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RECON: Interview mit Rod Arias

01.01.1970 | 01:00

Dieses Interview war mal wieder etwas ganz besonderes für mich. Zum einen weil die Band mit Kult-Status nur ein Studio-Album veröffentlicht hat (“Behind Enemy Lines“), was schon über 10 Jahre her ist (1990) und zum anderen weil sie einen nagelneuen Frontmann haben (Rod Arias), mit dem ich einige Emails wechselte. Dies hat sich leider sehr in die Länge gezogen (letztendlich fast ein halbes Jahr – weil Rod zwischenzeitlich keinen Internetzugang hatte) und ich habe das Interview jetzt etwas kürzen müssen, um es euch nicht mehr länger vorzuenthalten, aber freundlich und hilfsbereit wie Rod ist, hat er mir dafür noch einen sehr ausführlichen Konzertbericht von seinem ersten Auftritt mit der Band verfasst, den ihr am Ende des Interviews lesen könnt!!


Stefan: Seit wann probt ihr (wieder) zusammen?

Rod: Diesen Samstag (13.07.2002) ist unsere erste offizielle Probe. Ich bin mit George und John seit ein paar Wochen zusammengekommen und danach habe ich mich mit George getroffen, um neues Material zu schreiben.

Stefan: Ich habe gerade eine Review zur “Live At Cornerstone 2001“ geschrieben. Was lief an diesem Tag schief, Vett Roberts (vorherige Sänger) klingt auf der CD ja nicht so besonders…

Rod: Also das kann ich dir beantworten, weil ich mich darüber auch sehr gewundert habe, also hier wie es war: Die Band sollte zu einem bestimmten Zeitpunkt spielen und eine Stunde bevor ihr eigentlicher Auftritt war, kam der Stage Manager zu ihnen und sagte, dass sie in der Running Order um eins nach vorne gerutscht seien. Das bedeutete, früher zu spielen als es angedacht war und sie konnten keinen Sound-Check mehr machen. Vett, Jonny und Mike waren im Hotel um ihre Sachen fertig zu machen, als der Anruf kam, dass sie sofort zurückkommen sollten um zu spielen. Also eigentlich hätten sie noch 2 Stunden Zeit gehabt, als sie zum Hotel gingen, was ihnen auch sicherlich gereicht hätte. Als dann der Stage Manager ihre Pläne änderte, begann alles schief zu laufen.

Als sie wieder auf der Bühne standen, musste erst alles wieder neu arrangiert werden (die Instrumente wurden an diesem Abend mit allen Bands geteilt). Und, wie schon gesagt, RECON hatten keinen Sound-Check, was für einen Sänger das Gleiche bedeutet wie Selbstmord – wenn du weißt was ich meine. Wenn du dir jetzt das Konzert anhörst, an dieser Stelle wo George predigt, da hörst du ihn sagen: “Kann ich bitte mehr Monitore haben?“; ok, wenn du jemals auf der Bühne gestanden hast und du bist das einzige, was zu hören ist in diesem Moment, aber du kannst dich selbst nicht hören… DAS ist wirklich schlecht. Ich meine, er sprach, keine Musik, nichts anderes passierte und trotzdem konnte er sich nicht hören. Also um zum Ende zu kommen: Das war der Grund, warum der Gesang nicht so gut klang wie er sollte. Zudem haben mir die Jungs gesagt, dass Vett etwas erkältet war. Wenn du also diese beiden Sachen addierst, erhältst du den Grund, warum RECON nicht so gut klangen.

Stefan: Ok, damit kommen wir zu dir: Rod Dickenson (den Namen hab ich aus den Emails entnommen). Stell dich uns mal vor (Wie kam der Kontakt mit RECON zustande, welche Bands hattest du davor, was sind deine musikalischen Einflüsse)!

Rod: 1) Mein Name ist nicht Rod Dickenson (lol). Das ist ein Insider Witz, weil ich in einer IRON MAIDEN Tribute Band gesungen habe. Mein Name ist Rod Arias.

2) Wie kam ich mit RECON in Kontakt? Nun, sie gaben eine Annonce in einem Magazin auf, in der sie nach einem Sänger suchten. Ich antwortete darauf ohne zu wissen, dass sie es waren. Ich sprach als erstes mit Jonny und er sagte mir, dass die Band RECON heißen würde. I war ein großer RECON Fan, also war ich sehr nervös, als ich bei ihnen zum vorsingen war, aber es hat geklappt. Ich habe darum gebetet und habe Gott die Entscheidung überlassen und so tat er es. Ich kannte bereits das meiste Material (was mir beim vorsingen sehr behilflich war) und ich habe einen ähnlichen Gesangsstil (wie Vett). Meine Stimme ist allerdings etwas dunkler, wozu sie “bigger“ sagen.

Einige Sänger die ich höre sind: Roy Khan (KAMELOT), Geoff Tate, Bruce Dickinson, Midnight, den von SONATA ARCTICA (sehr guter Sänger), Timo Kotipelto (STRATOVARIUS), James Labrie, Rob Halford, Ripper Owens, usw. Aber mein Gesangsstil ist etwas anders.

Zu den Bands in denen ich schon gespielt habe, dafür ist es vielleicht interessant zu hören, dass ich hauptsächlich Schlagzeuger bin. Ich habe für Phil Lewis (Sänger von den LA GUNS) gespielt und ich habe das “Hollywood Rehearsals“ Album eingespielt (das ist nur in Japan veröffentlicht worden).
Gesungen habe ich für einige lokale Bands, nichts Großes. Ich hatte eine christliche Metal Band mit dem Namen SAVED BY GRACE und so habe ich die Musik von RECON kennen gelernt. Oder auch SACRED WARRIOR, BRIDE, BARREN CROSS, TAMPLIN, usw.

Stefan: Singst du ähnlich wie Vett Roberts?

Rod: Ich kann seine Songs singen, aber auf meine eigene Art.

Stefan: Hast du an der neuen CD mitgeschrieben und wird sie noch Power Metal sein?

Rod: JA, ich habe an der neuen Scheibe mitgeschrieben. George hat viele musikalische Ideen, einige davon mit Gesang, manche ohne. Bis jetzt ist es noch zu früh zu sagen, welche Art von Musik es sein wird. Sie (RECON) haben ein paar Songs mit Vett (Roberts, ex Sänger) und Ronson (ex Keyboarder) gemacht und ich denke, dass ich versuchen werde sie zu singen oder zu überarbeiten. Was immer der Musik dienen wird (einige dieser Songs wurden vor einigen Jahren geschrieben, also wollen wir uns vor allem auf das “neuere neue“ Material konzentrieren).
Ich arbeite an einer Idee namens “The Signs Of The End Of Age“, aus Lukas 21:8. George hatte mir ein Tape mit Musik ohne Text gegeben, also mache ich ein paar Texte und ich denke, dass wir alles bald überarbeiten werden.

Es ist noch zu früh etwas genaues über die CD zu sagen. Das einzige was ich weiß… Du wirst es mögen!! Wir müssen nur daran denken, dass es nicht nur um die Musik, sondern auch um die Message geht… Wir wollen die christliche Botschaft verkünden.

Stefan: Spielt ihr Konzerte?

Rod: Noch nicht, aber wir haben schon 3 gebucht. Eines davon ist das EXTREME MARDI GRAS am 17ten August zusammen mit BARREN CROSS, BLISSED (neue Band von Robert Sweet – ex STRYPER) und NEON CROSS.

Stefan: Was ist mit den Original Bandmitgliedern von RECON, was machen John Christianson (Drums) und Eddie Starline jetzt?

Rod: Also zu John Christianson… nun, er ist John Gonzales (aktuelle Drummer). Er benutzte früher einen Bühnennamen. Das Gleiche gilt für Eddie, er ist auch in der Band. Du kannst also froh sein mein Freund, es sind alle zurück! Ronson ist jedoch nicht mehr in der Band, aber er hatte noch beim schreiben einiger Songs geholfen.

Stefan: Wie sieht es heute aus mit der Musik in Amerika, kennst du viele Metal Heads, oder gibt es nur noch New Metal Kiddies?

Rod: In Amerika dreht sich alles um den New Metal. Es ist schon lustig, überall in der Welt kann man Heavy Metal hören, aber nicht hier. Metal ist Underground. Es gibt Fans, aber die Szene ist nicht mehr so groß, wie es einmal war.

Stefan: Seid ihr nach wie vor eine White Metal Band wie damals in den 80ern, oder verfolgt ihr andere Ziele?

Rod: Was die Ziele betrifft, wir wollen eine CD aufnehmen und schauen, was damit passiert. Ich persönlich würde gerne eine CD aufnehmen und einige Shows spielen um mit Leuten über unsere Texte zu sprechen. Ich würde also gerne nach Außen arbeiten. Was die Zukunft betrifft, es liegt alles in Gottes Händen, also betet bitte für uns.

Stefan: Denkst du, dass die Bezeichnung “White Metal“ heutzutage noch Sinn macht?

Rod: Der Begriff White Metal wird (allgemein) nicht mehr benutzt soweit ich weiß. Der ganze Metal ist hier verschwunden (in Kalifornien) und ich denke, dass Christen sich nicht mehr hinter einem Namen verstecken brauchen um anderen einen besseren Zugang zu verschaffen. Wir sind Christen und haben keine Angst das mitzuteilen, also nennen wir unsere Musik einfach Christian (christlichen) Metal (lol).

Außerdem ist es so, dass diese Bezeichnungen normalerweise benutzt werden, um den Stil der Band einordnen zu können… aber ich denke, wenn du sagst eine Band spielt White Metal, dann weißt du noch lange nicht, welche Art von Metal sie spielt. Also sage ich den Leuten einfach, wir spielen “Christian Metal“ und das tun wir im guten alten 80er Jahre Metal Stil, was eigentlich unter dem Begriff “Classic Metal“ bekannt ist.

Stefan: Seid ihr in der Band also alle Christen?

Rod: Ja, in der Band sind wir alle Christen. Gott sei Dank.

Stefan: Mit welchen Bands würdest du gerne mal touren?

Rod: Jetzt wollen wir lokale Shows spielen. Aber wir versuchen ein paar Bands zusammenzubekommen, damit wir alle rauskommen können und den Leuten zeigen, dass Christian Metal nicht tot ist, sondern lebendig ist und abgeht! Persönlich würde ich sehr gerne mit SACRED WARRIOR, BARREN CROSS oder NEON CROSS spielen.

Stefan: Irgendwelche abschließenden Kommentare?

Rod: Bete, bete und bete immer weiter. Hierbei geht es nicht um uns, sondern um Gott, also lasst uns das zusammen tun.


Und hier noch der versprochene und ausführliche Bericht:

Rod: Die Show war an einer großen Kirche in Anaheim und der Ort war voll mit Kids, jungen Erwachsenen, Erwachsenen und einigen über diesem Alter.

Wir eröffneten die Show mit "Eternal Destiny". Das Publikum drehte durch (obwohl es schon 2 Uhr Nachts war, als wir die Bühne betraten). Ich denke, viele von ihnen warteten darauf uns nach so einer laaaaaangen Zeit zu sehen und einige hatten RECON T-Shirts, manche hatten Bilder, CD´s und als wir auf die Bühne kamen, gingen sie alle vor die Bühne um auf alten Heavy Metal abzugehen. Dann folgte "Dreams" (die ersten drei Songs spielten wir zusammenhängend) und ich hörte direkt nach "Lost Soldier" (einer meiner Favoriten), eine fette Nummer (dem ich nur zustimmen kann -Stefan), wie das Publikum mitsang. Das witzige daran war, dass die Leute darauf warteten, wie ich die hohen Noten rüberbringen werde, das konnte man ihnen ansehen - wie sie mir kurz davor direkt ins Gesicht schauten, das war cool und als ich die Noten sang (ich denke, dass ich das tat), schrieen sie mit Beifall und das machte meine Nacht so unvergessen. Dann spielten wir einen der allerschwersten Songs (für mich): "Light The Fire" (Der absolute HAMMER, was hätte ich dafür gegeben, das erleben zu können -Stefan). Was für ein klasse Song, ich denke, es war das erste mal, dass die Leute diesen Song live präsentiert bekamen, also waren die Reaktion ziemlich groß. Sogar die Jungen im Publikum fuhren auf diese Nummer ab (ich meine, es ist alter Metal und die Power dieses Songs hat sie total überrascht). Danach kam ein anderer Medley, der mit "Alive" losging... Hierzu habe ich einen lustigen Kommentar: Ich sang ja mal in einer IRON MAIDEN Tribute Band und da war ich es gewohnt, dass das Publikum mit mir oder nach mir sang und das habe ich George gesagt. Ich erinnere mich, als er sagte: "Oh Rod, unser Publikum singt nicht, also brauchst du das wohl eher nicht mit ihnen auszuprobieren"... Ok, also stell dir meine Überraschung vor, als "Alive" kam und die Leute flippten aus als sie den Chorus sangen... Du konntest mich sehen, als Georg und Ich uns ungläubig ansahen mit einem breiten Grinsen in unseren Gesichtern und ich kann dir sagen, das RECON Publikum war das lauteste in dieser ganzen Nacht. Ich meine, diese Leute waren bis 2 Uhr auf und hatten immer noch die Energie abzurocken... Ich konnte nur noch sagen: “GOD BLESS YOU GUYS, YOU ROCK“. Danach kam "Take Us Away"...was kann ich sagen, es ist ein Klassiker und die Meute sang jetzt immer lauter. Meine Fresse, es war unglaublich. Damit beendeten wir meine erste Show. Zumindest dachte ich das... Ich verlies die Bühne um Jimmy Brown (DELIVERANCE) Backstage zu treffen. Er meinte ich verbreite Gänsehaut und von ihm war das das größte Kompliment, das ich je bekommen habe. Als das Publikum immer noch in Chören sang und wir den Rest der Jungs noch auf der Bühne sahen, während Jimmy und ich uns unterhielten... und hier entstand die Magie... rief mich Mike und sagte mir, was sie vorhatten: "Slay The Wicked" (DELIVERANCE Klassiker -Stefan). Peinlicherweise hatte ich diese Nummer erst ein paar Tage zuvor mal gehört - sie gaben sie mir zum üben, aber meinten, es wäre keine große Sache, wenn ich die Nummer nicht mehr üben würde (was
aufgrund der knappen Zeit auch nur logisch war). Also sagte ich zu Mike, dass ich die Nummer nicht konnte und aus dem Nirgendwo kam George und sah Jimmy ins Gesicht und lud ihn ein auf die Bühne zu kommen, um die Nummer zu singen (ich wusste es nicht, aber diese Jungs hatten schon seit über 10 Jahren nicht mehr zusammengespielt, also verstand ich nicht mal die Besonderheit in diesem Moment). Jimmy meinte "ok" (was für ein großartiger Kerl) und nahm mich am Arm und sagte "let´s go". Ich sagte ihm: "Ich kenne die Nummer nicht, aber ich wette du kennst sie...". Was er darauf sagte weiß ich nicht mehr, aber wir lachten. So sprangen wir zusammen auf die Bühne und die Menge explodierte. Ich stand dann da, schaute auf die Jungs, eine Legende sang den Song (man, ich sah ziemlich blöd aus, wie ich da so herumstand), aber er lachte mich an, weil er sich nicht mehr an den Text erinnern konnte und ich mich ja auch nicht, aber zusammen haben wir es irgendwie hinbekommen. Also dann kam der Chorus und ungeprobt sang ich die hohe Stimme und er eine Oktave darunter - MANNNNNNNN es klang dermaßen gut, was soll ich dir sagen, ich war hin und weg und das Publikum hatte jeden Penny für diese Nacht ausgegeben, nur für diesen einen Song.. haha! Danach umarmten wir uns und verließen die Bühne. Ich ging zu den RECON Fans, weil noch niemand von ihnen wusste, dass ich jetzt bei RECON singe und es war eine großartige Nacht. Die Fans nahmen mich sehr gut auf, wie in einer großen Familie. Für mich war das etwas ganz besonderes, weil RECON eine meiner Lieblingsbands war, als ich Christ wurde und die Chance diese Lieder mit ihnen zu singen war eine Gnade Gottes! Wenn man sich die Texte dazu durchliest... es ist wie eine Heavy Metal Anbetung. Wie auch immer, vielen dank für´s lesen, ich muss jetzt weiter..


Setlist:
Eternal Destiny, Dreams, Lost Soldier (Medley)
Light The Fire
Alive
Take Us Away
------------------
Slay the wicked (DELIVERANCE – zusammen mit Jimmy Brown)

Redakteur:
Stefan Lang

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