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LORDI: Interview mit Lordi

01.01.1970 | 01:00

"The Monsterican Dream", der zweite Output der finnischen Monsterrocker LORDI, erblickt in wenigen Tagen das Licht der Welt. Wiederum besinnen sich die Wesen der Nacht auf ihre Stärken und zünden ein Sammelsurium an starken Heavy-Rock-Riffs. Durch ihr Image bleibt die Band jedoch ein kleines Mysterium, dessen Geheimnis gehütet wird wie die Büchse der Pandora. Grund genug für mich, in die düsteren Untiefen der finnischen Wälder einzutauchen, um LORDI persönlich, dem Herrscher aller Monster, einige Statements zum neuen Album zu entlocken.

Alex Straka:
Hi Lordi, tut mir leid, dass ich dir mit diesem Interview auf die Nerven gehe. Ich hoffe du bist nicht sauer. Ich möchte dir nämlich nicht nachts begegnen, wenn du schlechte Laune hast.

Lordi:
Gut, dass du deine Situation realistisch einschätzen kannst. Aber nachts kann ich auch sehr süß sein.

Alex Straka:
Euer neues Album "The Monsterican Dream" wird am 01.06.2004 europaweit veröffentlicht. Was erwartest du von der Metalschar und eurem Label?

Lordi:
Na ja, es ist immer komisch, irgendetwas Anderes von jemandem zu erwarten, als von dir selbst. Wenn du starke Erwartungen an etwas hast, fängst du zwangsläufig an, sie wie Versprechungen zu sehen, die natürlich niemand anderes als du selbst gemacht hast. Von diesem Punkt an ist es durchaus möglich, dass du bitter enttäuscht wirst, wenn etwas anderes herauskommt. Also versuchen wir, nichts zu erwarten und realistisch zu sein. Wir wollen einfach sehen, wohin der Weg uns führt und was unser nächster Halt mit sich bringt. Wir selbst sind sehr zufrieden mit dem neuen Album. Wir hoffen aber selbstverständlich, dass die Leute das Album mögen und es gut läuft.

Alex Straka:
Euer erstes Album "Get Heavy", war ein großer Erfolg gewesen und etablierte euch in der Metalszene rund um den Globus. LORDI ist aber alles andere als ein Newcomeract. ihr seid sozusagen schon elder statesmen des Heavy Rock, da die Band schon ziemlich lange existiert.

Lordi:
Das erste Demo unter dem LORDI-Banner wurde 1992 veröffentlicht. Das Make-up kam 1994 hinzu, wir sehen seit 1997 so aus, wie wir uns jetzt präsentieren und das jetzige Line-up ist seit 1999 stabil. Wir hatten aber über eine Dekade lang Probleme an einen Deal zu kommen. 2002 erst, zehn Jahre nach dem ersten Demo, sollte es soweit sein.

Alex Straka:
"The Monsterican Dream" ist um einiges heavier ausgefallen als euer Debüt. Habt ihr das im Songwritingprozess geplant?

Lordi:
Ich denke, dass die heaviness in erster Linie durch die Produktion kommt. Wir wussten von dem Moment an, als Hiili Hilesmaa als Produzent ins Spiel kam, dass "The Monsterican Dream" heavier ausfallen wird als "Get Heavy". Songwriting-technisch sind wir auf der selben Linie wie seinerzeit bei "Get Heavy". Manches Riff mag zwar durchaus etwas heftiger sein, aber letzten Endes liegt es, denke ich, an der Produktion. Kurzum: Nein, wir haben nicht versucht, heaviere Songs zu schreiben. Wir schreiben das, was wir immer schreiben.

Alex Straka:
Erzähl mir etwas über die Lyrics auf "The Monsterican Dream". Schreibst du ausschließlich phantastische Lyrik oder fußen bestimmte Texte auch in der Realität?

Lordi:
Schnell und leicht beantwortet: Es ist von vorne bis hinten reine Phantasie. Es sind einfach finstere Geschichten, eine Sammlung verschiedener kleiner Horrorstorys.

Alex Straka:
Das Video der "Get Heavy"-Single 'Would You Love A Monsterman', war extrem professionell. Der Clip zu 'Blood Red Sandman' ist hingegen wirklich sensationell. Er sieht verdammt teuer aus. War er es?

Lordi:
Ich glaube, 'Would You Love A Monsterman' war teurer. Wir sind in der denkbar besten Position, wenn es darum geht, teuer aussehende Videos zu drehen, weil wir jederzeit die selbe Crew rekrutieren können. Die absolut besten Leute in Finnland. Der Director Pete Riski ist, seit wir kleine Bengel waren, einer meiner besten Freunde.

Alex Straka:
Ich denke, du bist ein riesiger Splatterfreak. Was sind deine Lieblingsfilme im Bereich des extremen Horrors?

Lordi:
Zunächst mal, ja ich bin ein großer Splatterfan. Mein Lieblings-Horrorstreifen ist "Evil Dead II", aber "Nightmare On Elm Street", "Hellraiser" und Konsorten kommen direkt dahinter. Ich mag sehr das "Texas Chainsaw Massacre"-Remake. Außerdem finde ich die US-Version von "The Ring" sehr gelungen. Und so könnte ich jetzt stundenlang weiter aufzählen.

Alex Straka:
"The Monsterican Dream" wird mit einer Bonus-DVD veröffentlicht werden, die einen Kurzfilm beinhalten wird. Einen Splatterfilm mit den Bandmitgliedern als Hauptdarstellern. Zur Zeit wird das Teil noch von der FSK getestet, um eine Altersfreigabe zu bekommen. Ich konnte den Film deshalb leider noch nicht sehen. Kannst du mir etwas zur Story des Films, zur Entstehung und zu den Spezialeffekten erzählen?

Lordi:
Es ist ein 30-Minuten-Kurzfilm, kein wirklicher Splatter und die Band kommt auch nur sehr kurz darin vor. Es ist ein sehr surrealistischer Streifen geworden, eine richtig harte Nuss, die es zu knacken gilt. Es ist daher sehr schwer, die Story zu erklären. Du wirst verstehen, was ich meine, wenn du den Streifen siehst. Er ist wahrscheinlich das komplette Gegenteil von dem, was du erwartest.
Die Spezialeffekte waren mein Leben, bevor die Band einen Deal ergattern konnte. Bei unseren Dreharbeiten zu "The Kin" gab es am Set jede Menge Goresequenzen, ein richtiger LORDI-FX-Streifen, oder eben ein LORDI-Splattermovie ist jedoch noch nicht gedreht worden. Vielleicht irgendwann mal.

Alex Straka:
Sind alle Spezialeffekte von dir?

Lordi:
Ja, ausgenommen die der 3-D-Effekte.

Alex Straka:
Wer war alles in die Dreharbeiten von "The Kin" involviert?

Lordi:
Insgesamt waren zwischen sechzig und siebzig Personen involviert. Genauso verhält es sich bei den Video-Clips. Ich möchte aber unseren Director Lauri Haukkamaa beim Namen nennen, der mit uns zurzeit noch einen Clip abdreht.

Alex Straka:
Ist es richtig, dass du FX-Technik studiert oder gelernt hast? Du bist zumindest ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Spezialeffekte. Wie viel Zeit vergeht, bist du dich von einem normalen Menschen in Lordi, den Herrscher aller Monster verwandelt hast?

Lordi:
Es dauert zwei Stunden, um die Gesichtsmaske anzulegen und dann noch mal dreißig Minuten für das Kostüm. Um wieder aus selbigem rauszukommen, benötige ich fünf Minuten. Ich brauche aber eine geschlagene Stunde, um mein Gesicht zu reinigen.

Alex Straka:
Wie viel Gewicht schleppst du auf den Gigs mit dir herum?

Lordi:
Ich weiß jetzt nicht, ob du die Kostüme oder die Bühnenutensilien meinst. Die Kostüme wiegen um die zehn Kilogramm, abhängig vom jeweiligen Charakter. Die Bühnenutensilien sind wiederum abhängig vom Austragungsort. Es wird umso schwerer, wenn wir auf einer großen Bühne viel davon mobilisieren können.

Alex Straka:
Was denkst du, wie viel Wasser du an Schweiß pro Show verlierst?

Lordi:
Keine Ahnung, aber sicherlich eine Menge. Ich fragte vor kurzem unsere Bühnenhelfer, wie viel Flüssigkeit ich an einem Abend in mich reinschütte und war doch relativ überrascht, als sie mir sechs Liter antworteten. Und ich muss nach der Show noch nicht einmal pinkeln gehen.

Alex Straka:
LORDI ist eine melodische Mischung alter Heavy-Rock-Ikonen wie ALICE COOPER, WASP, KISS und TWISTED SISTER. Hab ich deinen Geschmack getroffen oder magst du auch härtere Genres?

Lordi:
Nein, du hast meine Idole zu hundert Prozent getroffen. Einzig UDO musst du noch dazu addieren. Ich persönlich mag keinen härteren Stoff. Ich kann noch ganz gut mit RAMMSTEIN, JUDAS PRIEST oder ROB ZOMBIE. Jenseits dieses Härtegrades ist aber alles Krach in meinen Ohren. Enary beispielsweise liebt auch Black und Death Metal. Sie hat mit Abstand den heftigsten Geschmack in der Band.

Alex Straka:
Zurück zu den Alben. "Get Heavy" wurde von IRON MAIDEN-Produzent Kevin Shirley betreut. Warum ist eure Wahl dieses mal auf Hiili Hilesmaa gefallen?

Lordi:
Eigentlich war Hiili auch für "Get Heavy" unsere erste Wahl. Aber die Verpflichtungen machten eine Zusammenarbeit zur damaligen Zeit nicht möglich. Jetzt bekamen wir aber, was wir wollten und wir mögen den Sound von "The Monsterican Dream" sehr. Wir werden auch in Zukunft mit Hiili arbeiten, da wir bis ins Letzte auf der selben Wellenlänge liegen.

Alex Straka:
Die Keyboards haben auf der neuen Scheibe einen größeren und dunkleren Einfluss. War das von Beginn an geplant?

Lordi:
Ja und nein. Hiili spielt selbst Keyboard und ist ein kleiner Loop-Magier. Es war also logisch, solche Feinheiten auch auf einem LORDI-Output zu platzieren. Anders Kevin Shirley, der den Standpunkt vertrat, dass die Keyboards oder sonstige Maschinen die Massage von "Get Heavy" nicht bereichern können. Aber eigentlich waren die Keyboards schon immer da. Sie waren lediglich weiter in den Hintergrund gemischt.

Alex Straka:
Das meiste Material von "Get Heavy" stammt songwriterisch von dir. Hatten deine Bandmitglieder auf "The Monsterican Dream" mehr Einfluss?

Lordi:
"Get Heavy" war einzig und allein mein Baby. Bei "The Monsterican Dream" hat ein Rad ins andere gegriffen. Jedes Bandmitglied hat seine Songs auf dem Album. Es war zwar so nicht geplant, es ist aber wunderbar, dass es natürlich passierte.

Alex Straka:
Was denkst du über die finnische Metalszene? Es scheint, als gebe es unter jedem Stein einen neuen Superact.

Lordi:
Hahaahaa, da gebe ich dir recht. Und es gibt eine Menge Steine, unter die noch gar keiner geschaut hat. Es gibt hier wirklich die unterschiedlichsten Stile und einen ganzen Haufen guter Bands.

Alex Straka:
Eure Shows sind knallharte Arbeit und sehr spektakulär. Wie kannst du nur unter dieser Masse Silikon singen?

Lordi:
Kein Silikon, Latexschaum. Na ja, es ist auch nicht heftiger, als einen Marathon in einem Ganzkörper-S/M-Dress zu überstehen. Es ist wie ein Spaziergang im Park.

Alex Straka:
In Finnland seid ihr Superstars. Kennt irgendjemand deinen normalen Namen und dein Aussehen, oder bleibt LORDI im Gesellschaftsleben anonym?

Lordi:
Sie kennen meinen Namen, den Tabloid Media preisgegeben haben. Aber sie kennen nicht die Namen der anderen Bandmitglieder und wissen nicht, wie wir in Wirklichkeit aussehen.

Alex Straka:
Wie sieht es im Jahr 2004 mit Touren aus. Ist etwas für Deutschland geplant?

Lordi:
Keine Ahnung, ich hoffe es.

Alex Straka:
Letzte Frage. Wo findest du deine Inspiration für die Texte, das Image und das Outfit?

Lordi:
Es ist einfach eine Kombination aus allem, was ich schon immer geliebt habe.

Alex Straka:
Ich danke dir für dieses monströse Interview. Ich hoffe doch, dass man sich auf Tour sieht. Bleib horrible und grüß mir die Jungs.

Lordi:
Dank zurück. Grüße an Deutschland, ihr rockt!

Redakteur:
Alex Straka

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