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MEISEL, HUBI: Interview mit Hubi Meisel

01.01.1970 | 01:00

Ende März blickt die progressive Metalschaft nach München, dem Wirkungsort von Sänger und Produzent Hubi Meisel. Dann nämlich erscheint sein neues Soloalbum "EmOcean", eine Reise in die Welt des Bermuda-Dreiecks, des Sargasso-Meers und von Atlantis. Einmal mehr hat es Mastermind Hubi geschafft, seinen Namen felsenfest in den auf melodiösen und progressiven Hard Rock gepolten Hemisphären der geneigten Zuhörer zu verankern. Gepaart mit einem sehr stimmingen Artwork, einem unfangreichen und intelligenten Textkonzept, vier erstklassigen Instrumentalisten und einer Stimme, die einen sehr starken Wiedererkennungswert besitzt, entführt "EmOcean" ab dem 26.03.2004 auf eine wunderschöne Reise in mystische Welten. Zeit, den Meister himself zu Wort kommen zu lassen.


Alex Straka:
Hubi, "EmOcean" spannt seinen musikalischen Bogen aufbauend auf ruhigen, atmosphärischen Passagen, über straighten Rock bis hin zu proggigen und metallischen Passagen. War es dein Ziel, beim Songwriting möglichst viele Einflüsse unter einen Hut zu bringen?

Hubi Meisel:
Da ich auf sehr viele verschiedene Stilrichtungen stehe, wollte ich auf gar keinen Fall, dass "EmOcean" eine einseitige Angelegenheit wird. Ich habe zwar eine besondere Vorliebe für progressiven Rock/Metal, wollte aber unbedingt vermeiden, dass die CD zu technisch, kompliziert und unzugänglich wird. Sowohl die instrumentale Musik als auch der Gesang beinhalten unterschiedlichste Styles und Stimmungen, die jedoch immer in unmittelbaren Zusammenhang mit der Konzept-Story und den Lyrics stehen. Für das Songwriting haben Vivien Lalu (keys) und ich sehr eng zusammengearbeitet: Die "EmOcean"-Konzeptstory sowie alle Gesangsmelodien und Texte stammen aus meiner Feder, die instrumentale Musik hingegen hat Vivien nach meinen Vorgaben komponiert und mit mir zusammen arrangiert. Es war mir dabei allerdings sehr wichtig, dass auch die anderen Musiker ihren individuellen Stil und ihre persönlichen Einflüsse mit einbringen, und dass jeder noch genügend Freiraum hatte, sich kreativ auf seinem Instrument auszudrücken.

Alex Straka:
In meinem Review zu "EmOcean" habe ich einige Parallelen zu Acts gezogen, die ich in deiner Musik wiederfinden kann. Darunter sind PINK FLOYD, GENESIS, AYREON, MARILLION, DREAM THEATER und sogar IRON MAIDEN. Was sind deine musikalischen Roots und welche Einflüsse versuchst du zu integrieren?

Hubi Meisel:
Wie wahrscheinlich jeder, habe auch ich unzählige Einflüsse. Das geht vom klassischen NWOBHM über Prog-Metal bis hin zu Klassik. Meine Lieblingsbands sind STEVE VAI, DREAM THEATER, SHADOW GALLERY, alte QUEENSRYCHE und SYMPHONY X, aber auch Leute aus dem weniger metallischen Bereich, wie z.B. TORI AMOS und ASIA. Allerdings bemühe ich mich, niemanden zu kopieren, und setze lieber auf das, was ich tief in mir drin fühle. Wenn ich singe, geht es mir nicht vorrangig um irgendwelche sangestechnischen Spirenzchen, sondern darum, Emotionen und Stimmungen zu übermitteln.

Alex Straka:
Du hast "EmOcean" in deinem Studio in München im Alleingang produziert und gemischt. Läuft man bei der ganzen Arbeit nicht Gefahr, das Gesamtbild "EmOcean" aus den Augen zu verlieren und wurde es dir während des ganzen Entstehungsprozesses nicht hier und da zu aufwändig?

Hubi Meisel:
Ich hatte von Anfang an eine sehr klare Vision von "EmOcean", die mich die ganze Zeit begleitete. Klar waren die Organisation, Produktion sowie der Mix der Scheibe mit sehr viel Arbeit und auch Stress verbunden, aber als Überforderung hab ich das Ganze nie empfunden, denn dazu war ich einfach viel zu motiviert. Die Gefahr, dass man bei so einer CD das Gesamtbild aus den Augen verliert, ist sicherlich gegeben... Um das zu vermeiden, habe ich z.B. während des Mixdowns immer wieder kurz die Augen geschlossen, und mich auf die Gesamtwirkung und Aussage der einzelnen Songs konzentriert, anstatt ständig nur auf einzelne Komponenten zu achten.

Alex Straka:
Du hast dir sehr viel Zeit für die Produktion gelassen. Das hört man am offensichtlichsten bei den sehr stimmigen Keyboardsounds. Würdest du dich als Soundtüftler und Soundperfektionist bezeichnen?

Hubi Meisel:
Die Auswahl der Keyboardsounds habe ich -abgesehen von groben Vorgaben- natürlich größtenteils meinem Keyboarder überlassen, ich bin ja schließlich kein Diktator, haha. Aber es war dann schon eine Heidenarbeit, aus diesen meterdicken Keyboard-Teppichen die Feinheiten und Details beim Abmischen soundtechnisch herauszuarbeiten. Da saß ich schon ein Weilchen dran... Die CD ist sehr dicht arrangiert, der Mixdown war folglich eine echte Herausforderung... Schließlich sollten ja ALLE Musiker berücksicht werden. Liebe zum Detail war mir wahnsinnig wichtig, da ich die "EmOcean"-Konzeptstory so greifbar und real wie möglich für die Hörer umsetzten wollte. Deswegen habe ich auch Soundsamples wie echte Meeresgeräusche, Möwen- und Delphinstimmen etc. sowie abgefahrene Soundeffekte eingebaut. Generell würde ich mich schon eher als Perfektionisten bezeichnen, aber irgendwann muss man auch wissen, wo Schluss ist. Sonst verzettelt man sich komplett und verliert den Blick für's Gesamte.

Alex Straka:
"EmOcean" ist in drei verschiedene Textkonzepte unterteilt. Kannst du unseren Lesern mehr zu den Lyrics erzählen?

Hubi Meisel:
Mit ein paar Sätzen kann man das Konzept nur schlecht wiedergeben, das würde hier jetzt wirklich den Rahmen sprengen. "EmOcean" besteht aus drei Teilen: Part I = ASTRON THEION (göttlicher Stern), Part II = ATLANTIS (Atlantis) und Part III = SOFIA THALATAES (Weisheit des Meeres). Generell erzählt das Album vom Sargasso-Meer im atlantischen Ozean, Mysterien wie dem Bermudadreieck und der Bimini Road, sowie der Polis von Atlantis. Eine heftige Brise altgriechischer Mythologie weht ebenfalls durch das gesamte Album... Die CD enthält zudem eine bestimmte Message, die insbesondere im Song 'Sapientia Vitae' zum Ausdruck kommt. Wen die "EmOcean"-Konzeptstory näher interessiert, der kann sich unter folgendem Link das Ganze als PDF-file ansehen: http://www.HubiMeisel.com/Concept/EmOcean-deutsch.pdf. Vielleicht motiviert das Konzept ja auch einige von euch dazu, sich noch weiter mit diesen äußerst interessanten Themen zu beschäftigen.

Alex Straka:
Wie kam es dazu, dass du gerade diese Themen für die textliche Rahmgestaltung deiner CD gewählt hast? Interessieren dich das Mystische und das Ungreifbare?

Hubi Meisel:
Ich verspüre zwar ein starkes Interesse an mystischen und leicht übersinnlichen Themen, aber die Grundidee zu "EmOcean" war nichts Konstruiertes, sondern entstand sozusagen "über Nacht"... Ich hatte da ein paar sehr eindringliche Träume, die sich mir -ebenso wie der CD-Titel- regelrecht ins Gehirn brannten. An diesem besagten Morgen wusste ich dann einfach, was zu tun ist...hehe!

Alex Straka:
Du musstest im Rahmen des Songwritingprozesses, hinsichtlich der Lyrics, ausgedehnte Nachforschungen anstellen, um der Story den passenden historischen und kulturellen Background zu verpassen. Wie lange hast du für das Recherchieren gebraucht und wie hast du das Konzept ausgearbeitet?

Hubi Meisel:
Bei der Umsetzung und Recherche habe ich mich durch einen wahren Dschungel an Informationsmaterial geackert. Es ist wirklich unglaublich, wieviel zu diesen Themen geschrieben wird... Und natürlich sagt jeder Wissenschaftler was anderes. Während meiner Stoffsammlung kam auch mal im ZDF eine recht einseitige Doku über Atlantis, die mir allerdings überhaupt nicht zusagte. Mich hat eher der philosophische Ansatz interessiert… So ließ ich mich z.B. durch die Originaltexte von Platons "Kritias" inspirieren, und habe das Ganze noch mit einer Prise Fantasy abgerundet. Das Material habe ich in Bibliotheken sowie Online-Archiven gesammelt… Zusammen mit dem Ausarbeiten des Konzeptes hat das schon ein paar Wochen in Anspruch genommen, und auch in die Lyrics hab ich dann nochmal viel Zeit investiert.

Alex Straka:
Du hast mit deiner Backingband eine echte Multi-Kulti-Truppe am Start, der einige bekanntere Namen angehören. Kannst du uns mehr zur Entstehung des derzeitigen Line-Up erzählen?

Hubi Meisel:
Da ich viele Spitzen-Musiker kenne, verändert sich die Besetzung auf jeder CD ein wenig. Für "EmOcean" hatte ich ein echtes Dreamteam an Bord: Vivien hatte mich zufällig angemailt, als ich mich gerade mitten in den Arbeiten am "EmOcean"-Konzept befand. Als ich ihm von "EmOcean" erzählte, war er gleich sehr angetan, und wir beschlossen daraufhin, zusammenzuarbeiten. Marcel Coenen (SUN CAGED, Ex-LEMUR VOICE) hatte schon auf "Cut" die Klampfen bedient und ist definitiv einer meiner Lieblingsgitarristen... Er hat schlichtweg einen traumhaften Ton und es war einfach klar, dass ich ihn unbedingt wieder dabeihaben wollte. Daniel Flores (MIND'S EYE) aus Schweden ist ein guter Freund von mir und zudem einer der besten europäischen Drummer. Basser Bamby (ABSOLUTE), der -wie Vivien- in Frankreich wohnt, kommt eigentlich aus der Hardcore-Ecke. Er ist jedoch musikalisch sehr aufgeschlossen und fand es richtig spannend, auch mal einen anderen Style zu spielen. Auf den zwei Bonustracks steuerte zudem der Holländer Joop Wolters, sozusagen als Gastmusiker, Bass und die Gitarren bei.

Alex Straka:
Probst du oft mit der Band, oder laufen auch bei euch die Aufnahmen branchenüblich per MP3 und Datenaustausch?

Hubi Meisel:
Nein, wir leben ja über ganz Europa verstreut... Daher ist es unmöglich, sich einfach eben mal so für eine Probe zu treffen. Das ist zum Glück auch nicht notwendig, da es sich bei meinen Mitmusikern um erstklassige Leute handelt. Vivien und ich haben sehr intensiv MP3s ausgetauscht und diskutiert, ehe eine Art Vorproduktion an die beteiligten Musiker ging, die dann ihre jeweiligen Parts individuell interpretieren konnten. Den Gesang habe ich in meinem Studio in München aufgenommen, und für die endgültigen Aufnahmen wurden dann die anderen Instrumente ebenfalls in Studios (im jeweiligen Land) recorded, ehe ich die einzelnen Spuren für den Mixdown erhielt.

Alex Straka:
Beim Komponieren der Songs hattest du massive Unterstützung durch deinen Keyboarder Vivien Lalu, der die Songs nach deinen Direktiven komponierte und mit dir gemeinsam arrangierte. Wie lange zog sich die musikalische Entstehung von "EmOcean" hin?

Hubi Meisel:
Wir haben für den musikalischen Entstehungsprozess gar nicht mal so lange gebraucht… Ich würde sagen, so ca. vier bis fünf Monate.

Alex Straka:
Wird "EmOcean" auch live aufgeführt werden?

Hubi Meisel:
Momentan ist das noch Zukunftsmusik. Ich liebe es zwar, auf der Bühne zu stehen und würde das Album natürlich gerne auch im größeren Rahmen live präsentieren... Aber im Moment ist es mir nicht möglich, mit "EmOcean" als Headliner auf Tour zu gehen… Und als Vorband nur ein paar einzelne Songs von dem Album runterzunudeln, fände ich schade. Ich werde mich nach der Promo von "EmOcean" erst mal auf meine nächste CD konzentrieren, aber ich hoffe, dass wir in nicht allzu entfernter Zukunft die Bühne besteigen werden.

Redakteur:
Alex Straka

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