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ORDER TO RUIN: Interview mit Denis Pfeffer

04.11.2015 | 12:11

Seit einigen Jahren steht ORDER TO RUIN für konstant hochwertigen, melodischen Death Metal, ohne dabei aber endlich auch mal die Lorbeeren für all die Mühen zu ernten. Ein Blick auf den Release-Schedule sagt eigentlich schon mehr als tausend Worte. Denn eine Band, deren normale VÖ-Taktung in Monaten besser auszudrücken ist als in Jahren, hat mehr als nur Fleißkärtchen verdient - zumindest wenn sie auf einem solch hohen Niveau agiert wie Denis Pfeffer und seine Spießgesellen. Der Mastermind steht an dieser Stelle Rede und Antwort und beschreibt die Umstände im Bandcamp.

Hallo, alles klar soweit?

Moin, jau alles tutti. Wir arbeiten gerade an unserem zweiten noch recht neuen Projekt GALLOWS BEYOND THE NIGHTSKY, wo auch in Kürze die erste EP erscheinen wird. [Die EP "A Sad Farewell" erschien Anfang September. - d. Red.] Es gibt also immer was zu tun!

Zunächst mal möchte ich mich entschuldigen, dass zwischen Ankündigung des Interviews und der letztendlichen Umsetzung so viel Zeit verstreichen musste. Ich hoffe, die Motivation ist dadurch nicht geschwunden?

Kein Ding, gerade wenn man viel um die Ohren hat, vergisst man mal sowas. Da wir aber 100% hinter der Musik stehen, ist die Motivation immer hoch, sonst würde man so ein selbstfinanziertes Hobby wohl kaum durchziehen.

Kommen wir direkt einmal zur neuen Scheibe: Ihr habt vor den Aufnahmen zu "The Book Of Nemesis" ein paar Rückschläge einstecken müssen. Unter anderem musste der Posten am Mikro neu besetzt werden. Was ist nach dem vorherigen Album geschehen?

Es war abzusehen, dass der Tobi uns nicht allzu lange erhalten bleiben würde. Er hat selbst andere Sachen am laufen und dadurch wurde es mit der Zeit auch ein Problem. Und ich wiederrum möchte nur mit Leuten zusammenarbeiten, die wirklich 100% hinter der Sache stehen, sonst hat das wenig Sinn. Es steckt eine Menge Arbeit darin, daher ist es auch wichtig, das bestmögliche Material abzuliefern. Und mit Mike ist der bestmögliche Ersatz gefunden worden, der im Nachhinein gesehen der wahre Glücksgriff ist: engagiert, den Blick nach vorn und voll motiviert. Einen Schlagwerker werden wir wohl aber nie haben, das würde dann auch den Rahmen der Kosten sprengen.

Meines Erachtens habt ihr euch noch ein ganzes Stück weiter dem klassischen Death Metal gewidmet. Würdest du diese Entwicklung unterschreiben? Wie würdest du die Entwicklung seit der letzten Scheibe grundsätzlich betrachten?

Ich selber bin ja auch nicht mehr der Jüngste. Und mit 38 Jahren bin ich eben sehr in den Neunzigern verwurzelt. In der Zeit erschienen die besten Melo-Death-Platten überhaupt. Das spiegelt sich auch bei ORDER TO RUIN wider. Ich liebe diese Göteborg-Sounds, egal ob GATES OF ISHTAR, EVERDAWN, SACRILEGE oder die alten, guten IN FLAMES. Das wird auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil von ORDER TO RUIN bleiben. Dem stumpfen Death Metal, wie er momentan wieder mehr angesagt ist, fehlt einfach der Melodieanteil. Ich werde in Kürze auch mit dem Songwriting der siebten Scheibe anfangen. Natürlich wird es wieder sehr schwedisch klingen, IRON MAIDEN wird aber auch vermehrt Platz bei uns finden.  Man darf also gespannt sein.

Nachdem eure ersten Alben noch kein durchschlagend positives Feedback erhalten haben, seid ihr seit dem Release von "The Loss Of Distress" voll auf Kurs. Gibt es einen speziellen Umstand, dem du dies zuschreiben würdest?

Mit der ersten EP "Underworld Path" wusste ich noch gar nicht so genau, wo die Reise hingeht. Es wurde etwas rumprobiert, hier und da was eingebaut. Das Ergebnis sind sehr unterschiedliche Songs, die miteinander nicht richtig harmonieren wollen. Man schreibt ja keine Songs, weil andere das wollen. Man kann sowas nicht planen. Irgendwann haben wir aber das gefunden, was auf den ersten beiden Platten noch nicht da war. ORDER TO RUIN ist ein selbstfinanziertes Hobby, welches tatsächlich einige Fans hat, was natürlich ein sehr netter Nebeneffekt ist. Es liegt aber glaub ich auch daran, dass wirklich Viele den guten alten Sound vermissen, der die 90er so geprägt hat. Wir versuchen nur einen Teil daraus am Leben zu erhalten. Man muss auch selber Fan sein um sowas umzusetzen. Wer schon oben genannte Bands nicht mag, der wird mit dieser Art von Metal auch nicht warm werden.


Auffällig ist vor allem auch, dass ihr nie viel Zeit verstreichen lasst, bis die nächste Scheibe im Kasten ist. Wie gelingt es, das Niveau trotz allem derart hoch zu halten?

Das frage ich mich auch! Die Songs entstehen teilweise sehr schnell und werden vom Rhythmus her auch später nur noch marginal verändert. Das Spontane ist auch sehr wichtig, zu lange an Songs herumzubasteln find ich auch nicht sinnvoll, man verschlimmbessert dann auch gern mal. Da wir ja auch nicht proben, entstehen die Songs eh zuhause und haben dann diesen spontanen Charakter. An guten Riffs wird fesgehalten, dort herum dann der Rest des Songs gestrickt. Etwas seltsame Herangehensweise, aber es funkitioniert. Da wir aber auch nur als Projekt agieren und nicht auftreten, geht keine Zeit mit Gigs, Proben und sonstigem Kram flöten.

"The Book of Nemesis" ist bereits die sechste Scheibe in knapp vier Jahren - woher kommt die Inspiration für all das?


Ich glaube, das liegt in erster Linie daran, den Willen zu haben sich immer wieder zu toppen. Wenn man Songs fertig hat und merkt, hm... naja... ich weiß nicht, kann man es direkt vergessen. Man merkt schnell, ob aus einem Song was wird, oder er später nur als Lückenfüller dient. Und genau das will ich auf keinen Fall. Die Inspiration kommt natürlich aus der alten Zeit, nicht dass man gezielt klauen würde, aber man hört was und denkt dabei: Cool, so einen Song schreib ich auch. Der klingt danach dann meist völlig anders, aber das ist dann auch gut, so kommt nie der Gedanke des Kopierens auf. Wir haben unsere kleine Nische gefunden und wollen da auch gern bleiben.

In meinen letzten Rezensionen habe ich unter anderem hervorgehoben, dass ihr euch stilistisch nicht selten im Umfeld von DISMEMBER bewegt. Der Sound jener Zeit, als die Stockholmer richtig erfolgreich waren, ist längst nicht mehr so akut gefragt, dennoch hat er zweifelsfrei seine Daseinsberechtigung. Ist diese Phase der Death-Metal-Historie für euch die entscheidende?

DISMEMBER gehört für mich definitiv mit in das Raster. Gerade "Like An Everflowing Stream" ist ein geiles Album. Allerdings sehe ich DISMEMBER eher weniger in unserem Sound, vielleicht der eine oder andere Leadgitarren-Part. Wir arbeiten auch mehr mit Doublebass, bei DISMEMBER groovt es mehr und hat auch mehr diese typischen Ufta-Ufta-Drums. Außerdem haben wir die Gitarren nicht so tief gestimmt. Wir sind ja mit Drop c noch eher harmlos.

Der melodische Death Metal ist in den letzten zehn Jahren deutlich modernisiert worden. Die Vorreiter dieser Szene sind weit vom Kurs abgekommen, konnten aber gerade in der letzten Dekade massiv Erfolg feiern. Wie bewertetest du diese Veränderung?


Irgendwo ist es nachzuvollziehen, wenn man als Musiker Geld mit dem verdienen möchte, was man tut. IN FLAMES mal als Beispiel: Die Band hat für mich den Grundstein gesetzt, was sehr viele inspiriert hat. Allein schon die EP "Supterranean" und die erste Platte "Lunar Strain" waren völlig neu und der Startschuss für viele andere auch. Allerdings ging es für mich die Ära zu Ende, als "Reroute To Remain" kam, diese war noch sehr geil, aber eben nicht mehr IN FLAMES. Die Hörer werden auch jünger, mögen einfach viele Sachen, die sie aufschnappen. Allerdings wächst man auch anders auf, und da entgehen einem viele Perlen, die eben so wichtig für die Szene waren bzw. sind. Heute muss alles fett sein, ballern und wird sofort gut gefunden, egal wie austauschbar das ist. Es kehrt immer mehr Seelenlosikgeit in die Musik ein, ich hoffe das ändert sich wieder.

Gibt es denn auch einige modernere Acts, die du als nachhaltigen Einfluss herausfiltern könntest?

Ein klares Nein.

Ihr habt nun in steter Regelmäßigkeit richtig starken Stoff herausgegeben, dennoch macht ihr das alles immer noch in Eigenregie. Gab es bis dato keine Kontakte zu irgendeinem Label?

Es gab mal einen kurzen Kontakt, aber das hat sich auch sehr schnell erledigt, weil ich bzw. wir nicht gewillt sind, einem Label Geld in den Rachen zu werfen, nur um uns zu signen. Dann machen wir es lieber selbst. Außerdem müsste man touren, bzw. Shows spielen, was ja schon fast Pflicht ist. Dafür bin ich selber zu sehr Fan, um mir da reinreden zu lassen. Man merkt bei einigen Veröffentlichungen, dass das Label zu großen Einfluss auf die Musik nimmt, das ist Käse. Solange wir Spaß dran haben und das alles fianzierbar ist, machen wir es selbst. Über Facebook, Bandcamp und Youtube kann man genug werben. Außerdem wollen wir nicht groß hinaus. Die Klassiker sind eh alle geschrieben. Da reicht es auch aus, nur einen kleinen Beitrag zu leisten.

Welche Voraussetzungen müssten denn erfüllt sein, damit ihr die Band in die Hände einer Plattenfirma geben würdet?

Keine Knebelverträge, keinen Zwang, Shows zu spielen, und vor allem kein Einkaufen. Also eher unrealistische Ansprüche...

Auf eurer neuen Scheibe gab es ein paar kleine musikalischen Veränderungen, soll heißen ihr seid nicht den risikoarmen Weg gegangen und habt "The Path To Atrocity" kopiert. Dennoch sollte es künftig schwer sein, den Sound weiterzuentwickeln und sich als Band immer wieder aufs Neue zu erfinden. Wie kann das deiner Einschätzung nach dennoch gelingen?

Mit "The Book Of Nemsis" ist uns das bisher stärkste ORDER TO RUIN-Album gelungen, ob wir das toppen können bzw. den Level halten können, wird sich zeigen. Natürlich glauben wir dran, sonst würden wir nicht weitermachen. Der Hunger ist da. Wir wollen uns auch nie kopieren, sondern versuchen immer wieder die eine oder andere Sache zu verändern. Das Rad neu erfinden kann aber eh keiner mehr, der Drops ist gelutscht. Die Motivation ist hoch, und wir geben alles, das auf dem Level zu halten.


Bei so viel Songwriting und Studioarbeit fragt man sich, ob ihr es schafft, etwaigen Live-Verpflichtungen nachzukommen.

Da wir ja nicht live spielen - bei drei Mitgliedern eher schwierig - stellt sich die Frage ja nicht. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, der Aufwand ist einfach zu groß. Da Mike in einem anderen Bundesland wohnt, wäre es auch eine Menge Fahrerei, um vor 30 Leuten für 'ne Kiste Bier zu spielen. Der Simon ist auch nicht mehr in Münster, was zur Folge hat, dass eh alles online passiert. Mike und ich haben uns selber noch nie gesehen, der Kontakt klappt rein übers Telefonieren und Schreiben.

Ihr habt ein sehr rasantes Release-Tempo gewählt. Würdest du umgekehrt nervös werden, wenn die Pause zwischen zwei Platten plötzlich mal mehr als ein Jahr betragen würde?

Nein, das natürlich nicht. Wir planen ja nicht so und so viele Platten in einem bestimmten Zeitraum zu veröffentlichen, es ergab sich bis jetzt immer so. Und warum warten, wenn die Platte fertig ist und eine VÖ möglich ist? Man kann nie sagen, ob das Songwriting gut läuft oder schleppend. Das ist auch immer von gewissen Launen abhängig.

Ich gehe mal fest davon aus, dass mittlerweile auch schon wieder neuer Stoff in der Warteschleife hängt. Wie ist der aktuelle Stand?

Mit Abschluss dieses Interviews ist bereits der erste neue ORDER TO RUIN-Song zu 50% fertig, das dauerte gerade mal zwei Stunden. Mal sehen wie es weitergeht. Zur Zeit sind wir noch in den letzten Zügen mit umserem zweiten Projekt GALLOWS BEYOND THE NIGHTSKY. Danach wird sich wieder an die Arbeit gemacht, Business as usual!

Warum sollten unsere Leser deiner Meinung nach mal einen Lauschangriff auf ORDER TO RUIN riskieren?

Leute, die auf oben geannten Metal stehen, werden sicher einige Zitate finden, die Sie an eine fast schon vergessene Zeit erinnern werden. Wir wollen eine kleine Zeitreise ermöglichen, zurück zu den 90ern. Wer also auf alten, melodischen Metal steht, sollte uns unbedingt mal anchecken, vor allem weil es alle Alben als Free Mp3 bei uns auf der Facebook-Seite gibt. Ein Like als Bezahlung reicht, haha!

Last words?

Vielen Dank fürs Interview, ich wünsche eine heavy Zeit und viele gute, kommende Releases. Grüße an alle, die bei ORDER TO RUIN beteiligt waren, dort mitmischen oder uns einfach nur geil finden. Horns up!!!

Redakteur:
Björn Backes

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