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KEKAL: Interview mit Jeff Arwadi

30.04.2007 | 11:32

Die musikalische Wandlung und die Produktion eines Konzeptalbums waren die Hauptgründe für eine neue Fragerunde mit Jeff Arwadi. Natürlich gibt es noch weitere Auskünfte über KEKAL und wem diese nicht ausreichen, der findet sicher auf ihren Internetplattformen weitere Informationen:
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Offizielles KEKAL-Forum


Stefan:
Wie kam es dazu, dass ihr bei der deutschen Firma Whirlwind Records gelandet seid?

Jeff:
Es gab sieben verschiedene Plattenfirmen, die unser neues Album "The Habit Of Fire" lizenzieren wollten. Als Band stehen wir bei Whirlwind nicht unter Vertrag, sondern nur mit dem neuen Album. Das bedeutet, dass Whirlwind die Scheibe veröffentlichen und in Europa und Südamerika verbreiten werden. KEKAL stand nie irgendwo unter Vertrag, wir sind eine eigenständige Band von Anfang an und wir finanzieren alle Produktionskosten selbst. Wir geben jedoch die Lizenzen unserer Alben an Firmen weiter, anstatt sie selbst herauszubringen.

Stefan:
Warum hat es länger gedauert als geplant, bis "The Habit Of Fire" veröffentlicht wurde?

Jeff:
Die Vertragsverhandlungen mit den Plattenfirmen haben über acht Monate gedauert. Fear Dark zeigten kein großes Interesse am neuen Material, weil sie dachten, dass es schwierig sei, die neue CD an ihr Metal-Publikum zu bringen. Also haben wir angefangen, mit anderen Firmen zu reden und wir mussten die richtigen auswählen, denn "The Habit Of Fire" ist stilistisch anders ausgefallen, als die bisherigen KEKAL-Werke. Wir mussten uns also vergewissern, dass die Firma sich auch dafür interessiert und eine breitere stilistische Masse anbietet.

Stefan:
Ich denke, dass "The Habit Of Fire" das erste Konzeptalbum von KEKAL ist. War dieses Konzept schon lange geplant? Warum ein Konzeptalbum, waren die Texte diesmal wichtiger als sonst?

Jeff:
Es war ganz natürlich. Einige der Lieder sind bereits nach dem "1000 Thoughts Of Violence"-Album geschrieben worden. Somit ist es eine Weiterführung dieser CD.

Stefan:
Ich habe die interessanten Texte gelesen (sie stehen alle auf der offiziellen KEKAL-Homepage). Sie handeln beispielsweise von den Sklaven der modernen Welt oder von Isolation und Diktatur. Das sind eher traurige Themen, aber am Ende gibt es auch Hoffnung. Bist du eine Art Hobby-Philosoph oder wie ist die Idee zu diesen Texten entstanden?

Jeff:
Nun, unsere Texte handeln genau davon, was um uns herum passiert. Das meiste davon erleben wir möglicherweise selbst oder wir verbinden es mit uns selbst. Musik ist für mich ein Ausdruck, also geben die Texte das wieder - sie sind Teil meines Ausdrucks. Jeder drückt sich anders aus und das ist auch bei jedem einmalig. In diesem Fall drücke ich mich durch die philosophischen Texte aus und auch irgendwie durch die experimentelle Musik. Andere Leute bringen beispielsweise super bösartige Texte hervor, die jede Menge Kraftausdrücke enthalten, wiederum andere bringen gar keine Texte hervor...

Stefan:
Wirst du auch in Zukunft Texte nach diesem Konzept verfassen oder ist die Geschichte von "The Habit Of Fire" erzählt? Hast du schon andere Ideen?

Jeff:
Die Geschichte von "The Habit Of Fire" ist mit der CD beendet. Möglicherweise gibt es in Zukunft ein weiteres Konzeptalbum, jedoch mit einem anderen Thema.

Stefan:
Warum sind die Texte von 'Saat Kemarau' in Indonesisch und gibt es dafür eine Übersetzung?

Jeff:
Es hat einfach gepasst mit dem Indonesischen und es gibt dafür keine Übersetzung. Die Dichtung würde an Bedeutung verlieren, wenn sie übersetzt werden würde und 'Saat Kemarau' ist mehr ein Gedicht als ein Aufsatz.

Stefan:
Die Musik auf dem neuen Album ist eher in seichten Gewässern, hat der Umzug nach Kanada dabei eine Rolle gespielt? Die Musik ist nicht mehr so aggressiv und heavy als sonst und die extremen Momente sind nahezu verschwunden. Ihr habt jedoch nichts von eurer Eigenständigkeit verloren, was sehr gut ist. Hattest du die Schnauze voll von dem Extremen und wird KEKAL auch zukünftig so klingen wie auf "The Habit Of Fire"?

Jeff:
Der Umzug hat mich nicht beeinflusst, denn das Album war bereits zuvor geschrieben worden. Für mich hat "extreme" Musik eine andere Bedeutung. Als ich in den 80ern mit Bands wie BATHORY oder HELLHAMMER/CELTIC FROST groß geworden bin, wurde dieser Death/Thrash-Metal-Stil als extrem beschrieben, weil es nur wenige Bands gab, die ihn spielten. Wenn du mich jetzt fragen würdest, gibt es Tausende solcher Bands und ich sehe das Extreme daran nicht mehr. Verstehst du, was ich meine? Für mich waren nie Blastbeats extrem oder Grunzgesang und total verzerrte Gitarren. Extrem hat etwas mit Statistik zu tun, am Rande der Normalkurve zu stehen, das ist extrem. Wir sind nicht mehr so brutal und schnell, als vor zehn Jahren, aber wir sind heute extremer als damals. Nimm dir 1000 Samples von zufälligen Metalbands und füge sie zusammen, basierend auf ihrem Stil - dann wirst du ein paar finden, die extrem klingen und darunter bewegen wir uns.

Stefan:
Denkst du, dass ihr mit diesem Stil erfolgreicher sein werdet und wie sind die Rückmeldungen zu "The Habit Of Fire" bisher ausgefallen?

Jeff:
Wir definieren Erfolg nie anhand von Verkaufszahlen. Denn dann würden wir Emo Rock spielen und wir hätten größere Chancen, eine Hölle von CDs zu verkaufen. Aber Musik ist ein Ausdruck für uns und das reflektiert das neue Album. Natürlich wird es in den kommenden Wochen eine Menge Berichte geben. Bisher haben wir einige Emails von Leuten erhalten, die die CD schon haben und diese Leute lieben die CD noch mehr als das, was wir bisher veröffentlicht haben. Außerdem habe ich die Kommentare auf unserer MySpace-Seite und im Forum gelesen und die waren sehr positiv.

Stefan:
Wir zufrieden bist du persönlich mit der CD und welchen Stellenwert nimmt sie für dich ein, wenn du dir die gesamten KEKAL-Werke betrachtest?

Jeff:
"The Habit Of Fire" ist mein persönlicher Favorit, gefolgt von "1000 Thoughts Of Violence", dann "Acidity" und so weiter. "Embrace The Dead" mag ich davon am wenigsten, weil es am wenigsten nach KEKAL klingt. Aber es ist dennoch ein gutes Album, wir haben viel daran gearbeitet und viele Leute lieben es.

Stefan:
Was sind deine Lieblingslieder von KEKAL?

Jeff:
Ich habe keine Lieblingslieder, ich sehe stets das Album als Ganzes.

Stefan:
Ich mag immer die Gitarren von KEKAL, es gibt da eine Menge Abwechslung. Wie entscheidet ihr, ob du oder Leo ein Solo spielt und wer spielt mehr Lead Gitarre?

Jeff:
Auf "The Habit Of Fire" habe ich die meisten Soli gespielt.

Stefan:
Außerdem hat mich immer der Sound von manchen Soli an Bruce Franklin von TROUBLE erinnert. Ist das eher Zufall, oder kannst du das nachvollziehen?

Jeff:
Ich bin nicht wirklich ein Fan von Bruce Franklin. Ich bin ein Fan von TROUBLE mit Rick Wartell und Bruce zusammen als Einheit. Für das Gitarrenspiel an sich würde ich sagen, dass ich eher nach Dave Murray von IRON MAIDEN klingen würde. Ich mag die Art, wie Dave Soli spielt und sein Gitarrensound ist verblüffend - ich spiele nur nicht gern auf einer Fender Strat.

Stefan:
Wird KEKAL auch in Zukunft als eine Band bestehen, deren Mitglieder auf zwei Kontinenten beheimatet sind oder ist es schwierig unter diesen Voraussetzungen zu arbeiten?

Jeff:
Wir werden weiterhin bestehen. KEKAL ist nicht von Mitgliedern gegründet worden, sondern mit der Leidenschaft zur Musik. Das hat uns zusammengebracht und darum schreiben wir weiterhin neue Lieder und veröffentlichen Alben.

Stefan:
Ich denke, dass die neue KEKAL-CD etwas in die Richtung von ALTERA ENIGMA geht (deiner anderen Band). Kann es sein, dass dich die Arbeit mit ALTERA ENIGMA beeinflusst hat?

Jeff:
Ich weiß nicht genau - vielleicht, vielleicht auch nicht...

Stefan:
Wie steht's um ALTERA ENIGMA? Ihr habt jetzt einen Schlagzeuger (Jayson Sherlock, der bereits bei MORTIFICATION und PARAMAECIUM gespielt hat) und ich denke, ihr arbeitet an neuem Material, oder? Ist es das erste Mal, dass du mit einem menschlichen Drummer arbeitest?

Jeff:
Da solltest du Jason DeRon befragen, er ist derjenige, der sich am meisten um ALTERA ENIGMA kümmert. Ich weiß nicht genau, was der neueste Stand ist. Wir sind alle sehr mit unseren eigenen Dingen beschäftigt und beide, Jayson (Sherlock) und Jason (DeRon) arbeiten an ihrer Hauptband INEXORDIUM. Aber es stimmt, dass Jayson nun auch bei ALTERA ENIGMA spielt. Es ist aber nicht das erste Mal, dass ich mit einem echten Schlagzeuger arbeite. Meine erste Band hatte einen Menschen am Schlagzeug und ich habe auch mit einem Schlagzeuger zwischen 1989 und 1994 vier oder fünf Jahre lang gejammt und Lieder geschrieben. KEKAL hat auch Momente, die von echten Schlagzeugern eingespielt worden sind und als Produzent arbeite ich ebenfalls mit Schlagzeugern zusammen.

Stefan:
Welche Pläne hast du noch und ist es eher wahrscheinlich, dass wir ein KEKAL-Konzert besuchen können oder eins von ALTERA ENIGMA (die haben immerhin jetzt einen Drummer)?

Jeff:
KEKAL spielen womöglich ein paar Konzerte in Zukunft, aber ich denke nicht, dass es eine Tour für "The Habit Of Fire" geben wird. ALTERA ENIGMA spielen vielleicht Konzerte in Australien, aber ohne mich und das hängt dann von ihnen ab.

Stefan:
Vielen Dank für die Antworten!

Redakteur:
Stefan Lang

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