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LIZZARD: Interview mit der Band

12.03.2018 | 20:51

Musik wird mit dem Herzen gehört! Entsprechend emotional verhält es sich auch mit dem neuen LIZZARD-Album "Shift", das ich an dieser Stelle jedem nur wärmstens empfehlen kann. Darum ist es mir eine sehr große Freude, Will, Kary und Mat zu einem wundervollen Gespräch begrüßen zu dürfen.

Freunde, wie ist die Lage?

Will: Momentan könnte sie nicht besser sein, vielen Dank. Gerade sind wir von einer einmonatigen Tour durch Europa zurück, sie war großartig, aber wir sind auch müde. Wir sind also im Wiederherstellungsmodus und freuen uns auf die nächste Tour.

Kary: Ja, definitiv müde, aber glücklich.

Die letzte Platte hat nun drei Jahre auf dem Buckel. Was ist in dieser Zeit passiert?

Will: Als "Majestic" herauskam, waren wir sehr lange und ausgiebig auf Tour. Das fing alles mit einer Handvoll Shows an der Westküste der USA an, bevor es für zwei Tourneen mit SOEN wieder zurück nach Europa ging. Danach supporteten wir ADRIAN BELEW und letztendlich folgte unsere eigene Headliner-Tour. Gesamt kamen wir auf knapp 100 Shows für "Majestic". Als das dann vorbei war, ging es an die neuen Songs, was knapp ein Jahr in Anspruch nahm - friss oder stirb!

"Shift", eure neue Platte, ist eine sehr emotionale, kraftvolle und mehrdimensionale Scheibe. Mit welchem Ziel seid ihr an die Arbeiten herangegangen?

Katy: Wir wollten damals die Kreativität der Band auf eine neue Stufe stellen und tiefer in das vordringen, was wir vorher berührt haben, nur aus einem anderen Blickwinkel. Mat wollte zudem seine Gitarrenarbeit anders anpacken. Wir möchten unserer Kreativität keinerlei Grenzen setzen. Dadurch wirkt alles noch aufregender und bringt uns an Orte, an denen wir vorher noch nie waren. All das führte dazu, dass das Album das dynamischste und klanglich überraschendste Werk ist, was wir jemals veröffentlicht haben.

Will: Aus meiner persönlichen Sicht, wenn wir überhaupt ein Ziel hatten, dann das, dass wir eigentlich immer Songs schreiben möchten, die uns mit der Zeit auch nicht langweilen, sowie dass wir es vermeiden möchten, die gleichen wie zuvor abzuliefern.

Und worin liegen eurer Meinung nach dann die musikalischen Unterschiede zwischen "Shift" und "Majestic"?

Will: Auf "Majestic" erkennt man deutlich unsere Wurzeln dank des rauen Sounds. Die Songs schrien damals einfach nach solch einer Produktion. Zudem sind die Songs aktuell auch wesentlich durchdachter und weniger spontan.

Katy: "Shift" ist aus einer groovenden und harmonischeren Sicht komplexer. Und wir sind in Sachen Songwriting einfach einen Schritt weitergegangen.

Mat: Für mich fühlt sich alles wesentlich genauer an, wenn wir einmal den Blick auf unsere letzten Veröffentlichungen wagen. Während den Arbeiten hatten wir viel mehr unseren Blick auf das emotionale Element und das "Wie" und hatten dabei natürlich eine Menge Spaß. Und hinsichtlich der Produktion gilt unser Dank Peter Junge und Cedric Soubrand, und was die beiden aus der Musik gemacht haben. Der Workflow zwischen uns war unglaublich, Peter hat genau verstanden, wo wir mit unserem Album hinmöchten und hat auch dementsprechend den Mix konzipiert. Aber auch mit dem Mastering, für das Maor Appelbaum zuständig war, sind wir hochzufrieden. Bei "Majestic" haben wir eher diese "Mal gucken, was dann passiert"-Mentalität gehabt und dafür liebe ich das Album auch. Aber an "Shift" sind wir anders herangetreten und gerade das macht eben den Reiz aus. Doch das ist eine andere Geschichte.

Kommen wir einmal zu den Parallelen zwischen Artwork und Musik...

Will: Auf diesem Album haben wir es tatsächlich konzeptionell mit einer "Verschiebung" zu tun, also wollten wir dies auch im Artwork zum Ausdruck bringen. Wir hatten natürlich verschiedene Ideen, wie wir dies am besten gestalten und arbeiteten mit einem Künstler aus Paris namens Jerome Oudot Trez zusammen. Ich denke, er hat die visuelle Version dieses musikalischen Konzeptes sehr gut hinbekommen.

Mat: Das ganze Bild ist eine großartige Repräsentation des Inhalts: die Stimmung, der Ton, die Komplexität und natürlich auch die Rohheit, die dieses Album auszeichnet.

Und was genau steckt hinter dieser "Verschiebung"?

Katy: Das ganze Album dreht sich um Evolution und den Wandel, in guter wie auch in negativer Hinsicht. Und eine "Verschiebung" ist es dahingehend, dass man alle Dinge auch aus anderen Perspektiven sehen und seine Denkweise verändern sollte, um sich selbst in eine positivere Situation zu bringen.

Mat: Der Song 'Singularity' zum Beispiel porträtiert die äußere Reise auf der Suche nach der wahren Natur, nur um zu erkennen, dass sie schon immer in uns war: Dann findet die Verschiebung statt.

Ich denke, es ist ziemlich schwierig, ein spezifisches Genre für eure Musik zu finden. Könnt ihr mir da helfen?

Will: Wir selbst mögen es nicht besonders, unsere Musik und irgendeine andere Musik zu kategorisieren, da dies immer die Art und Weise der Menschen beeinflusst, wie sie an unsere Werke herantreten. Aber natürlich ist dies notwendig, um ihnen einen kleinen Vorgeschmack von dem zu geben, was sie erwartet. Es gibt ein paar schon bestehende Genres, die wir bewusst einfließen lassen, wie beispielsweise Art Rock oder Art Metal, da wir uns irgendwo zwischen beiden Schnittmengen befinden. Aber kein einzelnes Genre kann unsere Musik alleine abdecken.

Mat: Wenn wir ein wenig tiefer graben, ist Musik nur ein anderer Weg, Emotionen auszudrücken und zu transportieren. Ich würde sagen, dass man unsere Musik einfach hören sollte, um einen Eindruck von dem zu bekommen, was einen erwartet. Denn nur dann kann ein Zuhörer entscheiden, ob er sich auf diese beziehen möchte, wenn er das Bedürfnis dazu hat. Wenn man die Größe, Form und Farbe einer Schachtel kennt, weiß man schließlich auch noch nicht, was drin ist und wie es sich anfühlt.

Liebe Freunde, ich finde, das ist ein wundervoller Schluss eines tollen Interviews. Vielen lieben Dank auch an dieser Stelle und nur das Beste mit diesem tollen Album namens "Shift".

Redakteur:
Marcel Rapp

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