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RUNNING WILD: Interview mit Rolf Kasparek

23.02.2005 | 12:20

RUNNING WILD – seit 22 Jahren ein fester Halt in der deutschen Heavy-Metal-Szene und seit eben dieser Zeit das musikalische Forum von Rolf Kasparek, der das Unternehmen mittlerweile alleine bzw. mit Gastmusikern betreibt. Nach dreijähriger Pause meldet sich Rock'n'Rolf nun wieder mit einem neuen Studioalbum zurück, welches zwar nicht an alte Klassiker anknüpfen kann, aber nach dem verkorksten letzten Album wieder einiges gut machen konnte. Mehr dazu vom Chef persönlich...

Björn:
Eure neue Scheibe ist ja heute auf den Markt gekommen, was erwartest du persönlich von eurem neuen Album?

Rolf:
Ja, eine Menge. Da müssen wir jetzt abwarten. Ich meine, die Zeichen stehen im Moment auf Sturm und im Vorfeld haben wir auch schon bemerken müssen, dass manche Pressereaktionen sehr, sehr gut waren, teilweise haben sie sich sogar überschlagen, gerade europaweit und jetzt müssen wir abwarten, was dabei herauskommt. Wie können ja sowieso nix anderes tun, als abwarten, und deswegen mache ich jetzt einfach erst mal Promotion.

Björn:
Hat man denn nach der ganzen langen Zeit, die ihr schon dabei seid, noch Erwartungen?

Rolf:
Neues Album, neues Glück – so denke ich mir das immer! Ich bin jetzt nicht derjenige, der meint, er müsste auf Teufel komm raus Millionen Platten verkaufen. Das ist nichts, was ich zu meinem Glück bräuchte. Es wäre schön, wenn es so wäre, aber es ist jetzt keine Sache, die ich so notwendig für mein Leben bräuchte bzw. ohne die ich nicht leben könnte.

Björn:
In den letzten Jahren hat sich bei RUNNING WILD ja einiges getan. Ihr habt euer Jubiläum mit einer Best Of gefeiert, eine Live-CD/DVD herausgebracht und auch das ein oder andere Festival gespielt. Trotzdem, drei Jahre zwischen zwei Studioalben hat es eigentlich noch nie gegeben. Hast du die Zeit auch genutzt, um an neuem Material zu arbeiten oder sind die Songs doch erst kurze Zeit vorher geschrieben worden?

Rolf:
Es ist im Prinzip so, dass ich 2002/2003 die Songs gesammelt habe, aber ich habe eigentlich die ganze Zeit im Studio gearbeitet und praktisch nach der "The Brotherhood"-Tour direkt angefangen, die Live-DVD zu bearbeiten, das Bild zu schneiden und hin und her. Das ist schon eine nervenaufreibende Geschichte, so eine DVD zu machen, und als das fertig war, habe ich auch direkt angefangen mit der "20 Years In History", das hat also auch locker ein halbes Jahr gedauert. Tja, und danach habe ich mein eigenes Studio umgebaut, aufgerüstet, so dass ich die Möglichkeit hatte die ganze Produktion, also auch die Endmixe, in meinem Studio zu machen, und der Umbau hat auch noch mal einige Monate in Anspruch genommen. Daraufhin habe ich angefangen, am Album zu arbeiten, wobei ich schon immer Ideen gesammelt habe. Zum Schluss hatte ich dann 27 Songideen, also Basisideen, von denen ich dann letztendlich die 13 besten ausgewählt und dementsprechend ausgearbeitet habe. Von Februar letztes Jahres bis Ende letztes Jahres hat es dann auch gedauert, die Platte fertig zu stellen, die Songs zu schreiben, mich dann mit dem Matthias zu treffen. Er hatte auch schon immer in seinem Studio aufgenommen für Drum-Recordings, hat also getrommelt, während ich schon wieder die nächsten Sachen vorbereitet habe. Insofern war das schon ein laufender Prozess, ich habe praktisch an drei bis vier Sachen in der Zeit gearbeitet.

Björn:
Wie hat sich das angefühlt, diese Freiheit mit dem eigenen Studio, bei der man sich unendlich Zeit lassen zu kann, um neue Sachen auszuarbeiten?

Rolf:
Das ist natürlich eine ganz andere Arbeitsweise, denn bisher hatten wir bei RUNNING WILD immer nur sechs bis acht Wochen im Studio, und du musst schon immer vorher so grobe Pläne haben, wann du was machen möchtest, damit du das Budget nicht zu stark überziehst oder Probleme mit dem Endmix bekommst. Zumal die Studios dann auch meistens ausgebucht sind. Man hat zwar immer ein paar Optionstage, aber wenn es dann Probleme gibt, dann ist das schon sehr unangenehm für den Endmix. Dieses Mal hatte ich indes auch mal die Möglichkeit an Kleinigkeiten zu feilen oder mich auch mal auf Sachen zu konzentrieren, für die ich bisher keine Zeit hatte. Man muss immer das Gesamte betrachten, und dieses Mal haben wir zum Beispiel mal eine Gitarre eingespielt und ich konnte sagen, das ist eigentlich nicht so, wie ich es haben will, und das haben wir dann noch mal gespielt. Auch wenn es nicht sofort war, wir haben nämlich auch einen Track ein zweites Mal gemischt, nämlich den Titeltrack zum Ende der Session hin. Wir dachten "ne, das geht noch besser" und haben da noch einen draufgelegt. Das ist natürlich eine Sache, die normal gar nicht geht. Insofern war das ein schon sehr relaxtes Arbeiten, denn wenn du im eigenen Studio merkst, es hakt und du kannst dich nicht mehr konzentrieren, dann hörst du auf. Das wirst du hingegen in so einem angemieteten Studio nicht machen, denn der Geldzähler läuft weiter. Es war auf jeden Fall eine sehr angenehme Erfahrung und wird auch eine Sache sein, die auf Dauer so bleiben wird, weil es für mich im Arbeitsprozess vieles vereinfacht hat.

Björn:
Habt ihr denn digital oder noch traditionell analog aufgenommen?

Rolf:
Wir haben ein traditionelles Studio, allerdings habe ich eine Harddisc-Recording-Maschine mit 24 Spuren, gleichzeitig Standalong-Workstation, ist aber einfach zu bedienen und hat all das, was du auch von einer Bandmaschine kennst. Das ist auch wichtig, denn wenn ich an der Gitarre stehe, dann habe ich keine Lust, am PC zu hantieren, das ist mir einfach zu doof. Da will ich schon einfache Zugriffe haben, und ansonsten habe ich ein analoges Pult mit 48 Kanälen. Ich habe da schon ordentlich aufgestockt und circa drei Monate Kabel und Kabelschächte gelegt. Das braucht auch alles seine Zeit. Das wollte ich aber auch selber machen, denn wenn irgendwas nicht funktioniert, kann ich es auch ändern oder direkt umbauen, wenn das aber wieder ein Techniker macht, dann stehst du erst mal wieder wie ein Ochs vorm Berg, und das ist keine wirklich sinnvolle Arbeit. Deshalb war das für mich auch der bessere Weg.

Björn:
In meinem Promo-Info wurde nicht genau deutlich, ob es sich bei der neuen Scheibe um ein Konzeptalbum handelt. Was kannst du mir hierzu sagen?

Rolf:
Nein, es ist kein Konzeptalbum. Der Titel bezieht sich eigentlich nur auf den dementsprechenden Track, aber es gibt schon einige daran angelehnte Songs, die aber alle sehr unterschiedlich sind. Da gibt es sehr verschiedene Aussagen. Bei 'Draw The Line' zum Beispiel geht es eher um das Gefühl, wenn es einem reicht, wenn man zu lange unter Druck gesetzt wird, dass es einem langt. "Bis hier und nicht weiter, das ist die Linie", also wenn der Lehrer mal wieder meint, er ist der Wichtigste oder auch die Eltern wieder auf einem herumtrampeln. Da kann man sich schon sehr gut rein versetzen. Zwar hat das jetzt mit dem Titel "Rogues En Vogue" nicht viel zu tun, aber es gibt schon einige Songs, die so in Verbindung stehen.

Björn:
Wenn ich mir die Texte im Booklet ansehe, dann kommt man auch schon mal auf den Gedanken, dass da ein leichter politischer Grund hinter steht.

Rolf:
Um Gotteswillen, wir sind nicht politisch, haha! Komischerweise werde ich das jetzt öfter gefragt, aber bei "Rogues En Vogue" werde ich schon sehr häufig von der Realität eingeholt, auch schon vor zwei Jahren, als ich die Idee zu der Platte hatte. "Rogues En Vogue" heißt soviel wie "Der Schurke im Rampenlicht", und wenn man dann unsere Politiker anschaut, die meinen, dass sie irgendwelche Jobs bei diversen Industriefirmen annehmen müssen, dafür nichts tun, aber trotzdem ihr Geld kassieren, dann ist das natürlich eine sehr gewagte Auslegungsweise dessen.
Als Beispiel: diese Abgreifmentalität hat da schon sehr großen Einzug in die Politik gehalten, das sieht man ja auch gerade bei diesem Schiedsrichterskandal, man ist da vor nichts mehr gefeit hinsichtlich der Korruptionsfähigkeit der Menschen. Das ist dann auch die Basis dieses Titels. Ich denke, es geht vielen Leuten ja darum, diese Welt zu steuern und ihre politischen Ziele auch funktionsfähig zu machen, und diese Versuche haben ja eigentlich schon im 18. Jahrhundert angefangen.

Björn:
Die Texte haben bei euch ja schon immer eine wichtige Aussage. Wenn du jetzt an neuem Songmaterial arbeitest, wie versuchst du dann die Aussage der Texte musikalisch umzusetzen?

Rolf:
Das ist verschieden. Manchmal ist es sogar so, dass der Text vor der Musik da ist. Die grundlegende Idee sagen wir mal über einen Song zum ersten Weltkrieg sind natürlich auch die Hintergründe des ersten Weltkrieges, wie das eigentlich gelaufen ist und was davor stand. Da war eigentlich die Idee zuerst, und dann kamen auch schon die ersten Grundmelodien für den Titel usw., das kann manchmal so unterschiedlich sein. Es kann aber auch sein, dass erst die musikalische Idee und dann der Text dazu kommt, wie zum Beispiel bei einem Song wie 'Winged And Feathered'. Der Song an sich, das Riff, ja die ganze Musik waren schon da, bevor wir die Texte geschrieben habe. Bei anderen Titeln hingegen wie 'Skull & Bone' standen das Thema und der Titel im Vordergrund, und daher rührte dann die Inspiration zur Musik. Das kann so herum oder so herum laufen, es kann sich auch gegenseitig beeinflussen, oder es kann auch beides gleichzeitig entstehen, da gibt es bei mir eigentlich keine Formel für. Wenn ich schreibe, dann denke ich über so etwas auch nicht besonders nach, sondern lasse meinem Gefühl freien Lauf. Wichtig ist, wie sich der Song anfühlen soll, der von dem und dem Thema handelt. 'Skull & Bone' ist da ein gutes Beispiel, weil es da direkt gefunkt hat.

Björn:
RUNNING WILD sind ja nun schon eine ganze Weile in der Szene aktiv und eigentlich schon von Anfang an dabei. Wie lange planst du denn eigentlich noch, die Band als solches zu betreiben?

Rolf:
So lange es mir Spaß macht, so lange ich gute Ideen für Platten habe und so lange die Fans mich hören wollen. Aber ich kann da jetzt keine Jahreszahl nennen. Also ich glaube nicht, dass Mick Jagger damals geglaubt hätte, dass er heute noch auf der Bühne stehen würde. Das ist immer so eine Sache, die man dem Lauf der Zeit überlassen muss. Aber so lange ich Spaß daran habe und die Fans Spaß daran haben, mir zuzusehen und die Platten zu kaufen, werde ich natürlich auch weitermachen, ganz klar.

Björn:
Ohne dich würde es ja wahrscheinlich RUNNING WILD sowieso nicht mehr geben, das heißt, wenn du nicht mehr dabei bist, bedeutet das ja auch das Ende von RUNNING WILD.

Rolf:
Ja, schon. Es ist ja auch keine Band mehr in dem Sinne, sondern seit zwei Alben ein definitives Soloprojekt, jedenfalls im Studio. Das ist natürlich sehr zwiegespalten. Einerseits im Studio, wo es wirklich ein reines Soloprojekt ist, wo halt die Musiker engagiert werden, Matthias an den Drums, Peter am Bass. Aber es ist glücklicherweise auch so, dass die beiden für mich live spielen. Im Live-Bereich ist es aber so, dass auch vier Leute auf die Bühne gehen und auch als Band agieren. Es ist also nicht nur ein Solokünstler mit Anhang, sondern von den vier Leuten hat jeder seinen Anteil an der Show, und das ist auch eine wichtige Sache für's Gefühl. Die Solo-Geschichte ist hingegen eher in der einfachen Arbeitsweise im Studio begründet, was sich auch einfach so ergeben hat. Das war nie so, wie ich es haben wollte, ich wollte auch keine richtige Band mehr haben, aber das hat sich in den letzten 22 Jahren einfach so Schritt für Schritt entwickelt, doch ich kann heute sagen, dass ich mir die positiven Seiten da herausziehe. So kann man dann auch einfach relaxter arbeiten, denn bei vier Leuten gibt es immer auch vier Meinungen, wobei das aber auch nicht der Grund dafür ist, dass es letztendlich zum Soloprojekt geworden ist, dafür gibt es mannigfaltige Gründe.

Björn:
Beteiligen sich die übrigen Leute noch am Songwriting?

Rolf:
Also am Songwriting selber beteiligt sich eigentlich keiner, zumal das bei dieser Platte schon gar nicht notwendig gewesen wäre. Wie ich eben schon sagte, ich hatte 27 Basisideen und einfach die 13 besten, also knapp die Hälfte, aussuchen können . Es ist aber schon so, dass die Musiker auf Grund ihres Instruments etwas beitragen können. Also es ist jetzt nicht so, dass ich Matthias jeden Schlag, den er da macht, vorschreibe. Ich habe gewisse Grundideen, die ich so im Kopf habe, die einfach zu dem Titel gehören und die ich auch schon geschrieben habe, und dann gibt es eine Vorproduktion – da arbeite ich übrigens mit einem Drumcomputer – wo die Sachen dann soweit im Drumcomputer draufgemacht werden, so dass er eine Vorstellung davon hat, wie der Song abläuft. Das kriegt er dann praktisch zum Arbeiten, dann legt er seine Sachen dazu und spielt eine lockere Version drauf, anschließend treffen wir uns wieder und besprechen das, und dann macht er die endgültige Version fertig. Das Gleiche gilt dann auch für den Peter. Der Peter hat mir bei einigen Sachen schon verschieden Versionen angeboten, so nach dem Motto "Such dir die beste aus", so dass die auch schon einen Einfluss durch ihr Instrument einbringen.

Björn:
Du wirst davon sicher schon die Schnauze voll haben, dass man immer wieder über die Geschichte mit Angelo Sasso geredet hat, innerhalb der Szene ist das ja schon ein echter Running Gag geworden. Glaubst du, dass dieses Gerede seinerzeit der Band geschadet hat?
(Zur Erklärung: Angelo Sasso war angeblich der Schlagzeuger auf der letzten RUNNING WILD-Platte, wurde aber noch von keinem anderen Menschen als Rolf Kasparek jemals gesehen. Kritiker warfen dem Bandchef vor, es handele sich hierbei um einen Drumcomputer, Rolf stritt dies aber immer wieder ab, konnte es aber nie richtig widerlegen. - Anm. d. Verf.)

Rolf:
Überhaupt nicht, denn die "The Brotherhood" ist die bestverkaufte RUNNING WILD-Scheibe seit "The Masquerade". Ich habe auch von vornherein gesagt, dass ich für diese Diskussion über die unbefleckte Empfängnis nicht zur Verfügung stehe. Das ist totaler Blödsinn für mich, weil ich mache als Produzent die Produktion so, wie ich mir das denke und wie ich das als richtig empfinde, egal wie es jetzt ist oder wie es war, es ist uninteressant. Völlig bekloppt war, dass man darauf herumritt, dass es Angelo Sasso nicht gab, und ich meine, das ist ein Freund von mir, den ich seit 14 Jahren kenne, haha. Es tut mir Leid, das ist so, das kann ich nicht diskutieren. Da braucht man auch keine Meinung zu haben, das kann einem gefallen oder nicht, das ist mir völlig egal. Aber es war doch teilweise schon sehr armselig. Da war zum Beispiel die Diskussion über die unbefleckte Empfängnis, das hatte dann schon mehr religiösen Charakter als dass es Sache des Verstands war.

Björn:
Wie wichtig sind dir denn in diesem Sinne überhaupt Meinungen und Äußerungen aus der Presse?

Rolf:
Gar nicht, haha! Ich kann meine Musik nur so machen, wie sie aus mir herauskommt und wie ich sie empfinde. Ich bin keiner, der das Machen einer Platte als intellektuellen Prozess in dem Sinne betrachtet. Beim Schreiben der Texte schon, das ist klar, aber nicht bei der Musik, das ist reine Gefühlssache. Ich mache mir jetzt nicht Gedanken wie "das ist schon tausendmal da gewesen", "das ist jetzt aber zu einfach oder zu kompliziert", "könnte das jetzt gefallen, ist das innovativ genug oder gar zu innovativ", an so etwas denke ich nicht. Ich schreibe einfach das, was mir persönlich gefällt, und das scheint ja ganz vielen Fans ebenfalls zu gefallen.

Björn:
Trotzdem kann man ja im Grunde genommen schon behaupten, dass man bei einer Band wie RUNNING WILD immer weiß, was einen erwartet, zumindest auf musikalischer Ebene.

Rolf:
Das hat schon etwas damit zu tun, was ich eben sagte, dass es eben kein intellektueller Prozess ist, sondern Gefühlsache. In erster Linie muss es natürlich mein Gefühl treffen. Ich werde also niemals einen Song schreiben, den ich selber scheiße finde, haha! Das hat ja keinen Sinn und ist total absurd. Er muss erst einmal mir gefallen, und wenn er dann auch noch anderen gefällt, dann ist das schön. Es wird auch immer anderen Leuten nicht gefallen, das ist ja völlig klar, weil Musik eben Geschmackssache ist.

Björn:
Wertest du es denn als Vorteil oder doch eher als Nachteil, dass man eine gewisse Erwartungshaltung hat?

Rolf:
Sagen wir es so: Man könnte es natürlich als Nachteil sehen, wenn man sich darin gefangen fühlt. Das tue ich aber nicht. Nur kurz zur Erläuterung: Ich habe bei dieser Platte einige Ideen gehabt, die sehr außergewöhnlich waren für RUNNING WILD, das haben mir auch Freunde bestätigt, denen ich die Ideen mal so vorgestellt habe. Als die Songs aber dann fertig waren, dann klangen sie nach RUNNING WILD. Mit anderen Worten, es ist keine bestimmte Idee an sich, sondern dass der Stil von RUNNING WILD durch das Gefühl, wie ich Songs schreibe, entstanden ist. Das kann ich auch in dieser Form nicht über den Haufen werfen, dass ich einfach sage "ich mache jetzt mal etwas anderes", das geht gar nicht!

Björn:
Hast du denn nicht trotzdem mal drüber nachgedacht, stilistisch neue Wege zu gehen, infolge dessen, dass du mal ganz andere Sachen gehört hast, die dir sehr gut gefallen haben?

Rolf:
Ich höre alle möglichen Arten von Musik, und das hat immer Einfluss auf das, was du tust. Nur fließt das bei mir jetzt nicht direkt so mit ein, dass es auf Anhieb sichtbar wird. Zum Beispiel ist bei der Presse keinem aufgefallen ist, dass hier und da einige Anleihen beim Punk zu finden sind, vor allem in der Art, wie ich die Gitarren verwendet habe. Das fällt aber auch deswegen nicht so auf, weil ich es nicht in den Vordergrund stelle. Andererseits findet man auch eine Menge Rock-Einflüsse. Ein Song wie 'Born Dead, Dying Worse' hat ja teilweise einige ZZ TOP-Einflüsse. Aber das sind keine Sachen, die von Anfang an so geplant waren, sondern das habe ich erst gemerkt, als der Song dann fertig war.

Björn:
Welche Wege werden RUNNING WILD denn im Jahre 2005 einschlagen? Im Moment wird ja gemunkelt, dass du zur neuen Scheibe gar keine Tour spielen möchtest. Ist das wahr?

Rolf:
Nein! Haha, das stimmt nicht. Es ist einfach so, dass ich mich im Moment noch mit der Promotion beschäftigen muss, und erst wenn ich das abgeschlossen habe – das wird jetzt Ende dieser Woche sein – werde ich mich mit mehreren Konzertagenturen zusammensetzen und mich für diejenige entscheiden, die letztendlich die RUNNING WILD-Tour machen soll. Und da ich mich im letzten Jahr aus verschiedenen Gründen von All Access getrennt habe, muss ich erst einmal etwas Neues finden. Die groben Pläne sind so Mai/Juni im Bezug auf die Europatour und dann im Sommer einige Festivals, nur wann und wie die uns irgendwo hinführen, das kann ich alles erst sagen, wenn ich mit der entsprechenden Agentur in Verbindung stehe und die Sachen abchecke. Inzwischen gibt es schon eine ganze Menge Angebote von Veranstaltern europaweit bei RUNNING WILD, die sind auch teilweise sehr interessant, aber da können wir erst mit loslegen, wenn ich wirklich eine Agentur habe, die sich um all diese logistischen Dinge kümmern kann. Aber es ist definitiv eine Tour geplant.

Björn:
Festival-Shows hast du angesprochen, auf diesem Gebiet habt ihr euch ja in letzter Zeit ein wenig rar gemacht. Bis auf den Auftritt in Wacken 2003 und dem beim Bang Your Head einige Jahre zuvor ist da ja in Deutschland kaum etwas passiert. Woran liegt das eigentlich?

Rolf:
Die Sache war einfach die: vor dem Bang Your Head haben wir genau zehn Jahre nicht live auf einem Open-Air-Festival in Deutschland gespielt. Wir wollten halt unsere eigene Tournee machen, und es war lange Zeit ein Risiko, beides zu machen. Das haben auch einige Bands im Nachhinein sehr heftig spüren müssen, dass sie durch ihre Überpräsenz Zuschauer bei sich selber einbüßen mussten. Wir haben noch das Wacken Open Air gespielt, und das war dann auch der letzte Live-Auftritt in den vergangenen drei Jahren, weil ich ja anschließend im Studio gearbeitet habe. Ich hatte also insgesamt nur drei Wochen Urlaub in den vergangenen drei Jahren. Es war also nicht so, dass ich Däumchen gedreht habe, sondern ich habe wirklich gearbeitet, und weitere Live-Aktivitäten hätten mich dann aus dem Terminplan herausgerissen, zumal halt eine Produktion der anderen folgte und die neue Platte so noch viel weiter hinausgezögert worden wäre.

Björn:
Was können wir in Zukunft noch von RUNNING WILD erwarten?

Rolf:
Weitere Platten, weitere Tourneen, das ist klar. Das hängt jetzt erst mal davon ab, wie die Platte läuft. Ich warte jetzt mal ganz relaxt ab. Die Kritiken sind sehr gut, ebenso wie die Reaktionen der Fans. Wir haben am Freitag eine Release-Party im Headbangers Ballroom gehabt, und da ist die Platte bei den Fans sehr gut angekommen. Jetzt müssen wir abwarten, wie sich das weiter entwickelt.

Björn:
Hast du denn zum Schluss noch ein paar Worte für eben jene Fans übrig?

Rolf:
Wie schon gesagt, das Gerücht, dass wir keine Tour machen, stimmt nicht. Ich kann nur noch keine genauen Daten sagen, weil das eine Sache ist, die schon sehr genau geplant werden muss. Aber ich denke schon, so im Mai/Juni wird auf jeden Fall in Deutschland was in diese Richtung passieren.

Redakteur:
Björn Backes

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