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LONG DISTANCE CALLING: Interview mit Janosch

20.05.2010 | 16:09

Es gibt Neuigkeiten im Hause LONG DISTANCE CALLING. Und zwar ausreichend viele, um beim Gig im Vorprogramm von KATATONIA Schlagzeuger Janosch vors Aufnahmegerät zu zerren. Hier also Updates zum kommendem Album und die Wahrheit über den Split von MISERY SPEAKS.

Nachdem "Avoid The Light" ein großartiges Werk war, wird die neue Platte natürlich sehnlichst erwartet. Janosch gibt schon mal erste Eindrücke: "Ja, wir haben während und zwischen den Touren schon fleißig Songs geschrieben und sind jetzt so weit, dass wir im September ins Studio gehen können. Die Platte wird dann wohl Anfang 2011 erscheinen." Auch die Richtung kann der Schlagwerker schon grob vorgeben. "Es wird wohl noch weniger typisch für Post Rock, stattdessen wird es wohl etwas rockiger und zu gleichen Teilen etwas 70er-lastig und etwas moderner mit elektronischen Elementen. Aber zu weit ins Detail kann ich noch nicht gehen, so weit sind wir noch nicht. Die ersten Stücke sind auf jeden Fall dynamischer, kompakter und straighter." Das klingt auf jeden Fall schon sehr vielversprechend. Auch die Live-Premiere hat zumindest eine Nummer schon hinter sich, wie Janosch erzählt: "Ja, wir haben einen Song schon auf der letzten Tour ausprobiert. Die sind auch schon wirklich gut angekommen. Und wenn wir von dieser Tour kommen, werden wir dann gleich weiter an dem Album arbeiten."

Auf dem neuen Werk soll natürlich auch wieder bei einem Song ein Gastsänger mit an Bord sein. Wer das sein wird, ist allerdings noch unklar. "Ja, einen Song mit Vocals wird es definitiv geben. Wir haben aber auch ein paar Namen auf dem Zettel, wovon einige wahrscheinlich komplett utopisch und größenwahnsinnig sind, aber von den sieben oder acht Namen, die wir da haben, sagt dann vielleicht doch noch einer ja." Wer auf dem Zettel steht, behält Janosch aber lieber noch für sich. "Ach, wenn ich jetzt hier jemanden nenne, halten uns die Leute entweder für verrückt oder nehmen das gleich für bare Münze." Da müssen sich die Fans also noch etwas gedulden.

Die zum Zeitpunkt des Interviews laufende Tour hingegen kann als voller Erfolg verbucht werden. "Ja, die Tour läuft wirklich super. Wir kommen bei wirklich jedem Gig in ganz Europa hervorragend an und verkaufen auch sehr viel mehr Shirts und CDs, als wir vorher gedacht haben. Gerade die Shows in Polen waren unglaublich. Da haben die Leute fünf Minuten lang nach Zugaben gerufen. Und das bei der ersten Band des Abends." Dabei ging die Band mit der Tour ein ziemliches Risiko. "Es ist ja nicht mehr so, dass das Label uns 15.000 Euro für die Tour gibt und uns dann auf die Straße schickt. Es war viel mehr so, dass sie uns gewarnt haben, dass das ganz schön kostspielig werden könnte und sie es überhaupt nicht von uns erwarten. Aber es hat sich definitiv für uns gelohnt. Auch wenn wir jetzt natürlich nicht nach den fünf Wochen auf Tour dann fünf Monate Urlaub machen können, wie sich das manche Leute so vorstellen." Stattdessen ist Arbeit angesagt. "Meine Brötchen verdiene ich mir mit einem Teilzeitjob bei einem Stromanbieter", lacht Janosch. Der ist immerhin so flexibel, dass die Musik im Vordergrund stehen kann. "Ja, die Band ist bei uns allen mittlerweile das Wichtigste. Keiner geht mehr voll arbeiten und wir arbeiten hart daran, die Band nach vorne zu bringen." Die nächsten kleinen Etappen hat man auch schon auf dem Schirm. "Es wäre natürlich ein Traum, mal aus Europa raus zu kommen und in den Staaten zu spielen. Und eine echte Europa-Headlinertour wäre natürlich auch super."


Weniger super fanden die Fans hingegen den Split von MISERY SPEAKS, bei denen Janosch ja auch die Felle bearbeitete. LONG DISTANCE CALLING waren allerdings entgegen der Annahme vieler nicht der Grund für deren Ende. "Nein, mit LONG DISTANCE CALLING hatte das nichts zu tun. Es war eher so, als dass uns die Leute drumherum auf den Nerv gingen. Wir steckten in dieser Schublade Metalcore, in der wir eigentlich nix zu suchen hatten und sind da nicht mehr rausgekommen. Unsere letzte Platte "Disciples Of Doom" war wirklich cool. Sehr rock'n'rollig, etwas Death Metal, aber die wurden von diesen Leuten überhaupt nicht mehr akzeptiert. Und die Leute, die sie hätte erreichen sollen, hat sie überhaupt nicht erreicht." Ein Umstand, den LONG DISTANCE CALLING durchaus bewusst vermieden haben. "Wir haben uns mit LONG DISTANCE CALLING nie auf irgendeine Szene festgelegt und auch versucht zu vermeiden, nur mit so Post-Rock-Bands auf Tour zu gehen und haben bei den Gigs mit DREDG, OPETH oder jetzt KATATONIA auch bewusst andere Zielgruppen zu gewinnen versucht. Wenn wir beim nächsten Album also etwas anders klingen, ist es nicht so, dass die Platte dann bei unseren alten Fans nicht mehr ankommt, da diese einfach aus vielen verschiedenen Gruppen kommt. Und am tollsten ist es immer, wenn Männer ankommen, die auch meine Väter sein könnten und sich freuen, dass sie eine Band entdeckt haben." 50-jährige Väter gibt es genügend. Kommerzielles Potenzial ist also da. Das lässt rosige Zukunftsaussichten zu.

Redakteur:
Peter Kubaschk
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