ich gezeigt, dass die 'Europeana' sehr wohl als Power-Metal-Version umgesetzt werden kann. Ich habe diese Version nicht fertig produziert aber ich zeige damit, dass das Feeling da ist. Was ich nicht will ist, dass eine Band einfach meine Interpretation nachspielt. Auch will ich nicht, dass die 'Europeana'-Version von vorne bis hinten mit Doublebass-Passagen vollgestopft wird. Denn das ist nicht Sinn und Zweck der Übung. Die Bands sollen sich die Frage stellen, was für einen Sinn es machen sollte, auf dem kommenden Sampler sieben fast identische Interpretationen der Hymne zu haben. Eine frische, intelligente Band muss daher risikofreudig genug sein um zu zeigen, was aus der Melodie musikalisch herauszuholen ist. Alle sechs vertretenen Bands sollen sich gegenseitig auf die Schulter klopfen können. Und feststellen: Es ist zwar immer die selbe Grundmelodie, aber die Interpretationen sind so unterschiedlich und so interessant, dass es einfach Spaß macht, den Sampler von vorne bis hinten durchzuhören. Es ist mir ganz wichtig, dass alle teilnehmenden Bands dies berücksichtigen.


Martin
:
Warum ist dir das Thema Europa eigentlich so wichtig und warum möchtest du die Europeana als Metal-Version hören?


Conny:
Das Thema Europa ist meiner Ansicht nach eines, das nicht nur etwas für verknöcherte Bürokraten in Brüssel, Straßburg oder sonst wo. Es ist für mich ein wichtiges Thema für die Jugend. Nicht nur für die Klassik-Fans, sondern auch für Headbanger.


Martin:
Der Wettbewerb "Europeana- The Metal Version" läuft bis Ende August. Anschließend wird eine Jury – bestehend aus dir selbst, "CoCo records international" und Mitarbeitern von POWERMETAL.de die besten Versionen auswählen. Wie geht es dann weiter für die Bands?


Conny:
Wir werden die Bands kennenlernen und wir werden Promomaterial zusammenstellen wie die Biographie der Gruppe, Promofotos, Internetlinks etc. Wir werden dann Verträge mit den Bands schließen. Auch das Booklet soll entsprechend werbewirksam für die teilnehmenden Bands gestaltet sein. Über unseren Provider "Finetunes", der übrigens hervorragende Arbeit macht, wird das Album dann auf allen Download-Portalen der Welt erhältlich sein. Der Vorteil ist hierbei, das jeder Titel einzeln erworben werden kann. Wir werden das auch entsprechend auswerten, welche Power-Metal-Interpretation der 'Europeana' die meisten Downloads hatte. Ich könnte mir vorstellen, mit der erfolgreichsten oder sogar den drei erfolgreichsten Bands des Wettbewerbs ein vollständiges Studioalbum mit ihrem Songmaterial zu produzieren. Ich sehe mich hier auch als Talent-Scout.


Martin:
Durch den Wettbewerb „Europeana- The Metal Version" haben die Bands ja auch eine Möglichkeit, sich einem breiteren Publikum vorzustellen.


Conny:
So sehe ich das auch.


Martin:
Hast du noch eine Message an alle Musiker, die du den teilnehmen Bands mit auf den Weg geben möchtest?


Conny:
Wichtig ist mir, dass allen Beteiligten die ganze Sache Spaß macht und dass sich die Musiker richtig mit dem Thema beschäftigen. Sie sollten ihre Song-Interpretation nicht nur als mögliches Sprungbrett für die Karriere betrachten, sondern auch entsprechend am Arrangement und an der Melodie feilen. Sie sollen kreativ und angstfrei an die Sache herangehen.


Ihr habt’s gehört...!
Alle weiteren wichtigen Infos zu unserem Band-Wettbewerb findet ihr hier:


http://powermetal.de/content/artikel/show-Bandwettbewerb_Europeana_-_The_Metal_Version_,7554.html

Wendet euch bei Fragen zum Band-Wettbewerb bitte über folgende Mail-Adresse an uns:

europeana-powermetal[at]gmx.de


Einsendeschluss für eure Interpretationen der 'Europeana' ist der 31. August 2012.

Redakteur:
Martin Loga

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