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KAMELOT: Interview mit Roy Khan

15.09.2010 | 09:57

Ein Norweger auf der Reeperbahn. Kann das gut gehen? Jein - also auf mit den Sonnenbrillen und ab zum kurzen Interview.

An KAMELOT scheiden sich die Geister. Für die einen ist die Band der Inbegriff des intelligenten symphonischen Power Metals, für andere lediglich Kitsch mit einem überragenden Sänger. Auf wessen Seite man steht, Roy Khan ist über jeden Zweifel erhaben und präsentiert sich auch auf dem neuen Album "Poetry For The Poisoned" in Bestform. Einen Tag nach einem ausgiebigen Studiobesuch in Hamburg und einem langen Abendmahl hocken die beiden Protagonisten des folgenden Interviews noch leicht angeschlagen auf ihren Stühlen. Zwei Kaffee und zwei Sonnenbrillen bitte!

Enrico:
Hallo Roy – alles gut zu dieser frühen Stunde? Müde?

Roy:
Nicht wirklich. Ich bin doch relativ schnell nach dem Essen ins Bett gegangen.

Enrico:
Gut für dich – es wurden dann immer mehr Sambuca.

Roy:
Ich hatte glücklicherweise nur einen einzigen (lacht).

Enrico:
Fangen wir mit dem Klassiker an: Wie würdest du "Poetry For The Poisoned" beschreiben?

Roy (lacht laut auf):
Meine Lieblingsfrage! Es kommt immer darauf an, auf welcher Seite man steht. Ich denke, dass es sich im Vergleich zur Vergangenheit nicht groß verändert hat. KAMELOT haben drei Gesichter. Das sind die ersten drei Alben – dann "The Forth Legacy", "Karma" und "Epica" – dann folgten "The Black Halo", "Ghost Opera" und jetzt das neue Album. Jedes Gesicht zeigt uns eine andere, aber in sich geschlossene Stimmung. Vielleicht wird das nächste Album ein völlig neues Gesicht bekommen. Es läuft aber sehr gut und es ist sehr abwechslungsreich, was für die Songwriter spricht.

Enrico:
Ich finde es viel dunkler, als die vergangenen Alben.

Roy:
Auf jeden Fall.

Enrico:
Absicht?

Roy:
Nein – das kam einfach ganz natürlich. Man sitzt vor seinem Instrument, klimpert auf dem Keyboard herum und irgendwann entsteht ein Song. Den großen Masterplan gab es nicht. Jeder hat seine Ideen eingebracht und durch die einfache Handhabung mittels Computer konnte jeder an seinen Ideen und an den anderen Ideen herumfeilen.

Enrico:
Gibt es einen Song, der dir besonders ans Herz gewachsen ist?

Roy:
Nicht wirklich – ich hatte noch nie einen Lieblingssong von KAMELOT.

Enrico:
Aber du magst doch eure Musik, oder?

Roy:
Haha – logisch (lacht). Es ist immer sehr viel Herzblut in der Musik. Ein Grund, warum es immer so lange dauert, bis wir mit einem neuen Album kommen. Dieses Mal hat die ganze Produktion erneut über ein Jahr gedauert. Eine verdammt lange Zeit – und da reden wir lediglich über die Produktion. Davor müssen die Songs schließlich auch noch geschrieben werden. Aber wenn wir eine Songwriting-Session einberufen, entstehen fast immer fünf oder sechs neue Songs. Da sind wir recht schnell (lacht).

Enrico:
Wie kann man sich diese Sessions vorstellen?

Roy:
Wir haben uns ein Haus im Wald für zwei Wochen gemietet.

Enrico:
Die typische romantische Hütte?

Roy:
Nicht ganz – das Haus besaß 1100 Quadratmeter. Da kann man nicht mehr von klein sprechen (lacht). Es ist eine sehr bekannte Location. Aber der größte Vorteil war, dass es in meiner Heimatstadt steht. Außerdem gehört das Grundstück im Wald meiner Familie. Die Atmosphäre war ganz besonders, einfach perfekt. Es gab keine Ablenkungen und viel Ruhe. Durch den vielen Platz konnte sich jeder zurückziehen wann er wollte – jeder hat einen eigenen Arbeitsbereich, so dass niemand durch den anderen gestört wurde.

Enrico:
Der Albumname "Poetry For The Poisoned" klingt für mich ganz schöne Emo. Was ist die Geschichte hinter dem Namen?

Roy:
Emo? Wirklich (lacht)? Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Wir haben uns für den Namen entschieden, weil der längste Song so heißt. Dabei dreht sich alles um eine Vampir-Liebesgeschichte. Oft ist es so, dass der längste Song den Ton eines Albums bestimmt. Außerdem war er einer der ersten Tracks, die für das Album geschrieben wurde.

Enrico:
Gibt es eigentlich für dich Musik, die du als Gift bezeichnen würdest?

Roy:
Nein, nein. Ich denke, dass es in jedem Genre gut Musik gibt – sogar im Hip Hop. Aber es geht ja darüber hinaus. Es geht nicht nur um den Auftritt, das Songwriting oder das Image – es geht um den Künstler und da denke ich, gibt es überall richtig gute Leute. Ich glaube, ich finde in jedem Genre für mich mindestens einen guten Song. Obwohl...ich glaube, ich bin kein großer Reggae-Fan (lacht).

Enrico:
Was war die größte Herausforderung für „Poetry For The Poisoned“?

Roy:
Das schwierigste war sicherlich, verschiedene Prozesse gleichzeitig ablaufen zu lassen. Wir haben ein neues Label gesucht, gleichzeitig an den Songs geschrieben und waren ständig auf Tour. Unser Produzent Sascha war darüber hinaus noch mit EPICA, RHAPSODY OF FIRE und AVANTASIA beschäftigt. Das war teilweise ganz schön chaotisch, hat das Resultat bzw. die Produktion nicht beeinträchtigt.

Enrico:
Ihr habt viele Festivals gespielt – darunter auch Wacken und Rock am Ring. Dort hat Sascha mit euch auf der Bühne gestanden. War es das erste Mal, dass er mit euch live gespielt hat?

Roy:
Oh ja. Das war eine ganz besondere Show. Sean konnte aus familiären Gründen nicht und Sascha bot es uns an. Er kann eigentlich alles spielen und daher schien es uns eine gute Idee zu sein.

Enrico:
Da du vorhin meintest, dass du eigentlich alle Genres magst und beim Rock am Ring ja nicht nur Metal spielt. Was hast du dir angeschaut?

Roy:
Da muss ich überlegen...mmh...das war HALESTORM, KISS, ein bisschen JAY-Z. Ein bisschen Hip Hop geht schon (lacht).

Enrico:
Ihr habt bei der vergangenen Tour bereits auf das neue Album gesteuert und einige neue Songs gespielt. Warum macht ihr das?

Roy:
Wir haben das auch schon bei den beiden vorherigen Alben so gemacht um die Fans ein wenig einzustimmen. Doch diesmal waren die Reaktionen darauf richtig toll. Normalerweise stehen die Fans nur herum und versuchen, den Song zu begreifen. Dieses Mal gingen sie richtig ab.

Enrico:
Was würdet ihr machen, wenn ihr merkt, dass der neue Song live nicht ankommt?

Roy:
Gute Frage – aber ich glaube, dass er dennoch auf dem Album funktionieren kann. Aber im Falle von 'The Great Pandemonium' brauchten wir uns nie Sorgen machen. Wir wussten, dass er den Fans gefallen würde.

Enrico:
Kommen wir noch einmal auf das Album zurück. Es fällt auf, dass dieses Mal sehr viele Gäste zu Besuch sind: Simone Simons, Gus G und sogar Jon Oliva. Gab es einen bestimmten Grund?

Roy:
Das weibliche Element gab es bei uns ja schon immer. Simone singt so toll und ihre Stimme wird über die Jahre immer ausdrucksstärker. Es wäre verrückt gewesen, sie nicht zu fragen (lacht). Bei 'The Zodiac' hatten wir irgendwann das Gefühl, dass einige Zeilen nicht von mir gesungen werden sollten. Jon Olivas Stimme ist einfach großartig.

Enrico:
Der Song basiert sicherlich auf den Fall und den Film "Zodiac"?

Roy:
Ja – aber ich denke, dass es da diverse Filme gibt, oder? Letztens habe ich mir einen gekauft. Keine Ahnung, welcher das ist.

Enrico:
Hoffentlich jener mit Rober Downey Jr – ein toller Film.

Roy:
Gut möglich! Und jetzt einen neuen Kaffee...

Redakteur:
Enrico Ahlig

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