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MOONSORROW: Über das Ende der Welt

22.02.2011 | 16:50

"Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa" ist eine Großtat! Grund genug, Bassist Ville Sorvali für ein Interview zu schnappen.

Es ist schlicht genauso großartig, wie der Titel sperrig ist: Mit "Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa" haben die Finnen von MOONSORROW ein echtes Highlight des jungen Jahres abgeliefert. Unendliche Soundwände, große Epik und eine markerschütternde Geschichte verbinden sich zu einer echte Großtat. Umso wichtiger, Bassist Ville Sorvali zum Interview zu schnappen. Und Erstaunliches über seine Liebe zu CELTIC FROST, dümmlichen Metaljournalisten, Weltreligionen und ganz allgemein über das Ende der Welt zu erfahren...



Wie geht’s? Wie fühlt es sich zur Zeit an, ein Mitglied von MOONSORROW zu sein?

Absolut großartig! Wir haben definitiv das beste Album bislang veröffentlicht und ich bin verdammt nochmal zufrieden. Es ist also eine große Freude, zur Zeit in dieser Band zu sein.

Ich mag das neue Album sehr gerne. Es ist sehr dunkel und heavy geraten, vielleicht sogar das schwärzeste MOONSORROW-Album überhaupt – was meinst du dazu?

Ja, ich stimme dir zu. Wir wussten schon zu Beginn, dass es heavy werden würde, aber wir letztendlich doch überrascht, wie heavy es dann wurde.

Gibt es dafür einen besonderen Grund?

Hm, als wir angefangen haben, Songs für das Album zu schreiben, hatten wir schon das Konzept des Albums, eine Art Welt nach dem Ende der Welt – es musste also heavy werden. Wir planen nie exakt, wie die Musik klingen soll. Es entsteht während dem Spielen – und überrascht uns am Ende.

Du hast das Konzept des Albums erwähnt – kannst du etwas darüber erzählen?

Das letzte Full-Length-Album "V: Hävitetty" handelte vom Ende der Welt. Dieses Album setzt in der Zeit nach dem Ende der Welt ein und stellt die Frage, was die letzten, wenigen Überlebenden tun.

Ist es dann eher ein spirituelles Konzept oder behandelt es fiktive Geschehen nach der Apokalypse?

Aus dem Album geht nicht direkt hervor, wie die Welt genau zerstört wurde. Aber es schon eine Art Science-Fiction-Geschichte, die wahr sein oder werden könnte. Darüberhinaus gibt es aber natürlich auch eine spirituelle Ebene.

Wie habt ihr dieses Konzept erarbeitet? Vielleicht kannst du auch etwas über die Einflüsse erzählen?

Grundsätzlich war es erst einmal eine Geschichte, die ich geschrieben habe. Ein Haupteinfluss ist sicherlich der Blick auf unsere gegenwärtige Welt gewesen, denn es sieht wirklich danach aus, als würde die Welt bald untergehen – und da ist es leicht zu fantasieren, was danach passieren kann.

Hast du einen persönlichen Plan für diese Zeit – es klingt ja ziemlich brisant, wenn du sagst, dass die Erde bald untergehen wird... Oder stellst du dir eine Art Utopia vor?

Nein, nicht wirklich. Wenn du mich fragst, ob ich einen Überlebensplan für die Zeit nach dem Ende der Welt habe... ich weiß nicht, wann das Ende kommt. Und wenn es kommt, bin ich wahrscheinlich tot. Sollte ich es aber er- und überleben... dann werde ich sicherlich eine Möglichkeit finden, weiterzuleben (lacht). Ich habe keine große Angst davor, denn wenn es passiert, dann passiert es.



Das Christentum ist ein sehr wichtiges Thema für MOONSORROW. Ihr seht es ja als eine Art Aufgabe, eure finnischen Landsleute daran zu erinnern, dass sie ihre eigenen Wurzeln abseits dieses Glaubens haben. Beschäftigt ihr euch auf dem neuen Album mit dem Christentum?

Nicht so sehr, nein. Es ist schon wahr, dass wir die Menschen auf der ganzen Welt auf ihre Wurzeln hinweisen wollen. Dass es eine Menge intellektuelle und spirituelle Wurzeln in jedem Teil der Erde gab, bevor die großen Religionen wie das Christentum, der Islam oder das Judentum auf der Bildfläche erschienen. Aber ganz im Allgemeinen wollen wir gegen die Unterdrückung der Menschheit kämpfen, denn diese Religionen haben die Menschen schon eine lange Zeit manipuliert und beeinflusst. Alles mit der Angst vor dem Tod.

Versucht ihr mit euren Texten, die Menschen zu beeinflussen?

Nur im Hinblick darauf, sie aufzuwecken und ihnen zu einer neuen Sicht zu helfen. Ich habe nichts gegen Christen. Denn ich weiß, dass Religion vielen Menschen helfen kann, weiterzumachen. Aber es sollte nicht so viele unnötige Restriktionen geben.

Versucht ihr das dann auch im Hinblick auf gegenwärtige Politik – obwohl es da ja eher alltäglich als spirituell ist.

Persönlich ärgere ich mich sehr über die Politik. Aber die Band hat mit Politik überhaupt nichts zu tun. Dennoch hat jeder in der Band seine Meinung eigene und wir stimmen in vielen Punkten überein.

Habt ihr nach den dümmlichen Vorwürfen, die 2008 im Zuge einer der Paganfest-Touren von dem "Institut" Bifff geschürt wurden, vielleicht auch Angst, euch politisch zu äußern?

Ja, das ist sicherlich einer der Gründe, warum wir genau abwägen, was wir sagen in dieser Hinsicht. Wobei diese Geschichte ja noch nicht mal etwas politisches anhaftete, denn niemand von uns hat sich je in irgendeine Art geäußert! Da ging es ja nur um die Verwendung von Runen. Das Verrückte ist ja, dass ich mich wirklich sehr weit im linken Spektrum sehen würde und total gegen alles faschistische bin. Aber gerade in Deutschland passe ich auf, was ich sage, denn dort gibt es viele Menschen, die sehr gerne missverstehen, was man eigentlich meint.

In Deutschland gibt es aufgrund der eigenen Geschichte halt diese große Sensibilität, was solche Dinge angeht...

Ja, das ist auch irgendwie verständlich, denn diese Dinge sind ja gar nicht so lange her und das Ende des Weltkrieges liegt auch erst 65 Jahre zurück. Da ist es natürlich, dass man sich derart erinnert. Aber gerade die jüngere Generation sollte beginnen, zu vergessen – denn es ist nicht euer Fehler!

Den Blick in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit lenken?

Ja, genau. Natürlich sollte man sich die Geschichte immer gewahr halten, damit niemals wieder so ein Fehler begangen wird.

Finnland ist eine relativ junge Nation. Beeinflusst das die Kultur deiner Heimat?

Ja, ich denke schon. Selbst heutzutage ist es vielen Menschen hier wichtig, dass sie aus Finnland kommen. Gerade im Hinblick auf Russland und Schweden. Denn diese Nationen hatten Finnland eine lange Zeit unter ihrer Kontrolle. Es wichtig, unabhängig zu sein.

Greift ihr das in eurer Kunst auch auf?

Unser Konzept basiert mehr auf der Kultur und den Menschen dieser Gegend bevor sie überhaupt "finnisch" genannt wurden. Dennoch sind wir froh, in einer unabhängigen Nation zu leben. Aber unser Blick geht weit zurück in die Vergangenheit. Vor tausenden Jahren waren hier nur Stämme unterwegs. Aber sie hatten ähnliche Kulte.

Die Natur Finnlands hat mich bei meinen Aufenthalten sehr beeindruckt. Zuletzt die Wanderungen über zugefrorene Seen, durch weiße Wälder, knirschenden Schnee... und das erkenne ich in der Musik von MOONSORROW wieder. Was an Finnland liebst du besonders?

Ich mag wirklich alles hier. Gerade in Südfinnland, wo ich lebe, gibt es eine große Landschaft, die sehr ähnlich aussieht. Wenn man eine andere Region sehen möchte, muss man sich ziemlich weit aus der Hauptstadt bewegen. Hier ist es sehr flach und man muss wirklich weit wandern, um so etwas wie Hügel zu finden (lacht). Aber ich mag ganz Finnland, die Natur ist wirklich wundervoll. In Helsinki haben wir das Glück, selbst mitten in der Stadt wilde Wälder zu haben. Als Beispiel: Ich wohne etwa 7 Kilometer vom Stadtkern entfernt und wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich Wald.



Ihr habt MOONSORROW vor vielen Jahren gegründet...

...ja, es war 1995. Uns gibt es nun seit 16 Jahren. Das ist eine lange Zeit...

...wie fühlt es sich an, auf diese 16 Jahre voller Musik zurückzublicken?

Als es begann, kannten Henri und ich uns schon seit einigen Jahren. Wir haben Demos zusammengemacht, bevor wir die Band gegründet haben. Wir dachten nicht mal darüber nach, eine Band zu gründen. Aber auf keinen Fall haben wir damals erwartet, soweit zu kommen, wie wir jetzt sind. Aber verschiedene Dinge kamen zusammen und es war einfach eine gute Reise bislang. Und ich hoffe natürlich, dass es noch 16 Jahre lang weitergehen wird... Es ist einfach ein großer Teil in meinem Leben und insgesamt habe ich mehr als die Hälfte meines Lebens in die Band investiert.

Euer gegenwärtiges Line-Up existiert nun seit 2000. Das ist eine ganz schön lange Zeit, die für das Musikbusiness relativ ungewöhnlich ist. Kannst du dir erklären, warum es derart konstant ist?

Einfache und klare Antwort: Nein. Aber im Ernst: Ich denke, dass wir alle fünf eine sehr ähnliche Mentalität haben und die Band für jeden sehr wichtig ist. Wir sind auch außerhalb der Band befreundet, gehen miteinander weg und kennen uns schon sehr lange.

Also ist diese große Freundschaft der Grund. Ist es da nicht hart, sich auch manchmal als Geschäftspartner gegenüber zu stehen? Denn ich denke, dass MOONSORROW sicherlich auch diese Perspektive beinhaltet.

Ja, das stimmt. Manchmal ist es hart und, ja, manchmal hatten wir schwere Kämpfe in der Band. Aber so muss es auch sein in einer guten Freundschaft. Man muss Kompromisse finden und genau darum geht es. Ich vertraue keinem Menschen, der zu allem "Ja!" sagt.

Eine schwere und unfaire Frage, aber was würdest du im Falle des Falles bevorzugen: die Band oder die Freundschaft?

Hm, wenn ich wirklich zwischen diesen beiden Möglichkeiten wählen müsste, dann würde ich die Freundschaft bevorzugen. Und würde sich die Band auflösen, wünsche ich mir von Herzen, dass ich mit den Jungs befreundet bleiben kann. Denn Freundschaft ist einfach eine der wichtigsten Dinge im Leben.

Stammt diese Sichtweise aus der Metalszene, ist das vielleicht eine Metalattitüde?

Ich bin mir nicht sicher. Es gibt zwar einige Bands in der Szene, die mehr auf der Freundschaft als auf dem Geschäft basieren. Aber natürlich gibt es auch einige Bands, die sich nicht auf dieser Ebene verstehen. Das ist auch überhaupt gar kein Problem und liegt in jedermanns eigener Entscheidung. Es gibt auch diese Fälle, in denen Bands, in denen nur Freunde sind, einfach nicht funktionieren.

Okay, kommen wir zurück zum neuen Album. Was bedeutet der Titel "Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa"?

Er heißt soviel wie "Als Schatten wandern wir durch das Land des Todes".

Ist das Album dann auch von Zombiestreifen wie "Land Of The Dead" inspiriert?

(Lacht) Nein, nicht wirklich. Das Land der Toten hat zwei Lesarten auf dem Album: Auf der einen Seite geht es um das, was nach dem Tode kommt, wohin die Toten gehen. Auf der anderen Seite geht es um diese Welt, um das, was bleibt, wenn ansonsten alles stirbt. Denn dann wird es wirklich zum Land der Toten.



Da gibt es diesen einsamen Wanderer, der durch Schnee und Eis wandert – und am Ende schreit?

Ja, in Zwischenstücken wird die Geschichte erzählt, es verbindet die Metalsongs. Im ersten Interlude gibt es noch einige Menschen, im zweiten sind es schon weniger und am Schluss ist es nur noch eine Person. Die Menschen sterben also über das Album hinweg. Der am Schluss verbliebene bringt sich dann selbst um. Das wird im letzten Song beschrieben. Er widmet den Tod all jenen, die vor ihm gegangen sind.

Das Konzept erinnert mich an die Gedankenwelten von Tom Gabriel (CELTIC FROST, TRIPTYKON, HELLHAMMER) – gibt es da eine Verbindung?

Ich weiß nicht, ob es da eine Verbindung gibt, aber Tom Gabriel ist ein großes Vorbild für mich und ich bin ein Fan von ihm und allem, was er tut. Außer "Cold Lake" (lacht – und spielt auf das kontroverse Album von 1988 an – JR) (kontrovers? Das ist tatsächlich einfach schlecht. Findet auch Tom. - PK). Wahrscheinlich gibt es die Einflüsse schon, aber auf einem sehr unterbewussten Level.

Hast du ihn mal getroffen?

Ja, ich habe ihn einmal getroffen. Aber leider nur für einen kurzen Moment auf einem Festival.

Mich hat vor allem 'Kuolleiden Maa', der letzte Song des Albums, überrascht, da dort ein neues MOONSORROW-Konzept mit Post-Black-Metal-Einflüsse zu hören ist. Wie kam es dazu?

Ja, das stimmt. Ich denke, dass die meisten Bandmitglieder Post-Irgendwas überhaupt nicht mögen, aber wir finden diesen Song trotzdem toll. Und er ist vielleicht sogar ein Favorit von uns. Wir wollten etwas ausprobieren, da es uns wichtig ist, stets nach vorne zu schreiten. Nichts ist schlimmer, als das vorhergehende Album zu wiederholen.

Habt ihr das Album wieder in den Tiko-Tiko-Studios aufgenommen?

Nein, dieses Mal nicht. Es ist weit im Norden und wir waren zu faul, da hinzufahren (lacht). Aber wir waren dort, um das Album mischen zu lassen. Wir mögen die Art Arbeit dort einfach – und aus Gründen der Tradition natürlich. Tatsächlich haben wir drei Studios für die Recordings genutzt. Drums und Schlagzeug haben wir zusammen und live aufgenommen, für die Gitarren und Keyboards waren wir in den Sonic Pump Studios und für den Gesang sind wir mitten in die Wälder in eine Hütte gefahren, wo wir unser mobiles Studio dabei hatten.

Oh, schön, mit Sauna und so weiter?

Ja, Sauna jede Nacht und eine wirklich gute Zeit! Das Gute für dieses Konzept war, dass wir mitten in der Natur waren. Das gibt dem Gesang und der ganzen Arbeit einen enormen Schub.

Der Sound des Albums ist ja relativ hart und rau geworden. Ist es ein Statement gegen modernen Metalproduktionen?

Auf eine gewisse Art schon. Niemand von uns mag diese modernen Produktionen. Wir präferieren einen eher ursprünglichen Sound, natürlicher. Aber dennoch kommt es auch auf die Musik an, die man spielt. Eine Band wie MESHUGGAH würde mit unserem Sound nie funktionieren. Unsere Musik kommt mit diesem natürlichen Gewand viel besser rüber.

Ich denke, dass die Kombination aus dem Songwriting, den Gesängen, den Folk-Elementen eben mit genau diesem Sound diese tolle Atmosphäre auf dem Album ausmachen.

Ja, danke, das freut mich wirklich. Ich denke, nein, ich weiß, dass wir damit die beste Produktion in unserer Bandgeschichte erreicht haben. Und das, obwohl ich alle unsere Alben mag. Aber dieses Mal haben wir einfach genau das gefunden, was wir von vornherein geplant hatten.



Lass uns über deine persönlichen Einflüsse reden. Magst du Bands aus der Gegenwart oder denkst du, dass die beste Musik in den Neunzigern gemacht wurde – oder in den Achtzigern?

Nein, auf gar keinen Fall! Ich würde ja zugeben, dass ich alt bin, wenn ich feststellen würde, dass jede gute Musik mittlerweile schon gemacht wurde. Nein, es gibt wirklich viel gute Musik, auch und gerade in unserer Zeit werden tolle Alben veröffentlicht. Gerade erst im vorherigen Jahr hat mich beispielsweise das neue TRYPTIKON-Album beeindruckt. Das erhält meinen Glauben an Musik, denn diese atemberaubenden Alben zeigen, dass immer noch sogenannte Klassiker veröffentlicht werden.

Wie sieht es bei dir mit finnischen Bands aus – gibt es da auch welche, die dich faszinieren?

Ja, ich mag viele finnische Bands! Ich bin beispielsweise ein großer Fan von SWALLOW THE SUN. Und viele weitere... ich kann jetzt gar keine Liste erstellen, da ich im Moment keinen Zugriff auf meine Musiksammlung habe, und so würde ich wahrscheinlich etwas wichtiges vergessen (lacht).

Was würdest du sagen, ist dein musikalischer Haupteinfluss? Wenn du dich daran erinnerst, als du dein erstes Instrument in die Hand genommen hast – was hat dich da motiviert?

Puh, als ich mein erstes Instrument in die Hand nahm, war ich etwa 13 Jahre alt. Damals war mein Haupteinfluss wohl METALLICA – das wird niemanden überraschen, der um das Jahr 1980 herum geboren wurde. Ich denke, dass METALLICA der größte Einfluss für die Hälfte unserer Generation war (lacht).

Ihr habt mit dem Cover von 'For Whom The Bell tolls' auch eine Art Tribut an die Band eingespielt...

…ja, das war schon interessant, denn Henri schrieb dieses Arrangement für den Song, einfach, um irgendetwas zu tun. Ich hörte es und es beeindruckte mich tief. Es ist einfach brillant. Das war genau die Art und Weise, wie ein MOONSORROW-Cover von diesem Song zu machen war. Aber natürlich ist es auch unser Tribut an die Band, denn wir wuchsen alle mit diesem Sound auf. Dennoch ist der Hauptgrund für dieses Cover, dass wir es schafften, es nach uns klingen zu lassen.

Du bist nun schon wirklich lange im Musikbusiness – kannst du selbst überhaupt noch ein Fan sein oder ist es eigentlich nicht mehr möglich, da du so gut wie alles, was mit diesem Geschäft zu tun hat, schon gesehen hast?

Ja, kann ich und werde es auch immer sein – bis zum Ende meines Lebens. Und zwar mehr, als ich Musiker bin.

Wie kann das funktionieren?

Ich weiß nicht recht... Es ist einfach ein unglaublich wichtiger Teil meines Lebens. Ich bin damit aufgewachsen. Eines der ersten Dinge, an die ich mich erinnern kann, ist, dass ich Musik höre.

Kannst du dich daran erinnern, was es war?

Also das erste Album, das ich namentlich nennen kann, ist das erste Album von KING CRIMSON.

Wow, deine Eltern haben einen guten Musikgeschmack!

Oh ja, absolut. Mein Vater hat eine große Musiksammlung. Sein Geschmack bezieht sich vor allem auf die Sechziger und Siebziger. Er hat eine Menge Progressive Rock und Sachen wie BLACK SABBATH und LED ZEPPELIN – damit bin ich auch aufgewachsen und habe es zu lieben gelernt.

Liegt darin auch die Faszination für Konzeptalben? Denn in der Zeit wurden ja große Alben veröffentlicht...

Ja, ich denke, dass das durchaus ein wichtiger Einfluss ist. Wir lieben alle diese großartigen Alben mit den vielfältigen Konzeptionen und Kontexten. Es ist nicht nur wichtig, gute Songs zu machen. Es geht auch darum etwas zu schaffen, das man von vorne bis hinten hören möchte. Mit einem großen Bogen.

Was habt ihr für Instrumente auf dem Album verwendet?

Neben den klassischen elektronischen Gitarren und dem Schlagzeug haben wir cleane Gitarren verwendet, Mandolinen, eine Violine, gespielt von TURISAS, es ist uns wichtig, auch andere Einflüsse neben Rockinstrumenten einzubauen.

Neben MOONSORROW habt ihr ja auch LAKUPAAVI, eine Art Spaßprojekt. Ist es wichtig, neben der ernsten Band auch etwas zu haben, wo man sich einfach austoben kann?

MOONSORROW ist uns wirklich sehr, sehr wichtig und wir nehmen das richtig ernst. Deshalb ist es schon gut, etwas anderes nebenbei zu haben, wo das nicht der Fall ist. Aber wir nehmen uns selbst bei weitem nicht so ernst wie die Band. Ich denke, dass das niemand tun sollte, und jeder in der Lage sein sollte, über sich selbst lachen zu können.

Plant ihr, auch in der Zukunft Musik mit LAKUPAAVI zu machen?

Wenn wir die Zeit dazu haben, auf jeden Fall. Es ist einfach eine gute Therapie, all die Restriktionen, Regeln und Einschränkungen ignorieren zu können. Einfach das machen zu können, was einem in den Sinn kommt.



Ihr habt mit genau dieser Band ja mal den Promo-Gag gemacht, dass ihr MOONSORROW auflösen und nur noch solche Musik machen wollt. Das hat die Metal-Journaille sehr dankbar aufgenommen – was denkst du von den heutigen Metal-Journaillisten: Kannst du sie überhaupt noch ernst nehmen?

Doch, man kann sie auf jeden Fall ernst nehmen, denn es gibt überall gute Schreiber. Ein gewisses Problem ist, dass in Zeiten des Internets jeder die Möglichkeit hat, ein Fanzine zu machen und über alles zu schreiben. Die Menschen sind oft zu hastig und checken die Fakten nicht, bevor sie etwas schreiben. Ich mache das dagegen immer (Ville arbeitete für das finnische Metalmagazin "Inferno" – JR). Aber das ist das Problem, warum es soviel falsche Informationen da draußen gibt. Aber es ärgert mich eigentlich nicht. Über unser neues Album gibt es auch schon falsche Informationen: Zum Beispiel, dass es einen Track gibt, der eine halbe Stunde lang ist. Das ist natürlich völliger Unsinn – aber ich mache mir doch nicht die Mühe, das zu korrigieren. Lass es die Leute doch glauben, wenn sie wollen. Spätestens, wenn sie das Album zum ersten Mal hören, werden sie merken, dass da natürlich kein solcher Track drauf ist (lacht).

Was ist das dümmste Gerücht, das es über euch gibt?

Hm, das nervigste war wohl diese Nazigeschichte. Aber das auch das Einzige, was mich wirklich geärgert hat. Alles andere, was da draußen so herumschwirrt, bewegt mich überhaupt nicht. Wenn die Leute solche Fehlinformationen glauben, sind sie einfach nicht sonderlich daran interessiert, sich wirklich mit der Band zu beschäftigen.

Musstest du dir diese Gelassenheit erst erarbeiten oder sind das deine Gedanken von Anfang an?

Nein, ich musste es natürlich lernen. Wenn man jünger ist, dann nimmt man sich doch automatisch ernst. Du kümmerst dich darum, was andere Leute über dich denken und so. Ja, es kam mit dem Alter, denn heutzutage bin ich wirklich gegenüber allem sehr gelassen. Wenn Leute irgendeinen Mist über mich oder meine Musik erzählen – lass sie reden! Denn das wird mich nicht umbringen (lacht). Nur diese Nazigeschichte musste korrigiert werden, denn sie hatte das Potential, die Band und vor allem die Geschäftsseite der Band zu beeinflussen. Wäre das nicht ausdrücklich ausgeräumt worden, wären vielleicht Shows abgesagt worden – oder ähnliches.

Wie wichtig ist dir dann aber der Kontakt zu den Fans? In eurem Forum antwortet ihr auf Fragen von Usern, ist das eine gute Ebene zum Austausch?

Ja, und es sollte wichtig für jeden sein, der Musik macht, ganz unabhängig von der Größe oder dem Bekanntheitsgrad der Band. Selbst wenn du eine Demoband hast, die gerade mal 20 Demos verkauft, ist es wichtig, den Kontakt zu den Leuten zu suchen. Denn das sind die Leute, die später die Alben kaufen. Aber es ist wichtig eine Grenze zu ziehen: Die Band auf der einen und ich als Person auf der anderen Seite. Über die eine rede ich gerne, die andere ist meine Sache. Aber Fragen über meine Musik beantworte ich natürlich gerne.

Was bedeutet Live spielen für dich?

Ich denke, dass es eigentlich nur darum geht. Bands sollen live spielen und Alben nur dafür machen, um neues Material zu kreieren. Bands, die nur Alben machen und nie live spielen, sind für mich einfach langweilig. Klar, es funktioniert bei ein paar besonderen Bands wie beispielsweise DARKTHRONE. Gerade bei denen ist es so, dass ich sie niemals live sehen wollte, denn die Magie ist auf den Alben.

Kommen wir nun zu meiner letzten Frage: Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Oh, so weit planen wir nie voraus. Zur Zeit sind eine Tour und ein paar Festivalauftritte geplant. Was danach passiert – wir werden uns überraschen lassen (lacht). Wir versuchen einfach so viele Shows wie möglich zu spielen und zu so vielen Orten wie möglich, die wir noch nicht kennen, zu kommen.

Irgendwelche letzten Worte?

Normalerweise habe ich keine extrem weisen letzten Worte zu sagen... Ich habe sowieso schon sehr viel geredet (lacht).

Redakteur:
Julian Rohrer

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