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SCHATTENMANN: Interview mit Frank Herzig

10.04.2017 | 22:53

Vergangenes Jahr versetzte das Rätsel um die Identität des SCHATTENMANN die Schwarze Szene in Aufregung: Wir bringen mit Sänger Frank Herzig Licht ins Dunkle.

Licht an, Licht aus: Vergangenes Jahr trat mit SCHATTENMANN eine bis dato vollkommen unbekannte Band auf den Plan und verwirrte in den sozialen Netzwerken mit einem munteren Ratespiel über die Identität der vier Musiker. Im Dezember kam schließlich des Rätsels Lösung - Frank Herzig (STAHLMANN) hatte heimlich, still und leise mit seinen Mitstreitern ein neues Projekt ins Leben gerufen. Danach ging es für die Nürnberger Schlag auf Schlag. Die ersten Gigs als Support der HELDMASCHINE, derzeit begleitet die Band STAHLMANN auf deren "Bastard"-Tour... Doch schon das erste Konzert von SCHATTENMANN im Logo in Hamburg war eigentlich ein kleines Heimspiel, wie Frank berichtet: "Es waren ganz viele bekannte Gesichter da, die gekommen sind, um mich zu unterstützen. Das war sehr schön und familiär." Als eigentliche Feuerprobe sieht der Frontmann eigentlich Leipzig, den ersten Gig vor fremdem Publikum. "Das war alles andere als vorhersehbar", zeigt er sich immer noch beeindruckt. "Es war überwältigend. Ich habe mir viel vorgestellt, aber jeder Punkt ist von den Leuten wahnsinnig übertroffen worden."

Ob dieser schwungvolle Start auch durch sein Engagement bei der NDH-Größe STAHLMANN bedingt ist? Dieser These kann Frank nicht vollkommen zustimmen: "Das sehe ich ganz schwierig. Wir haben anfangs ja bewusst keinen Namen genannt. Das hat im Vorfeld natürlich einen ziemlichen Wirbel gegeben." Ob es das Mysterium um den unbekannten SCHATTENMANN oder die Popularität von STAHLMANN nun das ausschlaggebende Element sei, das könne er nicht zu hundert Prozent sagen. "Natürlich werden mehr Leute auf dich aufmerksam, wenn du bereits bei einer Band mit einem Namen spielst", räumt er ein. Für den einzig entscheidenden Faktor halte er es dennoch nicht.
Über die Parallelen der Band-Namen habe er sich dennoch Gedanken gemacht, wird er doch oft genug auch von anderen darauf hingewiesen: "In der Konzertankündigung unseres Gigs in Nürnberg steht hinter unserem Namen sogar in Klammern "Vorsicht, Verwechslungsgefahr", erzählt Frank lachend. "Für mich war die Angst jedoch weg, als ich die Musik mit dem Namen assozieren konnte." Schließlich ließen sonst doch auch STAHLMANN und STAHLZEIT oder MEGADETH und MEGAHERZ die gleichen Schlußfolgerungen zu. "Da gibt es viele Parallelen", schließt er. "Es ist heutzutage schwierig, einen Namen zu finden, der passt. Wenn man den dann gefunden hat, ist es ganz egal, ob es da irgendeine Verwechslungsgefahr gibt."

Um gleich beim Namen zu bleiben: Wer "Schattenmann" nachschlägt, erhält gleich mehrere Definitionen verschiedenster Art. Aber wie legt Frank selbst den weitläufigen Begriff für sich aus? "Es gibt unglaublich viele Erklärungen für den Schattenmann. Auch ich habe meinen Schattenmann - mein Gewissen, meine bessere oder eben schlechtere Hälfte", erklärt er. Für ihn sei es die Möglichkeit, eine ganz andere Seite von sich zu zeigen. "Sei es die Möglichkeit, auf der Bühne die Drecksau rauszulassen und das Ding zu rocken oder auch Gefühle zu zeigen, die ich sonst nicht preisgebe." Das Spiel mit Licht und Schatten, zwei verschiedene Persönlichkeiten - so definiere er den Begriff für sich. 
Ein Wort, welches für den musikalischen SCHATTENMANN ebenfalls besonders präsent ist, ist das Schlagwort "NDH 2.0". Frank erklärt uns, was genau das für ihn bedeutet: "Für mich bedeutet das eine Weiterentwicklung. Das Genre gibt es ja schon ewig und hat sich seitdem stetig verändert." Als Beispiele führt er die aktuellen Flagschiffe der Szene an: EISBRECHER, STAHLMANN... "Es ist enorm viel passiert, aber der Begriff ist immer gleich geblieben", führt er aus. Im Metal hätten sich mit der Zeit enorm viele Subgenres abgespalten, im NDH werde alles noch unter einem Genre geführt. "Wir gehen ja auch neue Wege. Wir sind NDH, aber auch irgendwie nicht. Warum also mit einer neuen Band nicht auch einen neuen Begriff prägen?" Zumal SCHATTENMANN auch bis dato unbekannte Elemente in die sich wandelnde Szene einbringe. "Wir trauen uns etwa, relativ poppige Refrains zu singen, wo eigentlich der typische Ein-Wort-Refrain erwartet wird", erklärt er und führt 'Brennendes Eis' als Beispiel an. "Irgendwie ist das schon Pionierarbeit", sagt er. Der rote Faden sei dennoch das NDH-Genre, welches andere Bands in den vergangenen Jahren gewaltig verändert und geprägt haben.

Um beim Thema Andersartigkeit zu bleiben: Ebenfalls ungewöhnlich für eine NDH-Band ist auch die Tatsache, dass SCHATTENMANN mit einer gefühlvollen Ballade, 'Gekentert', das erste Musikvideo des Quartetts veröffentlichte. "Wir haben von Anfang an ja alles anders gemacht", so Frank. Während der Rätsel, mit der die Gruppe immer wieder Hinweise auf die Identität des Schattenmanns gab, liefen immer wieder kleine Song-Schnipsel. "Da haben wir schon festgestellt, dass die Leute heiß darauf sind, etwas zu hören." Da Weihnachten vor der Tür stand und die Jungs sich einig waren, dass die Zeit für einen Brecher-Song für SCHATTENMANN noch nicht gekommen war, entschied man sich für 'Gekentert' als erstes Musikvideo. "Wobei ich noch nicht einmal von einem Musikvideo sprechen würde", revidiert Frank. "Wir haben alles selbst gemacht. Daher sehe ich 'Gekentert' mehr als selbstgemachtes Weihnachtsgeschenk von uns."
Wie schon erwähnt, ging dem Video jedoch das muntere Raten um SCHATTENMANN voraus. Viele Fans waren bei ihren Vorschlägen dabei ordentlich kreativ, wie Frank berichtet: "MEGAHERZ wurde getippt, ich wurde für Neill Devin von ERDLING gehalten." Einige dachten sogar, dass sich hinter SCHATTENMANN Mart oder Ablaz (beide STAHLMANN) verbergen. "Alle tippen auf deine Bandkollegen, das ist echt schon irgendwie lustig gewesen."

Derart vage kann heute auch nur über das erste SCHATTENMANN-Album gemutmaßt werden. "Das ist die Frage aller Fragen", beginnt Frank. Zum jetzigen Moment könne er nur einen ungefähren Zeitraum nennen. "Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres. Das hängt von vielen Faktoren und Unwägbarkeiten ab, denen wir als Band begegnen." Eines kann er jedoch schon verraten: "An sich ist das Album fast schon fertig."
Schließlich bleibt ihm nur noch eines zu sagen: "Vielen Dank an alle, die uns unterstützen. Ihr habt damit vier Jungs sehr glücklich gemacht."

Redakteur:
Leoni Dowidat

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