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RAVENRYDE: Interview mit Didi Saller

07.02.2010 | 11:59

Eines der besten melodischen Heavy-Rock-Alben, die ich 2009 kennengelernt habe, ist "In The Spirit Of Darkness" der deutschen Debütanten RAVENRYDE. Gitarrist Didi Saller befragte ich zu seiner Band und ihrer Musik. Zum Schluss gab es sogar einen ersten Ausblick auf das nächste Album.

Ravenryde 2009

 

Stefan Kayser:
Ihr habt vor einigen Monaten euer Album "In The Spirit Of Darkness" herausgebracht, das mich über weite Strecken fast umgehauen hat. Wie würdest du die Scheibe selber beschreiben, was waren eure musikalischen Grundideen?

Didi Saller:
Freut mich, dass dir das Album so gut gefällt. Eine echte Idee liegt der ganzen Sache nicht zugrunde, da wir ja nur machen, was uns gefällt und was wir am besten können. Es ist nicht so, dass wir erst einen musikalischen Fahrplan gemacht hätten, nach dem wir uns dann gerichtet hätten. Sicher hatte ich das Konzept einer starken Rockband im Kopf, die den Geist der 70er und 80er in sich hat. Ohne diesen blank geschliffenen Sound, den man heutzutage fast ausschließlich zu hören kriegt, sondern mit Ecken und Kanten. Deshalb hat es auch so lange gedauert, bis ich die richtigen Musiker für so was gefunden habe. Ich würde sagen, die CD ist an diejenigen gerichtet, die noch, oder wieder, auf handfesten Rocksound stehen und sich bei übertriebener Perfektion nur langweilen.

Stefan Kayser:
Ich hatte zuvor noch nie von RAVENRYDE gehört und auch auf eurer Website gibt es keine Abteilung "Diskografie". Deshalb vermute ich, dass "In The Spirit Of Darkness" euer Debütalbum ist.

Didi Saller:
Richtig, wir sind die älteste Newcomer-Band Deutschlands!

Stefan Kayser:
Blutige Anfänger seid ihr allerdings auch nicht. Wie ich bei der Recherche festgestellt habe, hast du eine Zeitlang bei der traditionsreichen Band BLUE CHEER gespielt. Vielleicht stellst du die Bandmitglieder und ihren Werdegang kurz vor.

Didi Saller:
Du hast Recht, wir machen das alles nicht erst seit gestern. Keyboarder Jan war zuvor bei einer Band namens MINT, aber RAVENRYDE ist wohl seine erste richtige Rockband. Bassist Hans kenne ich schon über 20 Jahre, und ich trau mich fast zu wetten, in dieser Zeit hat er noch keinen Tag sein tägliches, technisches Bass-Training versäumt. Klar hat er auch in einer Menge Bands gespielt, u.a. bei HOTWIRE. Andy, unser Drummer, spielt noch in einer Menge anderer Bands. Wollte ich die hier alle aufzählen, müsstet ihr wohl mehr Webspace beantragen. Aber seine Arbeit mit Mickey Moody ist wohl das Herausragendste. Matt ist einer der stärksten Leadsinger, die ich kenne, und war zuvor bei einer Band namens AETERNOM. Ich selbst kann mich an das meiste, was ich gemacht habe, nicht mehr erinnern - rate mal, warum, hahaha - aber es dürfte eine ganze Menge gewesen sein...

Stefan Kayser:
Ich ordne die Scheibe keineswegs einem Retro Rock zu, dennoch vereint sie für mein Empfinden eine Metal-Schlagseite mit einigen Stärken des "klassischen" Rocks der 70er und frühen 80er. In meiner Rezi habe ich geschrieben, dass sie mich stellenweise neben den üblichen Verdächtigen unter den Metalbands an RAINBOW und DIO erinnert. Wo liegen eure Wurzeln und Vorbilder nun wirklich?

Didi Saller:
Was mich betrifft, so liegst du sicher richtig. Ich bin praktisch mit British Classic Rock aufgewachsen. Es ist also kaum verwunderlich, dass RAVENRYDE in diese Kerbe schlägt. Ich steh aber auch auf diesen Sixties Spirit, wie er bei BLUE CHEER immer geherrscht hat. Matt steht eher auf Melodic Metal à la HELLOWEEN. Da kommen wir uns beim Songwriting oft in die Haare. Aber das macht es auch richtig interessant.

Stefan Kayser:
Zwei Stücke auf dem Album, die mir auf Anhieb sehr gut gefallen haben, sind der Kracher 'Unholy Ground' und die Ohrwurmmelodie 'Foolish Dreams'. Kannst du etwas über diese Nummern berichten?

Didi Saller:
'Unholy Ground' ist aus dem Introriff entstanden. Ich wollte für den Opener eine schön erdige Gitarrenattacke haben. Der Song erzählt eine typische Rock'n'Roll-Story: Frau fühlt sich zu Hause eingeengt und sehnt sich nach dem freien Leben. Nichts Besonderes also...
Na ja, bei 'Foolish Dreams' kannst du mal sehen, was rauskommt, wenn der Leadsinger so melodieverliebt ist wie Matt. Matts Melodie war es auch, die den Anstoß zu diesem Song gab. Für den Vers habe ich dann einen fetten Rhythmusgroove gebastelt, und diesen Kontrast finde ich recht gelungen. Wenn wir eine Idee haben, versuchen wir stets, uns nicht daran festzubeißen, sondern während des Songs noch weitere Türen zu öffnen. Die Herausforderung dabei ist, dass der Song aber in sich immer noch stimmig bleibt. Ansonsten kommt Prog Rock dabei raus.

Stefan Kayser:
Bei viel Lob bleibt auch etwas Kritik nicht aus. Die Ballade 'If I Was King' und das akustische 'Love Will Find Its Way' empfinde ich als klischeehaft und etwas schwächer. Wie stehst du zu diesen Stücken?

Didi Saller:
Das kann schon sein, aber du musst auch zugeben, dass es meist solche klischeehaften Songs sind, die zu Hits werden. Ich hätte also nichts dagegen, wenn das auch mit 'If I Was King' passiert. Bei 'Love Will Find Its Way' wär's eher schlecht, da ich hier nicht am Songwriting beteiligt bin, hahaha. Für das nächste Album ist aber so was nicht mehr vorgesehen, bis jetzt zumindest...

Stefan Kayser:
Die CD ist nach meinen Unterlagen im Juni erschienen, wir von POWERMETAL.de haben aber erst im November oder Dezember ein Rezensionsexemplar erhalten. Warum wurde so spät mit Promoaktivitäten begonnen?

Didi Saller:
Das Album wurde erst im September veröffentlicht. Aber es stimmt, die Promo startete reichlich spät. Das liegt daran, dass wir während der Studioaufnahmen noch keinen Plattendeal hatten und überhaupt noch nicht wussten, was wir mit den Aufnahmen machen sollen. Das kam erst, nachdem schon alles fertig war. Also hat sich das alles verzögert.

Stefan Kayser:
Wie sieht's mit Liveaktivitäten aus?

Didi Saller:
Grundsätzlich immer und überall! Aber mit einem neuen, noch unbekannten Namen ist es recht schwer, bei Veranstaltern Gehör zu finden. Trotzdem setzen wir alles daran, dass es 2010 eine Tour gibt. Bis dahin machen wir eben Support-Shows, wie jüngst für URIAH HEEP oder NAZARETH.

Stefan Kayser:
Als Fan von Livealben interessieren mich immer die Favoriten und Empfehlungen anderer Musikfreunde.

Didi Saller:
Meine Empfehlung: DIRE STRAITS "On The Night". Hättest du nicht gedacht, oder?

Stefan Kayser:
Ich bin hier schon einiges an Antworten gewohnt. Aber hier stimme ich dir zu, die DIRE STRAITS waren echt eine fantastische Liveband. Letzte Frage: Auch wenn eure aktuelle CD gerade ein knappes halbes Jahr auf dem Markt ist, arbeitet ihr schon an neuem Material?

Didi Saller:
Ja, wir sind schon am Ideensammeln. So geht's immer los. Definitiv kann ich schon sagen, dass das nächste Album auf jeden Fall eine Spur härter ausfallen wird.

Stefan Kayser:
Danke für das Interview und viel Erfolg.

Didi Saller:
Ich hab zu danken!

Redakteur:
Stefan Kayser
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