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MISTER MISERY: Top of The Pops, Halloween und Zombie-Ponys

05.10.2019 | 15:02

Ganz unverhofft komme ich in den Genuss, eine Newcomer-Band zu interviewen. Das kommt so: Kurz vor dem Summer Breeze 2019 flattert die Meldung rein, dass Arising Empire, das Nuclear Blast-Sublabel, die schwedische Band MISTER MISERY unter Vertrag genommen hat und zwar auf ausdrücklichen Wunsch von Markus Staiger. Nun ist der schon lange in der Szene unterwegs und hat sicher ein Näschen für neue Sounds, sodass ich mich nicht lange überreden lassen muss, um die fünf Musiker im Pressezeit des Festivals zu treffen.

Kurz zuvor habe ich noch die Musik erhalten und mir gleich mal die ersten beiden Lieder angehört. Also, die Songs noch schell auf den iPod übertragen und losgefahren, nur um auf halber Strecke festzustellen, dass irgendetwas nicht geklappt hat und die MISTER MISERY-Lieder nicht synchronisiert wurden. Na ja, ich hoffe, die Jungs werden mir meine schlechte Vorbereitung verzeihen.

Und so diskutieren wir erst einmal über die Schublade, in die wir die Band stecken wollen. Ich hatte bei den zwei Liedern den Eindruck von etwas Progressivität und ein bisschen Core-Attitüde, aber das wollen die Vier, die in vollem Bühnenlook zum Interview erscheinen, nicht gelten lassen. "Wir sind Alternative Metal", ist die simple, eindeutige Antwort der Vier. Das fällt aber ein wenig kurz aus, finde ich nach mittlerweile einigen Durchgängen. Da muss ja auch mehr sein, immerhin wurde die Band ja von Arising Empire, einem der großen Namen im Business, geschnappt. "Ja, da haben wir Glück gehabt, es ist schon etwas surreal", meint Harley. "Es geht alles ziemlich schnell und wir müssen uns erstmal daran gewöhnen. Aber wir sind bereit und enthusiastisch!"

Wie kam es eigentlich zu dem Deal? "Ein Produzent von Top Of The Pops hörte uns auf Spotify und sagte es Markus Staiger und er fragte uns, ob wir einen Plattenvertrag wollten. Wir sagten natürlich, ja, sofort, bitte, und dankeschön!" Na, schau mal einer an, Spotify, die Talentbörse. "Und es ist ein deutsches Label und die deutschen Metal-Fans sind einfach die besten. Wir spielten vor einigen Wochen in Singen vor DREAM THEATER und wir wurden so toll empfangen, obwohl uns niemand kannte, es war großartig! Wir hatten den Gig bekommen durch unser Management und waren erst etwas unsicher, ob wir da hinpassen würden, aber wir sind froh, dass wir es gemacht haben. Vom ersten Ton an wurden wir super aufgenommen." Zugegeben, euer Stageoutfit ist jetzt auch nicht direkt Prog, warum habt ihr euch ein solches Image zugelegt? "Wir wollen unsere Musik auch visuell umsetzen. Ich bin ein großer Comic- und Superhelden-Fan und wollte einfach eine Band haben, die so aussieht wie sie klingt. Ich habe mich schon immer gern verkleidet, ich liebe Dinge wie Halloween und jetzt habe ich Halloween jeden Tag", klärt Harley auf. "Image ist wichtig für eine Band. Wenn ich ein Konzert sehe und die Musiker stehen da in T-Shirt und Shorts, dann fehlt mir die Show." Mir fällt da sofort Rob Zombie ein, oder vielleicht MÖTLEY CRÜE. "Ja, genau, musikalisch sind wir anders, aber sonst passt Rob Zombie gut", stimmt mir Harley zu. Na ja, bei MÖTLEY CRÜE war das Hervorstechendste zuletzt auch Vince Neils Bauch. "Hast du sie auf ihrer letzten Tour gesehen?", fragt Harley. Ja, war gut, oder? Harley ist deutlich anderer Meinung: "Nein, ich habe es gehasst, ich musste rausgehen. Vince sang schlecht und vergaß Worte, der Sound war schlimm, ich dachte nur, was ist das denn?"

Erstaunlicherweise gibt es die Band erst seit etwa eineinhalb Jahren. Wie kam die Band zusammen? Alex meint: "Harley hatte zwei Jahre Musik studiert in Los Angeles und dort in Bands gespielt." - "Allerdings habe ich mein Studium noch nicht beendet", wirft Harley ein. "Ich wurde von einem Label unter Vertrag genommen und ließ mein Studium ruhen. Allerdings kam nichts zustande." Kalifornien? Das muss für einen Schweden entweder der Himmel oder die Hölle sein. Harley grinst: "Ich will wieder dorthin irgendwann und da leben." Wegen der Musik oder der Girls? "Wegen der Girls", lacht Harley. "Die Musikszene ist Mist da unten, Bands betteln, irgendwo spielen zu können, es ist überall pay to play und der Club nimmt dir 50% der Merch-Einnahmen ab! Es ist wirklich hart, da nach oben zu kommen." - "Und so kam er dann zurück nach Schweden mit einigen Songs und einer Idee, schickte sie mir und das war genau das, worauf ich gewartet hatte", sagt Gitarrist Alex. "Wir fanden dann schnell auch Rizzy und Eddie." Deswegen stammen die Lieder auf dem Debüt hauptsächlich aus Harleys Feder. "Ja, aber das wird sich sicher ändern", ist sich der Hauptkompositör sicher, "obwohl wir in verschiedenen Städten wohnen. Wir hängen also nicht zusammen rum, sondern treffen uns nur zu Proben oder Aufnahmen." Das sollte aber in der heutigen Zeit kein Hindernis mehr sein, sind wir uns alle einig. Nur Proben über Skype sei dann doch noch keine Option. "Man muss einfach zusammen in einem Raum sein und gemeinsam schwitzen."

Ihr seid in einer aufregenden, neuen Situation, oder? "Ja, es ist alles das erste Mal für uns und es gibt augenblicklich viele erste Male", stimmen alle zu. Dann sehen wir uns nächstes Jahr hier auf dem SUMMER BREEZE, nicht wahr? "Oh ja, drück uns die Daumen, wir haben noch nichts Offizielles." Na ja, mit Markus Staiger im Rücken wird das schon klappen. "Ja, sicher, es ist gerade total super, man investiert in die Band, wir bekommen viel Promotion und werden überall hingeschickt, das kostet alles viel Geld. Wir arbeiten alle natürlich in Teilzeit, um die Miete zahlen zu können. Wir hoffen natürlich, dass wir das bald nicht mehr machen müssen." Das dürfte noch ein langer Weg sein, Millionen Klicks auf Youtube und ein hoher Rang auf Spotify bringen nicht viel. "Finanziell bringt das gar nichts, die beste Einnahmequelle ist das Merchandise, aber man braucht gutes Merch, gutes Design. Shirts, die aussehen, als ob die Band sie selbst im Keller hergestellt hat, kauft keiner mehr." Auf Albumcover und Merchandise hattet ihr aber sicher nicht viel Einfluss, oder? "Nein, das hat Arising Empire gemacht. Das Cover ist übrigens von Andreas Marschall, der schon für HAMMERFALL und BLIND GUARDIAN und viele andere gezeichnet hat." Nett, das war mir noch nicht aufgefallen. Das Cover passt ja auch gut zu den Lyrics, oder? "Ja, das Debütalbum erzählt Geschichten, aber ich schreibe, worauf ich Lust habe. Solange wir es fühlen, kann es in jede Richtung gehen, es muss nicht immer in diesen speziellen Rahmen fallen. Okay, ich würde eher nicht über Ponys schreiben." Es könnten Zombie-Ponys sein, oder? "Ja, okay, Zombie-Ponys sind in Ordnung!", lacht Harley. "Aber dadurch, dass wir alle Texte schreiben, sind sie immer unterschiedlich in Stil und Thema."

Eine junge Band, ein großes Label und jetzt, nachdem ich das Album "Unalive", das am 4. Oktober erschienen ist, mehrfach gehört habe, muss ich sagen, dass ich Markus Staiger zustimme. MISTER MISERY ist wirklich eine sehr spannende Platte gelungen. Ich freue mich bereits darauf, die sympathischen Jungs mal live zu sehen. Die Chance gibt es in Kürze auf der Tour im Vorprogramm von BEYOND THE BLACK. Die Tour ist bereits im Vorfeld teilweise ausverkauft, sodass sich die Vier vor einer angemessen großen Menge zeigen können. Zum Abschluss hier noch die zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten beiden Singles und im Anschluss daran folgen die Tourdaten mit BEYOND THE BLACK.

Hier ist das Video zu 'My Ghost': Youtube

Und hier folgt das großartige 'The Blood Waltz': Youtube.



An diesen Orten und Terminen werden die Schweden MISTER MISERY im Vorprogramm von BEYOND THE BLACK ihre Show abziehen:

10.10.2019 AT Dornbirn Conrad Sohm
11.10.2019 DE München Backstage
12.10.2019 CH Zürich Komplex 457
13.10.2019 AT Wien Szene
15.10.2019 DE Stuttgart LKA Longhorn
16.10.2019 DE Saarbrücken Garage
18.10.2019 DE Berlin Astra
19.10.2019 DE Leipzig Hellraiser
20.10.2019 DE Hamburg Große Freiheit 36
22.10.2019 DE Hannover Capitol
23.10.2019 DE Oberhausen Turbinenhalle 2
25.10.2019 DE Geiselwind Music Hall
26.10.2019 DE Köln Live Music Hall
27.10.2019 DE Wiesbaden Schlachthof

29.10.2019 UK Bristol Exchange
30.10.2019 UK Manchester Rebellion
31.10.2019 UK London Bosten Music Room
01.11.2019 NL Endschede Metropol
02.11.2019 FR Paris Petit Bain

Redakteur:
Frank Jaeger

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