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JADED HEART: Interview mit Michael Müller und Masahiro Eto

30.03.2018 | 20:30

Man kennt die Floskel ja mittlerweile zur Genüge: Musiker behaupten, ihr aktuelles Album sei das beste, das sie jemals veröffentlichten und so weiter und so fort. Im Falle der deutsch/schwedischen Kollaboration trifft dies aber genau den sogenannten Nagel mitten auf die Zwölf. JADED HEART gelang mit dem mittlerweile dreizehnten Studio-Longplayer genau jenes Kunststück. "Devil's Gift" tönt äußerst abwechslungsreich, strotzt nur so vor Hits mit tollen Melodien, eingängigen Refrains und bietet obendrein noch mächtig Power. Was Erik Mårtensson (ECLIPSE, W.E.T., NORDIC UNION) und Chris Laney (PRETTY MAIDS) mit dem neuen Output zu tun haben, verraten uns Bassist Michael Müller und Gitarrist Masahiro Eto im folgenden Interview.

 

Zu allererst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen, überaus gelungenen Album "Devil's Gift". Für mich persönlich gelang euch damit eure bisher stärkste Veröffentlichung. Auf der einen Seite strotzt "Devil's Gift" nur so vor Hits mit tollen Melodien und eingängigen Refrains, auf der anderen Seite empfinde ich es aber auch als eure bisher härteste Veröffentlichung. Genau jener Kontrast macht die Scheibe so stark. Ihr sprecht sowohl die melodische Fraktion als auch die, die es lieber laut und krachend will, an. Wie zufrieden seid ihr selbst mit eurer Veröffentlichung?

Masa: Danke! Persönlich bin ich damit auch sehr zufrieden. Zusammen mit dem Coverartwork ist das Album wie aus einem Guss geworden. Ich finde, da passt einfach alles. Das letzte Album war auch als Gesamtprodukt schon sehr gut, aber ich glaube, wir haben es mit "Devil's Gift" getoppt.

Michael: Vielen Dank! Für mich ist die musikalische Mischung auch ein Highlight des neuen Albums. Wir stehen alle auf geile Melodien und eine gesunde Portion Härte. Das alles zu kombinieren ist nicht immer einfach. Das machen die PRETTY MAIDS-Jungs auch immer total gut. Ich bin auch der Meinung, dass "Devil's Gift" unser härtestes Album geworden ist.

Mit Erik Martensson (ECLIPSE, W.E.T., NORDIC UNION) konntet ihr den Mann der Stunde im melodischen Metal-/Hard-Rock-Sektor für den Mix und das Mastering gewinnen. Wie kam es zu dieser äußerst prominenten Verpflichtung und wie viel trug der Gute zum Gelingen der Scheibe bei?

Masa: Ja, das stimmt. Nicht viele Leute wissen das, aber seit "Helluva Time" singt der gute Erik die Backing Vocals auf all unseren Alben mit. Er ist ein guter Freund von uns. Für das letzte Album "Guilty By Design" haben wir Erik zusätzlich noch das Mixing und das Mastering der Scheibe anvertraut. Das Ergebnis war so geil, da war für uns klar, wieder mit ihm für das neue Album zusammenzuarbeiten. Never change a winning team!

Worin liegen die größten Unterschiede von "Devil's Gift" zu seinen Vorgängern?

Masa: Musikalisch finde ich, dass "Devil's Gift" eine natürliche Weiterentwicklung der letzten Platte ist. Aber es gibt zwei wichtige Unterschiede. Diese sind für mich die Vielseitigkeit des Songwritings und der Sound der Gitarren. Von klassischen Hardrockern wie 'Wasteland' oder 'The Enemy' bis hin zu Metal-Nummern wie 'Set Free' oder 'Phoenix' ist alles dabei. Epische Midtempo-Nummern und treibende Rock'n'Roll-Nummern haben wir auch auf "Devil's Gift". Es ist für jeden was dabei.

Wer ist für das Songwriting zuständig und wie laufen Proben bei euch ab? Da sich eure Wohnorte ja bekanntlich in Deutschland und Schweden befinden, stelle ich mir das alles andere als einfach vor.

Masa: Peter ist der Hauptsongschreiber. Aber auf dem letzten Album habe ich zwei Songs geschrieben und auf dem neuen noch etwas mehr. Das Arrangieren der Songs machen wir alle zusammen. Ohne Internet und Dropbox geht es aber leider gar nicht. Proben ist tatsächlich etwas schwierig, da ein Teil von uns in Schweden lebt und die anderen halt in Deutschland. Zum Glück lebe ich nicht mehr in Japan, das würde alles noch komplizierter machen (lacht).

Mit 'Wasteland' habt ihr einen starken Song, der euch äußerst gut repräsentiert, als erste Videoauskopplung ausgesucht. Wie wichtig erscheint euch in der heutigen digitalen Zeit ein Musikvideo?

Michael: Wichtiger denn je. Man kann heute mit einem Video präsent sein und man hat auch noch selber Einfluss darauf, was man veröffentlicht. Früher gab es nur bei den einschlägigen Musiksendern wie MTV oder Viva ultrateure Videos. Da kamen außerdem nur Bands mit fetten Megaplatten- und Promodeals rein. Heutzutage haben bei YouTube und Konsorten alle eine Chance. Spaß macht das Ganze obendrein.

In meinem Review schreibe ich, dass euer Sänger Johan meiner Meinung nach seine bisher beste Gesangsperformance abliefert. Stimmt ihr mir da zu und wenn ja, was sind die Gründe dafür?

Michael: Absolut. Er hat uns diesmal total weggeblasen! Er ist wie guter Wein (lacht) und wird von Album zu Album besser. Es ist kein Abend im letzten Jahr vergangen, an dem nicht irgendeine Nachricht auf WhatsApp mit einer anderen Gesangsmelodie von Johan kam.

Absolut herausragend auf "Devil's Gift" ist zudem die wirklich erstklassige Gitarrenarbeit von Peter Östros und dir, Masahiro. Ihr versprüht ein wahres Feuerwerk an erstklassigen Riffs. Masa, möchtest du vielleicht ein paar Worte dazu verlieren? Woher kommt diese absolute Spielfreude?

Masa: Vielen Dank! Es macht einfach Spaß, mit guten Freunden zusammen zu spielen und kreativ zu sein. Ich kenne Mülli schon seit 2001, Johan und Peter seit 2006. Die Jungs haben mich 2014 sehr herzlich in die Band aufgenommen. In so einer Umgebung kannst du nur eins machen, nämlich dein Bestes geben. Außerdem haben Peter und ich gemeinsame Gitarreneinflüsse wie beispielsweise Michael Schenker, Gary Moore, SRV [Stevie Ray Vaughan - d. Red.] und Yngwie Malmsteen. Vielleicht erleichtert aber auch unser gutes Verständnis füreinander unsere Zusammenarbeit.

Euer Cover-Artwork finde ich ausgesprochen gelungen. Es springt einen direkt an und unterstreicht zudem eure härtere Ausrichtung wunderbar. Wie kam der Kontakt zu Thomas Ewerhard zustande und habt ihr ein bereits bestehendes Bild von ihm verwendet oder wurde dies speziell für euch angefertigt?

Masa: Es klingt vielleicht etwas überraschend, aber seitdem Johan in die Band eingestiegen ist ("Helluva Time"), hat Thomas mit den Ausnahmen "Common Destiny" und "Fight The System" immer unsere Artworks gemacht. Genau wie beim letzten Album haben wir ihm unsere Ideen übermittelt und er hat seine Vision dazu gezeichnet. Mülli ist der Mastermind hinter dem Albumtitel und dem Cover.

Michael: Das Cover wurde extra für uns gemacht. Ich hatte die Idee des bösen Clowns. Aber eigentlich mit mehr Ironie und eher im Comic-Style. So ähnlich wie bei den Covern der Band DANGEROUS TOYS in den 80ern. Irgendwie wurde das Artwork nach und nach immer böser. Aber wir finden es echt geil.

Welche sind eure Lieblingssongs auf der neuen Scheibe?

Masa: Ich mag ALLE Songs! Wirklich! Wenn ich mir selbst das Album anhöre, freue ich mich immer auf den nächsten Song bis das Album endet. Also, ich höre sehr gerne alle Songs und skippe keinen. Wenn ich aber einen Song benennen muss, dann ist das 'Tears Of Our World', der zum heutigen Stand mein liebster Song ist (lacht).

Michael: 'Enemy', 'Tears Of Our World', 'Wasteland', 'Phoenix', 'One World' und 'Set Free'. Den hat übrigens Chris Laney von den PRETTY MAIDS mitgeschrieben. Ein super Songwriter.

Wenn ihr euch eine Traum-Tournee zusammenstellen könntet, mit welcher Band würdet ihr am liebsten die Hallen unsicher machen?

Masa: Am liebsten mit den Schweden von NOCTURNAL RITES und/oder mit den Japanern von ANTHEM. Das wäre eine mega Tour für mich. Es gibt so viele Bands, die ich aufzählen könnte, das könnte einen ganzen Tag in Anspruch nehmen.

Michael: Ja, NOCTURNAL RITES ist super cool, aber LOUDNESS wäre der Killer. Oder wieder mit ALTER BRIDGE, mit den Jungs haben wir bereits im Oktober zusammen gespielt. Was für eine Hammer-Band!

Ihr habt als sehr melodische Hard-Rock-Band begonnen, mittlerweile spielt ihr deutlich härter und ich würde euch heutzutage als melodische Power-Metal-Band beschreiben. Habt ihr diesen Weg gezielt gewählt oder ist das Ganze eher ungeplant und natürlich passiert?

Masa: Ich glaube, das hat sich eher natürlich entwickelt. Seitdem Bodo und ich in die Band eingestiegen sind, war es ja schon mehr oder weniger klar, musikalisch härter zu werden. Mit zwei Gitarristen und einem begabten Drummer, der aus der harten Ecke kommt, geht es auch nicht anders (lacht). Ich würde uns aber immer noch als "Melodic-Metal-Rock-Band" bezeichnen. Wir sind noch immer eine Rock-Band, die einfach ihre Grenzen hier und da auslotet.

Michael, du bist nun schon sehr viele Jahre aktiv mit JADED HEART unterwegs und das einzig verbliebene Originalmitglied. Nenne unseren Lesern doch die größten Highlights deiner bisherigen Kariere.

Michael: Ja, gerne. Das war, als Johan in Tokio auf unserer zweiten Japan-Tour vor unserem ersten Song während des Intros schrie: "ARE YOU READY TOKIO!!!???" und der gesamte Club geschrien hat, bevor wir auch nur eine Note gespielt hatten. Das war total krass. Das habe ich bis heute nicht begriffen. Hey, das ist auf der anderen Seite unseres Erdballs und die Fans gehen wegen uns Europäern so dermaßen ab. Das war für mich Gänsehaut pur.

Worin besteht für dich der größte Unterschied zwischen eurer Urbesetzung und der aktuellen Truppe?

Michael: Gute Frage. Das ist echt nicht einfach zu beantworten. Das müssten wir mal bei einem Bierchen bequatschen. Ich versuche es aber in ein paar kurzen Sätzen zu beantworten. Früher war es mit heutigen Maßstäben nicht zu vergleichen. Damals ging es teilweise sehr unprofessionell zu und wir waren alle noch sehr unerfahren. Die Zeit war zwar cool, aber im Umkehrschluss war sie auch sehr anstrengend. Einige Ex-Bandmitglieder waren leider sehr egozentrisch. Heutzutage sind wir viel gereifter und wissen alle genau, was wir wollen. Wir sind jetzt eine Einheit. Eine Demokratie, die weiß, was sie will.

Gab es Momente in deiner Kariere, an denen du selbst ans Aufhören dachtest?

Michael
: Nein. Es geht mir auch nicht um eine Karriere, sondern um das Musikmachen selbst. Schließlich lebe ich nicht ausschließlich von der Musik oder möchte damit ein Millionär werden. Wäre das so, hätte ich schon lange aufhören müssen (lacht).

Welche Musik hört ihr innerhalb der Band selbst gerne?

Michael:
Das ist echt total unterschiedlich. Masa und Peter sind eher oldschool unterwegs. Bodo teilt mit mir seine Liebe zu den modernen Metalbands wie SEVENDUST oder PARKWAY DRIVE. Das sind Bands mit technischen Mörder-Drummern, da stehe ich voll drauf. Aber wir hören auch gerne Bands der 70er oder 80s-Rock und -Metal.
Johan hat ziemlich den gleichen Geschmack wie ich: Soul, Funk, Old School Metal und Modern Metal. Alles geht. Wobei Johan auch gerne mal Death Metal hört. Sein bester Freund ist Fredrik Folkare von UNLEASHED.

Nennt mir doch mal eure drei besten/unverzichtbarsten Alben aller Zeiten.

Michael: Das ist eigentlich unbeantwortbar für mich, aber ich versuche es mal:
1. VICIOUS RUMORS - "Digital Dictator"
2. THIN LIZZY - "Live and Dangerous"
3. SEVENDUST - "Seasons"

Masa: Das ist eine gemeine Frage, da drei wirklich hart zu beantworten ist. Aber folgende habe ich mit 14 rauf und runter gehört und liebe sie immer noch:
1. AEROSMITH - "Pump"
2. DEEP PURPLE - "Machine Head"
3. VAN HALEN - "5150"

Welche Überschrift würdet ihr gerne über JADED HEART lesen?

Michael: Keine Schublade und unberechenbar: JADED HEART.

Die letzten Worte gehören selbstredend euch. Was wollt ihr unserer Leserschaft noch mit auf den Weg geben?

Michael: Wir freuen uns, euch unser neues Album um die Ohren hauen zu können! Support Music, supportet uns und kommt zu unseren Gigs! Wir haben Bock und ihr werdet es sicherlich nicht bereuen!

Masa: Ich hoffe, dass das neue Album für viele Leute eine Gelegenheit sein wird, unsere Musik kennenzulernen. Besonders für die Metal-Fans, die unseren Namen schon kennen, aber noch nie wirklich in unsere Songs reingehört haben, weil sie bisher dachten, wir seien immer noch eine Melodic-Rock-/AOR-Band. An unsere bisherigen Fans: Viel Spaß beim Hören, play loud und horns up!

Ich bedanke mich für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche euch noch viel wohlverdienten Erfolg.

Redakteur:
Mahoni Ledl

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