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PARADISE LOST: Interview mit Greg Mackintosh

29.08.2009 | 20:29

Das neue Album "Faith Divides Us - Death Unites Us" hat nicht nur einen tollen, bedeutungsschwangeren Titel, sondern führt die Briten wieder in die Nähe ihres Meisterwerks "Icon". Wir sprachen mit Gitarrist und Songwriter Greg Mackintosh.

PARADISE LOST hatte ich nach "Host" und einigen wirklich langweiligen Live-Shows schon abgeschrieben, doch "Faith Divides Us – Death Unites Us" ist tatsächlich wieder düsterer, schwermütiger Metal, der gar Erinnerung an "Icon" weckt. Gitarrist Greg Mackintosh geht sogar noch einen Schritt weiter: "Von der Attitüde her geht das Album sogar in die Richtung von "Shades Of God" und "Gothic". Das liegt auch am Sound, der sehr organisch und dynamisch ist. Wir mögen alle nicht diesen komprimierten Sound, den viele amerikanische Bands haben, er passt zu einigen Bands, aber meistens langweilt er mich schnell. Diese Vorgabe haben wir Jens (Bogren, Produzent von u. a. OPETH & KATATONIA - PK) dann auch gemacht. Und das hat er perfekt umgesetzt. Dennoch war diese Produktion ganz schön anstrengend, denn Jens ist ein ziemlicher Workaholic und hat immer von acht Uhr morgens bis sechs Uhr abends mit uns an dem Album gearbeitet. Ich meine, wir sind eine Metalband, wir fangen normalerweise irgendwann gegen Mittag an und arbeiten bis in die Nacht. Das war eine große Umstellung für uns. Aber als ich das Ergebnis gehört habe, wusste ich, dass es sich gelohnt hat und ich es definitiv noch mal so machen würde."

Den "Albumtitel des Jahres" hat die Band auf jeden Fall sicher. "Faith Divides Us – Death Unites Us" könnte kaum treffender und aktueller sein. "Ich kann jetzt natürlich nur für mich selbst sprechen, aber ich denke, die Welt wäre ein viel besserer Ort ohne Religion. Ich finde es schon merkwürdig, dass ein nachweislich intelligentes Wesen wie der Mensch an eine höhere Macht glauben soll, die ihm sagt, was richtig und was falsch ist. Dabei gibt es nicht mal einen Beweis, dass dieses höhere Wesen, dieser Gott, existiert. Von den vielen Kriegen, die im Namen eines Gottes geführt werden, muss ich gar nicht sprechen." Und auch, wenn dies als Grundthema locker ein Konzeptalbum zulassen würde, geht es auf dem Release nicht nur um Glauben und Religion. "Die Texte handeln von tagtäglichen Problemen, den Blick auf das Leben und eben auch sozialen Texte. 'As Horizon Ends' ist dabei mein Favorit, wo die Lyrics und die Stimmung des Songs perfekt ineinander greifen."

Dass "Faith Divides Us - Death Unites Us" Fans, die nach "Draconian Times" abgesprungen sind, wieder zurückholen kann, ist nach einigen Durchläufen unbestritten. Ein zwanghafter Versuch der Band, dies zu tun, ist das Album nicht. "Wir haben uns nie Gedanken gemacht, wie viele Leute wir mit unserer Musik erreichen. Sonst hätten wir uns nach "Host" auch ernsthaft Sorgen machen müssen, haha. Aber wir machen Musik, weil wir Musik machen wollen. Wenn Fans immer das gleiche Album hören wollen, haben sie dafür IRON MAIDEN oder AC/DC. Wir haben das einmal mit "Draconian Times" gemacht, sind damit aber nicht glücklich geworden. Für mich ist es wichtig, dass wir zufrieden mit unserer Musik sind. Wir haben das Glück unsere berufliche Karriere auf unserem Hobby aufzubauen. Und das ist es, was ich sehr schätze. Gerade, weil uns nichts aufdiktiert werden kann."

Aufdiktieren kann man der Band natürlich auch nicht, wie sich auf der Bühne zu präsentieren hat. Dennoch muss ich die arg gelangweilte Ausstrahlung von Nick Holmes auf der Bühne ansprechen. "Ja, das habe ich tatsächlich schon ein paar Mal gehört. Er möchte einfach nicht so ein cheesy Poser sein wie viele Metalsänger und konzentriert sich auf seinen Gesang. Ich meine, schau dir die YouTube-Generation heute an. Da springen die Sänger wie wild umher und wenn man dann später die Performance auf YouTube sieht und hört, merkt man, dass sie keinen Ton getroffen haben. Und peinlich ist es außerdem. Das passiert Nick sicher nicht." Das YouTube auch sonst durchaus einen Einfluss auf sein Leben hat, fügt Greg sogleich lachend an. "Ja, ich passe jetzt in der Öffentlichkeit schon immer extra auf, was ich so tue. Wenn man sich heute daneben benimmt, ist es noch am selben Tag im Netz zu sehen." Das gilt natürlich noch mehr für die Band als solches. "Jeder unserer Gigs ist am nächsten Tag im Netz. Deshalb spielen wir auch keine neuen Songs mehr, bevor das neue Album erscheint. Früher haben wir das gemacht, aber heute könnte sie am nächsten Tag die ganze Welt hören. Da ist das nichts Besonderes mehr."

Insgesamt sieht Greg die neuen Möglichkeiten mit durchaus gemischten Gefühlen. "Ja, die ganze MP3-Generation hat Vor- und Nachteile. Sie erleichtert vielen Menschen den Zugang zur Musik, gleichzeitig wird Musik mehr und mehr zur Wegwerfware. Man kann irgendwo Songs umsonst runterladen, kurz reinhören und sie dann löschen. Viele Leute scheinen der Musik nicht mehr so verbunden zu sein, wie es viele Leute noch bis vor einigen Jahren waren. Sie ist nur noch eine komprimierte Datei auf einem Rechner und nichts mehr wert."

Ab dem 25. September könnt ihr euch davon überzeugen, dass "Faith Divides Us – Death Unites Us" definitiv mehr wert ist als eine komprimierte Datei am Rechner.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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