Perlen der Redaktion: Jonathan Walzers Highlights 2019

08.01.2020 | 11:50

Ich bin happy mit 2019 - es war ein starkes Jahr, persönlich aber auch musikalisch. Hier findet ihr einige meiner Jahreshighlights.

Zuerst einmal: Auch 2019 habe ich wieder viel Musik gehört, viele Scheiben rezensiert - und natürlich auch wieder (zu) viel Kram gekauft. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mehrere Richtungen sehr interessant finde: Zum einen kaufe ich noch gezielter alte Pop- und Rock-Klassiker aus allen Dekaden nach und liebe es, diesen gesamten Musikkosmos ab Mitte der Fünfziger bis heute zu analysieren und die Perlen zu hören. Dabei interessiert mich die Entwicklung von Künstlern und Genres sehr. 2019 lief zum Beispiel auch viel Hip-Hop, nicht nur aus den Achtzigern. Dazu wurde, angeregt auch durch Diskussionen in unserem und anderen Foren, unheimlich viel AOR gekauft und gehört. Dabei habe ich wohl keine einzige AOR-Scheibe aus dem Jahr 2019 gekauft, dafür aber viele aus früheren Jahren.

Im Metal bleibt derweil alles beim Alten - hauptsächlich lief Traditionsstahl zwischen US Metal, Epic Metal, ein bisschen Schwarzmetall und Doom. Daher war ich logischerweise auch wieder beim "Keep It True"-Festival, dem wohl besten Festival für solche Musik. Zu mehr als einem Underground-Tipp hat sich zudem das überragende "Trveheim"-Festival gemausert, das ich direkt vor meiner Haustür gezielt aufsuche. Interessant war in jedem Fall auch das vom Line-up her sehr interessante und schön aufgemachte "Stormcrusher"-Festival. Tourtechnisch war ich "nur" bei MEGA COLOSSUS, dem absolut genialsten Live-Abriss des Jahres, und bei THE NEAL MORSE BAND, wo ein Gänsehautmoment den nächsten jagte.

Bei POWERMETAL.de hatte ich Spaß an zwei großen Serien. Zum einen habe ich auf alle Alben von DREAM THEATER zurückgeblickt, gemeinsam mit meinem Kollegen Hermann Wunner. Die Serie beginnt hier. Beachtlich, dass es wirklich großartig geklappt hat, denn im realen Leben habe ich Hermann tatsächlich noch nie getroffen. Noch nicht abgeschlossen ist der Rückblick auf die Diskographie von BLIND GUARDIAN (verlinkt findet ihr hier den ersten Part). An dieser schreibe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Jakob Schnapp, den ich seit dem Kindergarten kenne und mit dem ich ja auch oft auf Konzerten jeder Art unterwegs bin. Dass das gut klappt, war also absehbar, aber auch hier macht das Schreiben richtig Spaß. Zu beiden Serien haben wir viel Feedback erhalten, was uns natürlich sehr freut! Ich hoffe, in ähnlicher Weise auch 2020 aktiv sein zu können.

 

Nun aber zu meinen favorisierten Scheiben.

Dass ATLANTEAN KODEX nicht enttäuschen würde, war mir relativ klar. Dass "The Course Of Empire" aber fast das Niveau von "The White Goddess" halten können würde, überraschte dann doch. Das wunderbar aufgemachte Album (bei dem ich mir sogar das Vinyl geholt habe) lief mit Abstand am häufigsten und sollte jedem Fan alter MANOWAR, BATHORY oder auch von ETERNAL CHAMPION herrlichst munden. Auch beim Live-Gig am "Stormcrusher"-Festival konnten die Oberpfälzer restlos überzeugen.

Kaum seltener lief "V", die EP von MEGA COLOSSUS. Dass eine EP mich so dermaßen wegbläst, geschieht selten. Das hier ist auf jeden Fall die beste SLOUGH FEG-Veröffentlichung seit Jahren, und mit 'Navigator' gibt es sogar einen herausragenden AOR-Track. Wenn ihr durch diesen Text nur in eine Scheibe reinhört, wählt bitte diese.

Ebenfalls zum Topbereich des Jahres ist "Winter Ethereal" zu zählen. Das neue Werk von ARCH / MATHEOS torpediert quasi den kompletten Prog-Metal-Bereich, allein durch die alles überragenden Gesangslinien. Aber auch die Songs sind so gut, dass sie fraglos auch mit Ray Alder am Mikro ein überragendes Album ergeben hätten. Ein Must-Have!

Zu den zahlreichen weiteren Highlights zählten, angeordnet anhand meiner Top-20-Liste:

LUNAR SHADOW natürlich; auch wenn "The Smokeless Fires" für mich nicht ganz das Niveau des Debüts erreicht. Trotzdem sind einige famose Songs am Start, die die nach ATLANTEAN KODEX aktuell beste deutsche Band auszeichnen.

RIOT CITY ist hoffentlich nicht an euch vorbei gegangen. Wer auf kraftvollen US Metal steht, muss diese Painkiller-mäßigen Screams antesten.

Die bombastische neue Scheibe "Moonglow" von AVANTASIA kann zum Beispiel mit grandiosen Gastgesängen von Hansi Kürsch aufwarten. Und Candice Night habe ich auch noch nie so stark gehört.

TAYLOR SWIFT ist natürlich kein POWERMETAL.de-Stoff, aber das neue Album "Lover" rotierte bei mir gerade im Sommer ständig und dürfte aufgeschlossenen Fans herausragend produzierter und eingesungener Popmusik gefallen.

Nach dem "Astonishing"-Desaster schlägt DREAM THEATER mit dem ordentlichen "Distance Over Time"-Album zurück. Kein Meisterwerk, aber sehr solide.

Eines der besten Debüts des Jahres gab es von IDLE HANDS. "Mana" ist Gothic Metal im besten Sinne, tief im Post Punk verwurzelt und dabei trotzdem klar metallisch.

Der Boss, BRUCE SPRINGSTEEN, wartet nach vielen Jahren wieder mit einem kompletten Studioalbum auf. "Western Stars" ist noch amerikanischer als viele seiner früheren Veröffentlichungen. Mehr Country, weniger Rock. Und ich persönlich finde, dass es sein bestes Album seit vielen Jahren ist.

Dass MAYHEM mit "Daemon" das brutalste Black-Metal-Album des Jahres auf den Markt feuert, hätte ich zwar erhofft, nicht aber unbedingt erwartet. Noch mächtiger als auf dem starken Vorgänger wird alles an Melodie zerstört.

Der Doom-Thron geht für mich in diesem Jahr dann wohl an CANDLEMASS. "The Door To Doom" ist gewohnt solide Kost und lief gerade im Frühjahr sehr häufig. Dass es wieder mal nicht mit einem KIT-Auftritt geklappt hat, ist schon tragisch.

THE NEAL MORSE BAND überzeugte mich nicht nur live. Auch "The Great Adventure" war ganz großes Kino, ein grandioses Konzeptalbum. Natürlich ist es mal wieder morse of the same, aber hey - wenn es auf diesem Niveau geschieht, warum nicht?

MGLA hätte ich eigentlich im Mai live sehen sollen, aber das Konzert wurde abgesagt. Dafür kam ohne jegliche Ankündigung "Age Of Ecxuse". Und das Album hat es nach dem deutlich schwächeren Vorgänger in sich und erreicht fast "With Hearts Toward None"-Niveau. Trotzdem störe ich mich mehr und mehr an der undurchsichtigen Verstrickung der Band in rechte Netzwerke und bin mir zunehmend unsicher, ob es noch Sinn macht, die Band zu supporten.

Dass HAMMERFALL so locker meine Top 20 erreichen würde, war nicht unbedingt abzusehen. Aber sind wir mal ehrlich: Schon seit "(r)Evolution" ist die Formkurve deutlich ansteigend, mit "Dominion" gelingt nun eines der stärksten Alben seit 2005.

Im Underground überzeugt VULTURES VENGEANCE mit arg kauzigem Epic Metal. "The Knightlore" gefällt in vielerlei Hinsicht, ist aber nicht das von manchen hochstilisierte Überalbum geworden.

"Wars In The Unknown" von TWISTED TOWER DIRE bietet dann puren US Metal in hoher Qualität. Ich gebe zu, dass ich die neueren Werke der Band dem Frühwerk sogar vorziehe.

MAGIC CIRCLE hatte ich ursprünglich im Doom verortet, aber "Departed Souls" ist das ultimative Retro-Rock-Album des Jahres; guter Stoff für Freunde von WITCHCRAFT oder GRAVEYARD.

"Times Of Obscene Evil And Wild Daring" ist female fronted Metal in Perfektion. SMOULDER aus Kanada hat hier mit einem epischen Doom-Gebräu ziemlich abgeräumt.

Beendet wird meine Liste von SWALLOW THE SUN. "When A Shadow Is Forced Into The Light" wurde viel zu früh auf diversen Ramschtischen für 5 € angeboten und ich nahm sie mir einfach mal mit - und wurde ziemlich weggeblasen. Dieses Album bietet melancholisch-düsteren Doom mit feinsten Keif-Vocals.

Sie sind zwar knapp vorbeigeschrammt, aber ebenfalls stark fand ich folgende neueste Veröffentlichungen: Der starke Re-Release des ARC-Materials; der neueste Edelpop-Release von ARIANA GRANDE; die gute EP der Schwaben AVIAN; das spannende Orchesteralbum von BLIND GUARDIAN'S TWILIGHT ORCHESTRA; das großartige Live-Dokument von CIRITH UNGOL; das schöne Black-Metal-Scheibchen von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT; die klasse neue EP von DON'T DROP THE SWORD; das feine neue FLOTSAM AND JETSAM-Geschoss; die ordentliche, aber nicht überragende GATEKEEPER-EP; die starke Resteverwertung von MANILLA ROAD; die tatsächlich nicht enttäuschende MANOWAR-EP; das Nicht-Band-Doppel-Album von NEAL MORSE; der starke Epic-Doom von ORODRUIN; das ordentliche THE LORD WEIRD SLOUGH FEG-Comeback; das sehr atmosphärische TANITH-Album - und sicher habe ich hier noch Gutes vergessen!? Ach ja, White-Metal- und White-Rock-Re-Releases noch und nöcher, hier könnte ich ein zusätzliches Aufsätzlein schreiben. Hört mehr frommen Rock!

Wirklich schwach fand ich das peinliche neue BATUSHKA-Album, das so wirklich nicht sein musste. Und natürlich war AGENT STEEL die Live-Enttäuschung des Jahres.

Ich freue mich sehr auf 2020, auf viele neue spannende Alben, auf viele gute Konzerte, auf Begegnungen mit euch Lesern (euer Feedback auf Festivals und Konzerten freut mich wirklich immer sehr), auf Diskussionen, gerne in unserem Forum. Rock on!

 

Meine Top-20-Liste findet ihr hier:

Rang Band Album
1. Atlantean Kodex The Course Of Empire
2. Mega Colossus V
3. Arch / Matheos Winter Ethereal
4. Lunar Shadow The Smokeless Fires
5. Riot City Burn The Night
6. Avantasia Moonglow
7. Taylor Swift Lover
8. Dream Theater Distance Over Time
9. Idle Hands Mana
10. Bruce Springsteen Western Stars
11. Mayhem Daemon
12. Candlemass The Door To Doom
13. The Neal Morse Band The Great Adventure
14. Mgla Age Of Excuse
15. Hammerfall Dominion
16. Vultures Vengeance The Knightlore
17. Twisted Tower Dire Wars In The Unknown
18. Magic Circle Departed Souls
19. Smoulder Times Of Obscene Evil And Wild Daring
20. Swallow The Sun When A Shadow Is Forced Into The Light

Redakteur:
Jonathan Walzer

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