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JADED HEART: Interview mit Axel Kruse

20.10.2007 | 00:30

Premiere bei JADED HEART! Feierte Neu-Sänger Johan Fahlberg auf dem 2005er Output "Helluva Time" seinen Einstand, wurde dem schwedischen Flitzefinger Peter Östros (ein guter Freund von Johan) auf dem aktuellen Werk "Sinister Mind" diese Ehre zuteil. Dabei ging das Quintett im Vergleich zum Vorgänger härtetechnisch um einiges ruppiger zu Werke, was vor allem an Peter lag, der maßgeblich am Songwriting beteiligt war. Aber auch die Refrains sind fast durchgehend auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt, was man in dem Fall Johan zuschreiben muss. Scheint quasi so, als ob das schwedische Tandem die Melodic-Metaller zu neuen Höhenflügen treibt.

Drummer Axel Kruse fühlte sich angesichts der guten bis sehr guten Kritiken seitens der Presse in seiner Haut sichtlich pudelwohl. Ob die Jungs auf der kommenden Tour UFO von der Bühne blasen werden und inwiefern Yngwie Malmsteen Peter bei seinen Griffbrettorgien beeinflusst hat, könnt ihr im folgenden Interview nachlesen.

Tolga:
Die Reaktionen auf "Sinister Mind" sind durch die Bank positiv ausgefallen. Habt ihr das so in dem Ausmaß erwartet?

Axel:
Ehrlich gesagt am Anfang nicht so. Wir waren skeptisch, ob das jetzt mit der neuen Härte so ankommen wird. Aber 95 Prozent nehmen's bis jetzt extrem positiv auf.

Tolga:
Wie gut hat sich Johan (Fahlberg, Sänger bei JADED HEART - Anm. d. Verf.) - im Vergleich zu "Helluva Time" – ins Bandgefüge eingebracht und inwiefern war er am Songwriting beteiligt?

Axel:
Am Songwriting waren diesmal im Prinzip alle beteiligt. Wir haben uns ganz normal, wie früher, im Proberaum getroffen und an den Songs gearbeitet. Wir haben dann überhaupt auch erstmal angefangen die Songs zu machen. Und Johan hat natürlich wieder alle Texte geschrieben und die ganzen Gesangslines bzw. mit dem Eric von ECLIPSE zusammen, die ganzen Chorlines ausgearbeitet. Im Prinzip hat er gesangstechnisch völlig freie Hand gehabt und selber alles gemacht. Peter (Östros, neuer Gitarrist bei JADED HEART - Anm. d. Verf.) war natürlich dann sozusagen Hauptriffgeber und Songwriter. Die Songs wurden dann, anders als früher, hinterher demokratisch ausgewählt.

Tolga:
Sehr gut, dass du die Choruslines mit eingebracht hast, denn für mich klingt "Sinister Mind" von der stilistischen Bandbreite her wie der DOKKEN-Klassiker "Under Lock And Key".

Axel:
Das ist aber ein Kompliment! (lacht)

Tolga:
Siehst du das ähnlich, oder mal anders ausgedrückt: Habt ihr so einen Klassiker, denn DOKKEN schimmert schon von den Refrains her irgendwie durch, während den Aufnahmen im Hinterkopf gehabt?

Axel:
Nein. Mit DOKKEN hör ich das auch zum ersten Mal. Der Eric hatte ja schon bei "Helluva Time" die Chöre gemacht. Da war uns völlig klar, dass er das auch wieder macht, weil er auch gute Ideen hat. Das war eine Ausarbeitungssache von den beiden (Johan und Eric - Anm. d. Verf.). An irgendjemand anderen haben wir überhaupt nicht gedacht. Dass wir alle von diesen Bands geprägt sind, sprich DOKKEN, Y&T und die neueren Sachen wie PANTERA, das ist völlig klar.

Tolga:
Was Peter angeht, so passt er wie die berühmt-berüchtigte Faus auf's Auge. Was waren denn die Gründe für Barishs Ausstieg und wie seid ihr an den schwedischen Flitzefinger gekommen?

Axel:
Barish ist letztes Jahr aus persönlichen Gründen ausgestiegen. Es gibt kein böses Blut und wir haben auch Kontakt, sprich: es ist alles in Ordnung. Es war seine eigene Entscheidung. Peter ist halt ein sehr guter Freund von Johan und hat auch dadurch die Tour als Ersatzgitarrist gespielt. Da hat sich sehr schnell herauskristallisiert, dass wir ihn wohl dabei haben wollen. Am letzten Tourtag haben wir ihn dann bei einer kleinen Flasche Wasser im Tourbus gefragt, ob er denn wohl fest einsteigen würde. Und seitdem ist das Thema "Gitarrist" durch. Ich denke auch, das es wirklich super passt. Auch wenn die neue Platte anders klingt als früher, so ist es immer noch JADED HEART.

Tolga:
Kann man sagen, dass ihr auf "Helluva Time" eher auf Nummer sicher gegangen seid und bei "Sinister Mind" voll Karacho Risiko fahrt?

Axel:
Nicht unbedingt. Wir wollten bei "Helluva Time" natürlich nicht den Riesenschritt machen, weil das hätte uns keiner abgenommen. Das hätten wir auch nicht gewollt und das wären auch nicht wir. Die Songs waren ja von Barish eigentlich zu 80 Prozent soweit fertig. Die waren halt da. Die waren ein bisschen gitarrenlastiger, aber schon noch in der alten Schiene. Durch Peter, weil er halt mehr vom Heavy Metal kommt, ist das natürlich ganz klar gewesen, dass sich das jetzt schon ein bisschen ändert. Eigentlich ist es genau das, was wir alle wollten. Das Album spiegelt schon die Meinung der ganzen Band wider.

Tolga:
Würde gerne mal auf einzelne Tracks eingehen. Was 'Always On My Mind' angeht, so ist es der poppigste Song auf der neuen CD. Auf der anderen Seite ist das Gitarrensolo sehr cool ausgefallen und könnte auch von Yngwie Malmsteen stammen. Hat sich Peter bei dem Track vom "schwedischen Pavarotti" inspirieren lassen?

Axel:
Ich denke, er ist eh Fan von Yngwie. Wer in Schweden ist das als Gitarrist nicht?! Ich glaube nicht, dass es beabsichtigt war. Er ist eh eine etwas andere Art von Gitarrist als Barish es vorher war, aber ich glaube jetzt nicht, dass er Einfüsse von Yngwie hat. Er spielt im Vergleich zu Barish mehr die schnellen Soli. Ich finde, es steht ihm gut zu Gesicht. Da muss man ihm auch freie Hand lassen. Wenn's zu extrem geworden wäre, hätten wir schon gesagt "Hallo? Yngwie gibt's schon."

Tolga:
Auf der anderen Seite ist da 'Heavenly Devotion', das vom Anfang her sehr stark an den SAVATAGE-Klassiker 'Lights Out' vom "Edge Of Thorns"-Album angelehnt ist.

Axel:
Aha.

Tolga:
Wie stehst denn du zu diesem Vergleich oder hast du das schon gehört?

Axel:
Gar nicht. Echt interessant, wie Leute das halt hören. Ich sehe das natürlich ganz anders. Die Kommentare gehen von teilweise alten MALMSTEEN über Y&T, DIO und QUEENSRYCHE-Einflüsse. Das sind jetzt alles Sachen, die einem nicht wirklich weh tun. Da gibt's ja Schlimmeres! Aber SAVATAGE hat bisher noch keiner gesagt.

Tolga:
Die Refrains auf "Sinister Mind" sind fast durch die Bank genial. Denkt ihr, dass ihr dieses hohe Niveau auf der kommenden Scheibe toppen könnt?

Axel:
(Lachend) Wir werden's versuchen. Das Level zu halten werden wir schon schaffen. Da lehn ich mich mal so weit aus dem Fenster. Toppen? Das ist immer ein persönlicher Geschmack und da spielen bestimmt auch andere Einflüsse mit rein, wie z.B. gerade die Stimmung ist. Ich glaub, das kann man so gar nicht sagen, ob man das machen kann oder nicht. Man versucht es natürlich. Auf jeden Fall werden wir uns nicht noch weiter in die richtige Metalecke oder so entwickeln.

Tolga:
Zum Teil knarzen die Gitarren recht ordentlich, auf der anderen Seite sind die Refrains JADED HEART-mäßig gehalten.

Axel:
Das war auch der Plan. Wir wollten unsere Trademarks nicht verleugnen oder sagen "Wir machen jetzt irgendwelche Grunzrefrains". Das hätte uns eh keiner abgenommen und uns selbst hätten wir nicht ins Gesicht gucken können, weil das sind wir auch nicht. Schon ein bisschen härter. Live waren wir eh immer ein bisschen härter, jetzt, besonders da der Johan dabei ist. Es sollte schon immer eine Melodie da sein. Das lag uns schon am Herzen.

Tolga:
Um nochmal aufs Line-up zu sprechen zu kommen: Stehen in naher Zukunft weitere Änderungen auf dem Plan oder kann man davon ausgehen, dass ihr in der selben Formation auch das nächste Album einspielen werdet?

Axel:
Davon kannst du zu 99,98 Prozent ausgehen.

Tolga:
Das ist eine gute Aussage.

Axel:
Ja. Wir verstehen uns alle super untereinander. Ich mein, wir sehen uns jetzt auch nicht jede Woche, so dass wir uns auf den Sack gehen. Es ist wieder eine Band. Es wird demokratisch entschieden. Das läuft jetzt auch. Wenn wir uns sehen, freuen wir uns alle. Wir haben 'ne gute Zeit. Wir verstehen uns alle untereinander fantastisch. Wir können uns auch jeder die Meinung sagen. Eigentlich das, wie's sein sollte.

Tolga:
Was erwartet ihr euch denn von der Tour mit UFO? Ich bin ehrlich gesagt der Meinung, dass ihr die alten Recken abend für abend von der Bühne blasen werdet.

Axel:
Oh, das werden wir sehen. Ich hab jetzt Infos, dass die live in dem Line-up ziemlich geil sein sollen. Zu so 'ner Aussage würde ich mich zum Beispiel auf keinen Fall hinreißen lassen.

Tolga:
Hätte ja sein können. Mit der neuen starken Scheibe im Gepäck.

Axel:
Ich sach mal, wir lassen's auf uns zukommen, und wenn's positiv ausgeht, ist es schön. Das passt jetzt gerade super mit dem Release. UFO wollte, das wir mitfahren. Eigentlich passt jetzt einfach alles. Wir sind ab Donnerstag erstmal in Schweden. Spielen da zwei Mal. Ab Dienstag geht's dann mit UFO los. Dann ist auch Releaseparty in Ratingen. Nächste Woche ist dann auch "Firefest". Dann geht's wieder mit UFO weiter. Es ist ganz gut, dass es von den Gigs her ein bisschen gemischt ist.

Tolga:
Wie werdet ihr denn die Setlist gestalten? Einen Querschnitt durch alle Alben?

Axel:
Wir werden versuchen, dass man einigermaßen jedem gerecht wird, und natürlich das neue Album promoten. Vier, fünf Songs vom Album spielen und bei den alten Klassiker müssen wir schauen, dass wir die irgendwie in das kurze Set mit einbringen.

Tolga:
Noch irgendwelche abschließenden Worte an unsere Leser, Kritik und Anregungen auf Lager?

Axel:
Anregungen? Ja! Rennt alle in die Läden...

Tolga:
(Lachend) Das war klar!

Axel:
...bestecht die Verkäufer, dass die CDs wieder billiger werden. Pennt nicht und hebt euren Arsch vom Sofa und geht wieder zu Konzerten.
Die Leute müssen halt sehen, wenn die Unterstützung nicht da ist, dass dann alle Bands irgendwann kaputt gehen.

Tolga:
Mit CD-Verkäufen ist es ja immer so 'ne Sache.

Axel:
Auf die neuen Medien muss man jetzt erstmal nicht schimpfen, denn es wird eh irgendwann so kommen. Werden wir sehen, wie das so alles weitergeht.

Redakteur:
Tolga Karabagli

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