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SAINTED SINNERS: Interview mit David Reece

16.04.2018 | 08:23

Vor der Release-Show zum neuen SAINTED SINNERS-Album "Back With A Vengeance" am 16.02.2018 in der Traube in Bellenberg hatte ich die Gelegenheit ein Gespräch mit einem äußerst gut aufgelegten David Reece, dem ehemaligen Sänger von ACCEPT und BONFIRE, zu führen.

David, "Back With A Vengeance" erscheint so ziemlich genau ein Jahr nach eurem Debüt. Ihr scheint sehr kreativ gewesen zu sein, zudem Frank Pané ja auch noch sehr mit BONFIRE beschäftigt war, bei denen ja auch ein neues Album ansteht. Wie habt ihr das hinbekommen?

Das kann ich dir so gar nicht sagen. Frank und ich haben eine sehr gute telepathische Kommunikation. Das Songwriting funktioniert bei uns ausgezeichnet. Er rief mich an und fragte, ob ich bereit für unsere nächste Scheibe bin. Und dann fingen wir an neue Stücke zu schreiben.

Wer gibt da bei euch die Richtung vor?

Frank kommt mit einem Riff an und ich habe den Titel im Kopf. Sehr oft passt dann beides zusammen. Ich schreibe die Lyrics und Frank vollendet die Komposition. Dann singe ich auf mein iPhone und schicke ihm meine Ideen. Anschließend beginnen wir mit der Produktion.

Euer neues Werk ist sehr gitarrenorientiert. Im Gegensatz zum Debüt sind die Keyboardanteile deutlich reduziert. Inwieweit hat dies damit zu tun, dass Ferdy Doernberg nicht mehr mit dabei ist?


Ferdy und Frank kamen nicht miteinander aus, das war keine gute Arbeitsbeziehung. Ich wollte wieder mit Ferdy arbeiten. Da war Frank komplett dagegen und wollte die Scheibe nur mit Gitarren einspielen. Aber da legte ich mein Veto ein, weil auf unserem ersten Album ja sehr viele Keyboards vorhanden sind. Und zu sehr wollte ich mich stilistisch auch wegen unserer Fans nicht davon weg bewegen. Also entschieden wir uns für einen Kompromiss mit reduzierten Keyboardparts. Ich kontaktierte daraufhin Eric Ragno in den Staaten und Angel Vafeiadis, die das dann übernahmen und für die nötigen Farbtupfer sorgten.

Hast du irgendwelche persönliche Favoriten auf "Back With A Vengeance"?

Ich liebe die Ballade 'Gone But Not Forgotten'. Wir haben in den letzen Jahren so viel großartige Musiker verloren. Als Tom Petty starb, hat das mein Herz sehr getroffen. Ich liebe Tom Pettys Musik. Ich kannte ihn und die ganze Band, wie Benmont Tench, den Keyboarder, und Mike Campbell, weil ich früher viel Zeit mit Stevie Nix verbrachte, die sehr eng mit Tom Petty befreundet war. In den 90ern war mir nicht bewusst, wie großartig Tom Petty war. Erst als ich mir mehr von ihm angehört habe, begriff ich, was für ein genialer Songwriter er war. Lemmy ist gestorben, ihn kannte ich auch seit Jahren. Und auch Ronnie James Dio ist nicht mehr unter uns. Gerade die letzten fünf bis sechs Jahre waren schrecklich. Und der Song handelt genau davon. Weil diese Leute mich dahin gebracht haben, wo ich jetzt bin. Sie haben mich maßgeblich beeinflusst. Ich liebe auch 'Back With A Vengeance' und 'Pretty Little Lies'. Das sind meine drei Favoriten, aber das ändert sich irgendwie jeden Tag.

Hat der Titel "Back With A Vengeance" eine spezielle Bedeutung?

Ja, das hat er in der Tat! Es gibt so viele Bandprojekte, aber ich kann sagen, dass SAINTED SINNERS eine richtige Band ist. Viele Leute hielten uns auch nur für eines dieser Projekte und dachten, dass wir ein Album machen und dann wieder von der Bildfläche verschwinden. Aber wir sind zurück mit voller Kraft. Klar, Frank ist in BONFIRE und ich mach auch meine eigenen Sachen. Aber wir wollen die Truppe zusammenhalten.

Ich habe das Gefühl, dass SAINTED SINNERS die Band ist, die du schon lange haben wolltest.

Das bin ich, die Texte, der Gesang, die Musik. Es gibt keine Gabi Hoffmann, die mir Vorschriften macht und kein Hans Ziller klebt mir am Arsch. Das sind die Stücke von Frank und mir. Somit könntest du mit deiner Aussage Recht haben.

Bist du zufrieden, was du mit SAINTED SINNERS bis jetzt erreicht hast und was sind deine Ziele?

Ich möchte mehr touren, mehr Konzerte spielen. SAINTED SINNERS ist eine Liveband, die auf die Bühne gehört. Wenn Frank mit BONFIRE beschäftigt ist, steht dies leider hinten an. Es bricht mir fast das Herz, aber es ist halt unmöglich. Frank muss ja von etwas leben. So werde ich mich um meine Solosachen kümmern und meine Tour zum "Eat The Heat"-Album.

Wenn Frank mit BONFIRE so eingespannt ist, hast du dir noch nie Gedanken gemacht, eventuell mit einem Ersatzgitarristen auf Tour zu gehen?

Das kommt nicht in Frage! Frank und ich besitzen den Namen zusammen auch vertraglich abgesichert. Von daher wäre es nicht richtig, dies zu tun.

Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die im Laufe der Jahre etwas von ihrem Stimmvolumen eingebüßt haben, singst du immer noch genauso gut wie früher. Was ist dein Geheimnis?

Ich versuche nicht zuviel Alkohol zu trinken, ich rauche nicht. Ich achte auf meinen Schlaf und meine Ernährung. Ich nehme viel Gesangsunterricht. Ich war drei mal in einer Gesangschule, in meinen jungen Jahren auch in einer Opernschule. Ich habe gelernt wie man richtig singt. Auch probe ich fünf- bis sechsmal die Woche drei bis vier Stunden, um die Muskeln in Form zu halten. Wenn du rauchst, Whisky trinkst und Kokain nimmst, ruinierst du dir die Stimme. Wichtig ist auch das positive Denken. Heute bin ich etwas krank, aber ich weiß, dass ich eine Show habe. Daher sage ich mir immer wieder, dass ich es schaffen werde. Als Sänger bist du sowas ständig ausgesetzt. Du wachst morgens manchmal auf und fühlst dich nicht gut, aber du musst zur Arbeit. Bei mir ist es das Gleiche. 200 Leute kommen heute zu der Show und erwarten etwas von dir. Ich bin froh, dass ich bereits in jungen Jahren richtig trainiert wurde. Vielleicht habe ich über die Jahre eine Oktave verloren, aber ok.

Was kannst du zur anstehenden Tour von dir sagen, auf der du das komplette "Eat The Heat"-Album zum Besten geben wirst?

Das ist eine ganz lustige Geschichte. Giles Lavery, der Manager von Graham Bonnet, sagte vor längerer Zeit zu mir, dass ich diese Tour unbedingt machen muss, da ich nie mit der Scheibe unterwegs war. Meine Antwort war nur, dass man sich das vielleicht irgendwann mal überlegen könnte. Und zwei Jahre später rief  mich dann Tomi, der Promoter vom Matrock Festival in Barcelona an, und fragte ob ich sein Festival headlinen möchte, um nur das "Eat The Heat"-Album zu spielen. Er hätte da eine Band an der Hand, die mich begleiten könnte. Ich hörte mir die Jungs an und die konnten alle Stücke perfekt spielen. Das hat mich überzeugt, also sagte ich zu. Am nächsten Tag bekam ich ein komplettes Tourangebot für Spanien und dann folgten weitere Anfragen aus Skandinavien und Italien, was großartig ist. Ich kann die alten Songs immer noch singen, aber hatte nie die Möglichkeit damit zu touren. Es ist eine klasse Scheibe, ich freue mich richtig drauf und jeder will es sehen! Bis jetzt sind fünfzehn Shows gebucht.

Du steckst gerade auch noch in den Arbeiten an einem neuen Soloalbum. Wie ist der Stand der Dinge?

Ich arbeite mit Philip Mies aus Deutschland zusammen, ein wahres Tier an den Drums, Malte von SAINTED SINNERS ist mein Bassist. Marco Angioni ist gleichzeitig Gitarrist und Produzent. Dann ist da noch Martin Jepsen Andersen aus Dänemark an der zweiten Gitarre. Wir haben dreizehn Stücke geschrieben und das Ganze wird bei Mighty Music im November rauskommen. Es ist ziemlich heavy und melodisch und ich probiere auch ein paar neue Sachen aus. Diejenigen, die schon was davon gehört haben, sind begeistert.

Da freuen wir uns drauf. Und damit bin ich mit meinen Fragen auch schon am Ende, vielen Dank für das interessante Gespräch. Die berühmten letzten Worte an unsere Leser gehören dir.

Ich danke Gott, dass ich noch singen kann. Ich danke dem tollen Team von El Puerto Records mit Matt Bischof, Bernd Stelzer und Todde, für ihren Glauben an SAINTED SINNERS. Ich danke meinen Fans, dass sie seit 35 Jahre hinter mir stehen. Ich bete, dass ich das noch länger machen kann und gesund bleibe. Wir verlieren gute Freunde bereits mit 57 Jahren. Ich bin zwar auch nicht mehr der Jüngste, aber ich fühle mich gut. Ich danke auch dir und euch von POWERMETAL.de und jedem, der mit mir reden möchte und meine Musik liebt. Denn wenn sich keiner mehr für dich interessiert, ist die Party vorbei.

Schlussbemerkung:
David Reece erwies sich als äußerst angenehmer Gesprächspartner, der bereitwillig auf jede Frage ausführlich einging. Und dies tat er trotz eines grippalen Infektes, was auch nicht selbstverständlich ist. Allerdings erwischte es den Schreiber dieser Zeilen nach diesem Wochenende auch selbst, weshalb das Interview leicht verspätet erscheint. Ob David jetzt für die Ansteckung verantwortlich war oder einer der anderen 200 Anwesenden bei der Show, ist letztendlich egal. Denn der Abend war es wert, auch nachzulesen im Konzertbericht des Kollegen Mahoni Ledl.

Bilder: Matt Bischof

Redakteur:
Tommy Schmelz

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