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NIDINGR: Interview mit Teloch

18.03.2017 | 23:19

MAYHEMs Gitarrist Teloch hat mit NIDINGR ein mächtiges Album veröffentlicht und steht uns daher zum aktuellen Stand bei seiner Stammband, aber auch im Hause MAYHEM Rede und Antwort.

Nachdem NIDINGR mit dem vierten Studioalbum "The High Heat Licks Against Heaven" ein richtig starkes Album um die Geschichten aus "Hávamál" gelungen ist, war es uns ein Anliegen, einmal mit Frontmann Teloch in Kontakt zu treten, den viele von euch wahrscheinlich als Gitarrist und Songwriter von MAYHEM kennen, der in den Fußstapfen der Herren Euronymous und Blasphemer zu wandeln hat und seine Sache dorten außerordentlich gut macht. Daher war er auf Tour mit MAYHEM auch entsprechend schwer zu erwischen, weshalb er letztlich erst zurück zu Hause in Norwegen dazu kam, sich unseren Fragen zu stellen: "Ja, als mich eure Interviewanfrage erreichte, war ich draußen auf Tour und hab dann natürlich vergessen zu antworten. Aber jetzt bin ich gerade zurück in Norwegen im Zug auf dem Weg zu einer NIDINGR-Probe." Angesprochen auf die MAYHEM'schen Touraktivitäten zur Feier des Klassikeralbums "De Mysteriis Dom. Sathanas" hat Teloch einiges zu erzählen: "Klar, MAYHEM hat dieser Tage natürlich absoluten Vorrang. Es ist eine Menge zu tun. Nicht nur die Konzerte, denn vor Kurzem haben wir auch ein Album selbst herausgebracht. No rest for the wicked!" Und außerdem dürften wir für die Shows in Deutschland eine grimmige Zeremonie mit richtig guter Musik erwarten, denn die Band sei spielerisch gerade toll in Form.

Allgemein hat Teloch dieser Tage einen sehr eng gesteckten Zeitplan, wobei es sich leider meistens um langweiligen Bürokram handle: "Tut mir leid, aber ich habe gerade nicht viel Zeit oder Energie, um Gitarre zu spielen. Das Album von THE KONSORTIUM nehmen wir gerade auf. Ich werde damit anfangen, meine Parts einzuspielen, sobald wir die anstehende Release-Show mit NIDINGR gespielt haben. Allerdings habe ich mich für THE KONSORTIUM dieses Mal auf den Bass beschränkt. Keine Zeit für wesentlich mehr! Die neuen Songs sind aber verdammt krank; ich freue mich wirklich darauf, die einzuspielen."

Da es hier jedoch vorrangig um "The High Heat Licks Against Heaven" gehen soll, das bei uns im Hause richtig gut angekommen ist, frage ich Teloch natürlich auch nach den bisherigen Reaktionen auf die Scheibe, woraufhin der Saitenmann nur Positives zu berichten hat. Er habe bisher sehr positive Rückmeldungen bekommen und auch die Band selbst sei sehr glücklich mit dem Album. Auch meine Bemerkung, dass die Band auf dem Album die richtige Mischung aus Eingängigkeit und technischem Ansatz noch besser erwischt habe als auf dem Vorgängerwerk, kann Teloch gut nachvollziehen: "Dankeschön! Ja, es sieht so aus als hätten wir unsere ganz spezielle Art gefunden, die Sache anzugehen. Das Hauptziel auf diesem Album war es, alles zu vereinfachen und zu schauen, wie leicht uns das von der Hand gehen würde. Wenn ich es retrospektiv anhöre, denke ich, dass wir es vielleicht noch simpler hätten gestalten können, doch wir sind alles in allem mit dem Ergebnis wirklich sehr zufrieden." Den weiteren Hauptunterschied zwischen "The High Heat..." und seinem Vorgänger "Greatest Of Deceivers", nämlich den Wechsel der lyrischen Thematik von Thelema zur Edda, erklärt Teloch derweil mit konzeptionellen Erwägungen, denn religiöse oder sonstige ideologische Botschaften haben die Scheiben nicht: "Ja, das letzte Album basierte auf Crowley, dieses Mal sind wir dagegen zurück zu dem Thema, das wir bereits auf dem "Wolf-Father"-Album hatten. Es basiert auf der altnordischen Edda, ein Thema, das wir einfach noch etwas mehr zu unserem Nutzen ausschlachten wollten. Keiner von uns interessiert sich für irgendetwas, das mit Religion zu tun hat. Daher ist das Interesse auch niemals tiefer, als dass wir ein Thema brauchen, dem wir unser Album widmen. Also nehmen wir das Thema her, das unserer Meinung nach zu unserer Musik passt." Daher ist es für die Band auch gar nicht schlimm, dass es zum neuen Album keine Lyrics und kein Booklet gibt: "Wahrscheinlich wollte das Label das Geld für ein paar Seiten mehr sparen. Mir fehlt da nichts, ich denke, die Veröffentlichung sieht gut aus, so wie sie ist."

Denn auch wenn es an Papier mangelt, so kann das Album musikalisch und vor allem stimmlich an allen Ecken und Enden überzeugen. "Wie immer haben wir Garm von ULVER, der einfach sein Ding durchzieht", sagt Teloch auf die zahlreichen Gastsänger der Scheibe angesprochen, "zudem haben wir dieses Mal Destructhor dabei, der für das nächste Album auch als Gitarrist in die Band einsteigen wird. Außerdem spielt er gerade auch live mit uns. Und auf dem letzten Song hat Myrkur die Gast-Vocals beigesteuert." Da nach einer so starken Scheibe wie "The High Heat..." bestimmt einige Fans nachwachsen werden, frage ich Teloch auch nach möglichen Re-Releases der alten Werke auf CD, doch das scheint für den Norweger aktuell keine besondere Priorität zu haben. "Auf CD ist "Wolf-Father" ja bereits erschienen, doch es ist ausverkauft und wir haben noch nicht darüber nachgedacht, es neu aufzulegen. "Sodomize The Priest" [eine Demo-Kollektion auf Vinyl - d. Red.] war als limitierte Auflage gedacht, so dass es höchstwahrscheinlich nie auf CD erscheinen wird."

Nun, das ist zwar schade, doch vielleicht ändert sich da ja noch was. Einstweilen wenden wir uns indes der Zukunft zu, und dafür hat Teloch Folgendes im Köcher: "Wir waren jetzt fünf Wochen mit MAYHEM unterwegs und ich habe von ihnen jetzt einige Zeit frei bekommen, bevor die Europatour beginnt. Diese Zeit investiere ich in NIDINGR und ich werde auch ein bisschen Songwriting für MAYHEM machen." Dann sind wir gespannt auf das, was kommen wird und freuen uns, Teloch und die Herren von MAYHEM im Frühjahr auch auf deutschen Bühnen begrüßen zu dürfen. Vielleicht ergibt sich ja auch die Gelegenheit für NIDINGR.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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