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PARAGON: Interview mit Jan

19.11.2012 | 07:40

Ein bestens gelaunter Jan Bertram, seines Zeichens neuer Klampfenmann bei den Hamburgern von PARAGON, stand uns freudigst Rede und Antwort. Kein Wunder, da "Force Of Destruction" bei uns einschlug, wie eine Bombe. Wie es zu dem Einschlag kam, was der gute Mann noch über die Gegenwart und Zukunft der Teutonenkraft aus dem Norden zu sagen hat und warum die Wii-Konsole eine besondere Rolle in der Entstehung spielte, erfahrt ihr hier.

Hallo Jan, Marcel von POWERMETAL.de hier. Vielen Dank, dass Du Dir für meine Fragen einige Zeit nehmt. Wie geht es euch? In Anbetracht der jetzigen Lage müsste das PARAGON-Camp vor guter Laune doch nur so sprudeln?

Kann ich bestätigen. Die Stimmung ist hervorragend. Wir haben bereits mit den Proben für das aktuelle Programm begonnen und können es kaum erwarten, die Stücke auch live zu präsentieren. Mit dem neuen Line-Up herrscht momentan eine enorme Aufbruchstimmung und alle sind gespannt, was noch so passiert.

 

Trotz der vierjährigen Wartezeit zwischen "Screenslaves" und dem neuen Album, ist eine Menge passiert, allen voran die gänzlich umgekrempelte Klampfenfraktion. Warum stießen Du und Wolfgang Tewes zur Band? Wie habt ihr den Sound von "Force Of Destruction" beeinflusst?

Wolfgang wurde eigentlich als Aushilfe in die Band geholt, schnell war aber klar, dass er menschlich super passt und auch seine Stärken im Songwriting gut mit dem PARAGON-Stil harmonieren. So jemanden lässt man natürlich nicht mehr gehen. Und dies beeinflusst ganz klar auch die neuen Stücke. Zudem spielen wir beide einen sehr unterschiedlichen Stil. Das wird zukünftig bestimmt noch zusätzliche Facetten in den Sound einbringen. Meinen direkten Vorgänger kenne ich gar nicht. Er hat sich aber im Bandgefüge wohl nicht so gut etabliert. Chris, unser Drummer, fragte daraufhin bei mir an. Wir spielten bereits vorher in einer anderen Band zusammen. Als langjähriger Fan der Band konnte ich da wohl schlecht ablehnen. Hier bin ich nun: Guten Tag.

 

Was ist in diesen vier Jahren noch so passiert? Weißt du, warum Kruse und Christian die Band verlassen haben?

Hmm, bei Herrn Kruse waren es wohl die berühmten musikalischen Differenzen. Oder es war einfach mal wieder an der Zeit, einen Gitarristen auszutauschen. Tradition verpflichtet halt. :) Bei Bandgründer Martin Christian war es so, dass seine andere Band, KNEIPENTERRORISTEN, immer mehr Zeit in Anspruch nahm und er sich letztendlich gegen PARAGON entschied. Vielleicht war nach all den Jahren auch etwas die Luft raus, um wie gewohnt weiterzumachen. Er ist aber immer noch ein guter Freund der Band.

 

Leider konntet ihr bis dato meine Rezension zum neuen Album nicht lesen und wisst somit nicht, dass ich euch die Höchstpunktzahl (10/10) verliehen habe, Glückwunsch. Gab es im Vorfeld irgendwelche Besonderheiten bei der Produktion oder lief bei euch alles in geregelten Bahnen ab? Es wurde abermals von Piet Sielck produziert oder?

Echt? Vielen Dank dafür. Das schmeichelt uns natürlich sehr. Das Besondere ist natürlich die Tatsache, dass mit Wolfgang ein neuer Hauptsongwriter an Bord ist. Das hat ja schon mehreren Bands den Boden unter den Füßen weggerissen. In diesem Fall funktionierte es jedoch sehr gut. Die Songs standen bereits vor den Aufnahmen zu 100% und jeder war gut vorbereitet. Die Aufnahmen selber gingen bei Piet dann recht schnell voran, es wurde von seiner Seite nur sehr wenig an den Arrangements verändert. Und: Er weiß, wie PARAGON soundmäßig klingen müssen. Auch nicht unwichtig.

Kommen wir einmal zum neuen Meisterwerk. Wo soll ich mit den Lobeshymnen nur anfangen? Es ist schlichtweg Teutonenstahl in Perfektion, die Produktion ist gewohnt druckvoll. Zwar ist es ein typisches PARAGON-Album, aber irgendwas macht "Force Of Destruction" zu etwas Besonderem. Kannst Du mir sagen, was?

Vielleicht ist es so, dass die neue Besetzung eine gewisse Frische mitbringt. Es ist alles noch neu, spannend und  nicht so eingefahren. Die Songs selber kommen recht schnell auf den Punkt. Irgendwer sagte vor einigen Tagen: Kein Ton zuviel, aber auch kein Ton zuwenig. Dem würde ich so zustimmen. Die Stärken der Band sind auf "Force Of Destruction" gut gebündelt. Geil finde ich bei der Produktion auch den sehr präsenten und aggressiven Bünning-Bass. Er ist neben den Gitarren auf der gesamten CD immer gut zu orten. In vielen Metal-Produktionen ist der Bass für meinen Geschmack zu weit in den Hintergrund gemischt. Nicht zuletzt hat unser Goldkehlchen Buschi eine sehr ausgereifte Leistung an den Tag gelegt. Ich finde die Gesangslinien durchweg stimmig und nachvollziehbar.

 

'Iron Will' ist ein mächtiges Opener, 'Gods Of Thunder' immens cool, 'Dynasty' episch bis zum Abwinken und mit 'Rising From The Black' steht ein Hit, wie er im Buche steht, auf der Habenseite. Was sind Deine/Eure Favoriten auf dem Album?

Das wechselt eigentlich fast täglich, da wir alle Songs nach wie vor sehr stark finden. Mein Faves sind momentan 'Blood & Iron' und 'Secrecy'. Das kann morgen aber auch schon wieder völlig anders. Gestern hatte ich unter der Dusche immer 'Dynasty' im Ohr. Auch geil. Besonders lustig war, dass ich kurz nicht wusste, was für einen Song ich da im Kopf hatte. Hatte wohl noch keinen Kaffee.

 

Apropos, wie kam derweil das Duett mit Kai Hansen bei 'Blood & Iron' zustande?

Genau weiß ich es nicht, da dies schon länger vor meinem Einsteig verabredet wurde. Buschi und Jan (Bünning) sind eh mit Kai befreundet. Ich glaube, es hat auch irgendwie mit der Einlösung einer Spielschuld zu tun. Wahrscheinlich haben die Jungs gerade wieder Golf auf ihrer Wii gespielt. Da passieren ja die dollsten Dinger.
(Stimmt quasi: Wir haben mit Kai bei Buschi Wii Bowling gespielt. Ich sagte dann zum Spaß zu Kai “Wenn Du jetzt verlierst, musst Du auf der nächsten Scheibe ein Duett mit Buschi singen”. Er hat dann verloren… ;-) – Anmerkung Jan Bünning)



Steckt hinter "Force Of Destruction" ein Konzept oder eine besondere Idee?

Wenn du die Texte meinst, dann solltest du besser unseren Sänger Buschi dazu befragen. Im Groben geht es wohl so um eine Back-to-the-Roots-Geschichte. Die moderne Technik gibt den Geist auf und man besinnt sich auf die früheren Tugenden. Da kommt dann wieder die gute alte Keule ins Spiel. Hat sich ja damals auch schon bewährt :-) Gemeint ist wohl, dass die gesamte zivilisierte Welt ohne die technischen Errungenschaften nicht mehr ganz so zivilisiert bleibt. Die Musik setzt diesen innovativen Grundgedanken ja auch hervorragend um. :-) Was die musikalische Seite angeht, sollte es ein klassisches und abwechslungreiches PARAGON-Album werden, was dem Hörer von vorne bis hinten in den Bann zieht. Die Referenz lag hier bei den Alben die Anfang der 2000er herauskamen. Das ist einfach der PARAGON-Stil, den ich als Fan damals auch schon immer abgefeiert habe. Durch die unterschiedliche Besetzung ist natürlich trotzdem etwas Eigenständiges und kein Abklatsch dabei herausgekommen.

 

Wie werden die kommenden Monate bei euch aussehen? Gibt es Pläne für eine etwaige Tour? Wenn ja, welche neuen Stücke könnte man in der Setliste erwarten?

Nachdem die Resonanzen jetzt so positiv ausfallen, eröffnen sich uns bestimmt eine Reihe von Möglichkeiten. Jedenfalls möchten wir soviel wie möglich live spielen. Ob dies nun im Rahmen einer Tour oder mit Einzelgigs und Festivalshows passiert, kann ich noch nicht sagen. Klar ist jedoch, dass von vielen Seiten Interesse bekundet wird und es auch schon einige Anfragen bezüglich einer Tour gab und gibt. Ganz konkret ist allerdings noch nichts. Von "Force Of Destruction" werden vorerst 'Iron Will', 'Tornado' und 'Gods Of Thunder' in die Setlist aufgenommen. Hier wird es aber sicherlich noch Variationen geben. Irgendwie könnte es jedes Stück mal in die Setlist schaffen. Vielleicht machen wir dazu ja mal ein Voting im Internet.

 

Obwohl Du erst seit kurzem die Axt bedienst, habe ich eine Frage in eigener Sache, die euch sicherlich schon häufiger gestellt wurde. PARAGON covern gerne, das ist klar, aber warum hat es 2008 ausgerechnet 'Larger Than Life' geschafft, von euch eine Grunderneuerung zu erhalten?

Hier kann ich nur raten. Ich nehme jetzt mal nicht an, dass ich in die Fänge einer BACKSTREET BOYS-Sekte geraten bin. Wahrscheinlich wollte man das alte Konzept "Metal-Bands covern Metal-Bands" einfach mal durchbrechen. Und der Song eignet sich ganz gut dafür, in ein Stahl-Gewand gehüllt zu werden. Es ist ja fast immer so, dass man die meisten Pop-Songs auch problemlos in einen Metal-Song verwandeln kann. Die Grundstrukturen sind gar nicht mal so verschieden. Alles etwas umarrangiert, die Gitarren laut gemacht und fertig. Na ja, ganz so einfach vielleicht doch nicht. Aber ähnlich ist es schon. Außerdem ist 'Larger Than Life' auch einfach ein ganz guter Song. Das muss hier jetzt auch mal gesagt werden.

 

Sodann wäre ich mit meinen Fragen auch am Ende, vielen Dank, dass Du Zeit und Geduld ausgebracht hast. Ich wünsche Dir und dem Rest viel Erfolg mit diesem immens starken Album. Die letzten Worte an eure Fans und unsere Leser gebühren Dir.

Also wir freuen uns tierisch über die positive Resonanz und hoffen, keinen PARAGON-Fan enttäuscht zu haben. Hoffentlich sehen wir uns bei einer der nächsten Shows bei dem einen oder anderen Bier. Vielen Dank im Namen der Band.

 

Gerne, auf das Bier komm ich sehr gerne zurück.


Redakteur:
Marcel Rapp

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