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OLD MAN'S CHILD: Interview mit Galder

01.01.1970 | 01:00

Anläßlich Ihres Auftritts in Offenbach gewährten mir Old Man´s Child ein Interview. Obwohl sichtlich unzufrieden mit der Show (s. Konzertbericht), präsentierte sich Bandleader Tom alias Galder als zwar sehr selbstbewusster, aber auch freundlicher und (zumindest für skandinavische Verhältnisse) teils recht auskunftsfreudiger Zeitgenosse, als ich ihm etwa 20 Minuten nach dem gig im Tourbus gegenüber saß.

Rainer:
Einige frühere Bandmitglieder sind für die Aufnahmen von "Revelation 666" zur Band zurückgekehrt. Werden diese nun länger an Bord bleiben? Und wie kam es überhaupt dazu?

Galder:
Hmmm, speziell bei Tjodalv war es mehr eine Session. Er hatte Zeit und hat seinen Teil beigetragen, zumal unser neues Material teilweise zu schnell für unseren alten Drummer ist. Außerdem kennen wir Tjodalv ja sehr gut.

Rainer:
Er wird aber nicht für länger bleiben?

Galder:
(auf Norwegisch und Englisch) Nein.

Rainer:
Und der zweite Gitarrist?

Galder:
Jaldar? Er ist ein Mitglied der Band. War er auch immer, abgesehen von "Ill Natured Spiritual Invasion" (vorherige CD - d.Verf.).

Rainer:
Laß uns über die Aufnahmen zu Eurem aktuellen Album reden. Von Dir heisst es oft, daß Du gerne die ganze Arbeit alleine machst, was jetzt nicht als Kritik verstanden sein will. Dennoch habt Ihr euch für die Produktion von "Revelation 666" mit Peter Tägtren zusammengetan.Wie war die Zusammenarbeit mit so einem erfahrenen Mann?

Galder:
Gerade seine Erfahrung war es, die uns zu diesem Schritt bewogen hat; er hat mit einer Menge großartiger Bands gearbeitet, hat einige sehr populäre Alben produziert. Wir wussten ja im Vorhinein ganz gut, was wir wollten; das mußt Du auch, wenn Du ins Abyss Studio gehst. Du kennst den Sound, weisst, welche Produktion Dich erwartet.

Rainer:
Es gab also auch keine Differenzen darüber, wer das Sagen hat?

Galder:
Nein. Das Sagen hab ich gehabt.

Rainer:
Welchen Einfluß hatte Tägtren auf die Aufnahmen? War er lediglich für den Sound zuständig oder hat er Euch auch anderweitige Tips geben können?

Galder:
Hmmm. Er hat seinen ganz bestimmten Sound. Den kennt er am besten. Er hat uns bis zu einem gewissen Punkt bei den Keyboards helfen können, weil ich von diesen Dingen zuvor kaum Ahnung hatte. Also, ein bischen Einfluß hatte er schon.

Rainer:
Ápropos Keyboards, die sind Euch recht gut gelungen.

Galder:
Ja, find ich auch. Wir haben ja auf dem ersten Song ein paar recht Techno-artige Keyboard-Sounds drauf, die hat z.B. Peter gemacht.

Rainer:
Euer Vorgängeralbum "Ill-Natured..." war ja vergleichsweise Thrash-lastig. jetzt seid Ihr in gewisser Weise wieder ein bischen back to the roots gegangen. Was hat Euch dazu bewogen, zum "puren" Black Metal zurückzukehren?

Galder:
Ich denke nicht, daß wir zu irgendetwas zurückgekehrt sind. Jedes unserere Alben unterscheidet sich total von den anderen. Ich mache mir vorher nie ein Bild davon, wie das fertige Album klingen wird, solange ich die Aufnahmen noch nicht in Angriff genommen hab.

Rainer:
Trotzdem, "Revelation 666" klingt wieder mehr nach Black Metal.

Galder:
Ach, das liegt nur am Sound.

Rainer:
Das war also nicht beabsichtigt, sondern hat sich einfach so ergeben?

Galder:
Ja. Ist immer so bei uns.

Rainer:
Glaubst Du, daß die Erfahrung mit "Ill-Natured...", das ja doch einen starken Thrash-Einschlag hatte, Dich als Songwriter weitergebracht hat?

Galder:
Ich glaube, daß einige meiner besten Songs auf "Ill-Natured..." stehen und das waren gerade die thrashlastigeren (Aha! - der Verf.); ich weiss nicht, ob mich das in irgendeiner Weise weitergebracht hat. Vielleicht in Sachen Abwechslungsreichtum.

Rainer:
Du hast gerade den Thrash-Einfluß erwähnt; was ist Dein eigener musikalischer Background?

Galder:
Womit ich aufgewachsen bin? Öhmmm... Thrash Metal, Heavy Metal, solches Zeug. Als der Death Metal aufgekommen ist, hab ich eben den gehört. Genauso war es später beim Black Metal.

Rainer:
Was hörst Du denn in letzter Zeit?

Galder:
Momentan geh ich eigentlich ziemlich back to the roots, hör mir wieder die Sachen an, die ich schon früher gehört hab, wie alten Heavy Metal oder SLAYER und MORBID ANGEL.

Rainer:
Der nächsten Frage hast Du eigentlich schon vorgegriffen: Du kannst zum jetztigen Zeitpunkt vermutlich nicht sagen, ob Du den musikalischen Kurs von "Revelation 666" beibehalten wirst?

Galder:
Nein, absolut nicht. (lacht)

Rainer:
Hast Du irgendeine musikalische Vision, die Du eines Tages gerne verwirklichen würdest? Irgendetwas, das Du einfach mal probieren willst?

Galder:
Ich würde gerne mal etwas klassisches machen, aber das ist nicht möglich.

Rainer:
Du meinst Orchester-Sachen, wie z.B. bei Therion?

Galder:
Ja, ja. Genau. Aber gut, ich mache momentan genau das, was ich will. Black Metal, Death Metal (? - Der Verf.). Das ist es, was ich zur Zeit will und damit bin ich zufrieden.

Rainer:
Ich kann mir vorstellen, daß Du die Vergleiche zwischen Eurem aktuellen Album und der letzten Scheibe von...

Galder:
DIMMU BORGIR? (genervt)

Rainer:
... genau, DIMMU BORGIR. Daß Du diese Vergleiche also nicht mehr hören kannst. Für meinen Geschmack gibt es durchaus signifikante Unterschiede zwischen diesen beiden Platten. Worin liegen diese, mal in Deinen eigenen Worten?

Galder:
Ich denke, daß wir gitarrenorientierter sind, wohingegen DB das Gewicht mehr auf Keyboards und Vocals legen. Ich wusste ja schon im vorhinein, daß es unweigerlich solche Vergleiche nach sich ziehen würde, als wir uns damals für das Abyss Studio entschlossen haben. Zumal wir den gleichen Drummer verwendet haben wie sie auf ihrem letzten Album. Wir sind schon immer mit ihnen verglichen worden, das macht mir nichts aus. Schließlich klaue ich ja nichts bei ihnen.

Rainer:
Was glaubst Du denn, in welche Richtung sich der Black Metal als solcher in den nächsten Jahren entwickeln wird?

Galder:
Ich glaube, daß sich mehr Bands zum Death Metal hin entwickeln werden, vielleicht ist das die Zukunft des Black Metal.

Rainer:
Glaubst Du, daß der derzeitige Boom anhält?

Galder:
Nein, wirklich nicht. Ich glaube, daß es in Zukunft eher eine Mischung aus Black und Death Metal sein wird. Es gibt ja jetzt schon eine Menge Bands, die das machen.

Rainer:
Du meinst, daß sich, wie bei all den anderen Stilarten des Metal zuvor, auf Dauer die Qualität durchsetzt und die vielen durchschnittlichen Bands von alleine verschwinden?

Galder:
Yeah! Aber ein Musikstil kann eh nur für ein bestimmte Zeit überleben, dann stirbt er aus. (Interessante These... gibt ja heutzutage keine Bands mehr, die bereits vor 5, 10, 20 oder mehr Jahren aktiv wahren und ihrem damaligen Stil mit Erfolg treu geblieben sind - d. spöttelnde Verf.)

Rainer:
Aha. Thema Konzerte: spielst Du gerne live, oder bevorzugst Du die Arbeit im Studio?

Galder:
Wenn es gut geht, dann spiele ich lieber live. (lacht herzlich, die Bandkollegen brechen im Hintergrund in kollektives Wiehern aus) Wenn es so wie heute ist, naja...

Rainer:
Du meinst die Probleme mit der Technik usw.?

Galder:
Ja. Aber es ist schon geil, live zu spielen; insbesondere, wenn man ein gutes Publikum hat. Nur heute, das wahr so ziemlich der schlechteste gig meines Lebens. (nüchtern)

Rainer:
By the way, das Publikum heute war ja rein zahlenmässig ziemlich enttäuschend. Woran glaubst Du daß das liegt? Am No Mercy Festival, das ja vor zwei Wochen stattgefunden hat und bei dem die Halle restlos ausverkauft war; oder daran, daß keine wirklich grosse Band dabei ist?

Galder:
Ich hab echt keine Ahnung; das ist mal so, mal so. Mal zwanzig Leute, mal drei- oder vierhundert. Das ist halt immer so, auf jeder Tour.

Rainer:
Liegt wohl auch am Wetter, was? (scherzhaft)

Galder:
Yeah. (bierernst). Gutes Wetter, wenig Leute.

Rainer:
Gibt es denn irgendwelche Bands, mit denen Du besonders gerne mal auf Tour gehen würdest?

Galder:
MORBID ANGEL wären cool, vielleicht CANNIBAL CORPSE. Es gibt ja keine wirklich "grossen" Black Metal Bands; vielleicht EMPEROR, das wär cool.

Rainer:
Du meinst also die Mischung aus extremen Death und Black Metal Bands?

Galder:
Yeah, das wäre cool.

Rainer:
Der Black Metal als solcher ist ja leider voller Klischees. Satanismus usw., was ist Deine Einstellung zu Religion bzw. Politik?

Galder:
Hmmm... da weiss ich gar nicht, was ich antworten soll. Wir haben unsere Überzeugung(en) und wir vergleichen diese nicht mit Religionen und auch nicht mit Black Metal. Wir haben unsere eigenen Ideen.

Rainer:
Ihr wollt es also nicht so halten wie ganz bestimmte Black Metal Bands, die den Leuten vorschreiben wollen, was falsch und was richtig ist?

Galder:
(auf norwegisch) Nein, nein.

Rainer:
Genau das wollte ich eigentlich auch von Dir hören.

Galder:
Ich hasse es, solche Fragen beantworten zu müssen, das ist praktisch unmöglich.

Rainer:
Ich weiss, aber fragen muß man sowas halt trotzdem, wenn man eine Black Metal Band interviewt.

Galder:
Yeah, ich weiss.

Rainer:
Letzte Frage: wie verdienst Du eigentlich Deinen Lebensunterhalt?

Galder:
Mit Arbeit. (Ja Respekt! Das ist wirklich revolutionär! d.Verf.)

Rainer:
Aha. Arbeitest Du Vollzeit oder wie kommst Du über die Runden?

Galder:
Ich hab eine Art Teilzeitjob, weil man mit Black Metal nicht genug Geld verdienen kann, um vernünftig leben zu können.

Rainer:
Was für ein Job ist das denn?

Galder:
Ach, webpagedesign. Mit Computern halt. Langweilig.

Rainer:
Gut, dann überlass ich Euch jetzt Euch selbst. Vielen Dank für das Interview und viel Spaß noch.

Galder:
Hast Du nicht noch ein paar Fragen?

Rainer:
Nein, leider. Ich hab Dir ja versprochen, daß wir uns kurz fassen.

Galder:
Okay, bye.

Redakteur:
Rainer Raithel

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