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PARAGON: Interview mit Jan Bünning

01.01.1970 | 01:00

Nach langer Zeit ist es endlich wieder soweit … eine reinrassige Old-School-Metal-Scheibe ganz nach meinem Geschmack, erblickte vor kurzem das Licht der Welt. Die Rede ist von PARAGON‘s viertem Streich “Law Of The Blade”. Eine Stück Vollblut-Metal ohne überflüssige Chöre, nervige Keys und Kastraten-Gewinsel, das einem den Tag schon im Ansatz vermiest. Jan Bünning, Tieftöner der Hamburger, stand mir im folgenden Interview Rede und Antwort.

Oliver: Mich hat „Law Of The Blade“ vom ersten Ton weg überzeugt. Aber wie sieht’s mit dem Rest der Welt aus?

Jan: Bis jetzt durchweg positiv vor allem in den „kleinen“ Heften und bei den Online–Magazinen hagelt es Höchstnoten und auch teilweise „CD des Monats“-Geschichten. Und auch in den „großen“ Heften ist alles im grünen Bereich … jeweils die Höchstnote im ROCK HARD, METAL HEART und HEAVY ODER WAS?!. Und immerhin noch sechs Punkte im HAMMER. Platz sechs im METAL HEART und sogar Platz 1 (!!!) im nächsten HEAVY ODER WAS?!. Das kommt allerdings auch weil wir mit „Steelbound“ gewisse Türen geöffnet haben und einfach ernster genommen werden … OHNE riesige Werbung und Marketing wie bei einem großen Label. Was wir bis jetzt geschafft haben, haben wir mit ehrlicher Arbeit, guten Songs und Durchhaltevermögen geschafft!!!

Oliver: Laut Bandinfo soll „Law Of The Blade“ ja ein Konzeptalbum sein. Worum geht’s in der Story … „Law Of The Blade“ hört sich für mich so an wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn!“ … hat es evtl. etwas damit zu tun?

Jan: Nee, das hat nix mit der Bibel zu tun und ist auch keine Konzeptscheibe im „klassischen“ Sinne, wo sich die Musik auch mal den Lyrics unterordnet. Es ist vielmehr eine durchgehende Geschichte, wobei die Texte der Stücke auch einzeln für sich stehen können! Der Held wird auf einen anderen Planeten entführt, wo die reine Barbarei herrscht und muss so einige Abenteuer bestehen (ein Track durch die Wüste, Gladiatorenkämpfe etc.) bis es ihm gelingt mit der Hilfe von Verbündeten den Tyrannen der Welt zu stürzen. Doch dann wacht er auf und denkt er hat alles nur geträumt, bis er die Narben an seinem Körper entdeckt …

Oliver: Ich für meinen Teil denke mir oft, viele Bands machen sich Mühe ohne Ende um ein Konzeptalbum zusammenzustellen oder eben wie in Eurem Fall eine durchgehende Geschichte zu erzählen, aber viele der Fans interessiert das hinterher herzlich wenig. Siehst Du das ähnlich bzw. warum lohnt sich letzten Endes der ganze Aufwand und die Arbeit dann doch?

Jan: Martin und Buschi, unsere Hauptsongwriter, hatten es wohl irgendwie einfacher, weil sie ein Ziel hatten, auf das sie zuarbeiten konnten.

Oliver: Wenn Du „Law Of The Blade“ einem bestimmten Film bzw. Filmgenre als Soundtrack zuordnen müsstet, wohin würdest Du das Album stecken?

Jan: Müsste eigentlich ein Mischmasch aus Fantasy mit etwas Science Fiction sein!

Oliver: Ich habe gelesen „Law Of The Blade“ wurde mit Pro-Tools aufgenommen. Sicher eine feine und angenehme Sache. Aber findest Du nicht auch, dass mit diesen modernen Aufnahmemethoden irgendwie der Spirit, der hinter einer traditionellen Metal-Scheibe steckt, verloren geht?

Jan: Nein, überhaupt nicht. Eine Metal CD muss ballern! Live kommt ja noch die Performance dazu , da können auch mal Spielfehler dabei sein. Auf Platte würde das nerven. Pro-Tools, das wohl bestimmt schon 80 % aller Metal Bands benutzen, ist einfach nur ein sehr effektives Mittel um kreativ zu arbeiten. Anstatt alles 1000 mal zu spielen, kann man sich um den Song kümmern und hat mehr Zeit an den Arrangements zu feilen. Das Programm kann ja nun mal keinen guten Song komponieren!

Oliver: Wie arbeitet Ihr generell im Studio und ist der Aufenthalt in einem solchen für Euch eher „a pain in the ass“ oder „fun“?

Jan: Für mich war es bisher eher nervig, aber diesmal hat’s richtig Spaß gebracht, da wir eine lockere Atmosphäre hatten. Die Drums haben wir diesmal auch mehr oder weniger mit Piet aufgenommen nachdem er letztes mal etwas gemeckert hatte, weil die Aufnahmen nicht seinen Qualitätsansprüchen genügt haben. Dadurch war es auch für mich einfacher den Bass draufzuspielen und anstatt lange zu probieren, weil die Drumspur schief war, haben wir lieber etwas mit Piet an den Arrangements gebastelt.

Oliver: Im Info zur neuen Scheibe wird immer wieder hervorgehoben welcher Glücksgriff die Zusammenarbeit mit Piet Sielck (IRON SAVIOUR) doch für PARAGON ist / war. Was ist denn so toll an Piet und seiner Arbeit? Was hat bzw. kann er, was andere seines Fachs nicht hinbekommen würden?

Jan: Ich denke mal das „Law …“ einfach etwas ungewöhnlicher als die 08 / 15 Scheiben heutzutage klingt. Das kommt vielleicht dadurch, dass weder wir noch Piet besonders darauf achten, dass PARAGON wie irgend eine „angesagte“ Produktion klingen, sondern wir versuchen möglichst direkt und „Metal“ rüberzukommen, egal wie andere das finden!
Piet arbeitet sehr sauber und schnell … außerdem hat er denselben Background / Faves wie wir und wir können entspannt in Hamburg aufnehmen … quasi vor der Haustür!

Oliver: Ich für meinen Teil würde mich mit Sicherheit nicht als True-Metaler bezeichnen, trotzdem bin ich von Eurer Scheibe sehr angetan … Metal alter Schule ohne diese ganzen Kindergarten-Keyboard-Melodien und jede Menge Power … „Metal mit Leib und Seele“ eben, so wie es im Info steht. Was bedeutet Metal für Euch und wo steht der klassische Metal im Vgl. zu dessen Auswüchsen (Nu-Metal, Power-Metal …) heute?

Jan: Es gibt für mich nur noch wenige Bands die wirklich „reinen“ Heavy Metal spielen. Ehrlich gesagt bin ich da sehr konservativ. Ich würde mir lieber was „richtig“ anderes anhören (z. B. NINE INCH NAILS oder einen coolen Soundtrack) als eine Heavy Metal Scheibe wo Hip-Hop oder was weiß ich was für Einflüsse drauf sind. Metal soll Metal sein, Hip-Hop Hip-Hop etc…. Wir können gar nicht ohne Metal leben, auch wenn wir keine CD‘s mehr machen könnten würden wir Metal spielen. Andere Leute gehen zum Fußball, wir spielen Heavy Metal!!!

Oliver: Eine Frage am Rande … was hältst Du von der neuen Scheibe der „Kings Of Metal“ MANOWAR?

Jan: Ich selbst find einige Stücke ganz o.k., bestimmt die Hälfte scheiße und eine Nummer richtig gut („House Of Death“). Nach sechs Jahren muss einfach mehr drin sein als 7 Eigenkomposition und der Rest Coverversionen und Intros. Uns würde man verreisen wenn wir die CD gemacht hätten! Allerdings finde ich es gut das die Jungs in den Charts sind. Das wird auch „Normalos“ wieder auf Heavy Metal und damit Bands wie uns aufmerksam machen!

Oliver: Hamburg ist ja eine Hochburg in Sachen traditioneller Metal (RUNNING WILD, HELLOWEEN, GAMMA RAY, …..). Woran liegt das?

Jan: Keine Ahnung, vielleicht weil man für richtigen Metal auch eine gewisse „Streetattitude“ haben muss und Hamburg ist manchmal eben ein raues Pflaster! Vielleicht liegt es aber auch nur am permanent beschissenen Wetter … haha!

O.k. nun zu meinen berühmt berüchtigten Standards. Here we go:

Oliver: Jede Band hat ja was das Songwriting angeht ihren eigenen Stil. Wie muss ich mir die Entstehung eines PARAGON Songs vorstellen?

Jan: Am Anfang sitzt Martin zu hause und denkt sich ein paar Riffs aus die er Big M und mir dann im Übungsraum vorspielt. Wir arrangieren dann das Stück mit Breaks, Ablauf und groben Feinheiten bis wir soweit sind es auf DAT aufzunehmen. Die Aufnahme bekommt dann Buschim mit der sich dann zu hause wiederum Gedanken zur Gesangsmelodie und natürlich dem Text macht. Wenn das soweit geschehen ist, probieren wir es dann wieder im Proberaum alle zusammen aus und meistens werden noch hier und da Kleinigkeiten geändert - ein Stück „wächst“ sozusagen je öfter du es spielst!

Oliver: Wie gehst Du mit Kritik um? Wann ist für Dich der Bogen kritikmäßig überspannt?

Jan: Genervt bin ich wenn Leute entweder überhaupt kein Bock auf unseren Stil haben und die Kritik schreiben oder sie sich die CD gar nicht angehört haben. Es kann ja ruhig kritisiert werden oder man kann die Sachen einfach auch nicht mögen … allerdings sollte man dann auch das nötige Backgroundwissen haben bevor man rummeckert. Wir hatten mit „Steelbound“ in zwei oder drei mehr Death- und Black Metal orientierten Heften solche „Kritiken“ … hörte sich an als wenn 16-jährige Analphabeten, die grade seit einer Woche Metal hören die Teile geschrieben hätten! Der eine konnte noch nicht mal „Steelbound“ schreiben und schrieb immer nur „Speelbound“. Der andere meinte wir wären auf den Power Metal Trend aufgesprungen. Sorry, als PARAGON gegründet wurden lief Oskar von HAMMERFALL wohl noch mit der Rassel um Tannebaum oder hat noch Death Metal gemacht!

Oliver: Welchen Stellenwert nehmen für Dich persönlich Online-Mags verglichen zu „herkömmlichen“ gedruckten Magazinen ein?

Jan: Für Online Magazine sprechen zwei wichtige Faktoren: sie sind mehr oder weniger umsonst und immer sehr aktuell! Außerdem scheinen da noch Leute zu sitzen die wirklich Bock auf Ihren Job haben und keine gute Kritiken schreiben, weil eine fette Anzeige geschaltet wurde!

Oliver: Was hältst Du von MP3 Tauschbörsen und dem Internet im Allgemeinen?

Jan: Ist an sich o.k. um Bands „auszuprobieren“. Wenn die Leute aber nur noch MP3‘s hören wird es Bands wie uns bald nicht mehr geben, sondern nur noch die ganz Großen, da wir dadurch natürlich weniger CD‘s verkaufen und wenigstens die Kosten gedeckt sein müssen!

Oliver: Gegenwärtig ist es übliche Praxis, Alben die gerade mal 30 Minuten auf dem Buckel haben als Longplayer zu verkaufen. Hältst Du das für richtig oder sollten betreffende Scheiben billiger verhökert werden?

Jan: Naja, als Band ist es eigentlich egal ob man 10 Stücke aufnimmt die 30 min dauern oder 10 Stücke die 50 min dauern! Lieber eine CD mit 10 1a Stücken, als 15 Stücke, wovon die Hälfte scheiße sind! Es geht schließlich um Qualität und nicht um Quantität! Aber ich steh ehrlich gesagt auch eher auf etwas längere CD‘s!

Oliver: Welche 3 Dinge würdest Du nicht mit auf eine einsame Insel nehmen?

Jan: Mein schnurloses Telefon … das ist im Arsch und nervt langsam, Schulden und die letzte JUDAS PRIEST CD!

Oliver: Was ist das erklärte große Ziel von PARAGON, bei dem Ihr sagen würdet, wenn wir das erreicht haben könnten wir eigentlich aufhören?

Jan: Ich denke eigentlich geht´s immer weiter. Allerdings würde ich gerne mal komplett in allen „großen“ Heften erste Plätze besetzen, ein paar Coverstories haben und eine fette Welt-Tour machen!

Oliver: Kommen wir kurz vor knapp noch zu einer eher makaberen Frage: angenommen Du wärst tot, hättest aber davor noch die Möglichkeit gehabt, Deinen eigenen Nachruf zu verfassen. Was hättest Du geschrieben?

Jan: Er war hart aber gerecht!

Oliver: Letztes Jahr wart Ihr ja mit IRON SAVIOUR und LABYRINTH on tour. Was steht diesbezüglich im Jahr 2002 an? Auf welchen Festivals im Sommer wird man PARAGON zu sehen bekommen?

Jan: Bis jetzt nicht viel bis auf die beiden Gigs mit VIRGIN STEELE (Bochum 05.07.02) und SAXON (Lübeck 07.05.02). Irgendwie haben wir dieses Jahr ein schlechtes Timing mit den Festivals … nächstes Jahr können wir bestimmt wieder einige spielen! Aber wir versuchen noch so einige Einzelshows zu machen. Bei Interesse bitte eine E-Mail an: booking@PARAGON-legions.com.

Oliver: O.k., das soll’s gewesen sein. Danke für Deine Zeit und Antworten. Du hast das letzte Wort ...

Jan: Jo, vielen Dank für das Interview und zweimal Danke an das HEAVY ODER WAS?! … einmal an die Leser, die uns dreimal in die Lesercharts gebracht haben und einmal an die Crew für den guten Geschmack. Wir sind nämlich im nächsten Heft im Soundcheck auf Platz 1!!! (Jetzt dürfte es auch der Letzte mitbekommen haben wie geil das HEAVY ODER WAS?! doch ist … Anm. d. Red.).


Redakteur:
Oliver Kast

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