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POWERWOLF: Interview mit Falk Maria Schlegel

16.09.2018 | 16:35

POWERWOLF hat in den letzten Jahren eine unfassbare Karriere hingelegt. Zuletzt mündete das in Platz 1 der deutschen Albumcharts mit dem aktuellen Album "The Sacrament Of Sin". Wir haben uns mit Falk Maria Schlegel, dem Organisten der Band, über den Erfolg, das neue Album und die kommende Tour unterhalten.

Mein erster Kontakt mit POWERWOLF war 2008 auf dem RockArea Festival im Saarland, als "Lupus Dei" noch euer aktuelles Album war. Seitdem ist viel passiert. Ihr habt nicht nur auch öffentlich eure saarländische Herkunft eingestanden, sondern es folgte eine rasante bergauf-Karriere, die jetzt auf den größten Bühnen Europas, zuletzt u.a. als Headliner auf dem BANG YOUR HEAD und SUMMER BREEZE-Festival, und mit eurem zweiten Nummer-Eins-Album "The Sacrament Of Sin" auf ihrem bisherigen Höhepunkt zu sein scheint. Wie habt ihr die letzten zehn Jahre wahrgenommen?

Zum einen muss ich sagen, dass wir nie unsere saarländischen Wurzeln verleugnet haben. Wir kommen aus dem kleinsten Bundesland, das meistens nur Erwähnung findet, wenn es mit Waldbränden verglichen wird: "Es brannte ein Gebiet, dass von der Fläche so groß ist wie das Saarland" habe ich oft gelesen. Von daher finde ich es gut, dass anscheinend Saarländer auch Metal können! Attila lebt schon lange hier, so dass ich ihn ebenfalls als Saarländer bezeichne, haha.
Ja, in der Tat hat sich viel getan in den letzten Jahren. Du hast "Lupus Dei" erwähnt. Wir haben seit diesem Release weitere fünf Alben geschrieben (mit "The Sacrament Of Sin" das siebte), viele Tourneen gespielt, eine Live-DVD veröffentlicht etc. Um auf deine Frage zurückzukommen, wie wir das wahrgenommen haben, kann ich nur sagen, dass wir immer extrem viel beschäftigt waren und die Zeit wie im Rausch verflogen ist. Ich kann aber auch erwähnen, dass ich sehr glücklich bin, dass unsere Musik und unsere Liveshows so gemocht werden. Ich genieße jeden Moment davon... auf Tour oder im Studio und gebe immer alles dafür!

Was denkt ihr, wo dieser Erfolg herkommt?

Die Frage wird uns oft gestellt... und ehrlich gesagt, kann ich dir keine genaue Antwort dazu geben. Erfolg ist nicht planbar. Aber ich mag den Begriff Erfolg auch nicht besonders. Ich würde es anders formulieren: Beliebtheit. Diese ist allerdings ebenfalls nicht planbar. Du kannst nur versuchen dein Bestes zu geben: immer versuchen die beste Show zu spielen, als wäre es deine letzte, sich mit nichts zufrieden geben und immer versuchen das bestmögliche Album zu schreiben. Du solltest aber dabei authentisch bleiben und das tun wir. Wenn die Fans das so mögen und abfeiern wie sie es gerade tun, ist das einfach wunderbar. Ich denke man sollte sich als Künstler nicht verstellen und verbiegen, um irgendetwas zu erreichen. Das merken die Fans, die ein sehr feines Gespür für so etwas haben.

Wie zufrieden seid ihr denn mit den bisherigen Reaktionen zu "The Sacrament Of Sin"? Also sowohl mit den medialen Reaktionen als auch mit denen eurer Fans und Kritiker?

Die Reaktionen sind einfach überwältigend! Innerhalb der Band hatten wir schon das Gefühl, dass uns mit "The Sacrament Of Sin" etwas Besonderes gelungen ist. Aber nach Monaten im Studio kannst du es selbst nicht mehr richtig einschätzen. Umso glücklicher bin ich, dass die Fans unser neues Machwerk so lieben, ja es regelrecht abfeiern. Denn es gibt auch eine Wahrheit: Ohne gutes Album ist es schwer eine gute Show zu machen und beides ist uns verdammt wichtig!

Ein Kollege von mir hat neulich versucht, einem Nicht-Metaller eure Musik und damit zusammenhängend euren Erfolg zu beschreiben. Aufgrund der einprägsamen Melodien und den Refrains, die recht schnell mitsingbar sind, hat er den Begriff "Metal-Schlager" benutzt. Könnt ihr mit dieser Bezeichnung etwas anfangen?

Der Parabel Ritter? (Nein, den Kollegen meinte ich nicht - Anm. d. Red.) Du, im Prinzip ist mir das egal, wie man unsere Musik letztlich bezeichnet. Ich gehe davon aus, dass mit dem Begriff "Metal-Schlager" eher etwas Negatives gemeint ist. Bezeichnet er aber damit eingängige Melodien und gute Hooklines, kann ich damit leben. Mal ehrlich, worauf wartet man bei einem Metal-Konzert? Ja, genau, dass man den Refrain oder die Gitarrenlinie mitsingen kann. Oder kannst du dir zum Beispiel vorstellen, bei 'Fear Of The Dark' von IRON MAIDEN nur still da zu stehen? Und ich glaube, das möchten die Leute auch bei uns. Wenn ich sehe mit welcher Ekstase sie zu 'Fire & Forgive' oder 'Demons Are A Girl's Best Friend' mitsingen, geht mir das Herz auf, ehrlich!

Ich finde euer Album ziemlich abwechslungsreich. Wie sind denn die Songs bei euch entstanden? Plauder doch mal ein bisschen aus dem Nähkästchen, wie der Songwriting-Prozess abgelaufen ist.

Dankeschön. Im Prinzip ist der Prozess abgelaufen wie immer. Attila, Matthew und ich sitzen am Anfang zusammen und fangen in der Regel mit dem Songtitel an und singen viel. Das willst du nicht unbedingt hören, haha. Aber so entsteht im Prinzip jeder Song. Man muss aber auch sagen, dass bei diesem Album unser Mastermind Matthew eine enorme Ideenvielfalt mitbrachte und so einige Songs zum Selbstläufer wurden, weil sie einfach einen guten Aufbau und einen guten Spannungsbogen haben.
Wir haben aber auch gemerkt, dass wir durchaus auch mal neue Wege gehen können. 'Incense & Iron' hat Folk-Einflüsse, klingt aber dennoch 100% nach POWERWOLF und zum ersten Mal haben wir uns "getraut" mit 'Where The Wild Wolves Have Gone' eine waschechte Ballade zu schreiben. Ich glaube in der Retrospektive festzustellen, dass dafür unser Coveralbum "Metallum Nostrum" vom letzten Album "Blessed & Possessed" entscheidend war. Dort haben wir unsere Idole wie JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN oder SAVATAGE in unserem Stil gecovert und dabei festgestellt, dass wir auch "andere" Musik spielen und sie nach POWERWOLF klingen lassen können.

Eure erste Single war 'Demons Are A Girl's Best Friend'. Ich kenne einige Fans, die der Meinung waren, dass der Song POWERWOLF-typisch sei und er auf den bisherigen Alben weder positiv noch negativ herausgestochen hätte. Und ich gebe zu, ich gehörte zu diesen Personen. Aber ich muss auch sagen, dass für mich persönlich der Song im Album-Kontext prima funktioniert und sich nach und nach immer mehr zu einem meiner Favoriten herauskristallisiert. Warum hattet ihr euch für 'Demons...' als erste Single entschieden?

Ich finde den Song gar nicht so typisch für uns. Da sehe ich eher 'Fire & Forgive' oder 'Fist By Fist'. Aber ich gebe dir recht, wenn du sagst, dass er wunderbar in den Albumkontext passt. Wir hatten zu 'Demons...' und dem sehr eingängigen Refrain mit seinem doppeldeutigen Text von Anfang an auch eine visuelle Vorstellung, so dass es uns nicht schwerfiel, dies in einem entsprechenden Video umzusetzen. Ich liebe dieses Video, obwohl es in der Vergangenheit auch kontrovers diskutiert wurde. Immer nur mit dem Strom zu schwimmen, ist langweilig! Aber auch darin liegt der Reiz, wenn man sich mit den Fans über die Songs und die Videos austauscht. Das mag ich und ich respektiere jede Sichtweise, wenn sie sachlich ist und nicht zu emotional wird, haha. Nein, im Ernst: Der Song ist live der Hammer und die Leute feiern das Lied frenetisch ab und ich glaube, gerade weil das Lied so eingängig ist, entwickelt es sich für viele erst später zum Höhepunkt. Ist doch schön, wenn es mal länger dauert, hehe.

Für eure Bonus-CD habt ihr diverse Bands dazu bekommen, eure Songs zu covern. Wie kam es zu der Idee, dass z.B. CALIBAN, HEAVEN SHALL BURN oder Mille Petrozza POWERWOLF spielen? Und vor allem: Wer hatte die glorreiche Idee, BATTLE BEAST 'Resurrection By Erection' machen zu lassen?

Die Idee entstand auf unserer gemeinsamen Tour mit EPICA im Winter 2017. Die Band spielte den Song 'Sacred & Wild' im Soundcheck und wir waren total begeistert davon, wie unser Song gespielt von einer anderen Band klingt. Nach einigen Bier später im Tourbus ist die Idee gereift, ein komplettes Album in der Art zu machen, auf welchem andere Bands POWERWOLF nachspielen. Wir dachten allerdings, dass dieses Projekt niemals zu realisieren sei, da natürlich jede Band ihre eigenen Pläne hat, auf Tour ist oder eben nicht im Tonstudio etc. Umso schöner, dass es geklappt hat! Im Prinzip konnte sich jede Band den Song aussuchen, den sie am liebsten covert. BATTLE BEAST entschieden sich direkt für 'Resurrection...'. Ein Song, der wie maßgeschneidert für die Band und Noora ist.

Im Oktober geht's auf große "Wolfsnächte Tour 2018" durch Europa. Was dürfen die Fans erwarten?

Wir werden die größte Produktion mitbringen, die wir je auf einer Headliner-Tour dabei gehabt haben. Es wird eine opulente Metal-Messe. Unsere Fans sind auch wirklich der Wahnsinn. Viele Shows sind schon ausverkauft und bei den anderen wird es nicht mehr lange dauern. Wir werden gemeinsam jeden Abend feiern und ich bin sehr gespannt, was unsere Fans sich dieses Mal einfallen lassen. Sie sind sehr kreativ und überraschen auch uns immer wieder. Das ist für mich der beste Moment, eine perfekte Symbiose, wenn wir das Publikum unterhalten können, aber auch das Publikum uns.

Die Tour beginnt in Paris im Bataclan. Den Laden dürfte ja seit den Terroranschlägen im November 2015 jeder kennen. Was erwartet ihr dort? Glaubt ihr, es wird ein Konzert "wie jedes andere auch"?

Natürlich wird es was anderes sein. Jeder hat leider noch diese Bilder im Kopf und es wird bestimmt auch in unseren Köpfen sein, wenn wir das Venue betreten, ganz klar. Auf der anderen Seite finde ich die Motivation der Veranstalter des Bataclans sehr lobenswert: Kunst darf nicht sterben und sie wollten von Anfang an weitermachen, so dass wir der Einladung auch gerne gefolgt sind. Wir werden mit Sicherheit auch an diesem Abend der Opfer gedenken!

Für eure Tour gibt es eine Sache nicht, die ich bei vielen anderen größeren Bands (insbesondere aus den USA) mittlerweile sehe und die bei mir Kopfschütteln verursacht: VIP-Tickets für Meet & Greets zu horrenden Preisen. Ich meine, ist es nicht gerade das, was den Metal in der Vergangenheit ausgemacht hat, diese Nähe zu den Fans? Wie steht ihr zu sowas?

POWERWOLF ist und bleibt eine Band, die die Nähe zu ihren Fans sucht und gerne zulässt! Das haben wir in der Vergangenheit gemacht und werden wir auch in Zukunft so machen. Auf der anderen Seite gibt es auch Fans, die eben nicht am Tourbus etc. warten wollen und trotzdem die Band treffen möchten. Da kommt es dann darauf an, was du bietest, "value for money" sozusagen. Wenn du zum Beispiel ein ordentliches Goody bag mit wertigem Inhalt hast, kann sich das schon relativieren. Ich habe allerdings auch schon von einer Teeny-Band gehört (deren Namen ich hier nicht nennen möchte), die sich für ein "High Five" mit den Fans Kohle bezahlen lässt. Das Schlimme daran ist, Menschen zahlen auch dafür - ein Wahnsinn!!

Redakteur:
Mario Dahl

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