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LUNATICA: Interview mit Andrea Dätwyler

24.08.2006 | 16:18

Da die Schweizer von LUNATICA ja mit "The Edge Of Infinity" nun ihr mittlerweile drittes Album rausgebracht haben, dachte ich, da wird langsam Mal ein Interview fällig.
Punkt 19 Uhr, pünktlich wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk, klingelt dann mein Telefon, und die hörbar gut gelaunte und supernette Frontfrau Andrea ist am anderen Ende der Leitung.


Martin Schneider:
Hallo Andrea, wie geht's dir?

Andrea Dätwyler:
Mir geht's gut, danke der Nachfrage. Nur das schlechte Wetter bei uns in der Schweiz ist nervig.

Martin:
Gut, dann können wir ja jetzt mal richtig anfangen:
Am 25.08.06 erscheint euer neues Album "The Edge Of Infinity". Was wird uns denn da erwarten?

Andrea:
Ich denke, wir sind dieses Mal sehr viel abwechslungsreicher geworden als beim letzten Album. Die Produktion wird sicher die letzte schlagen, und wir haben dieses Mal modernere Sounds ausprobiert, im Vergleich zur letzten Scheibe, die ja viele symphonische Elemente enthielt.

Martin:
Ist es ein Konzeptalbum geworden?

Andrea:
Nein, das ist es nicht, es werden verschiedene Geschichten erzählt. Man könnte es aber denken, weil die 'Introduction' mit dem Song 'The Edge Of Infinity' zusammenhängt. Er ist quasi die Einleitung zum Song und so entsteht natürlich ein Bezug.

Martin:
Genau, deswegen dachte ich auch, es wäre ein Konzeptalbum, zumal ihr 'Introduction' ja extra Dieter Maier (YELLO) habt sprechen lassen.

Andrea:
Wir wollten dieses Mal etwas, das klingt wie ein Filmtrailer aus dem Kino. Wir kannten seine Stimme schon von "Pocket Universe", das ein tolles Intro hat und dann dachten wir uns, er wäre genau der Richtige, und haben uns dann sehr gefreut, dass er es dann wirklich gemacht hat.

Martin:
In dem 'Introduction' wird gefragt: "Infinity what does it mean to you?". Was bedeutet die Unendlichkeit für dich?

Andrea:
Ich habe die Unendlichkeit immer als abstrakten Begriff gesehen, der ja aus der Mathematik kommt. Und mit Mathe hatte ich es eben nie so. Wenn man sich aber überlegt, dass man es auch bildlich sehen kann, nämlich der Geist kann reisen wohin er will, hat es für mich schon eine Bedeutung: Die Gedanken sind frei und haben keine Grenzen.

Martin:
Wie sieht es bei LUNATICA mit dem Komponieren und dem Schreiben der Gesangspassagen aus?

Andrea:
Für das Songwriting war dieses Mal hauptsächlich Alex (Seiberl), unser Keyboarder zuständig. Er hat zu Hause schon relativ viel mit seinem Computer gearbeitet, und hat uns dann schon einmal ein Grundgerüst vorgelegt. Dieses haben wir dann gemeinsam ausgearbeitet. Gibt es irgendwelche besonderen Ideen, interessante Gitarrenriffs oder schon ausgearbeitete Melodien und dann hören wir uns das gemeinsam an, und jeder arbeitet dann seine eigenen Parts aus. Ich mach meistens die Gesangslinien für mich und natürlich dann zwangsläufig die Texte.

Martin:
Beim Song 'Who You Are?' hattet ihr Unterstützung des Komponistenduos Carl Falk und Sebastian Thott, die normal für Pop-Sternchen wie BRITNEY SPEARS, LINDSAY LOHAN oder WESTLIFE schreiben. Wie war die Zusammenarbeit mit ihnen, und was hat euch das bedeutet?

Andrea:
Zuerst einmal haben wir die Produktion einfach toll gefunden, und hatten auch schon Kontakt mit den Beiden. Dann haben wir sie einfach gefragt: "Würdet ihr einen Song für uns schreiben?" Das war für uns so eine Art Experiment, ob so eine unbekannte Band wie wir überhaupt einmal einen Song von denen zu hören bekommt. Sie waren aber wirklich supernett, und haben nicht darauf geschaut, wie bekannt wir sind. Sie haben uns sofort Material zur Verfügung gestellt, dass wir dann anhören konnten, um uns dann zu entscheiden, was für ein Song es sein sollte. Schlussendlich war dann aber schon so, dass sie am Ende wissen wollten, wie viele Alben wir denn dann verkauft haben. Es ist schon nicht so einfach. Aber ich denke, daher machte es uns dann auch eine besondere Freude den Song dann interpretieren zu dürfen. Es war nicht aus kommerziellen Gründen, sondern ein Geschenk an uns selbst.

Martin:
Es ist ja aber schon eine sehr poppige Nummer geworden. Denkt ihr nicht, dass sich da wohl auch neue Käuferschichten erschließen lassen?

Andrea:
Ich denke schon. 'Who You Are?' ist ja jetzt auch unsere erste Radio-Single. Unsere Plattenfirma meinte auch, wenn wir einen Song fürs Radio nehmen, dann den, weil der dann Möglichkeit bekommt bei uns im Radio zu laufen. Die metallischen Songs haben da eher weniger eine Chance. Bei uns in der Schweiz wird alles, was mit Metal zu tun hat, leider gar nicht unterstützt und gefördert, weder von den Printmedien noch von den Radios, muss ich sagen.

Martin:
Das ist ja bei uns in Deutschland auch nicht der Fall.

Andrea:
Ehrlich? Ich weiß nur, dass in Frankreich wohl extra Metal-Radios gibt. Das gibt's bei uns überhaupt nicht. Ihr habt wenigstens ab und zu deutsche Bands in den Charts.

Martin:
Ja, das schon. Die werden dann aber von den Medien einfach ignoriert.

Andrea:
Wir können aber trotzdem hinter unserem Song stehen. Er fällt nicht so aus dem Rahmen. Wenn wir das wirklich gemacht hätten wegen des Kommerzes, dann hätten wir noch etwas viel Poppigeres gemacht. So etwas finde ich dann aber unehrlich den Fans gegenüber. Die kaufen dann vielleicht extra wegen dieses Songs die Platte und alles Andere ist dann auf einmal musikalisch ganz anders. Uns wurde wirklich auch gesagt: "Den können wir so nicht spielen, der muss noch poppiger produziert werden: Gitarren noch mehr raus, und das Schlagzeug ist so wuchtig!". Da haben wir uns dann aber gewehrt. Wir sind immer noch LUNATICA und müssen dahinter stehen. Entweder ihr spielt ihn so oder gar nicht! Schlussendlich wird er jetzt so auch gespielt.

Martin:
Das Stück 'The Power Of Love' erinnert mich immer sehr an 'The Last Unicorn' von AMERICA. War das so gewollt?

Andrea:
Nein, eigentlich nicht. Mir gefällt das Lied sehr gut, und ich habe es früher sehr oft gehört. Wahrscheinlich habe ich mich da bei den Gesangslinien unbewusst beeinflussen lassen. Nachher habe ich das dann aber auch gemerkt, als ich mir es angehört habe. Aber gewollt habe ich das nicht.

Martin:
Ich habe darüber natürlich etwas recherchiert, und das ist nicht nur mir aufgefallen.

Andrea:
Es muss schon recht auffällig sein. Ich denke, es gibt mittlerweile so viel, dass es automatisch vorkommt, dass sich Melodien ähneln. Bei den ganzen Grundformen bewegst du dich halt in einem engen Rahmen. Es gibt fast jede Melodie schon einmal. Von daher ist es eigentlich ein gutes Kompliment an meinen Song.

Martin:
Des weiteren hattet ihr ja noch zwei weitere Gastsänger: John Payne (ASIA) und Oliver Hartmann (AVANTASIA). Wie konntet ihr die Beiden gewinnen, und wie sah hier die Zusammenarbeit aus?

Andrea:
Oliver kannten wir schon, weil er schon viel mit Sascha Paeth (Produzent des neuen Albums) zusammengearbeitet hat, unter anderem für EDGUY-Chöre gemacht. Er ist ein super Metal-Sänger, und da hatten wir natürlich Lust mit ihm zusammen zu arbeiten. Als wir dann Kontakt zu ihm aufgenommen haben, war sofort klar, dass er das machen würde. Er ist so nett und so zuverlässig. Es war immer alles pünktlich da, und er hat sich Mühe gegeben, das war sehr angenehm. Wir hoffen schwer, dass er, wie er gesagt hat, auf unserer Plattentaufe auch live singt. Da freuen wir uns sehr darüber. 'Emocean', der Song den Olli mitsingt, war von Anfang an als Duett mit ihm gedacht. Er ist jetzt zwar nur noch der Bonus-Track, das hat aber den Grund, dass ich das dann live auch ohne ihn singen kann.
Des weiteren sind Alex und ich große ASIA-Fans und da war es dann schon ein Traum von uns einmal etwas mit John Payne zu machen, wie jetzt bei 'Song For You'. Das ging dann überraschend leicht, wir haben eigentlich nur per e-mail kommuniziert. Wir haben ihm dann eine MP3 von unserem Song geschickt und ihn gefragt, ob er Lust hätte da mitzumachen. Wir konnten ihn leider nicht persönlich treffen, da er es in Amerika aufgenommen hat. Trotzdem ist es ein sehr schöner Song geworden.

Martin:
Kommen wir zur Produktion zurück. Ich fand, besonders das Schlagzeug ist relativ sanft produziert. Ihr klingt live aber deutlich härter, fast schon Richtung Power Metal. War die Produktion so gewollt?

Andrea:
Bei der letzten CD war der ganze Sound relativ keyboardlastig. Da waren wir mit der Produktion eigentlich sehr zufrieden, wollten aber dieses Mal die Gitarren etwas mehr im Vordergrund haben, besonders bei den schnelleren Stücken, die auch wirklich mehr nach Power Metal klingen sollten. Da sieht man dann den Unterschied zur Livesituation sehr gut.
Das haben wir Sascha dann gesagt, auch wenn die Keyboards dann etwas zurückstecken müssen. Was halt teils-teils gelungen ist. Ich bin mit der Produktion sehr zufrieden, auch wenn ein, zwei Songs seht poppig produziert sind. Da haben wir Sascha freie Hand gelassen. Speziell 'Words Unleashed' oder 'Together' drücken dann aber schon mehr.

Martin:
Wo wir gerade beim Thema live sind. Wie war eigentlich eure Tour mit MOB RULES?

Andrea:
Die war sehr gut. Schade war allerdings, dass wir nicht allzu viele Zuschauer hatten. Teilweise war's voll, teilweise hatten wir aber nur 20 Zuschauer. Aber es hat alles in allem sehr viel Spaß gemacht. Die Stimmung untereinander mit den anderen Bands war auch super. Sehr freundschaftlich. Daher haben wir auch immer noch gute Kontakte zu MOB RULES.

Martin:
Wie sieht's mit einer neuen Tour aus?

Andrea:
Wir sind am schauen, ob wir wieder als Support für eine größere Band mitgehen können. Hoffentlich wir es dann auch eine längere Tour als die letzte, die ja nur zehn Tage ging. Ich denke, dass wir dann Anfang 2007 auf Tour gehen werden.

Martin:
Kommen wir wieder zurück zum Album. Der Song 'Emocean' ist ja von der Schreibweise eine Mischung aus Emotion und Ocean. Was steckt dahinter?

Andrea:
Das war ein gewolltes Wortspiel. Das kam von unserem Gitarristen Sandro, der sagte, der Song sollte eigentlich Emotion heißen, aber weil er auch etwas mit Ocean zu tun hat, haben wir die Wörter zusammengefügt. Das ist auch eines meiner Lieblingsstücke auf der neuen Platte.

Martin:
Mit seinen fast neun Minuten ist es aber schon ein richtiges "Monster" geworden.

Andrea:
Da hast du recht, der hat uns richtig Schweiß und Tränen gekostet. Bis der so fertig war wie er jetzt ist, haben wir eineinhalb Jahre gebraucht. Er hat sehr viele verschiedene Parts drin, und spiegelt eigentlich alle Teile von LUNATICA wider. Unser Keyboarder Alex sagte: "So einen Song werde ich wahrscheinlich nie wieder hinkriegen!". Wir lassen uns da aber gerne von ihm überraschen. (lacht) Da hat er jetzt etwas Druck.

Martin:
Eure Musik wir immer sehr, sehr unterschiedlich beschrieben. Das schwankt dann zwischen solchen Konstrukten wie Athmospheric Melodic Gothic Metal oder Symphonic Metal. Wie würdest du eure Musik beschreiben?

Andrea:
Ich sage einfach immer Melodic Metal. Wir haben symphonische Einflüsse drin, Gothic würde ich jetzt aber nicht unterschreiben. Das Wichtigste bei uns ist immer die Melodie. Daher sagen wir der Einfachheit halber Melodic Metal.

Martin:
So, damit sind wir jetzt eigentlich so ziemlich durch mit meinen Fragen. Ich möchte mich recht herzlich für das Interview bedanken.

Andrea:
Danke auch zurück!

Martin:
Jetzt kannst du aber noch den bei mir obligatorischen letzten Satz an unsere Leser richten.

Andrea:
Ich wünsche allen Lesern von Powermetal.de viel Spaß mit unserer neuen CD, und hoffe, sie gefällt euch. Natürlich hoffe ich auch, euch auf unserer Tour dann begrüßen zu dürfen.

Redakteur:
Martin Schneider

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