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OAKENSHIELD: Interview mit Ben Corkhill

01.09.2008 | 13:44

Praktisch aus dem Nichts hat der junge Engländer Ben Corkhill vor kurzem unter dem Banner OAKENSHIELD mit "Gylfaginning" ein durchaus gehaltvolles Viking/Folk-Album veröffentlicht, mit dem er in stilistischer Nähe zu FALKENBACH operiert. Ich führte mit Ben ein kleines Gespräch über seinen musikalischen Alleingang als Ein-Mann-Band, seine Sicht zur Zukunft des Pagan/Viking Metal und einiges mehr. Here we go.


Martin:
Ben, wie waren denn bisher die Reaktionen auf dein Debütalbum "Gylfaginning" Sind sie positiver ausgefallen, als du es erwartet hast?

Ben:
Also insgesamt gesehen: ja. Ich war mir im Vorfeld ehrlich gesagt nicht sicher, wie die Presse und auch die Musikfans das Album aufnehmen würden. Aber die Scheibe ist als Erfolg zu verbuchen. Ich habe bis jetzt schon viel an positivem Feedback in erhalten. Und das sowohl von Fans, die sich mein Album gekauft haben, als auch von Leuten, die mir per E-Mail geschrieben haben und meinten, dass sie die Scheibe sehr mögen.

Martin:
Mit OAKENSHIELD spielst du epischen Viking Metal, der mit vielen Folk-Einflüssen verziert ist und für meine Begriffe FALKENBACH ähnelt. Welche musikalischen Unterschiede siehst du zwischen FALKENBACH und OAKENSHIELD?

Ben:
FALKENBACH ist zwar die Band, die man am ehesten musikalisch mit OAKENSHIELD vergleichen kann, aber es gibt viele Unterschiede im Hinblick auf die Musik. Ich finde, dass Stücke von OAKENSHIELD viel progressiver klingen, als Lieder von FALKENBACH. Auch bei der Instrumentierung und den Arrangements gibt es Unterschiede. Stücke von OAKENSHIELD neigen dazu, öfter Keyboard-Passagen zu beherbergen und auch die Melodien an den Keyboards spielen eine wichtige Rolle. Darüber hinaus gibt es natürlich offensichtliche Ähnlichkeiten zwischen FALKENBACH und meinem Album "Gylfaginning", aber wenn man sich das Album aufmerksam anhört, dann wird man viele kleine Details darauf entdecken.

Martin:
War es eigentlich dein Wunsch, alle Instrumente für "Gylfaginning" (mit Ausnahme der Violinen-Passagen) selbst einzuspielen oder hat sich diese Arbeitsweise so ergeben?

Ben:
Es war nicht mein Wunsch, fast alles selbst einzuspielen. Bei OAKENSHIELD läuft das halt so. Ich komponiere alle Stücke unter Berücksichtung meiner Spielfertigkeiten an den Instrumenten. Von daher muss ich nicht auf Session-Musiker zurückgreifen – außer bei den Violinen-Passagen. Was die Aufnahme und Produktion von "Gylfaginning" angeht, sieht es so aus, dass ich nicht das Geld habe, um mich in einem Studio einzumieten. Ich habe es geschafft, das alles selbst aufzunehmen. Um das Artwork des Albums haben sich mehrere Leute gekümmert, aber ich hatte hier auch einen großen Input in kreativer Hinsicht.

Martin:
Ist OAKENSHIELD eigentlich als reines Studioprojekt intendiert oder würdest du auch gerne Livekonzerte mit einigen dauerhaft bei OAKENSHIELD spielenden Musikern oder Session-Leuten durchziehen?

Ben:
OAKENSHIELD wird zunächst ein reines Studioprojekt bleiben. Ich habe darüber nachgedacht, Livekonzerte zu spielen, aber die werden erst in einigen Jahren stattfinden können. Ich studiere noch und ich habe noch drei Jahre Studium vor mir. Daher hätte ich nie und nimmer genügend Zeit, um geeignete Mitmusiker zu finden und dann auch noch Konzerte zu spielen.

Martin:
Wie sieht denn deine Arbeitsweise beim Komponieren neuer Stücke aus?

Ben:
Beim Komponieren konzentriere ich mich immer auf das textliche Thema des Stücks, um dann die Musik so zu gestalten wie die Stimmung, die ich fühle, wenn ich mich in das Stück hineindenke. So versuche ich, eine einzigartige Atmosphäre für die Story der Komposition zu entwickeln. Ich denke normalerweise an einzelne Abschnitte des Stücks, die gut klingen und ich kombiniere sie dann, bis sie gut zusammenpassen. Dann schreibe ich die Texte. Wenn das Grundgerüst eines neuen Liedes steht, dann beginne ich, weitere Tonspuren, wie die Leadgitarre und die Keyboards, darüber zu legen.

Martin:
Welchen beruflichen Tätigkeiten gehst du denn neben deinem Studium nach?

Ben:
Ich arbeite derzeit in zwei Jobs: in einem Pub bei mir in der Nähe und in einem Geschäft. Ab September 2008 werde ich wieder in Vollzeit mein Studium weiterverfolgen. Ich studiere Musik-Promotion.

Martin:
Erzähl doch unseren Lesern bitte etwas über deine musikalischen Wurzeln und über deine Lieblingsbands.

Ben:
Ich habe einen recht breit gefächerten Musikgeschmack, der sich seit früher Kindheit weiterentwickelt hat; ganz besonders in den letzten Jahren. Seit ich mich erinnern kann, ist die irische Folkmusik immer ein großer Einfluss für mich gewesen. Mit dieser traditionellen Musik bin ich durch meine Familie väterlicherseits in Berührung gekommen. Aber kommerziell ausgerichtete Musik hat mich schon immer sehr interessiert. Ich habe eigentlich keine wirklichen Lieblingsbands, aber die Formationen, die mir persönlich am meisten bedeuten, sind BATHORY, METALLICA, TÝR, FALKENBACH, THE SMITHS sowie THE DUBLINERS. Es gibt zahllose andere Bands und Künstler, die ich sehr schätze.

Martin:
Seit einiger Zeit sind ja etliche neue Kapellen in der Pagan-Metal-Szene aktiv, die Geigen und andere Folk-Instrumente einsetzen. Beobachtest du eigentlich diese Szene rege und denkst du nicht, dass sie vielleicht demnächst wieder einen Abwärtstrend erfahren könnte?

Ben:
Ich verfolge die Viking/Folk-Metal-Schiene seit vier oder fünf Jahren und soweit ich es einschätzen kann, hat sie sich stets weiterentwickelt. Ich kann mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen, dass sich die Pagan-Szene in naher Zukunft auf dem Rückmarsch befinden könnte. Sofern sich die derzeitige Entwicklung fortsetzt, wird diese Sparte eher größer werden und großartige neue Bands an den Tag bringen, die die Klangwelt des Genres weiterentwickeln werden.
Was mir persönlich am Folk Metal am meisten gefällt, das ist die Diversität der unterschiedlichen Bands. Jede hat ihren ganz eigenen Sound, während in anderen Genres wie beispielsweise im Death- oder im Black-Metal-Bereich diese Unterschiedlichkeit nicht so stark ausgeprägt ist – obgleich das natürlich coole Musikrichtungen sind.

Martin:
In welche Richtung wird denn das zweite OAKENSHIELD-Album gehen? Hast du vielleicht schon Stücke für ein Nachfolgewerk komponiert?

Ben:
Ich habe schon etwas Material zusammen. Ein Lied ist soweit schon fertig, wobei allerdings der Text noch nicht steht. Das neue Material, an dem ich arbeite, ist stärker auf etwas traditioneller klingende Melodien fokussiert, denn auf eine bombastische Atmosphäre. Es wird vielleicht auch einige Überraschungen geben, aber das wird sich erst noch zeigen.

Martin:
Die letzten Worte liegen bei dir. Was willst du unseren Lesern noch sagen?

Ben:
Vielen Dank fürs Lesen. Unterstützt auch weiterhin Underground-Bands und -Plattenfirmen! Cheers!

Redakteur:
Martin Loga

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