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OMNIUM GATHERUM: Interview mit Band

01.01.1970 | 01:00

Von wegen wortkarge Finnen... OMNIUM GATHERUM hatten in unserem gemeinsamen Gespräch einiges zu sagen. Und als wäre diese überraschende Offenheit nicht schon verwunderlich genug, so hielt es auch fast jedes Mitglied der Band für wichtig, die passenden Statements zu meinen Fragen loszuwerden. Schließlich wurde aus dem geplanten Dialog ein ausführlicher Plausch mit vier redefreudigen Finnen, die jedoch, und das war dann das Konfuse, auch noch zu fast jedem Thema eine andere Meinung haben. Seltsam diese Finnen, aber doch sehr interessant, was OMNIUM GATHERUM zu sagen haben.

Björn:
Hallo, wie geht es euch?

Jarmo:
Mir geht es gut, danke der Nachfrage!

Janne:
Ich kann ebenfalls nicht klagen, danke!

Markus:
Oh, dasselbe gilt für mich!

Björn:
Der Winter hat schon bei euch in Finnland Einzug gehalten, nicht wahr?

Jarmo:
Ja, es ist schon ziemlich kalt. Ich musste heute morgen mein Auto von Eis frei kratzen. Heute sind es ungefähr –3°C.

Antti:
Es ist der Beginn des Winters, die ersten Fronten sind schon durchgezogen.

Björn:
Mögt ihr den Winter in eurer Heimat?

Jarmo:
Als ich noch ein Kind war, liebte ich den Winter wegen den Schneeballschlachten und den ganzen Kämpfen, um den 'König des Dorfes' auszumachen. Heutzutage gebe ich da nicht mehr so viel drum, denn der Schnee ist mir einfach zu viel.

Antti:
Natürlich liebte ich ihn als Kind. Heute würde ich den Winter weitaus mehr mögen, könnte ich Eishockey oder so etwas spielen. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was ich tun soll. Alles ist mit Kosten verbunden, und ich habe im Moment nicht genügend Geld, um meine Miete zu zahlen. Hoffen wir mal, dass ich den nächsten Winter nicht ohne ein Dach überm Kopf verbringen muss.

Janne:
Ja, es ist keine sehr angenehme Jahreszeit, aber mir gefällt es schon besser vier Jahreszeiten zu haben als nur eine oder zwei. Das erhöht die Vorfreude auf den Sommer um so mehr.

Markus:
Eine der größten Unannehmlichkeiten im Winter ist die Tatsache, dass es manchmal so verdammt kalt ist, dass man lange Strumpfhosen unter den Jeans tragen muss. Das stinkt mir gewaltig.

Björn:
Bringt der Winter denn keine Inspiration für das Songwriting?

Jarmo:
Ich denke nicht. Vielleicht könnten wir aber ein wenig mehr proben, damit uns warm bleibt, haha.

Markus:
Die einzige Inspiration ist, dass man im Winter nichts anderes zu tun hat als sich mit der Gitarre hinzusetzen, etwas herumzufiedeln bzw. zum Proberaum zu gehen.

Antti:
Es gab mal eine Zeit, da war der Winter eine Art Inspiration für mich. Damals so gegen 1995-96 nahm dich niemand ernst, wenn du nicht über die klirrende Kälte, den winterlichen Vollmond oder die Schönheit eines verschneiten Waldes geschrieben hast. Das ist aber schon eine lange Zeit her, doch selbst damals wurde diese Inspirationsquelle lediglich vorgegeben. Natürlich ist da nichts verkehrt dran, über solche Sachen zu schreiben, auf gar keinen Fall, aber in Wirklichkeit sind sie in keinster Weise inspirierend.

Janne:
Ich denke, wir mögen alle den Sommer um einiges mehr, daher wäre er auch sicher inspirierender für uns. Denke doch nur mal an Sauna, Barbecue oder Schwimmen gehen...

Markus:
...und natürlich Bier am Strand!

Björn:
Dann lass uns doch mal über euer neues Album "Years In Waste" reden. Welche Reaktionen habt ihr auf diese Platte bekommen?

Jarmo:
Wir haben gerade alle diese "abwarten und hoffen"-Attitüde. Man kann ja nie wissen, wie die Presse, die Magazine und die Fans reagieren. Natürlich sind wir mit dem Resultat, zum ersten Mal eigentlich, vollkommen zufrieden. Die Songs sind gut und abwechslungsreich, so dass man auch längere Zeit daran Spaß hat. Bislang haben wir nur ein unoffizielles Feedback bekommen, wo es hieß, dass unsere neue Platte besser sei als der direkte Vorgänger "Spirits And August Light" – und genau das denke ich auch. Ich stehe nach wie vor hinter dem letzten Album, aber jetzt bin ich sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind, weshalb ich auch sehr zufrieden bin.

Markus:
Ich habe nur die erste Pressereaktion eines finnischen Magazins gesehen, in dem die Scheibe 4 von 5 Punkten bekommen hat und auch sehr gelobt wurde. So weit, so gut also. Meiner Meinung nach ist es aber auch das beste Werk, das wir bisher kreiert haben, und Freunde und Leute aus dem Business haben mir diesen Eindruck auch bestätigt.

Antti:
Es scheint, als würden manche es besser finden als unsere älteren Platten, andere hingegen sagen, dass unsere vergangenen Scheiben eingängiger gewesen wären. Diejenigen, die nicht bereit sind, sich intensiver mit der Scheibe auseinander zu setzen und sie öfter zu hören, werden sicherlich sagen, dass "Spirits..." besser war. Aber die anderen... nun, wir werden sehen! Bisher kenne ich drei Reviews; zweimal haben wir 7,5 von 10 und einmal 4 von 5 Punkten, jedoch mit großem Lob, bekommen.

Janne:
Ich stimme zu, dass unsere CD eine längere 'Lebensdauer' hat als unsere letzte. Es dauert sicher eine Weile, bis sie sich öffnet, aber ich bin davon überzeugt, dass sie länger im CD-Player verweilen wird als der Vorgänger. Wir haben schon positives Feedback bekommen, und nun warten wir einfach auf die Reaktionen der Leute.

Björn:
Es sollte aber auch schwer sein, die Leute davon zu überzeugen, gerade euer Album mal anzutesten, wo doch sehr viele hervorragende finnische Bands den Markt bevölkern. Warum sollten sie eurer Meinung nach also gerade OMNIUM GATHERUM anchecken?

Jarmo:
Ich denke nicht, dass wie eine typisch finnische Band sind. Wir kommen zwar aus Finnland, beziehen unsere Einflüsse aber nicht nur daher. Du findest schwedische, amerikanische (Florida), deutsche und vielleicht auch einige afro-kubanische und norwegische Einflüsse hier und dort. Doch diese Vielfalt ist nicht das Wichtigste an der Musik, sondern vielmehr der Sound, den du damit erschaffst. Der Punkt ist, dass du selber mit deiner Musik zufrieden bist, und wenn du selber dahinterstehen kannst, dann mögen es die Leute hoffentlich auch. Meiner Meinung nach sind OMNIUM GATHERUM am besten live zu beschreiben, denn dann kann man die Energie und die Atmosphäre, die uns umgibt, spüren. Aber zunächst muss man natürlich mal unsere Alben hören, um sich auf die Shows vorzubereiten, haha.

Markus:
Wir haben definitiv unser eigenes Ding am laufen. Wir sind eben nicht der Stereotyp einer finnischen Metal-Band.

Antti:
Wir sind eine der chaotischsten Bands aus Finnland. Damit meine ich, dass wir alle so verschieden in unseren Stilen und Meinungen sind, verschiedene Geschmäcker haben, usw. Wir haben keine tatsächliche Richtung für diese Band. Wir gehen alle unsere eigenen Wege, aber so lange wir zusammen kommunizieren können, wird es alles wunderbar funktionieren. Am Ende klingt es schließlich, als würden wir alle das selbe Ding machen, aber diese internen Differenzen kreieren eine Spannung, die es zu einer interessanten Zusammenarbeit macht. So lange wir es hinbekommen, auf diese Weise am Ball zu bleiben, so lange werden wir auch gute Musik machen, die man mal antesten sollte.

Björn:
In meinem Review habe ich euch unter anderem auch mit CHILDREN OF BODOM verglichen. Ihr klingt zwar nicht wirklich ähnlich, aber es gibt einige offensichtliche Parallelen. Würdet ihr mir da zustimmen?

Jarmo:
Ich stimme zu, dass unser letztes Album Ideen und Sounds enthielt, die CHILDREN OF BODOM eingeführt haben. Ja, und es ist ein ziemlich allgemeines Ding, mit dem jede finnische Band zu kämpfen hat, denn immer wird man mit CHILDREN OF BODOM verglichen. Okay, es gibt einige Melodien, die nach ihnen klingen könnten, aber das Gesamtbild ist meiner Meinung nach ein ganz anderes. Wir müssen uns nicht in die Kategorie der BODOM-Rip-Offs einordnen, denn dafür haben wir weitaus mehr anzubieten. Andererseits haben die Zuhörer alle eine anderen Meinung zu diesem Thema. Sie sollen sich selber ein Bild davon machen, wenn sie die Musik von OMNIUM GATHERUM hören.

Markus:
Das ist schon komisch, denn in einem Interview mit einem anderen Magazin erzählte mir der Journalist, dass er glücklich ist, dass wir eben nicht wie CHILDREN OF BODOM klingen, auch wenn wir melodischen Death Metal spielen und aus Finnland kommen. Wir hatten früher sicherlich einige ähnliche Sounds, aber auf der neuen Platte gibt es nicht wirklich viel, was man damit vergleichen könnte – es sei denn, du zählst aggressiven Gesang, verzerrte Gitarren, Gitarrensoli, Doublebass-Drumming auch dazu. Das sind alles harte Sachen, haha!

Antti:
Es gibt Parallelen, aber die kann niemand sehen, es sei denn, er kommt nicht aus Finnland. Und so lange die Leute dazu fähig sind, die Texte zu lesen, werden sie feststellen, dass mit nicht viel mit den CHILDREN OF BODOM gemeinsam haben. Eigentlich gibt es viel mehr Parallelen zu einer finnischen Demo-Band namens INEARTHED... Warum hast du den Namen geändert, Laiho? Und dann ist da noch diese andere Band, DECAYED, mit denen wir ebenfalls einige Riffs geteilt haben...

Björn:
Oh, also bin ich nicht der erste, der diesen Vergleich aufgestellt hat?

Jarmo:
Wir wollen uns einfach nicht als schlechte Fotokopie einer anderen Band bezeichnen lassen. Natürlich haben schon einige Leute diese Parallelen gesehen, aber ehrlich gesagt kümmere ich mich darum nicht wirklich.

Markus:
Manche sagen das, manche nicht. Wir sind auch schon mit Bands wie DARK TRANQUILLITY, NEVERMORE, MESHUGGAH, CARCASS und OPETH verglichen worden. Ich denke, ein solcher Vergleich muss halt immer sein, auch wenn man gar nicht nach bestimmten Bands klingt. Es wäre schon erfrischend und toll, wenn es auch Album-Reviews geben würde, in denen keine andere Band genannt wird. Das ist nämlich in dieser Sparte recht selten der Fall.

Antti:
Ich glaube, du verwechselst uns jetzt mit NORTHER. Sie hatten auf ewig das Kreuz zu tragen, ein BODOM-Clone zu sein, nicht wir. Ich kann mich nicht erinnern, dass Leute gesagt haben, wir würden wie sie klingen, jedenfalls nicht in diesem Jahrtausend. Es gab mal einen Song, von dem ich sagen würde, dass er extrem von COB beeinflusst war, doch als wir ihn mit Ammo aufgenommen haben, änderte er sein Gesicht sehr schnell. Paljon melua tyhjästä.

Janne:
Ehrlich gesagt habe ich seit "Spirits..." gar nicht mehr viele von diesen Kommentaren gehört. Wir stammen aus einer ganz anderen Richtung. Es ist eben schwer in Finnland Musik mit Gitarrensoli zu spielen ohne direkt mit ihnen verglichen zu werden. Aber hey, jeder Zuhörer soll sich ein eigenes Bild machen.

Björn:
Gut, dann nenne ich mal zwei andere Bands, mit denen ihr vielleicht mehr anfangen könnt – OPETH und KATATONIA. Haben diese beiden Bands euch schon eher inspiriert?

Antti:
OPETH ganz bestimmt! Das gilt jedoch nicht für mich, aber ich bin ja auch nicht derjenige, der die Musik schreibt. KATATONIA trifft aber auch bei mir zu. Sie sind die einzige schwedische Metal-Band, die ich mir nach all den Jahren noch anhöre... und natürlich ab und zu noch ENTOMBED. Damit meine ich nicht, das irgendetwas mit den anderen Gruppen nicht stimmen würde, aber KATATONIA sind einfach einer der größten Einflüsse für mich persönlich, sei es auch nur in nostalgischer Sicht.

Jarmo:
Natürlich gibt es Einflüsse von den Bands, die du aufgezählt hast, aber das sind nicht die einzigen Gruppen, die wir uns anhören. Besonders der Song 'Black Sea's Cry' ist massiv von OPETH beeinflusst, aber wir wollten ihm schon unsere eigene Note verleihen, und das haben wir, so denke ich, auch ganz gut gemacht.

Markus:
Ich mag die Musik dieser beiden Bands wirklich sehr, so dass sie unseren Sound, wenn auch unbewusst, beeinflusst haben könnten. Mir persönlich gefällt Musik, in der Emotionen mit Aggression vermischt wird, sie muss außerdem temperamentvoll sein. Aber "Brave Murder Day" von KATATONIA und alle Alben von OPETH sind in der Tat grandios.

Björn:
Meiner Meinung nach habt ihr eine perfekte Mixtur aus aggressivem Death Metal und melancholischen Sounds erschaffen. Warum habt ihr euch für diesen Sound entschieden?

Jarmo:
Das war sicher keine Entscheidung, schnell und aggressiv zu klingen. Wir hören uns alle sehr gerne diese schnellen Death-Metal-Bands wie beispielsweise MORBID ANGEL oder DEATH an. Das kann unser Songwriting sicherlich beeinflussen, wenn wir neues Material einproben. Wir wollen die Sachen machen, bei denen wir uns am besten fühlen. Manchmal passt halt dieser schnelle und aggressive Stil sehr gut, während in anderen Passagen ein eher 'zurückgelehnter' Part die bessere Variante ist. Es hat lediglich was mit unserem Geschmack und der Art, auf die wir Musik produzieren, zu tun.

Janne:
Wenn du jeden Tag das selbe machst, wirst du sehr schnell davon gelangweilt sein. Wir verändern uns nicht musikalisch, nur der Veränderung willen. Es macht einfach keinen Sinn, immer wieder die selben Sachen zu machen, das wird langweilig. Du kannst einen sehr großen Unterschied zu unseren alten Alben erkennen, aber ich bin mir sicher, dass sich unser nächstes Machwerk wieder sehr von "Years In Waste" unterscheiden wird.

Markus:
Es wäre nicht unser Ding, einfach nur brutalen Death Metal zu spielen, ebenso wie wir uns nicht ausschließlich auf melancholische Klänge oder Gothic Metal beschränken wollen. Wir haben eben entschieden diese beiden Sachen auf unsere Art und Weise zu mischen. Entschuldige, wenn ich das Wort Gothic in diesem Zusammenhang genannt haben, denn wir haben mit dieser Musik absolut nichts zu tun, es war nur ein Beispiel.

Björn:
Dann fassen wir mal zusammen: Was hat den größten Einfluss auf eure Musik?

Antti:
Der Geist unseres Verstärkers...

Janne:
...der konstant kaputt ist.

Jarmo:
Es ist schwer eine Band oder einen Künstler zu nennen, aber, wie ich eben schon sagte, haben Gruppen wie DEATH, OPETH, JUDAS PRIEST, AT THE GATES, MORBID ANGEL, KATATONIA etc. einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mir persönlich gefallen diverse Stilistiken und Genres, und so geht es jedem anderen in der Band. Unser Bassist Janne kann sich hinsetzen und irgendwelchen Garagen-Rock hören, während Harri sich eine JOHNNY CASH-Platte einwirft. Markus war gerade auf einem Konzert von WHITESNAKE in Helsinki und unser Sänger Antti hat zu den Rhythmen von KATATONIA gebangt.

Markus:
IN FLAMES, DEATH, EDGE OF SANITY, DARK TRANQUILLITY und AMORPHIS hatten einen großen Einfluss zu der Zeit, als wir die Band 1996 gründeten, aber heute kommen die Einflüsse nahezu überall her.

Antti:
Ich darf TOM WAITS nicht vergessen. Ach ja, LEONARD COHEN und NICK LOWE sind meine absoluten Favoriten. "Let's stay in and make love".

Markus:
Hm, es gibt innerhalb der OMNIUM GATHERUM-Crew einige verschiedene Meinungen zu einem Kerl namens TOM WAITS, haha!

Björn:
Ihr habt eure Platte "Years In Waste" genannt. Was steckt hinter diesem Titel?

Antti:
Das bedeutet, dass man sein Leben und seine Zeit auf verschiedene Art und Weise verschwenden kann, zum Beispiel, indem man in einer kleinen Garage wohnt.

Björn:
Und wovon handeln die Texte? Die Songtitel lassen einen sehr depressiven Inhalt vermuten.

Antti:
Es geht um Depressionen auf dem Lebensweg. Es gibt aber viele verschiedene Themen, wie der Spaziergang durch einen Park, wobei man mit Pilzen vollgedröhnt ist. Gott und Teufel konkurrieren sehr häufig miteinander. Und dann gibt es noch etwas in der Art von Richard Wagner's "Rheingold"; Geld spielt eine sehr negative Rolle auf diesem Album, also verschwende es!

Björn:
Ich habe angenommen, "Years Of Waste" sei ein Konzeptalbum, aber ich bin mir nicht mehr so sicher. Was kannst du mir hierzu sagen?

Antti:
Wie jedes unserer Alben ist auch "Years Of Waste" ein Konzeptalbum, aber ist das Konzept dieses Mal besser versteckt. Es kreiert eine sinnhafte Bedeutung und einen Zusammenhang, ohne dass ein linearer Handlungsstrang zu finden ist. Es dient als Struktur, die alles zusammenhält... und ich schwöre, dass es da ist!

Björn:
Ihr habt eben schon öfter über eure vergangenen Alben gesprochen, doch muss ich zugestehen, dass ich OMNIUM GATHERUM erst mit dem neuen Album kennen gelernt habe. Vielleicht könnt ihr mir daher etwas über eure älteren Releases erzählen.

Markus:
Rein musikalisch geht "Steal The Light", unsere Debüt-Mini-CD aus dem Jahre 2002, mehr in Richtung skandinavischer Standard-Melodic-Death-Metal. Da hast du auch diesen BODOM-Vibe, haha. Diese Scheibe hat einen sehr sauberen Sound, da es sich hierbei um unsere erste richtige Studioaufnahme handelte. Alles war cool zu der Zeit und wir hatten gar keine echte Vorstellung davon, wie unser Album schlussendlich klingen sollte. Trotzdem finde ich, dass es nach wie vor ein sehr cooler Release ist. Wir wurden sehr gut und mit großen Interesse in der Metal-Szene empfangen, und unser darauffolgendes Album "Spirits And August Light" bekam noch weitaus mehr Aufmerksamkeit.
"Spirits..." war unsere erste komplette Scheibe und auf diesem Release wurde die Musik härter, aber auch individueller. Es ging mehr in diese schwedische Death-Metal-Richtung mit Vibes von AT THE GATES, IN FLAMES, EDGE OF SANITY und ENTOMBED. Der Sound ist sehr rau und aggressiv, es ist ein sehr direktes Album!

Antti:
Sieh dir dazu die Reviews, Interviews und Texte auf unserer Website an, dort wirst du genügend Antworten auf diese Frage finden.

Janne:
In Kurzform: Die erste Mini-CD "Steal The Light" war eine neu aufgenommene Version unseres Demos "Wastrel". Rage Of Achilles wollten das Demo veröffentlichen, aber wir wollten es neu einspielen, weil der Sound doch ziemlich arm war. "Spirits And August Light" war unsere erste Full-Length. Es befanden sich zwei Songs von unserer Mini-CD, einige Demo-Songs und neuer Stoff darauf. Ich finde, es ist ein gutes Album, aber es klang bei seinem Release nicht mehr so wie die Band zu dieser Zeit. Wir arbeiteten bereits an neuem Material. Die Mini-CD wurde in einem Durchgang aufgenommen; der Sound ist daher zwar klar, aber eben auch sehr dünn. Auf unserem ersten Album hatten die Gitarren definitiv mehr Eier und alles klang viel dreckiger; wir bewegten uns auch schon in Richtung unseres aktuellen Sounds.

Björn:
Kann man diese Alben in ganz Europa bekommen, oder habt ihr sie nur auf dem finnischen Markt veröffentlicht?

Markus:
"Spirits And August Light" und die Mini-CD werden zusammen auf einem Album von Nuclear Blast wiederveröffentlicht werden und zusammen mit dem neuen Album im November auf den Markt kommen. Sie sind beide bei Rage Of Achilles erschienen, eigentlich sollten sie weltweit erhältlich sein, aber möglicherweise sind sie auch schon ausverkauft.

Björn:
Ich habe gelesen, dass ihr vor dem Release von "Spirits And August Light" einige Probleme gehabt habt. Was war genau los?

Antti:
Nein, eigentlich gab es da nichts, außer eine achtmonatige Verschiebung der Veröffentlichung und solche Sachen, und ich muss einen riesigen Dank an Duncan von Rage Of Achilles aussprechen, der alles menschenmögliche getan hat, um unsere Scheiße auf den Markt zu bringen. Sogar Mika Jussila aus dem Finnvox Studio beschwerte sich über das Dahinscheiden von Rage Of Achilles. Um es mal mit einer Metapher zu sagen: Duncan stahl bei den Reichen und gab es uns Armen.

Björn:
Außerdem habe ich etwas von einer Tour mit CHILDREN OF BODOM und ZYKLON gelesen. Welche Erfahrungen habt ihr dort sammeln können?

Antti:
Eine Tour? Das war vielmehr eine Warm-Up-Show.

Jarmo:
Wir haben nur einen Gig mit diesen beiden Bands gespielt. Das Konzert mit CHILDREN OF BODOM in Nosturi war eine großartige Erfahrung für uns. Ich erinnere mich noch, dass wir während unserer Show eine recht miese Soundqualität hatten, aber alles andere verlief sehr gut. Die BODOM-Jungs waren ebenfalls sehr nett. Auch der Gig mit ZYKLON im "On The Rocks"-Restaurant in Helsinki war nett. Deren Crew war total cool und Backstage haben wir dann über ihre Touren mit MORBID ANGEL usw. geredet. Als Schlagzeuger haben mich die Fähigkeiten von Trym vollkommen weggeblasen. Sehr cool!

Janne:
Bei der BODOM-Show war der Sound wirklich mies, aber es hat trotzdem eine Menge Spaß gemacht, dort zu spielen. Das Konzert war ausverkauft und es waren sehr viele Leute da. Ich zitterte vor der Show, doch das fasste ich als gutes Zeichen auf, da so eine gewissen Spannung und Energie vorhanden war. Von dem ZYKLON-Gig weiß ich nicht viel, weil ich gar nicht da war. Tuomo von ELENIUM hat mich dort ersetzt, weil ich bei der Arbeit nicht frei bekommen habe.

Björn:
Was passiert denn so bei euren Live.Shows?

Jarno:
Energie, Adrenalin, Headbanging und verrückte Gesichter. Ach ja, und gute Musik!

Janne:
Da ist eine Narbe zwischen meinen Augen, die mich jedes Mal wieder daran erinnert, was bei der Live-Action von OMNIUM GATHERUM passiert.

Markus:
Es steckt wirklich eine Menge Energie in unserer Performance. Wir stehen nicht einfach nur herum sondern bangen richtig ab und rasen über die Bühne. Und natürlich spielen wir so gut und sorgfältig, wie wir nur können. Manchmal verhält sich unser Sänger Antti auch ein wenig seltsam, hehe. Oder aber unser Bassist wird mit einer Gitarre zwischen den Augen getroffen, während er mosht.

Björn:
Jetzt, wo ihr bei Nuclear Blast unter Vertrag seid, sollte eine Tour durch Europa ja eigentlich kein Problem mehr sein. Habt ihr schon irgendwas geplant?

Janne:
Es existieren noch keine Pläne, aber hoffentlich wird schon bald etwas in die Wege geleitet. Wir warten sehnsüchtig darauf.

Antti:
Eigentlich hätte schon eine Tour mit CANNIBAL CORPSE durch die nördlichen Staaten stattgefunden, doch leider passte diese nicht in unseren Terminkalender. Lass uns mal abwarten, was nächstes Jahr passiert.

Björn:
Gäbe es denn eine Band, mit der ihr gerne auf Tour gehen würdet?

Jarmo:
Natürlich wäre es eine nette Sache, mit einer großen Band auf Tour zu gehen. Da würden mir viele Bands einfallen, ganz egal, wer das auch ist, die Hauptsache ist, dass es überhaupt eine Tour mit irgendjemandem sein wird.

Markus:
Die erste Band, die mir einfallen würde, ist DEATH, aber leider ist deren Sänger verstorben, also wird irgendwas in diesen Dimensionen schon gar nicht klappen. Ansonsten vielleicht IN FLAMES, JUDAS PRIEST oder SOILWORK?

Antti:
THE GATHERING oder NICK LOWE. Aber ehrlich, ich würde mit jedem auf Tour gehen, so lange nur jemand den Trip bezahlt.

Björn:
Das sollte bei Nuclear Blast ja mittlerweile kein Problem mehr sein. Wie seid ihr denn an das Label herangekommen?

Jarmo:
Wir schickten ihnen unsere neue CD und warteten die Antwort ab. Das ist es auch schon. Natürlich hatten wir auch vorher schon Kontakt mit Nuclear Blast. Es fanden bereits Gespräche über einen möglichen Lizenzvertrag zu unserer ersten CD statt, so irgendwann 2002 oder 2003.

Antti:
Es muss wohl ein Unfall gewesen sein, haha.

Markus:
Es gibt in Australien eine weitere Band namens OMNIUM GATHERUM, die jedoch brutalen Death Metal spielt. Vielleicht haben Nuclear Blast uns ja mit dieser Gruppe verwechselt, haha!

Björn:
Seid ihr zufrieden mit ihrer Arbeit?

Jarmo:
Sehr zufrieden sogar. Viele Grüße an die gesamte NB-Crew.

Björn:
Was ist denn der größte Unterschied zu eurem letzten Label?

Jarmo:
Ja, weißt du, der größte Unterschied ist der, dass Rage Of Achilles nur ein Ein-Mann-Label war. Nun haben wir eine große Organisation hinter uns. Ich denke, das sagt schon so einiges aus. Alles geht so entspannt und problemlos vonstatten.

Antti:
Die anderen waren keine Labels im herkömmlichen Sinne. Sie haben einfach nur Licht, Zeit und Luft für solche Bands wie AMORAL, ELENIUM, KIUAS und MANITOU gestohlen. Dieses Mal ist es, naja, du weißt schon.

Janne:
Alles wird mit deutscher Präzision erledigt, und es ist viel einfacher mit Nuclear Blast zu arbeiten, weil der Informationsfluss zwischen Band und Label sehr gut ist. Vielen Dank an Nuclear Blast für die gute Arbeit bislang.

Björn:
Gut, wir kommen langsam zum Ende, aber bevor wir aufhören, möchte ich noch eure jeweiligen Top-5-Alben aller Zeiten kennen lernen, wenn ihr euch schon auf so verschiedene Einflüsse festlegt...

Jarmo:
Ohne Reihenfolge: MORBID ANGEL – "Covenant" und "Altars Of Madness", SLAYER – "South Of Heaven", DEATH – "Human", JUDAS PRIEST – "Painkiller".

Markus:
Aaargh, ich hasse solche Fragen, da ich ca. 100 Lieblingsalben habe. Also, "Human" von DEATH, "Painkiller" von JUDAS PRIEST, "Anthems To The Welkin At Dust" von EMPEROR, "Never, Neverland" von ANNIHILATOR und "Rust In Peace" von MEGADETH.

Antti:
Alles von KATATONIA, "Anthems To The Welkin At Dust" von EMPEROR, "Amok" von SENTENCED, "A Deeper Kind Of Slumber" von TIAMAT und "To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth" von ENTOMBED.

Janne:
Das kann ich unmöglich beantworten, da hat man einfach zu viele Optionen.

Björn:
Habt ihr denn zum Ende hin noch etwas zu sagen?

Jarmo:
Es wäre cool, dich in Deutschland zu treffen. Viele Grüße an alle Metalheads!

Janne:
Vielen, vielen Dank für das Interview. Wir hoffen, bald bei euch in Deutschland spielen zu können. Hört euch AC/DC an!

Antti:
Ja, vielen Dank. Ich mag Deutschland und ganz speziell Hölderlin. Aber kannst du mir bitte den Tourist-Guide von Cochem schicken, damit die mir die 300€ zurückschicken können, die ich wegen den doofen Fahrplänen dort verloren habe?

Markus:
Cheers!


Redakteur:
Björn Backes

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