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MYSTIC PROPHECY: Interview mit Roberto Dimitri

28.02.2006 | 13:03

Die deutsch-griechische Stahl-Allianz MYSTIC PROPHECY steht seit einigen Jahren als Garant für ausgefeilten, perfekt inszenierten Powermetal irgendwo in der Schnittmenge zwischen ICED EARTH und IRON MAIDEN - ohne dabei als ewig Gestrige hinter alten Sounds herzulaufen. Ihr neuer Output "Savage Souls" macht ihnen dabei alle Ehre und so war Sänger, Songwriter und Mastermind Roberto Dimitri "Lia" Liapakis gut gelaunt bereit, POWERMETAL.de einige dezente Fragen zum neuen Langeisen zu beantworten.


Martin:
Hallo Lia, vielen Dank, dass du die Zeit gefunden hast, mir für POWERMETAL.de ein paar Fragen zu beantworten. In diesen Tagen legt ihr mit "Savage Souls" euer viertes Album vor. Vier Alben in vier Jahren ist eine verdammt hohe Schlagzahl.

Lia:
Da steckt aber kein Kalkül dahinter. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir mit "Vengeance" etwas länger einen Deal gesucht haben. In der Zwischenzeit hatten wir dann schon teilweise mit dem Komponieren zu "Regressus" angefangen. Wenn du mal genau guckst, dann sind zwischen der "Never Ending" und der "Savage Souls" fast 1,5 Jahre vergangen. Aber wie gesagt: Du kannst so etwas nicht planen.

Martin:
Zwischen der letzten Scheibe "Never Ending" und "Savage Souls" hat es die eine oder andere Veränderung bei euch gegeben. Fangen wir mal mit dem Sound der Scheibe an. Klingt ihr, trotz aller beibehaltener Trademarks, jetzt etwas düsterer als bisher?

Lia:
Ja, das stimmt. Wir haben das nicht gesteuert oder beabsichtigt. Allerdings kamen so viele verschiedene Einflüsse auf uns zu, die unsere Stimmung beeinträchtigt haben. Wir hatten einen Line-Up-Wechsel, ich bin dazwischen Vater geworden, und wenn du mal in die Nachrichten schaust, dann kannst du nur noch down sein. Das ganze Wirrwarr und auch der Wechsel des Labels haben sich bei uns halt so ausgewirkt. Da war schon 'ne Menge Wut hinter... Aber ganz ehrlich gesagt, spiegelt diese Wut die Band ganz gut wider. Wir waren ja noch nie eine Tralala-Kapelle gewesen.

Martin:
An dem neuen Sound ist der schwedische Regler-Gott Fredrik Nordström (u.a. DREAM EVIL, DIMMU BORGIR, IN FLAMES, AT THE GATES, ARCH ENEMY, HAMMERFALL, THE HAUNTED u.v.a.), den ihr euch - ich glaube erstmals - für den Mix ausgesucht habt, wahrscheinlich nicht ganz unschuldig?

Lia:
Ja, ich habe zum ersten Mal nicht das Album selbst gemischt. Klar machen wir im Studio hier super Sachen und sind auch nicht mehr unbekannt - aber man sollte auch mal über seinen Schatten springen können, wenn es der Band mehr hilft. Tapetenwechsel hat noch keinem geschadet oder? ;-)
Fredrik hat das Ding nicht allein gemischt sondern ich war mit Martin jeden Tag dabei. Ich wollte nicht den Standard-Nordström-Sound, sondern eben etwas ganz Spezielles! Also habe ich mich mit Fredrik hingesetzt und ihm ganz genau gesagt, wie ich die Scheibe gemischt haben will: Ein "METAL-INFERNO-SOUND" mit einem kleinen Schuss Kommerzialität. So wie eben Wodka mit einem kleinen Schuss Zitrone... hahaha!
Hör's dir an, IT WORKS! Der Sound ist megafett und alle sind zufrieden!

Martin:
Entscheidender aber dürfte wohl das Personalkarussel gewesen sein, das bei euch kräftig rotiert hat. Dein Landsmann und Gitarrenvirtuose Gus G. hat euch zu Gunsten seines langjährigen Projekts FIREWIND den Rücken gekehrt. Gab's da Stress?

Lia:
Nein, es gab da überhaupt keinen Stress. Der Gus ist jemand, der immer viel im Einsatz ist und der auch seine eigene Band FIREWIND nach vorne bringen will. Letzten Endes kamen da immer mehr Verpflichtungen auf Gus zu, und wir sind als Band immer mehr in den Hintergrund getreten. Nach der FREEDOM CALL-Tour haben wir uns dann in Bochum (letzte Show der Tour) zusammen gesetzt und Gus gesagt, dass wir eine Band sind und auch als Band funktionieren und arbeiten wollen. Der Dennis hatte ja schon eine ganze Zeit vorher die Brocken hingeworfen, weil er mit RAISE HELL richtig angreifen wollte und meinte, dass die Doppelbelastung für ihn nicht funktionieren würde. Bei der Tour waren u. a. der Klaus Sperling (MY DARKEST HATE) und der Markus Pohl (SYMPHORCE) dabei. Der Klaus hat uns dann damals den Martin Grimm empfohlen. Ich habe auch heute noch Kontakt mit dem Gus und wir reden regelmäßig. Allerdings wollte ich eine Band haben und nicht als Side-Projekt enden. Wenn du mal in unsere Discography reinschaust, dann siehst du, dass der Gus von Anfang an dabei war... Und am Anfang hatte er noch nicht den Bekanntheitsgrad, den er heute hat.

Martin:
Meister Gus hat jetzt gleich zwei Nachfolger. Warum das und wer sind die beiden?

Lia:
Der Markus Pohl war eh immer live mit von der Partie, weil du nicht zeitgleich die Rhythmus-Gitarre und ein Solo spielen kannst. Da wir live aber den Druck brauchen, haben wir halt immer einen zweiten Gitarristen im Gepäck gehabt - den Markus halt. Nachdem Gus raus war, haben wir uns direkt entschlossen, mit zwei Klampfern weiter zu machen. Du kannst auf der Platte noch so viele Gitarren einspielen, live wird dir das immer zum Verhängnis.

Martin:
Und beide haben auch die neuen Songs für "Savage Souls" mit verfasst?

Lia:
Wir haben als Band die Scheibe geschrieben. Klar hatte ich viele Dinge im Kopf, aber wir haben sie zusammen im Proberaum ausgearbeitet.

Martin:
Mit dem Gitarristenwechsel war aber noch nicht Schluss. Hinter den Drums rotierte es auch heftigst in der jüngeren Vergangenheit.

Lia:
Das mit den Drums war wirklich ein Problem. Nach dem Abgang von Dennis haben wir Klaus Sperling in die Band geholt und es passte menschlich super! Wir haben auch heute noch einen recht guten Draht zu Klaus, und er ist ein echter Kumpel. Leider ist es aber so, dass Klaus schon seit längerem mit MY DARKEST HATE zusammenarbeitet und das auch eine Art eigenes Kind von ihm ist. Daher hat er sich dann irgendwann entschlossen, MY DARKEST HATE den Vorzug zu geben. Auch da war Klaus, wie er immer ist, mehr als cool und hat quasi mit dem Matze seinen eigenen Nachfolger präsentiert. Den mussten wir nicht mal suchen... unglaublich!

Martin:
Zuletzt nochmal zum Textlichen von "Savage Souls". Ihr seid diesmal keinem durchgängigen inhaltlichen Konzept gefolgt. Fehlten die Ideen oder gab es so viel anderes, das mal verarbeitet werden musste?

Lia:
Ein Konzept muss spontan wachsen. Nach den drei Alben war das Konzept für mich aufgebraucht und ich hatte mehrere verschiedene Sachen im Kopf. Die Texte sind halt einfach beim Gucken von Nachrichten oder so entstanden. Da gab es auch kein System. Es waren viele einzelne Sachen, die ich verarbeitet habe.

Martin:
Außer der Standardversion wird es von "Savage Souls" auch eine Limited Edition mit einem sehr besonderen Extra geben. Was dürfen wir da erwarten?

Lia:
Bei dem Extra handelt es sich um eine DVD, die wir in Bochum aufgenommen haben. Es ist halt nur eine Bonus-DVD und wir wollen auch betonen, dass es sich nicht um eine vollwertige DVD handelt. Das hat mehrere rechtliche Gründe, die es uns erschwert haben, eine komplette DVD aufzunehmen. Allerdings umfasst die DVD 7 Songs, die auf dem neuen Album sein werden, plus einen Bonus-Song. Hinzu kommt eine kleine Fotogallerie und ein Making Of zu unserem Cover. Das Teil kommt in einem hochwertigen Digibook (wie bei der neuen EDGUY) und ist limitiert worden.

Martin:
Wenn ich richtig informiert bin, gingen die Aufnahmen zu dieser DVD nicht gerade problemlos über die Bühne. Sie mussten sogar komplett wiederholt werden. Was spielte sich da konkret ab?

Lia:
Was soll ich dir sagen: Die Wahrheit!!! Der Typ, der an dem Abend die Aufnahme machen sollte, hat die Aufnahmekiste vollkommen falsch bedient, und wir hatten am Ende der Show keinen einzigen Song aufgenommen. Das Schlimme war noch, dass der Kerl auf einmal verschwunden war und wir ihm drei Tage wegen des Materials hinterher gerannt sind. Damit war eigentlich die Aufnahme und die DVD als Bonus gestorben. Nur weil wir einen durchgeknallten Adrenalin-Junkie als Manager haben, können wir den Fans jetzt doch etwas anbieten. Innerhalb von 14 Tagen haben wir die Show wiederholt und dabei noch mehr Leute vor der Bühne gehabt als beim ersten Dreh!

Martin:
Lia, trotz oder vielleicht gerade wegen des ganzen Wahnsinns, der sich in den letzten Monaten bei euch abgespielt hat, habt ihr das stärkste Album eurer Bandhistory am Start und seid heiß auf Live-Aktivitäten. Was können wir da konkret von euch erwarten?

Lia:
Wir gehen ja erstmal mit MAJESTY auf Tour und werden danach in Ruhe schauen, was sich ergibt. Fakt ist, dass wir live spielen wollen und dass da draußen 'ne Menge Leute auf uns warten. Das merken wir jede Woche, denn inzwischen werden wir von Mails quasi überflutet. Wir merken einfach, dass die DVD-Show und die neue Scheibe viel bei den Fans bewirkt haben. Das haben wir absolut nicht erwartet!

Martin:
Plant ihr danach schon die weiteren Schritte über diese Saison hinaus, vielleicht sogar den Sprung über den großen Teich?

Lia:
Wir planen nichts! Du kannst als Band in unserem Status nicht planen, über den großen Teich zu fliegen oder sonst was zu machen. Du bist von Veranstaltern und vor allem (!) von den Fans abhängig. Wenn du ganz tolle Kritiken hast, heißt das noch lange nicht, dass die Fans auch die Platten kaufen. Nimm mal RHAPSODY - die bekommen meist schlechte Kritiken, verkaufen aber richtig fett ihre Platten... damals auf jeden Fall! Wir würden gerne planen, aber wir haben auch gelernt, die Step by Step-Methode anzuwenden. Erst das eine, dann das andere!

Martin:
Ich wünsche dir und MYSTIC PROPHECY alles Gute, und dass alle eure Pläne in Erfüllung gehen, vor allem natürlich, dass euer Line-up jetzt endlich mal stabil bleibt. See you on tour!

Lia:
Würde mich freuen, dich auf der Tour sehen zu können. Hoffe, dass einige Leute sich zu den Shows verirren, da wir einen gewissen Einfluss auf die ganze Geschichte und bewusst die Preise niedrig gehalten haben. In der CD wird es dann auch noch einen Gutschein geben, den man auf der Show einlösen kann. Vielen Dank für's Interview und Rock On!

Redakteur:
Martin Rudolph

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