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MAD DOGGIN': Interview mit Ben

12.09.2005 | 19:04

MAD DOGGIN haben eine turbulente Zeit hinter sich. Zunächst ein (un)gewollter Stilwechsel, dann eine tadellose neue Scheibe ("Isle Of View"), schließlich ein Auftritt vor knapp einer halben Million Menschen. Ben (Gesang) kommentiert zunächst die musikalische Veränderung: "Die Änderung im musikalischen Stil hat sich mehr oder weniger so ergeben. Wir haben mit der Zeit gelernt, unsere verschiedenen Einflüsse besser zu koordinieren und uns auch mehr auf unsere ursprünglichen Wurzeln besonnen. Beim Songwriting haben wir versucht uns auf unsere Stärken zu konzentrieren und die sahen wir eben mehr in härteren Songs." Auf oben angesprochenen Gig beim Woodstock antwortet der charismatische Sänger euphorisch. "Die Show war ja mal echt der Hammer! Die Bühne war größer als die Villa von Dieter Bohlen und da waren einfach so unglaublich viele Menschen ... Es war einfach so krass, plötzlich auf einer Festival-Bühne zu stehen, die man sonst nur als Besucher von unten sieht. Leider ging unsere halbe Stunde Spielzeit um wie nix, aber dieser Moment war trotzdem unvergesslich. Leider hat man nicht alle Tage das Glück vor 450.000 Leuten zu rocken. Aber wir haben danach viele Mails aus Polen bekommen. Denen scheint es echt gut gefallen zu haben. Mal sehen, vielleicht dürfen wir nächstes Jahr wieder dort spielen."

Sie scheinen nicht nur live viele Freunde dazu gewonnen zu haben, denn immerhin ist ihr neues Album mit riesigem Abstand das weitschichtigste der Bandgeschichte. "Wir denken, dass jeder seine persönlichen Favoriten auf dem Album findet und dass die Scheibe auch so abwechslungsreich ist, dass für jeden was dabei ist. Unsere persönlichen Lieblingssongs wechseln auch täglich, je nachdem, wie man gerade drauf ist. Für uns spielt dabei auch noch eine Rolle, welche Songs sich am besten live spielen lassen." Für diese Horizonterweiterung ist ein bestimmtes, geplantes Songwriting von Nöten, könnte man denken. "Das ergibt sich alles und hängt auch immer ein bisschen davon ab, wer gerade die Riffs anschleppt, oder den ein oder anderen Song maßgeblich schreibt. Als oberste Priorität gilt aber, dass wir immer versuchen, die Grundstimmung einer Songidee, bestmöglich zu unterstützen. Was dabei am Ende rauskommt, lässt sich vorher schwer sagen. Einige Songs werden auch noch Wochen, nachdem sie fertig sind, wieder komplett umgebaut. Generell lässt sich aber sagen, dass uns Genres völlig egal sind und wir einfach die Mucke schreiben, die uns gefällt."

Der musikalische Background der Jungs ist nicht überraschend, wenn man sich "Isle Of View" mal genauer anhört: "Da kann ich nur von mir selber sprechen. Ich kam definitiv durch METALLICA zum Metal und zwar im zarten Alter von zehn Jahren, als gerade die "...And Justice For All" rauskam (1988). Das war tatsächlich die erste Band, die ich bewusst als Fan gehört habe. Mein Zimmer wurde dann mit Postern tapeziert und ich hab mir alle verfügbaren Platten besorgt und der Entschluss stand fest, dass ich auch eine Band haben und Rockstar werden will. Kurz darauf fing es dann an mit Bands wie SLAYER, SEPULTURA, IRON MAIDEN, KREATOR usw., später, 1992, dann PANTERA, der Rest ist Geschichte!"
Dann sollte die Frage nach dem letzten großen Klassiker schnell beantwortet sein! "Puuh, schwer zu sagen, wer wirklich der letzte Klassiker war. Wenn ich mich jetzt auf eine festlege, verrate ich alle anderen. Für mich als ultra PANTERA-Fan gibt es definitiv zwei absolut zeitlose Platten und das sind "Vulgar Display Of Power" und "Far Beyond Driven". Aber auch METALLICAs "Master Of Puppets" schlägt immer noch 99 % der Sachen, die heute rauskommen. Ich kann mich beim besten Willen nicht festlegen. Je mehr ich darüber nachdenke, umso schwieriger wird es." Hört MAD DOGGIN auch anderes Zeugs? "Auch eine schwere Frage. Da gibt es auch so viel, dass einem eine Gänsehaut verpasst. Das kann ich auch echt nicht an Bands festmachen, sondern eher an Songs. Da wären z.B. 'Easy' von LIONEL RITCHIE, 'Your Song' von ELTON JOHN oder diverse Songs von den BEATLES."

Die Damenwelt im Metal übernimmt immer mehr die Oberhand, ausgelöst durch den Mainstream-Gothic-Boom. Ben kann mit einem Mädel besonders viel anfangen: "Hehe, früher war ich schwer verliebt in DORO PESCH! Und mit dieser Frau hatte ich auch mal ein sehr witziges Erlebnis. In der Zeit, als ich noch beim Musikfernsehen gearbeitet habe, hatte ich DORO mal im Interview. Sie rief mich dann einen Tag vorher an und fragte mich, was sie denn anziehen solle. Was? Ich soll DORO sagen, was sie anziehen soll? Beim Interview erzählte ich ihr dann, dass ich mir als kleiner Bub die "Burning The Witches" von ihrer damaligen Band WARLOCK gekauft habe. Daraufhin fing sie an zu strahlen und ich glaube, sie hatte mich von da an in ihr Metal-Herz geschlossen. Die ist jedenfalls echt cool und auch heute noch echt sexy."

Man sollte meinen, "Top Of The Pops" wäre tabu für eine Metal-Band. Einige der größten Helden der Geschichte sehen das anscheinend anders. Und Ben? "Ich kann mir kaum vorstellen, dass wir dorthin jemals eingeladen werden. Wenn doch, wäre es aber bestimmt witzig da zu rocken und die kleinen Kiddies zu erschrecken. Aber wer weiß. Frag mich das noch mal, wenn es soweit ist. Vielleicht machen wir ja in fünf Jahren Dance-Pop und stehen auf Platz 1 der Klingelton-Charts. Dann sind wir auf jeden Fall dabei. Man hat schon Pferde kotzen sehen."

Spaß beiseite, in der jetzigen Zeit wird Politik wohl so groß wie nie zuvor geschrieben. Terror über Terror, eine Naturkatastrophe nach der anderen, der Kanzler verliert das Vertrauen. Hätte man als Präsident der USA nicht einiges besser machen können? "Eigentlich stehe ich überhaupt nicht darauf, wenn Musiker sich zu politischen Themen äußern. Ich habe da glaube ich auch nicht genug Fachwissen. Deswegen bin ich ja Mucker und kein Politiker. Ich will auch nicht, dass Schröder, Merkel oder Bush uns erzählen, wie wir bessere Platten machen. Aber generell würd ich eine ganze Menge anders machen, wenn ich was zu melden hätte. Doch wahrscheinlich ist das alles nicht so einfach, wie es nach außen immer scheint. Außerdem gehören wir irgendwie auch zu der Generation der Politik-Verdrossenen und deswegen weiß ich nicht, wie und ob die anderen Jungs wählen. Das ist auch nicht gerade eines unserer Lieblings-Gesprächsthemen. Ich geh auf jeden Fall wählen, weil ich es wichtig finde, dass man seine Stimme abgibt, wenn man schon mal irgendwo mitreden kann. Das TV-Duell hab ich mir aber bewusst nicht angeschaut, weil ich diese Muppet-Show, die Politiker bei so was abziehen, echt nicht ertragen kann."

Ein abschließendes Statement kann sich Ben nicht verkneifen: "Wer Mösen beisst, ist böse meist!"

Redakteur:
Christian Hubert

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