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RE-VISION: Interview mit Christoph

01.01.1970 | 01:00

Nach dem hervorragenden Output "Longevity" konnte ich nicht umhin, mit re-VISION ein weiteres Interview zu machen.
Christoph Lückner, seines Zeichens Bassist und Songschreiber von re-VISION, stand mir per mail, Schreibe und Antwort.

Alex:
Wie sind die Reaktionen auf euer neues Album?

Christoph:
Echt super, die Presse überschlägt sich ja förmlich.:) Fakt ist, daß wir sowohl von der Metal- als auch der Indie/Gothic-Presse fantastische Reviews erhalten und auch interviewmäßig sind wir gut vertreten. Auch die ersten Fan-Reaktionen sind echt gut und alle scheinen der Meinung zu sein, daß „Longevity“ eindeutig unser bisher bestes Album geworden ist. Das kann ich nur unterschreiben, hehe.

Alex:
Erkläre bitte mit eigenen Worten, was Du von „Longevity“ hältst?

Christoph:
Nun, das Album stellt den jetzigen Punkt in unserer ’Evolution’ dar und wir sind mit dem Grad der bislang vollzogenen Entwicklung sehr zufrieden. Das neue Album präsentiert uns so, wie wir im Moment als Songwriting-Team kreativ zusammen arbeiten. Da wir uns keine stilistischen Grenzen setzen ist unser neuestes Werk einfach das Ergebnis einer für uns ganz natürlichen Entwicklung und ich bin äußerst zufrieden mit dem Album.

Alex:
Als wir uns das letzte mal unterhielten, da hast Du mir gesagt, dass ihr bereits neue Songs fertig habt. Unter anderem war der Song „Longevity“ dabei. Heißt das, ihr habt den Song damals schon komplett fertig gehabt?

Christoph:
Ja genau, zum Zeitpunkt unseres letzten Interviews standen bereits „Larvae“, „Longevity“, „Embraced“ und „The return“.

Alex:
Wie sah die Arbeit zu „Longevity“ konkret aus? Was habt ihr gegenüber der „Whore Venus“ geändert?

Christoph:
Oh, ich glaube, da ist einiges passiert, hehe. Wir haben uns als Songwriter weiterentwickelt, haben verstärkt an Hooklines gefeilt und die „Longevity“-Tracks klingen erheblich eingängiger, düsterer, moderner, atmosphärischer und noch eigenständiger. Beim letzten Album waren unsere Gitarristen Mario und Daniel noch nicht sehr lange dabei und etliche Tracks waren noch mit unseren alten Klampfern entstanden. „Longevity“ zeigt uns als wesentlich stärkeres Team und wir hatten dieses Mal sehr konkrete produktionstechnische Vorstellungen und haben Details auch schon vorproduziert. Die Produktionsweise war komplett anders, wir haben mehr Keys eingesetzt, runtergestimmte Klampfen, 7-saitige und 12-saitige Gitarre, Drum-Loops und Samples verwendet.

Alex:
Wie war die Zusammenarbeit mit Paul DiAnno im Studio? Hat er euch ein paar Tipps gegeben?

Christoph:
Nö, aber wir ihm, hehe. Paul hat das als Spaß und Freundschaftsdienst angesehen und einfach das reproduziert, was wir von ihm haben wollten. Die Zusammenarbeit war also vollkommen ’easy’.:) und das Endergebnis ist echt super.

Alex:
Mir fiel besonders auf, dass Frank wesentlich mehr „Herz“ in seinen Gesang gelegt hat. War dies von Anfang an beabsichtigt?

Christoph:
Ich finde auch, daß die Vocals nunmehr viel mehr Ausdruck und Power haben. Frank ist wesentlich glücklicher mit den aktuellen Songs und seinen Melodielinien und bewegt sich nunmehr mehr in seinen natürlichen Tonlagen, was seine Stimme viel kraftvoller macht.
Wie wir alle hat er sich auch sehr stark weiterentwickelt und die emotionale Tiefe des neuen Materials und seine Identifikation mit den Songs kam ihm auch sehr zugute.

Alex:
Woher nehmt ihr die Ideen für eure Texte?

Christoph:
Die Texte des Albums stammen von Frank und mir und obwohl wir einen unterschiedlichen Schreibstil haben, ziehen sich einige Gemeinsamkeiten durch unsere Lyrics. Es gibt keine bestimmte Message, die Texte sind sehr stimmungsvoll, bildhaft und assoziativ. Als Autoren sind uns die Lyrics sehr wichtig, da sie unsere Erlebnisse, Gedanken, Emotionen beinhalten, jedoch vermeiden wir es unsere Schöpfungen umfassend zu kommentieren, was auch schwierig ist, da sie vielfache Ebenen enthalten und Leser die Wörter ganz anders interpretieren als wir es im Kopf hatten. Diese Assoziationsketten könnten wir zerstören, in dem wir unsere Interpretationen preisgeben, was aber auch nicht so einfach ist:), da viele Zeilen einen speziellen Sinn in sich haben und der komplette Text selbst vom Autor nicht auf ein Thema reduziert werden kann.

Alex:
Einziger Kritikpunkt, meiner Bescheidenen Meinung nach, ist, dass es der Scheibe an Härte fehlt. Ich meine damit, die erfrischende Ungeschliffenheit von „Whore Venus“. Ich meine das jetzt nicht negativ, weil es davon zeugt, dass ihr euch als Band weiterentwickelt habt, aber irgendwie klingt „Longevity“ steriler. An was liegt das?

Christoph:
Da kann ich Dir nun nicht zustimmen, da ich das neue Material als wesentlich härter empfinde. Einen aggressiven Song wie „Moonflash“ mit seinem ultrafetten Mittelpart kannst Du beim letzten Album z.B. vergeblich suchen. Ich finde auch, daß die kompakteren Grooves mehr Härte erzeugen und vor allem die Riffs vom Songwriting und der Produktionsweise viel heftiger daherkommen. Auch der Gesang hat an Intensität und Power zugenommen und – ehrlich gesagt – erscheint mir der eher traditionelle Sound des Vorgängers sehr steril.

Alex:
Letztes mal, habe ich euch noch in die Prog-Ecke gestellt. Hiermit revidiere ich das.
Wie würdest Du euren Stil bezeichnen?

Christoph:
Keine Ahnung, aber ich bin froh, daß Du Deine Meinung geändert hast.:) Wir kümmern uns nicht großartig um Einordnungen und die Presse hat bei uns generell ein Problem damit.
Wir haben diverse Elemente verschiedenster Genres in unserem Sound und selber Schwierigkeiten eine prägnante Bezeichnung dafür zu finden:), aber wenn es denn sein muß, bezeichnen wir „Longevity“ schlicht und einfach als „Dark Metal“.

Alex:
Gibt es schon neue Songs, bzw. eine Planung für das nächste Album?

Christoph:
Ja, wir haben schon längst wieder begonnen Ideen zusammenzutragen und Songs auszuarbeiten, so daß wir mittlerweile schon wieder 4 komplette Tracks und die Grundideen für diverse weitere Songs haben. An das nächste Album denken wir allerdings noch nicht konkret. Nächsten Monat werden wir allerdings einen Track für ein „Aerosmith“-Tribute-Album produzieren und das wird mit Sicherheit spannend, denn niemand von uns ist in irgendeiner Weise Fan der Band, aber es erschien uns reizvoll einen Song mal komplett umzuarbeiten und unseren eigenen Ideen anzupassen.

Alex:
Ist schon eine Tour geplant?

Christoph:
Im Moment leider nicht, der Markt ist ziemlich dicht und die wenigen auf dem „Markt“ gehandelten Angebote sind für uns einfach unerschwinglich. Aber vielleicht kommt ja – wie im letzten Jahr – kurzfristig etwas rein.

Alex:
Wie sieht eure Planung für 2002 aus?

Christoph:
Für den Januar sind schon diverse Einzelshows gebucht und im Laufe der nächsten Zeit werden noch diverse Shows dazu kommen. Ansonsten arbeitet unser Booker (www.liveguard.de) derzeit an einigen Festival-Gigs im nächsten Sommer. Wir werden natürlich wieder ohne Ende geile Songs schreiben :) und im Verlauf des Jahres dann wohl an die Produktion des vierten Albums gehen.

Alex:
Kommen wir zur letztjährigen Tour mit DIANNO.
Was waren die positiven Erlebnisse / Erfahrungen? Welches die negativen?

Christoph:
Da wir in den letzten Jahren zwar unheimlich viele Gigs gespielt haben, diese aber quasi nur an Wochenenden, war es unheimlich geil mal etliche Konzerte am Stück zu spielen und mit einer Band unterwegs zu sein, mit der wir uns unheimlich gut verstanden haben und deren Sänger wir schon seit frühester Jugend verehren. Und dann spielen wir mit Paul Di’Anno zum Abschluß diverser Shows gemeinsam „Prowler“, ein echter Hammer, kann ich da nur sagen.:) Die Abende mit einer netten Besucherzahl waren für uns auch ziemlich erfolgreich, da wir von den Fans sehr gut aufgenommen wurden. Negativ war auf jeden Fall die miserable Promotion einiger lokaler Veranstalter, die miserable Besucherzahlen zur Folge hatte und unser Wohnmobil-Unfall in Österreich, der uns nicht nur Geld, sondern auch einen Gig in der Schweiz gekostet hat.

Alex:
Was hältst Du von folgenden 3 Scheiben?

Christoph:
DEVIN TOWNSEND – Terria
Ein absolutes Hammeralbum eines begnadeten Songschreibers und Sängers! Devin ist einer der wenigen visionären Ausnahmeerscheinungen in der Szene, denn er geht einfach seinen eigenen Weg.

IRON MAIDEN – Brave New World
Gut, aber nicht überragend. Ich finde sie aber besser als z B. "Fear Of The Dark", die für mich auch eher durchwachsen war, von den Scheiß-Alben ohne Bruce ganz zu schweigen:). An Götter-Gaben wie „Seventh Son“ oder „Piece Of Mind“ kommt sie aber bestimmt nicht heran. Einige Songs haben mich aber schon vom Hocker gehauen, z.B. „The Nomad“. Leider gibt es auch ein paar Songs, die mich nicht ganz überzeugen können.

ICED EARTH – Horrorshow
Für mich persönlich leider eine Enttäuschung, ein absolutes „Wir stellen die Fans zufrieden und gehen absolut auf Nummer sicher“-Album. Die Songs waren alle schon mal in äußerst ähnlicher Form auf anderen ICED EARTH-Alben, klangen da nur besser und frischer.

Alex:
Was hältst Du von Bands wie HAGGARD, die mit einem Orchester auftreten?
Würdet ihr sowas auch gerne machen?

Christoph:
Das ist natürlich eine reizvolle Sache, keine Frage, allerdings hätten wir keinen Bock einfach nur Bestehendes mit etwas Klassik zu ergänzen, denn das geht in den meisten Fällen, wie z.B. bei Metallica, doch arg schief. Es müsste schon gemeinsam etwas ganz Neues entstehen, aber bei unseren finanziellen Mitteln ist das auch nur eine drogenbedingte Illusion, hehe. Und mein größter musikalischer Wunsch ist das auch nicht.:)

Alex:
Welche drei Dinge würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Christoph:
Badehose, Drogen und einen kompletten Harem...:)

Alex:
Was würdest Du machen, wenn Du einen ganzen Tag lang unsichtbar wärst?

Christoph:
Ich würde mir eine Menge Kohle besorgen und als exzellenter Spanner tätig sein.:)

Alex:
Groupies – gut oder schlecht?

Christoph:
Gut, aber kennst Du welche? Wenn ja, schick’ sie mal zu unseren Gigs!:)

Alex:
Einen Musiker-Witz bitte?

Christoph:
Da kenn’ ich nur abgedroschene, z.B. „Wie heißen die Typen, die immer mit Musikern rumhängen? Bassisten!“ Aber bei uns trifft das nicht zu, da bin ich der Boss, hehe. Also setzten wir lieber „Drummer“ ein....:)

Alex:
Als dann, danke für das Interview und Toi, Toi, Toi für die Zukunft!

Christoph:
Checkt unsere Webseite www.re-Vision.org! Wir sehen uns bei einem unserer Gigs!
Vielen Dank für’s Interview und Cheerz!

Redakteur:
Alex Kragl

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