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PAPA ROACH: Interview mit Basser Tobin Esperance

19.06.2017 | 22:16

Die ehemaligen Nu-Metal-Senkrechtstarter PAPA ROACH zeigen Zähne. So kann man zumindest den Titel des aktuellen Langspielers "Crooked Teeth" verstehen, auf dem die Amerikaner den Brückenschlag zwischen dem eigenen Frühwerk und dem modernen Sound der letzten Alben schaffen. Für uns war das die Gelegenheit, um uns mit Basser Tobin zusammenzusetzten und über das neue Album zu plaudern. Natürlich konnten wir dabei auch die traurigen Ereignisse beim Konzert von Ariana Grande in Manchester nicht außen vorlassen, immerhin hatte der Vierer auf seiner letzten Europareise auch mit einigen Drohungen zu tun. Doch lest selbst.

Hallo Tobin und erst einmal Glückwunsch zu eurem neuen Album "Crooked Teeth", das in meinen Augen die vielschichtigste Platte ist, die ihr bisher aufgenommen habt. Kannst du mir etwas über die generelle Idee hinter der Scheibe sagen? War für euch von Anfang an klar, dass ihr dieses Mal eure eigenen Grenzen überschreiten und euren Sound in ganz neue Dimensionen führen wolltet?

Tobin: Erst einmal natürlich vielen Dank, wir sind auch wirklich stolz auf die Platte. Eigentlich hatten wir nach dem Ende des letzten Tour-Zyklus zu "F.E.A.R" nicht den Plan, direkt wieder ins Studio zu gehen. Stattdessen wollten wir uns eine kleine Auszeit nehmen und erst einmal nur zusammenkommen, um als Band locker zu jammen und einfach auszuprobieren, wo uns das in Sachen Songwriting hinführen würde. Dementsprechend haben wir uns zuerst auch einfach mit unserem Freund und Produzenten Jason Evigan ungezwungen zusammengesetzt. Wir waren im Januar 2016 bei ihm zu Hause, haben eigentlich nur den Tag genossen und dabei ist 'Born For Greatness' entstanden. Die Arbeit an diesem Track hat einfach jede Menge Spaß gemacht und war ganz anders als unsere sonstige Herangehensweise. Das hört man dem Song auch deutlich an, denn er klingt wirklich ungewöhnlich für PAPA ROACH, trotzdem waren wir uns sicher, dass er den generellen Ton für das nächste Album vorgeben würde. Im Anschluss haben wir dann einige Dinge entschieden. Zum Beispiel wollten wir auf jeden Fall Jacobys Raps wieder stärker integrieren und wir wollten mit Leuten zusammenarbeiten, an die wir wirklich glauben. Dabei wollten wir explizit einen Bogen um die aktuell bekannten Rock-Produzenten machen, die aktuell jeder anfragt, auch um unserem Material einen frischen Anstrich zu verpassen.

Neben einigen sehr melodischen Songs gibt es auch ganz offensichtliche Referenzen zum agressiveren Sound eures Frühwerks, was zum Beispiel bei 'Break The Fall' oder 'Crooked Teeth" ganz besonders deutlich zu hören ist. Macht sich da der Einfluss der beiden Produzenten Nicholas "RAS" Furlong und Colin Brittain bemerkbar, die ja beide bekennende Fans von "Infest" sind?

Das Großartige an Nick und Collin als Produzenten ist, dass sie ein wirklich erstklassiges Gepür für die Balance zwischen Melodie und agressiveren Passagen haben, die uns gerade in den Anfangstagen ausgemacht hat. Natürlich könnten die beiden jeden Song so angehen, als würde es um eine Radio-taugliche Rock-Single gehen, aber genau das wollten wir eben nicht. Stattdessen haben sie großen Wert darauf gelegt, die rohe Energie einzufangen, die unsere Fans von einer PAPA ROACH-Platte erwarten. Wir haben ja schon immer von dieser Balance gelebt. Auf der einen Seite die Intensität des Punk Rocks und auf der anderen Seite die melodischen und ruhigeren Passagen, die dafür sorgen, dass die harten Passagen sogar noch härter klingen.

Der wohl ungewöhnlichste Song auf "Crooked Teeth" ist ganz sicher 'Persicope', der eine sehr moderne Pop-Ballade ist, die in dieser Form sicherlich kaum jemand von euch erwartet hätte. Als Gastsängerin ist hier außerdem Skylar Grey dabei, die den meisten sicher durch ihre Arbeit mit Künstlern wie EMINEM, FORT MINOR oder DAVID GUETTA bekannt sein dürfte. Wie kam der Song und die Kollaboration mit Skylar zustande?

'Periscope' ist einer meiner persönlichen Favoriten auf der Platte. Für mich strahlt er etwas Klassisches und Zeitloses aus. Wir wollten nie so eine typischen Rock-Ballade aufnehmen, wollten aber auch gleichzeitig unsere eher ruhige Seite zeigen und da kam dieser etwas verdrehte Lovesong gerade recht. Skylar hatte auf das Songwriting auch keinen Einfluss, denn der Track war bereits komplett fertig, als wir sie um einen Gastbeitrag gebeten haben. Das Ganze passierte eigentlich sogar kurz bevor wir mit den gesamten Aufnahmen fertig waren. Wir wollten einfach dem Song noch etwas mehr Tiefe verleihen, indem wir eine sexy Frauenstimme mit dazunahmen. Skylar war dann einer der ersten Namen, die uns einfielen. Sie ist eine wirklich talentierte Komponistin und Sängerin, bei der viele gar nicht wissen, wieviele Hits sie inzwischen schon für größere Namen des Business geschrieben hat. Es wird leider oft vergessen, was für eine großartige Künstlerin sie eigentlich ist.

Der Song 'American Dreams' geht gegenüber 'Periscope' dann in eine ganz andere Richtung und fühlt sich für mich fast wie ein politisches Statement an, das die aktuelle Situation in den USA thematisiert. Was denkst du denn über euren neuen Präsidenten Donald Trump?

'American Dreams' ist eigentlich ein ganz persönlicher Song von Jacoby. Sein Vater ist ein Vietnam-Veteran und ich denke, dass Jacoby einfach erkannt hat, wie sehr er vom Krieg seelisch gezeichnet wurde und dass sich diese Situation auch auf das übertragen lässt, was heute in der Welt los ist. Angesichts solcher Dinge hinterfragt man dann schon einiges. Ich meine, die Politik hier, die Medien und Donald Trump, das ist alles eine einzige dramatisierte Show im Moment. Ob dabei irgendetwas Gutes für unser Land herauskommt, das wird wahrscheinlich nur die Zeit zeigen können.

Mit seiner breiten Palette von musikalischen Einflüssen birgt "Crooked Teeth" durchaus das Potential dazu, gerade bei Fans des Frühwerks zu polarisieren. Ist das etwas worüber ihr euch Gedanken macht, wenn ihr ins Studio geht, oder macht ihr euch da bewusst frei von den Erwartungen?

Wenn wir ins Studio gehen, dann sind wir vollkommen frei von solchem Erwartungsdruck. Wir versuchen einfach nur kreativ zu sein und uns selbst treu zu sein. Das bedeutet in unserem Fall aber manchmal auch, dass wir eben ein gewisses Risiko eingehen müssen, um uns als Künstler wirklich ausleben zu können. Wenn die Leute etwas hören wollen, worauf sie sich verlassen können, dann sind sie bei einer Band wie AC/DC wahrscheinlich besser aufgehoben. Wobei das jetzt in keiner Weise negativ klingen soll, denn ich selbst bin ein riesiger AC/DC-Fan, nur tickt PAPA ROACH eben anders.

Bevor wir zum Ende kommen, muss ich natürlich noch die Frage stellen, die alle deutschen Fans brennend interessieren wird: Wann kommt ihr wieder für eine Headliner-Tour nach Deutschland?


Wir werden im September und Oktober wieder in Europa unterwegs sein, die Daten sind vor kurzem bekannt gegeben worden. Außerdem werden wir mit FRANK CATER AND THE RATTLESNAKES eine tolle Support-Band im Gepäck haben, die ich persönlich sehr mag. Ich freue mich schon riesig auf die Tour. (Anm. d. Red.: Die kompletten Tourdaten findet ihr unter dem Interview.)

Wo wir gerade über das Thema Tour sprechen, muss ich dich natürlich auch zu den traurigen Ereignissen beim Konzert von Ariana Grande in Manchester befragen. Ganz besonders, weil ihr ja auch selbst auf eurer letzten Europareise mit FIVE FINGER DEATH PUNCH mit Bombendrohungen zu tun hattet und die Tour sogar schließlich abbrechen musstet. Ist es inzwischen so, dass man solche Szenarien immer im Hinterkopf hat, wenn man Konzerte hier in Europa plant?

Für uns ist steht die Sicherheit der Crew und unserer Fans immer an erster Stelle und gerade vor dem Hintergrund der Ereignisse in Manchester muss man wohl feststellen, dass diese Bedrohung zu einer sehr greifbaren Sache geworden ist, die uns und auch unsere Familien beunruhigt, wenn wir an die Planung einer Tour gehen. Am Ende muss die Show aber weitergehen, denn wir wollen auch nicht in Angst vor diesen Terroristen leben. Menschen zusammenzubringen und gemeinsam die Energie der Musik zu erleben, das betrachten wir als unsere Aufgabe und unsere Pflicht den Fans gegenüber. Natürlich würden wir eine Show bei einer potentiellen Bedrohung canceln, aber das muss man von Fall zu Fall entscheiden. Ganz wichtig ist es heuzutage einfach, dass man sich vor jeder Show besondere Gedanken um die Sicherheit macht und auf sämtliche Details achtet. Das ist bei der Vorbereitung der anstehenden Konzerte unsere Priorität.

 

Sehr wahre Worte von Tobin, denen ich nichts hinzuzufügen habe, außer euch noch einmal einen kompletten Überblick über die anstehenden Tourdaten für den Herbst zu geben:

Fr. 15.09.2017 Hamburg / Sporthalle
Sa. 16.09.2017 Berlin / Velodrom UFO
Do. 21.09.2017 München / Zenith
Mo. 25.09.2017 Ludwigsburg / MHP Arena
Mi. 27.09.2017 Fürth / Stadthalle
Do. 28.09.2017 Offenbach / Stadthalle
Di. 03.10.2017 Oberhausen / Turbinenhalle

Redakteur:
Tobias Dahs

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