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Perlen der Redaktion: Frank Jägers Highlights 2018

25.01.2019 | 18:01

2018 - für den einen ein Jahr voller Highlights, für den anderen hat es eher maue Kost abgeworfen und der Dritte spricht von viel Durchschnitt auf dem Veröffentlichungsmarkt. An dieser Stelle wollen wir unserem Redaktionspoll vorgreifen und lassen unsere Kolleginnen und Kollegen zu Wort kommen. Welche Scheiben haben es in die Top-20 geschafft und warum? Viel Spaß beim Lesen!

Es hat lange gedauert, bis mein Jahreshighlight endlich erschien und sich vehement an den anderen Alben des Jahres 2018 vorbeigeschoben hat. Ich rede von "Born Again" von den FARMER BOYS, die mit ihrem beeindruckenden und gereiften Comeback-Album nicht nur an die alten Taten anknüpfen, sondern diese sogar übertreffen konnten. Dazu hat die Band jetzt mit Nuclear Blast einen potenten Partner, der eigentlich dafür sorgen müsste, dass die FARMER BOYS auch alte Erfolge übertreffen sollten. Der letzte Rest meiner diesjährigen Begeisterung für die Band wurde durch die starke Live-Performance ausgelöst, einmal noch mit etwas gebremster Euphorie beim Summer Breeze, die dann aber in einem kleinen Club in Augsburg voll entfacht wurde. Vor allem auch im Kontrast mit einigen alten Klassikern der Band wird der Entwicklungsschritt deutlich und ich konnte daher nicht umhin, "Born Again" die Höchstnote zu geben - als einzigem Album 2018.

So gesehen wäre 2018 eventuell als eher mäßig tolles Jahr einzustufen, aber mittlerweile erscheinen so viele Alben, dass es gar nicht möglich ist, einen Überblick zu haben, weswegen unsere Top 20 doch eher Spotlights sind auf eine immens große, unüberschaubare Musiklandschaft. Wenn früher ein Album alles überragt hat, dann war es eines von 50 oder vielleicht auch 100, aber momentan höre ich eher 200 bis 400 Alben pro Jahr, die ich noch nicht kenne, und kaum eines kann so häufig rotieren, wie es früher der Fall war. Es sind möglicherweise nicht die Alben schlechter geworden, sondern die Intensität, mit der ich mich mit den Scheiben beschäftigen kann, hat abgenommen. So ist es eventuell auch zu erklären, dass Werke von Bands, die ich sowieso mag, bei mir in den Top 20 dominieren. Auf Platz zwei und drei kommen nämlich "A Parley With Angels" von FISH und "All One Tonight" von MARILLION, wobei der ehemalige Sänger dieser Band knapp die Nase vorn hat, vor allem, weil seine EP aus neuen Kompositionen besteht, während der MARILLION-Release eine symphonische Live-Umsetzung ist, die in ihrer Opulenz beeindruckt und vielen Liedern einen neuen, anderen Charakter gibt. Wer meine Abneigung gegen Live-Alben kennt, weiß, dass unter anderen Umständen auch nie ein Bühnendokument in diese Liste eingebrochen wäre. Und ebendies ist "A Parley With Angels" nicht, sondern drei neue, lange Prog-Rock-Perlen des großen Schotten, der sein Karriereende angekündigt hat. Gemessen an den Songs auf der EP dürfte uns aber mit "Weltschmerz" noch ein Highlight ins Haus stehen.

Auf den weiteren Plätzen kommt das etwas seichter gewordene Progwerk "La Muerta" der Hessen von SUBSIGNAL, deren Diskographie eine unglaubliche Qualität aufweist. Auch wenn es diesmal nicht für das Treppchen gereicht hat, muss jeder, der gefühlvollen Prog mit brillantem Gesang und dem Gespür für die richtige Dosierung mag, im Gegensatz zu den zahlreichen Frickelproggern da draußen, denen das Wort Dynamik fremd ist, zugreifen. Ähnliches gilt im Power Metal für die Band BRAINSTORM, denn "Midnight Ghost" ist ein Paradebeispiel für das Zusammenspiel von Melodie und Kraft. Und natürlich singt da Andy B. Franck. Kann also gar nicht schief gehen.

Zwei weitere alte Bekannte folgen auf den nächsten Plätzen. KAMELOT ist mit dem mittlerweile gar nicht mehr so neuen Sänger stärker geworden als früher, auch wenn die beste Phase weiterhin von "Karma" bis "Black Halo" reicht, aber die Qualität der Alben mit Sänger Tommy Karevik ist einfach überzeugend. "The Shadow Theory" gehört daher hoch auf diese Liste. Doch wenn wir von neuer Phase reden, so muss auch der zweite, ach was, dritte Frühling der Briten MAGNUM erwähnt werden. "Lost On The Road To Eternity" ist meiner Ansicht nach ein klein wenig schwächer als der Vorgänger "Sacred Blood "Divine" Lies", aber man kann einer Band nicht ankreiden, dass sie einmal von einem schwindelerregend hohen Niveau ein klein wenig nach unten ausgeschlagen hat. Es ist da ganz simpel: Die letzten neun MAGNUM-Album muss man als Melodic Rocker einfach haben.

Auf den folgenden Plätzen tummelt sich dann einiges an unterschiedlichen Stilen und Sounds. LEVEL FIELDS mit einem meiner Lieblingssänger Alan Tecchio schafft es, dessen exaltierten Gesang mit Grooves zu kombinieren, die mich nicht selten an NON-FICTION erinnern. Das ist ja wohl Lob genug! VOICES FROM THE FUSELAGE lieferte starken Prog, ASKING ALEXANDRIA gab moderne Sounds mit reifen Melodien und die Brasilianer ANGRA haben mal wieder ein tolles, kraftvolles Metal-Album abgeliefert, das wahrscheinlich ebenso wenig Beachtung finden wird wie die starken Vorgänger. Wenn auf eine Band das Prädikat "unterbewertet" zutrifft, dürfte ANGRA wohl ganz oben stehen.

Eine absolute Überraschung war "Sometimes The World Ain't Enough" von THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA. So eine coole, abgehangene, fesselnde Musik, die sich nicht um das Genre schert, kam mir 2018 sonst nicht in die Lauschlappen. Über den durchaus kitschtriefenden Sympho-Metal TENs geht es dann mit THE INTERSPHERE und der griechischen Band POEM nochmal in die Progwelten, deren Gefilde auch ARENA heimsucht. Vielleicht ist es noch überraschend, dass die alten Herren von URIAH HEEP wieder einmal ein absolutes Kracheralbum abgeliefert haben. Andererseits ist das seit 2008 ausnahmslos der Fall, sodass dann eher TRI STATE CORNER mit diesem Bouzouki-Metal eine kleine Überraschung ist. Die ungewöhliche Klangfarbe des eigentlich recht unmetallischen Instrumentes sorgt für Originalität, die ich würdigen möchte und die das tolle Album dann den kleinen Touch besser macht als viele andere, die 2018 auch veredelten, aber nun zurückstehen müssen.

Zum Schluss möchte ich noch das neue Album "Blackout" von AUDREY HORNE erwähnen, welches wieder coolen, treibenden und klassisch angehauchten Rock liefert, sowie die Oberschrägies COHEED AND CAMBRIA, die mit "The Unheavenly Creatures" wieder auf den Pfad der Konzeptalben mit esoterisch-verzwirbeltem Sci-Fi-Action-Hintergrund zurückgekehrt sind. Gut so.

Was war sonst noch? Live war das Keep It True wie immer ein Erlebnis, aber die FARMER BOYS, FISH und SHINEDOWN haben mich ebenfalls überzeugt, ansonsten habe ich hauptsächlich Festivals besucht. Ach ja, die KRUPPS sind live weiterhin eine Bank, falls sie mal in deiner Nähe gastieren.

Die Top20-Alben in der Übersicht. Mit einem Klick auf den Albumnamen gelangt ihr - soweit vorhanden - zur Rezension.

Rang Band Album
01. FARMER BOYS Born Again
02. FISH A Parley With Angels
03. MARILLION
All One Tonight
04. SUBSIGNAL
La Muerta
05. BRAINSTORM
Midnight Ghost
06. KAMELOT
The Shadow Theory
07. MAGNUM Lost On The Road To Eternity
08. LEVEL FIELDS
1104
09. VOICES FROM THE FUSELAGE Odyssey - The Founder Of Dreams
10. ASKING ALEXANDRIA
Asking Alexandria
11. ANGRA
Omni
12. THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA Sometimes The World Ain't Enough
13. TEN Illuminati
14. THE INTERSPHERE The Grand Delusion
15. POEM Unique
16. ARENA
Double Vision
17. URIAH HEEP Living The Dream
18. TRI STATE CORNER
Hero
19. AUDREY HORNE
Blackout
20. COHEED & CAMBRIA The Unheavenly Creatures

Redakteur:
Frank Jaeger

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