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JOHNBOY: Interview mit Dom und Tobi

22.02.2020 | 23:14

JOHNBOY ist zurück. "State Of The Art" war zwar ein richtig gutes Album, doch auch die beste Scheibe schreit irgendwann nach einem Nachfolger. "Momentum" ist das mit Abstand härteste und reifste Album der Alternative-Metaller um Tobi und Dom, was uns die Gelegenheit gab, die beiden hinsichtlich der neuen Scheibe einmal auszuquetschen.

Tobi, grüß dich. Wie geht es dir bzw. euch? Wie ist die Stimmung bei JOHNBOY?

Tobi: Hi. Die Stimmung ist hervorragend, nicht zuletzt, weil das Album endlich draußen ist. Außerdem ging kurz vor dem Release unser erstes offizielles Musikvideo an den Start. Das hat uns schon etwas nervös gemacht. Aber beides findet aktuell sehr guten Anklang, insofern sind wir wieder völlig entspannt.

Nach "State Of The Art" wurde es wieder etwas ruhiger bei euch im Lager. Was ist in den vier Jahren bei JOHNBOY so passiert, gib mir doch bitte ein kleines Update.

Tobi: Ui, ist "State Of The Art" schon so lang her? Wo ist denn die Zeit hin? Nur Spaß. 2016/2017 haben wir natürlich viel live gespielt, wie immer, die Kür nach der Pflicht. Dabei haben wir aber parallel schon mit der Arbeit am aktuellen Album begonnen. Tatsächlich war "Momentum" bereits Ende 2017 im Groben fertig geschrieben, und sogar das Drum-Recording fand bereits zu dieser Zeit statt. Dafür hatten wir uns für acht Tage in ein Studio mit großem Aufnahmeraum eingemietet und die kompletten Drums für zwölf Songs aufgenommen. Das hat wirklich enormen Spaß gemacht! Da gibt es übrigens auch ein Video dazu auf unserem YouTube-Kanal, in dem wir einen Einblick in den Aufnahmeprozess geben. Nachdem das Schlagzeug im Kasten war, mussten wir allerdings mit JOHNBOY eine Pause einlegen, die sich letztendlich über ein ganzes Jahr hinzog. Das war definitiv so nicht geplant, ließ sich jedoch nicht vermeiden. Erst im Frühjahr 2019 ging es dann weiter mit Bass, Gitarre und Vocals. Mix und Mastering wurden im Herbst letzten Jahres finalisiert.

Mit welcher Zielsetzung seid ihr an die Arbeiten für euer siebtes Studioalbum herangetreten?

Dom: Wie immer gab es da zu Beginn keinen Fahrplan und kein Ziel. Aber es kristallisierte sich doch sehr früh heraus, dass die neue Scheibe wesentlich härter werden würde. Irgendwie sind wir wohl wieder bei unseren musikalischen Wurzeln angekommen, die zeitlich noch ein gutes Stück vor JOHNBOY liegen. Auch wenn es bei uns sehr wohl große Unterschiede gibt, was den persönlichen Musikgeschmack angeht, teilen wir doch eine große Liebe zu den Bands unserer Jugend wie SLAYER, ANTHRAX, METALLICA, PANTERA, EXODUS, JUDAS PRIEST usw., um mal nur die Namhaften zu nennen. Ich finde es faszinierend, dass viele dieser Bands immer noch bzw. wieder wirklich großartige Alben rausbringen. "Firepower" beispielsweise ist ein absolutes Meisterwerk und hat uns sogar soundtechnisch, zusammen mit ein paar anderen Klassikern, als Referenzalbum gedient.

Steckt eine besondere Thematik hinter der Platte bzw. einzelnen Songs auf "Momentum"? Welche Geschichte möchtet ihr uns nicht vorenthalten?

Dom: "Momentum" ist kein Konzeptalbum, falls du das meinst. Das war noch nie so unser Ding. Ich versuche dennoch, immer den passenden Text zum Song zu finden. Aufgrund der neuen Härte sind natürlich auch die Lyrics etwas düsterer geworden. Gottseidank gibt das aktuelle Weltgeschehen mehr als genügend Inspiration dafür. Die Texte sollen aber nie als gesellschaftliche oder politische Aussage verstanden werden, sondern sie beschreiben eher, was gewisse Begebenheiten in einem Menschen auslösen. Es geht da viel um Sorgen und Ängste, da man gewisse Dinge, die in unserer aufgeklärten Welt immer noch passieren, manchmal einfach nicht mehr nachvollziehen kann. Das Ganze ist dann meistens verpackt in etwas Sarkasmus und Ironie, oder auch mal in einer kleinen Geschichte.

Worin liegen eurer Meinung nach die Unterschiede zwischen beiden Platten?

Dom: In einem der ersten Reviews zum Album steht der Satz: "JOHNBOY hat noch nie ein Album zweimal geschrieben." Das ist ein sehr schönes Kompliment, finde ich. Die Entwicklung von "State Of The Art" zu "Momentum" ist bestimmt die Extremste in der Geschichte unserer Band. Das liegt aber nicht nur am Songwriting. Jeder von uns hat das Jahr Bandpause genutzt, um sich als Musiker weiterzuentwickeln. Ich finde, allein das macht sehr viel aus. Wir haben uns zwar immer noch den eher eingängigen, simplen Riffs und Rhythmen verschrieben und sind weit entfernt von jeder Progressivität, aber wir konnten diesmal doch etwas mehr aus dem Vollen schöpfen was Geschwindigkeit und auch Verspieltheit angeht. Der größte Unterschied besteht aber in der Produktion bzw. dem Sound des Albums. Das erste Mal konnten wir wirklich das umsetzen, was uns klanglich vorschwebte.

Was genau steckt hinter der 'The Darkest Age'-Ballade? Sie schreit ja quasi schon nach einem tieferen Sinn...

Dom: Ich müsste die Lyrics nochmal lesen, haha. Nein, der Text zu diesem Song zählt in meinen Augen definitiv zu den schönsten JOHNBOY-Texten und hat gar keinen so düsteren Hintergrund, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte. Übrigens finde ich den Song insgesamt sehr gelungen, ich bin allerdings auch ein ganz großer Balladen-Fan. So, jetzt ist es raus! Der tiefere Sinn: Der Ursprung war tatsächlich eine kleine philosophische Diskussion mit einem Bekannten, der das studiert. Ganz grob ging es darum, ob der Mensch nur ein Zufallsprodukt ist und ob die Tatsache, dass er sich über diese Thematik Gedanken machen kann, nicht der Beweis für das Gegenteil ist. Ich glaube, da war auch etwas Alkohol im Spiel. Irgendwie hat mich das fasziniert und daraus ist 'The Darkest Age' entstanden.

Mir persönlich gefallen 'Soldier' und 'Faces Of Glass' am besten. Welche Songs stehen deiner Meinung nach stellvertretend für JOHNBOY anno 2020?

Dom: Also, jeder von uns hat etwas andere Favoriten auf dem Album, was eigentlich immer ein gutes Zeichen ist. 'Faces Of Glass' war anfangs als Opener des Albums geplant und das Video wollten wir ursprünglich zu 'Soldier' drehen. Insofern finde ich es lustig, dass dir gerade diese Stücke gefallen. Letztendlich hat 'Welcome To Life' für uns eine herausragende Bedeutung, weil der Song am weitesten von dem weg ist, was wir bisher gemacht haben. Und auch das Titelstück 'Momentum', welches unser erstes rein instrumentales Werk ist, gefällt uns allen Dreien gleichermaßen. Letztendlich sind wir aber auf jeden einzelnen Song stolz und wir werden auch alle zehn in unser Live-Repertoire mit aufnehmen.

Stehen irgendwelche Festivalshows 2020 auf dem Programm? Wie wird es mit JOHNBOY im Jahre 2020 weitergehen?

Dom: Etwas schade ist, dass wir uns aufgrund des sehr späten Release-Termins nicht wirklich für die Festivalsaison 2020 anbieten konnten. Die Planungen dafür, selbst für kleine Festivals, sind ja meist schon über ein Jahr im Voraus abgeschlossen. Aber so langsam trudeln die ersten Anfragen für das kommende Jahr ein. Und vielleicht rutschen wir ja noch bei dem ein oder anderen Festival mit rein. Wir sind da dran. Dieses Jahr versuchen wir hauptsächlich mit Clubgigs, eventuell auch einer kleinen Tour, zu füllen. Den Startschuss machen wir im Mai mit einem würdigen Release-Konzert, bei dem nicht nur das komplette aktuelle Album, sondern auch Auszüge aus allen alten JOHNBOY-Alben zu hören sein werden. Wenn ich so darüber nachdenke, wird das ein verdammt langer Gig. Ich bekomme jetzt schon Schweißperlen auf der Stirn.

Tobi, Dom, vielen Dank für Mühe und Zeit der Beantwortung meiner Fragen, ich wünsche euch mit dem tollen "Momentum" viel Erfolg und freue mich auf unser nächstes Interview. Was möchtest du unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?

Dom/Tobi: Keine philosophischen Diskussionen führen, wenn man Bier getrunken hat! Ansonsten wäre es schön, wenn ihr ab und zu mal online bei uns reinschaut, denn es wird im Laufe der nächsten Monate noch ein paar kleine Überraschungen geben. Der aufmerksame Leser hat vielleicht bemerkt, dass wir das Drumming für zwölf Songs aufgenommen haben. Außerdem sind wir so begeistert von der Resonanz auf unser Video, dass wir da noch etwas nachlegen wollen.

Sodenn, wir sehen uns live in 2020! Cheers!

Redakteur:
Marcel Rapp

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