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REAPER: "Gardens Of Seth" in der Track Attack mit Daniel Zimmermann

29.11.2009 | 11:30

Vor 25 Jahren tönten die RODGAU MONOTONES "Erbarme! Die Hesse komme!". Das war so ziemlich genau zu der Zeit, als auch die Kasseler REAPER das Licht der Welt erblickten um ohne Erbarmen die Metal-Keule zu schwingen. Und wie kann man ein solches Jubiläum besser feiern, als mit einem neuen Rundling, auf dem sich alle Trademarks der Old-School-Teutonen-Metaller wiederfinden. Für POWERMETAL.de war dies Anlass, herzlich zu gratulieren und Frontröhre, Gitarrist und Songschreiber Daniel Zimmermann in einer Track Attack mit den eigenen Gewächsen zu konfrontieren.

Martin:
Moin Daniel! Erstmal herzlichen Glückwunsch zum 25-Jährigen! Der REAPER hat offensichtlich Steher-Qualitäten.

Daniel:
Definitiv! Aber wir mögen einfach, was wir tun. Es gab Zeiten, in den finsteren Neunzigern, da bestanden REAPER nur noch aus zwei Leuten, die zusammen im Übungsraum saßen und Songs aufnahmen. Irgendwann wurde es wieder besser, wir fanden neue Leute und REAPER wurden wieder 'ne richtige Band.
REAPER aus Kassel
Martin:
Und das ist gut so! Aber nun zum Eingemachten. Euer neues Album heißt "Gardens Of Seth". Was sind denn das für Gärten? Nach dem Cover zu urteilen ein eher düsterer Ort.

Daniel:
Seth war in der ägyptischen Mythologie der Gott der westlichen Wüste und somit ein Gott des Todes, weiterhin war er der Counterpart des Chef-Gottes Horus. Er wurde ausgesprochen ambivalent, also mit positiven wie negativen Eigenschaften dargestellt, das machte ihn für uns schon einmal interessant. Seine Gärten sind also Orte des Todes, wobei der Tod hier auch für Veränderung und persönliche Weiterentwicklung steht.

Martin:
Okay, dann bitte jetzt deine ganz persönlichen Kommentare zu den einzelnen Titeln. 'The Age Of Hunger' kommt musikalisch bombastisch und hymnisch. Kommt dieses Zeitalter von Hunger und Apokalypse schon jetzt?

Daniel:
Wir sind mittendrin. Wir leben im Zeitalter der Gier und vernichten unsere Lebensgrundlagen im Interesse kurzfristiger Profite. Ein kleiner Teil der Menschheit häuft ungeheure Reichtümer an, während der größte Teil nicht mal sauberes Trinkwasser hat, von ausreichender Nahrung, Bildung und solchen Dingen mal ganz zu schweigen. Auf eine Apokalypse, im Sinne einer Offenbahrung höherer Wahrheiten, brauchen wir ganz sicher nicht zu hoffen.

Martin:
'Ten Thousand Nightmares'.

Daniel:
Ein Song über eine Figur aus der christlichen Mythologie, die ich sehr interessant finde: Judas Ischariot. Der wurde schlicht verarscht, er machte nur seinen Job, tat genau das, was von ihm erwartet wurde und landete zum Dank in den tiefsten Tiefen der Hölle. Hätte er sich mal lieber 'ne nette Frau gesucht, oder es sich sonst irgendwie gut gehen lassen, statt einem von diesen Propheten nachzurennen, uns wäre viel erspart geblieben, denn ohne ihn hätte dieser ganze Heilsgeschichtenkrempel gar nicht stattfinden können.

Martin:
'Super Mystique' ist eine phasenweise fast doomige Dampfwalze.

Daniel:
Die Grundidee zu 'Super Mystique' bestand tatsächlich aus diesem komischen, kleinen Akkord ganz am Anfang des Stückes und irgendwie wuchs daraus der ganze Song. Ziemlich genau so, wie er jetzt zu hören ist. Inhaltlich passte da die Geschichte von dem Pharao, der eines Tages in seinem mumifizierten Körper aufwacht und feststellt, dass die ganze Sache mit dem Leben nach dem Tode so wohl doch nicht stimmt.

Martin:
'Dark Beyond Black'.

Daniel:
Schwärzer als Schwarz, das kann dann eigentlich nur noch ein schwarzes Loch sein. In diese Rolle bin ich textlich geschlüpft, das war mal was anderes. Musikalisch haben wir unser Black-Metal-Faible ausgelebt und zwischendurch 'n bisschen SLAYER und KREATOR zitiert. So was macht Spaß, auch wenn es für unseren Drummer Jan ziemlich anstrengend ist. ;-)


Daniel Zimmermann

Martin:
Mein Lieblingstitel auf "Gardens Of Seth" ist 'Leviathan'.

Daniel:
Schön, das zu hören. Es scheint noch mehr Leute zu geben, die diesen Titel mögen, bei unseren Konzerten kam er bisher immer gut an. Für mich ist er sozusagen das Zentrum des Albums, der Song, zu dem die anderen hinführen und von dem sie sich wieder lösen. Die Musik ist ziemlich gewaltig, da passte einfach ein Text über dieses Mords-Meeresvieh, das das Ende der Welt bringt, wenn es erwacht.

Martin:
'Revolution'.

Daniel:
Revolution ist mal wieder hip, siehe Autowerbung. Die meisten Leute wissen gar nicht, dass dieser Begriff ursprünglich gebraucht wurde, um die Bewegung der Planeten zu beschreiben, er bedeutet also Umkreisung, Umdrehung. So sollte man auch Geschichte verstehen, es gibt keinen Endpunkt, auf den alles hinausläuft, sondern nur ein fortwährendes Auf und Ab, Werden und Vergehen.

Martin:
'Al Andaluz' haut ein bisschen aus dem sonstigen Rahmen...

Daniel:
Stimmt, das sollte aber auch so sein. Ich finde, ein gutes Album muss einfach ein gewisses Maß an Abwechslung bieten, sonst droht die Langeweile. So ein bisschen hatte ich dabei "The Somberlain" von DISSECTION im Hinterkopf, wo die akustischen Einschübe das Ganze ungeheuer auflockern, auch wenn DISSECTION wohl kaum Flamenco-Rhythmen oder gar ein Cajon verwendet hätten. Wir machen so was, wenn wir Lust dazu haben.

Martin:
Und dann der 'Erlkönig': Goethe und Schubert auf einem True-Metal-Album?

Daniel:
Mit dem Begriff True Metal hab ich so ein bisschen meine Schwierigkeiten, da schwingt so viel MANOWAR mit, das ist nicht so meins. Ich nenne das ganze schlicht Heavy Metal und denke, das reicht als Kategorie völlig.
Der 'Erlkönig' ist ein Stück, das mich schon seit meiner Kindheit verfolgt, damals muss das für mich eher der Horror-Song gewesen sein, er machte mir Angst, hat mich aber auch immer tief bewegt. Im Studium habe ich meine Analysearbeit darüber geschrieben und dachte mir dann, dass ich noch mehr draus machen sollte, also habe ich eine Partitur für zwei Gitarren und Bass geschrieben und los ging's. Ich glaube, die anderen mochten den Song damals nicht so, weil er so sau-kompliziert ist - er marschiert durch alle 12 Tonarten - aber irgendwann fingen sie wohl doch an ihn zu mögen.

Martin:
Der Rausschmeißer 'Light Of Anger' klingt wie ein Verneigung vor BLACK SABBATH, der Song hätte auch auf deren "Master Of Reality"-Scheibe stehen können.

Daniel:
Danke für das liebe Kompliment. Es ist sogar eine sehr tiefe Verbeugung, mit BLACK SABBATH hat schließlich alles angefangen, man kann durchaus sagen die haben's erfunden. Bei früheren Aufnahmen hab ich mal bemerkt, dass meine Stimme irgendwie auch nach Ozzy klingen kann, das hab ich so'n bisschen auf die Spitze getrieben. ;-)

Martin:
Daniel, ihr habt schon eine Menge Labels verschlissen: Bellaphon, Mausoleum... Was ist jetzt besser bei STF?

Daniel:
So viele waren das doch eigentlich gar nicht, wenn man bedenkt, wie lange wir das schon machen. Aber im Ernst, wir hatten damals keine Verträge mit den Labels selbst, sondern lediglich mit dem Produzenten. Was bei STF besser ist, wird sich zeigen, aber schon jetzt kann ich sagen, dass der Kontakt wesentlich besser (und angenehmer) ist, sie tun ihren Teil der Arbeit und wir sind guter Dinge, dass wir auch mal 'ne Abrechnung sehen werden.

Martin:
Sei euch zu gönnen. Wie sind eure Pläne für die nächsten 25 Jahre? ;-)

Daniel:
Die Weltherrschaft an uns reißen, das musikalische Leben der nächsten 1000 Jahre maßgeblich prägen, wahlweise die Erlösung oder das Ende der Welt bringen - das Übliche halt, unsere Vorstellungen sind da nicht so originell. Im Augenblick würde es uns auch reichen, einfach möglichst viele Konzerte zu spielen.

Martin:
Daniel, danke dir für das Mitmachen in unserer Track Attack. Dir und den Jungs alles Gute weiterhin - we never fear the REAPER! ;-)

Daniel:
Nein, wir haben zu danken. Ihr seid tatsächlich das erste deutsche Metal-Magazin, das uns interviewt. Es ist schon erstaunlich zu lesen, was einige Kollegen über uns zu schreiben wissen, ohne uns auch nur einmal gesehen, geschweige denn befragt zu haben.

Redakteur:
Martin Rudolph

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