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ROTTED, THE: Interview mit Wilson

17.08.2005 | 12:46

GOREROTTED – der Name steht für Goregrind ohne Kompromisse, und seit ihrem neusten Streich "A New Dawn For The Dead" trümmern sich die Briten auch noch durch Death-Metal-Gefilde. Grund genug für Basser und Backround-Sänger Wilson, die neue Stilrichtung seiner Band zu definieren. Darüber hinaus nimmt der schräge Glatzkopf aber auch Stellung zur feuchtfröhlichen Lebenseinstellung der Jungs, die schon manches Mal negativ aufgefallen sind. Sei's durch Extremsportarten wie Urin-Trinken, Schwanzlutschen oder Biertisch-Treten. Achtung, elterliche Vorsicht geboten: Deutliche Sprache!

Carsten:
Um euren Bandnamen kursieren einige Theorien, was er bedeutet und wie er ausgesprochen wird. "Gur-rotted" dürfte die richtige Betonung sein. Aber woher kommt GOREROTTED eigentlich?

Wilson:
Es ist aus dem altertümlichen Hebräisch abgeleitet und bedeutet "große Eier". Aber übersetzt ins Deutsche steht es für brutalen, heftigen und kranken Death Metal! Ganz einfach, wirklich.

Carsten:
Na, besten Dank für die kompetente Einführung ins Alt-Hebräische. Bevor wir über euer neues Album reden: Warum hat euer zweiter Sänger Mr. Gore die Band verlassen?

Wilson:
Er musste die Band verlassen. Denn abgesehen davon, dass er drei Jahre nichts geschrieben hat, spielt er kein Instrument. Er hatte also nur geringen Einfluss auf die Musik und riecht auch noch! Leute treten doch jeden Tag in Bands ein und aus.

Carsten:
Dafür grunzen und kreischen Goreskin und du umso besser.

Wilson:
Danke Alter, ich freue mich, dass es dir gefällt!

Carsten:
Wie würdest du denn euren Musikstil auf eurer neuen Scheibe "A New Dawn For The Dead" beschreiben? Ihr geht ja nun mehr in Richtung Death Metal als Grindcore/Goregrind.

Wilson:
Es ist schwer für uns, ein Etikett auf unsere Musik zu kleben. Wir nennen es gerne Extreme Metal. Ich meine, eine Minute lang möchte man es vielleicht Death Metal nennen, dann denkt man an Black Metal, dann Punkrock, dann wieder Black! Es ist eine Kreuzung aus vielen Einflüssen und Stilen, ich finde das hart zu beantworten. Ha, ein Harter!

Carsten:
Hehe. Die verschiedenen Einflüsse hört man, ihr habt sehr technische, scharfe Riffs auf dem Album und auch unerwartete Effekte.

Wilson:
Yeah, wie schon gesagt: Ich denke, die große Auswahl an Einflüssen, die wir haben, hält etwas Frisches und Interessantes in unserer Band. Wenn ich in einer Band wäre, in der jeder nur Hardcore-Death-Grind und nichts anderes mag, würde ich mich erschießen! Aber ja, wir alle mögen verschiedene und ähnliche Sachen, von Death Metal bis Black Metal, von Power Metal über Punk zu TV-Musik. Das alles steckt drin, du sagst es!

Carsten:
Was ist denn dein Lieblings-Song auf diesem Album?

Wilson:
Ich habe einige Favoriten, aus verschiedenen Gründen. Ich liebe 'Pain As A Prelude To Death'. Es ist ein eingängiges Lied von Anfang an, aber es wird dunkel und böse im Chorus. Und die Texte kommen wirklich voll zur Geltung! Ich liebe 'Nervous Gibbering Wreck', denn dieser Song hat einfach alles. Und ich denke, wir haben uns hier wirklich als Gruppe ausgedrückt. Für mich gibt es einfach zu viele Lieblings-Momente darauf.

Carsten:
Gibt es etwas Besonderes über die Aufnahme-Sessions zu berichten?

Wilson:
Bei diesen Album-Arbeiten hatten wir die beste Zeit! Wir gingen für zwei Wochen nach Deutschland, und wir haben jeden Tag gut zehn Stunden in die Aufnahmen investiert. Den Rest der Nacht haben wir dann mit Saufen und nackig in der Sauna verbracht. Wir haben so viele Video-Clips davon, jeden in Brand zu stecken und Gummi-Bärchen zu essen, die vorher in meinem Arsch waren. Oh mein Gott, es macht einfach zu viel Spaß, in dieser Band zu sein! Oh, und Jon hat all seine Drum-Tracks in einem String-Tanga eingespielt, der ihm viel zu klein war. Er ist echt drin stecken geblieben!

Carsten:
Haha! Und wie waren die Foto-Sessions mit der schwarzgedressten Lady?

Wilson:
Das war bizarr. Wir waren alle stockbesoffen, und die waren alle ernst. Wir haben gut gelacht. Andy, der Fotograph, ist wirklich gut, und die Living-Dead-Girls sind alles coole Chicks. Alles in allem war es ein angenehmer Sonntag-Nachmittag.

Carsten:
Das kann ich mir vorstellen. Erzähl unseren Lesern doch bitte auch etwas mehr über eure Texte. Ich würde sagen, dass sie immer noch brutal sind, aber auf eine subtilere und ironischere Weise.

Wilson:
Die Texte sind immer noch brutal, ich denke sogar brutaler an manchen Stellen. Aber du hast Recht, es gibt da Feinheiten, die es unheimlicher machen. Wie in 'Pain As A Prelude to Death', wo der Killer zu einer Art Gott wird, der Leben und Tod kontrolliert. Im Verlauf ist er ein kranker, kleiner Mann. Ich denke, auf diese Weise ist es interessanter, als keinen Gedanken reinzustecken und einfach über Blut, Mägen und tote Frauen zu schreiben.

Carsten:
Bevor ihr ins Studio gegangen seid, habt ihr ja viele Konzerte und Festival-Gigs gegeben. Wie war es - speziell in Deutschland - und was war euer bester und euer schlechtester Auftritt im vergangenen Jahr?

Wilson:
Ja, wir waren immer unterwegs, und Festivals sind unser Lieblings-Ding! In Deutschland spielen wir am liebsten in Europa, wir haben viele Freund und die Bands sind immer ein hohes Niveau. Ich denke, unser bester Gig war der beim Summer Breeze, aus mehreren Gründen. Und es war das Ende einer coolen Tour mit VOMITORY. Wir haben auch eine Show gespielt, als wir im Studio in Regensburg waren. Eine Pause vom Album und gesoffen - das war cool! Der schlechteste Gig dieses Jahr war beim "Fuck The Commerce", worauf ich mich ironischerweise am meisten gefreut hatte. Es war einfach beschissenes Wetter, jeder war durchnässt, erfroren oder hatte die Grippe. Aber wir haben es immer noch geschafft, abscheulich besoffen zu werden!

Carsten:
Ihr scheint ja immer viel Spaß auf Touren zu haben. Speziell mit "Dusty Bin" (die Band-Bong). Habt ihr wirklich nie das Wasser ausgetauscht?

Wilson:
"Dusty Bin" gehört zur Familie. Das Wasser wurde ein paar Mal ausgetauscht. Aber nur, weil wir uns gegenseitig zum Trinken herausgefordert haben, oder um es jemandem auf die Eier zu gießen. Aber ja, wir lieben es, auf Tour zu gehen. Und ich liebe den Fakt, dass wir ernsthafte Musik spielen können, aber uns damit nicht eine gute Zeit ruinieren. Ich meine, das sind die besten Jahre unseres Lebens, und warum sollten wir nicht jeden Tag genießen, als sei es unser letzter?

Carsten:
Die Info mit "Dusty Bin" habe ich übrigens von eurer Homepage, auf der ihr ja witzige und interessante Informationen alphabetisch sortiert habt. Und ihr sprecht dort auch sehr offen über andere Drogen.

Wilson:
Nun, die Sache mit GOREROTTED ist die: Was du siehst, ist was du bekommst! Wir sind sehr ehrlich damit, wer wir sind. Selbst, wenn einige Leute denken, dass wir etwas dumm sind. Ich werde nicht vorgeben, jemand anderes zu sein. Ich denke, diese Attitüde kommt auch aus unserer Musik heraus. Denn wir geben einen Scheiß darauf, was andere Leute denken oder sagen, was wir tun sollten oder nicht. Wir machen einfach die Musik, die wir machen wollen und Ende!

Carsten:
Was Drogen angeht, scheint ihr ja auch die Grenze zu kennen. Auf eurem neuen Album beschreibt 'Adding Insult To Injury' die schrecklichste Seite von Drogenmissbrauch.

Wilson:
Absolute Angst zu haben, verängstig sein vorm Rausgehen oder ans Telefon zu gehen; Zittern, schwitzen oder Sterben wollen - das alles kommt zur Geltung.

Carsten:
Noch eine Frage zu den Infos auf eurer Homepage: Bietet ihr wirklich Leuten 3 Euro an um Pisse zu trinken, Chili-Pulver zu schnupfen oder um ihnen ins Gesicht zu schlagen? Habt ihr jemals jemanden gefunden, der so dämlich ist?

Wilson:
Yeah, unser Drummer Junky Jon - er würde alles tun für 3 Euro. Und ich meine alles: Pisse trinken, was schnupfen, Scheiße essen - frag ihn einfach...

Carsten:
Nur mal eine kleine Korrektur eures Deutschen: Es heißt
"Ich bin ein kleiner Schwanzlutscher". Ein Satz, den ihr auch bei eurem Summer-Breeze-Gig oft von der Bühne gebrüllt habt. War das ein Scherz oder habt ihr nach dem Konzert euch echt gegenseitig einen geblasen?

Wilson:
Nun, ich lern es einfach nicht, den Satz gleichzeitig auszusprechen und zu betonen. Aber Danke für die Hilfe. Ich werd die Frage aber nicht beantworten. Das überlasse ich deiner Einbildungskraft. Oder du kannst versuchen, es herauszufinden.

Carsten:
Nee, Danke für das Angebot. Beim Summer Breeze hab ich dich später im VIP-Zelt auf Frauensuche gesehen - ohne Erfolg. Kein Wunder, bei solchem Deutsch, hehe.

Wilson:
Yeah, ich hab aber auch nach einem Mann gesucht. Hast du nicht gesehen, dass ich einen Rock getragen habe? Weißt schon, Rollentausch. Das war eine phantastische Zeit, ein großartiges Festival!

Carsten:
Hattest du am nächsten Morgen nicht ein gebrochenes Bein?

Wilson:
Nein, das war Tim, der Lockige. Er hatte sich sein Bein bei dem Versuch gebrochen, in England mit einem Laternenmast zu kämpfen. Also wir sehen doch wirklich verschieden aus!

Carsten:
Hatte ich auch nur über Gerüchte gehört. Ich muss ehrlich sein: Ich hatte nicht die beste Meinung von euch, nachdem du ihm VIP-Zelt Bierbänke durch die Gegend getreten hast. Aber nach der großartigen neuen Scheibe kannst du von mir aus so viele Bänke durch die Gegend treten, ich werd dir sogar noch ein Bier dafür ausgeben wegen diesem geilen Stoff.

Wilson:
Ha! Yeah, ich war ein bisschen betrunken und etwas gereizt. Dann sagten die, sie würden uns kein Bier mehr geben, also habe ich ein paar Tische nach den Typen geworfen und viel auf Schottisch geschrieen. Aber Danke für die Genehmigung, weiterzumachen. Ich denke ich komme bei nächster Gelegenheit darauf zurück, wenn nicht sogar früher!

Carsten:
Na klar. Gibt es irgendetwas, das du noch euren Fans oder unseren POWERMETAL.de-Lesern sagen willst?

Wilson:
Yeah, Power Metal vereint den härtesten Stahl, nicht so wie diese Abfälle von Möchtegern-Death-Metal. Danke an jeden, der unsere Musik unterstützt und zu unseren Shows kommt. You Guys rule!

Carsten:
Dank dir für deine Zeit. Und bei nächster Gelegenheit sollte ich besser dazu sagen, dass wir kein reines Powermetal-Magazin sind...

Redakteur:
Carsten Praeg

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