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PARAGON: Interview mit Jan Bünning

09.04.2016 | 10:55

Jan Bünning, seines Zeichens Bassist bei der Hamburger Stahlfraktion PARAGON, stand uns wie vor dreieinhalb Jahren erneut Rede und Antwort. Damals sorgte "Force Of Destruction" für Höchstgefühle bei Schwermetallern, und auch der neuste Streich "Hell Beyond Hell" verspricht, ein enorm heißes Eisen zu werden. Was bei den Norddeutschen in den vergangenen Monaten so passiert ist, worin die Besonderheiten des neuen Albums liegen und warum Jan so stolz auf "Hell Beyond Hell" ist, erfahrt ihr im vorliegenden Interview.

Erst einmal möchte ich mich bei dir bedanken, dass du dir für meine Fragen Zeit nimmst und wir über das neue Album reden können. Bevor wir jedoch dazu kommen: Wie ist die momentane Stimmung bei PARAGON?

Sehr gut würde ich sagen! Wir sind natürlich alle aufgeregt, wie das Album so ankommt, da wir - wie immer - sehr viel Herzblut in die Sache gesteckt haben. Wir proben seit Anfang des Jahres regelmäßig und es bringt sehr viel Spaß. Mit unserem "neuen" Drumtier Sören haben wir uns jetzt einfach mal ein paar Stücke geschnappt, die wir sonst selten oder besser noch nie live gespielt haben!

Sören habe ich ja im vergangenen Jahr auf dem German Swordbrothers in Aktion gesehen; er passt wirklich gut in die Mannschaft. Was hat sich denn (du hattest es zuvor ja angedeutet) seit der VÖ von "Force Of Destruction" bei euch so getan? Da war ja nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen, oder?

Ja. Sören ist zwar jünger als der Rest, aber wir kommen gut mit ihm oder besser er mit uns aus. Ist ja nicht immer einfach mit so alten Säcken, hehe. Erst ist auch Profi, gibt also Unterricht, hat noch andere Bands und spielt quasi jeden Tag. Da ist er natürlich absolut fit und tritt die 180bpm Doublebass recht locker...

Nach "Force Of Destruction" lief eigentlich erst alles sehr gut. Wir hatten einige Shows, und dabei waren echte Highlights wie das "HammerFest UK", "Up The Hammers" / Athen, das Dong Open Air und das Metal Magic in Dänemark. Das waren alles geile Festivals und die Fans und Shows waren super.

Ende 2013 hatten wir dann eigentlich schon so 12-16 Stücke für das neue Album als Instrumental-Demos fertig. Buschi (Andreas Babuschkin, Gesang – MR) sollte dann mal mit Texten anfangen, aber irgendwie kam da nix. Es stellte sich dann heraus, dass er die Stücke zwar nett fand, aber "nett" ist ja der kleine Bruder von Scheiße. Da Jan (Bertram, Gitarre – MR), Wolle (Wolfgang Tewes, Gitarre – MR) und ich ja schon recht viel Energie in die Songs gesteckt hatten, war ich etwas genervt, dass er nicht früher was gesagt hat und wie er sich denn die Sache vorstellt. Es gab also ein paar Meinungsverschiedenheiten zwischen uns, aber im Endeffekt war die Sache recht einfach. Er wollte einfach wie "früher" Stücke wieder im Übungsraum schreiben. Also laut Krach machen, Bier saufen und viel Rock'n'Roll!

Tja, gesagt getan: Ab Oktober / November 2014 haben wir dann die schon fertigen Instrumental Demos genommen und im Übungsraum auseinandergepflückt, Tempi ausprobiert, Riffs verbessert, entfernt, dazu gepackt, neue Texte und Gesangsmelodien dazu etc. Einige Stücke waren nach dem Prozess wieder wie vorher, andere komplett anders oder sogar neu. Im März 2015 hatten wir dann den Studiotermin, und im ganzen Prozess hat Wolle dann wohl irgendwie den Mut verloren und ist kurz vor den Aufnahmen gegangen.

Das war natürlich etwas doof, da wir auch noch eine Show - German Swordbrothers - gebucht hatten. Ich habe dann gleich Martin (Christian, Gitarre – MR) gefragt, und er hat sofort zugesagt. Allerdings konnte er dann die Show nicht spielen, da er einen anderen Termin hatte. Im Studio klappte es dann aber, er hat sich die Soli mit Jan geteilt und sogar kurzfristig mit 'Stand Your Ground' noch einen Song dazu beigesteuert.

Der Rest ist größtenteils von Jan und mir bzw. auch noch von Wolle. Dazu gab es aber auch noch Stress mit dem Label. Sie haben recht spät gesagt, dass sie nicht mit uns weitermachen, da sie die Prioritäten auf andere Bands legen etc., das Übliche halt. Jedenfalls sind wir total froh, wieder bei Remedy Records zu sein. Bei anderen Labels, die wir so angeschrieben haben, hatten wir eigentlich immer das Gefühl, dass es nur um Geld geht. Klar muss ein Label Geld machen, aber es geht ja auch um Musik, oder? Remedy mag zwar als Label "klein" sein, aber für uns ist es gut, da wir die größte Band bei ihnen sind. Sie sind in Hamburg, wir sind befreundet, und man kann Dinge auch mal schnell persönlich klären. Und: Sie haben mit Soulfood einen der größten Vertriebe in Deutschland - man wird das Album also überall bekommen. Im Ausland kümmert sich mit AFM/Soulfood auch ein guter Partner um das Album und die Promo wird auch von zwei guten Agenturen übernommen! Wir sind auch happy, dass Remedy wieder Vinyl macht!

Eine Frage musst du mir erlauben: "Force Of Destruction" hat nun auch dreieinhalb Jahre auf dem Buckel. Wie du weißt, habe ich der Platte die volle Punktzahl gegeben und würde auch in der Retrospektive nichts an meiner Note ändern. Wie siehst du den "Hell Beyond Hell"-Vorgänger nun einige Jahre später?

Ich denke, man kann die beiden Alben nicht richtig vergleichen. In beiden steckt 100% PARAGON-Herzblut. Aber während "Force Of Destruction" genau das ist was unsere Fans von uns erwartet haben, ist "Hell Beyond Hell" genau das Album, was WIR machen wollten. Ohne jegliche Kompromisse. Es klingt trotzdem wie ein PARAGON-Album, und ich bin sicher, dass die Fans es genauso lieben werden wie "Force Of Destruction". Trotzdem sind ein, zwei Dinge etwas anders, und unsere Herangehensweise war total anders, wie eben schon geschrieben. "Force Of Destruction" ist fast nur im "Homestudio" entstanden, "Hell Beyond Hell" so gesehen live im Übungsraum. Der Vorgänger ist ein PARAGON-"Schablonen-Album" quasi, hehe.

Eine Tatsache, die mir bei eurem neuen Album direkt aufgefallen ist: Es sprüht vor Live-Potential. Die Mehrheit der Stücke sind für die Bühne prädestiniert. Allen voran der Opener...

Das stimmt! Wir haben auch alle Stücke live im Übungsraum gespielt, das ist lange nicht bei allen Alben der Fall gewesen. Und ich kann dir sagen, 'Rising Forces' wird der Live-Knaller!

Hinter "Hell Beyond Hell" steckt aber kein grobes Konzept oder? Oder gibt es vielleicht doch den einen oder anderen Song, der eine versteckte Geschichte erzählt?

Nein, es ist kein Konzept-Album. Unter anderem geht es um "Facebook-Sucht", wie auch schon bei "Screenslaves". Da war Buschi recht weise, muss man sagen. Wenn Du morgens in den Bus steigst, starren alle auf ihr Handy, und geben Sachen öffentlich preis, die sie eventuell noch nicht mal ihrem besten Freund erzählen würden... Nur um "Spaß" zu haben. Ist ja auch nicht schlimm, Facebook zu nutzen, und natürlich machen wir das gerade als Band auch. Aber es sollte nicht ein Lebensinhalt werden. Nie war der Spruch "Hast Du kein Leben?" so aktuell.

Was mir auch aufgefallen ist, ist, dass "Hell Beyond Hell" zum einen deutlich abwechslungsreicher ausgefallen ist. War das ein Ziel, dass ihr euch am Anfang gesetzt habt, oder kam das Zusammenspiel aus "brutal schnell", "richtig heavy" und fast schon "episch und balladesk" von allein?

Es irgendwie witzig, dass es beim neuen Album vielen Leuten auffällt. Auch auf anderen Alben hatten wir immer versucht, möglichst viele Facetten von "Heavy Metal", sprich Speed, Thrash, Doom, Stampfer, Ballade etc. abzudecken. Eigentlich hat es sich diesmal aber einfach so ergeben. Bzw. haben wir natürlich auch etwas darauf geachtet, nicht nur z.B. schnelle Stücke zu nehmen. Klar, Riffs sollten das Grundgerüst eines jeden Metal-Songs sein!

'Devil's Waitingroom' ist ein gutes Beispiel: Das Demo war ein typischer PARAGON-Doomer wie 'Across The Wastelands'. Das war uns dann zu 0815, und jetzt haben wir eine der ungewöhnlichsten PARAGON-Nummern überhaupt. Da ist alles drin: Ballade, böser Doom, Hymne, absolut geile Soli und viel Gefühl im Gesang. Das liegt vielleicht auch am Text! Weißt Du was der "God's Waitingroom" ist? Das ist so eine Art Rentner-Paradies in Florida, wo wohlhabende Rentner ihren Lebensabend verbringen.

Aber wo ist denn dann der "Devil's Waitingroom"?. Buschi meint in diesem Zusammenhang den Schützengräben eines Krieges, kurz bevor es darum geht, auf den Feind los zu stürmen. Der Text ist wirklich extrem böse, und im Zusammenhang mit der Musik habe ich wirklich Gänsehaut bekommen, vor allem die letzten Zeilen sind wirklich trostlos.

Dazu könnte ich mir auch ein ziemlich gutes Musikvideo vorstellen. Aber diesbezüglich wurden wahrscheinlich keine Pläne gemacht oder?

Nein, so wie ich mir das Stück vorstellen würde, können wir es nicht umsetzen. Aber wir werden wohl ein Low-Budget Video zu 'Rising Forces' machen!

Oh sehr schön, zumal ich mir den Opener wirklich stundenlang auf der Autobahn anhören könnte. Bereits da bringt sich Buschi mit seiner Stimme klasse in Szene. Man merkt richtig, dass er wieder Bock auf Heavy Metal hat, oder?

Auf alle Fälle - wir alle, würde ich sagen. Das Ganze hört sich vor allem nach einer Heavy-Metal-Hymne an, ist es aber eigentlich nicht. Die Nummer gehört mit 'Buried In Blood' zusammen, und es geht um Gen-Versuche!

Gab es bestimmte Gründe, Songs über dieses Thema zu schreiben?

Weiß ich ehrlich gesagt nicht. Buschi und ich lesen sehr viel. Ab und zu sage ich ihm dann auch "Lass mal was über jenes oder dieses Thema machen", aber in dem Fall nicht.

'Heart Of The Black' sollte eigentlich um Solomone Kane gehen, das ist einer der Helden, die Robert E. Howard noch neben Conan erfunden hat. Aber es gab Problem mit Piet und dem Text im Studio...

Entsprechend hat Piet auch wieder die Produktion des neuen Albums übernommen? Tja, Hamburger Freundschaften sterben eben nicht aus, hehe.

Ja, aber schon zu "Force Of Destruction".

Wie ist es eigentlich, Martin wieder nach fünf Jahren mit an Bord zu haben?

Es ist eigentlich ein gutes Gefühl mit Martin, aber auch etwas problematisch. Er hat viel zu tun mit seiner anderen Band und auch privat ein paar Veränderungen zur Zeit. Er wird also wohl leider an der Live-Front nicht viel mit uns machen können im Moment. Allerdings sehen wir es auch alles nicht mehr so eng, und zu Zeit proben wir mit Günny (Kruse, Gitarre – MR), und das bringt Spaß.

Du hast es gerade schon angesprochen: Was wird nach der VÖ von "Hell Beyond Hell" bei PARAGON passieren? Sind Live-Gigs in Planung?

Ja, zur Zeit stehen schon ein paar Shows an, und wir haben noch ein paar andere in Planung, z.B. Italien, Spanien, Portugal und auch noch hoffentlich mehr in Deutschland. Eine Show haben wir auch für Hamburg bestätigt bekommen. Aber da kann ich noch nicht so viel zu sagen. Es wird auf alle Fälle eine coole Location, gerade als Hamburger. Und dann wird es dieses Jahr auf alle Fälle noch eine "25 + 1"-Jubiläums Show geben mit ein paar Gästen.

Welche "Hell Beyond Hell"-Songs kann man denn live erwarten? Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass 'Rising Force' und der Titelsong dafür bestens geeignet wären.

Die sind auf alle Fälle drin. Wir haben aber jetzt erst mal nur recht kurze Shows mit 70 Minuten. Da gibt's dann auch nicht mehr Neues. Aber wir werden wohl noch 'Devil's Waitingroom' und 'Buried In Blood' machen in Zukunft miteinbringen.

Du hast vorhin gesagt, dass ihr 12-13 Stücke quasi von den Instrumenten her schon fertig hattet. Entsprechend gab es Demos, die es nicht auf "Hell beyond Hell" geschafft haben. Besteht dennoch die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann veröffentlicht werden?

Die Demos bestimmt nicht, denke ich, es sei denn vielleicht mal als Bonus-Tracks. Drei Nummern hatte wir schon recht konkret aufgenommen, auch mit Gesang. Und mindestens einer der Songs ist komplett nicht auf dem Album, da er komplett von Wolle war und es sein kann, dass er ihn noch verwendet.

Ah okay, man darf also gespannt sein. Du, ihr habt ihr der Vergangenheit ja auch fleißig Coverversionen aufgenommen und als MYSTIC PROPHECY auf dem neuen Album "War Brigade" 'Sex Bomb' gecovert haben, kam mir nochmal 'Larger Than Life' in den Sinn. Gab es Pläne, für die neue Platte ein Cover zu machen? Oder welchen Song würdest du persönlich mal mit PARAGON einprügeln?

Wir wollten eigentlich was covern, konnten uns dann aber nicht richtig einigen und dann wurde es zu knapp. Eigentlich müssten wir mal was von PRIEST machen. Live hatten wir mal 'Rapid Fire' gespielt und ich kann mir vorstellen, dass 'Love Bites' oder 'Ram It Down' cool wären...

Mal sehen, was die Zukunft noch so bringt. Lieber Jan, ich wäre soweit auch mit meinen Fragen durch und möchte mich vielmals für Zeit und Geduld bedanken. Möchtest du unseren Lesern und den PARAGON-Fans noch etwas mit auf den Weg geben?

Ja - erst mal vielen Dank an Dich für das Interview und den Support. Und dasselbe natürlich auch an unsere Fans für ihre Geduld, wir hoffen, mit Album Nr. 12 geht's schneller! Wäre klasse wenn ihr uns auf Facebook (https://www.facebook.com/paragonmetal/) oder auf unserer hoffentlich demnächst fertigen neuen Webseite unter www.paragon-metal.com besucht - und gerne auch Kommentare da lassen! Und wenn jemand uns buchen möchte, bitte eine E-Mail an booking@paragon-metal.com. Metal Is The Law und so!

Redakteur:
Marcel Rapp

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