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SILKE BISCHOFF: Interview mit Felix und Frank

01.01.1970 | 01:00

Am 7.4.01 fand im Darkflower (Leipzig) die SILKE BISCHOFF Release- Party statt. Die bis dato noch nicht veröffentlichte CD "Phoenix from the Flames" wurde den Fans vorgestellt. Der Club war brechend voll und aus diesem Grund wurden die Interviews in der Nachbarkneipe geführt. Die beiden Bandmitglieder Felix Flaucher und Frank Schwer stellten sich fast drei Stunden den neugierigen Fragen der Presse.

Alke:
Nächsten Monat erscheint ja euer neues Album "Phoenix from the Flames", was stellt ihr für Erwartungen an die CD? Was könnte den Fans gefallen oder was hättet ihr im Nachhinein anders gemacht?

Felix:
Es gibt zwölf Lieder auf der CD. Wir hätten gar nichts anders gemacht, es ist im Gegenteil so, dass wir gesagt haben, so wie es jetzt klingt, übertrifft es unsere eigenen Erwartungen total. Wir haben vor zweieinhalb Jahren angefangen immer mal wieder ins Studio zu gehen. Wir wussten zu der Zeit noch nicht einmal, was dabei rauskommt. Es gab dann sogar eine ganz kurze Zeit, in der wir nicht sicher waren, ob das SILKE BISCHOFF ist oder ob das alles ein bisschen den Bach runter geht. Im Laufe der Zeit hat es sich dann so entwickelt, dass es gar nichts anderes war. So wie das alles gelaufen ist in dieser Zeit, war es das Beste, was uns passieren konnte. Es gab ja dann auch die Zeit, in der alles Pleite ging, keine Kohle mehr da war und es in der Band mit Axel intern Knatsch gab. Im Nachhinein muss ich sagen, gerade zum Thema Axel, es ist eine Beziehungsgeschichte, in der du vielleicht ein paar Wochen rumleidest und nicht weißt, wie es weitergehen soll, aber irgendwann lernst du neue Leute kennen, du machst verschiedene Dinge und denkst dir dann, zum Glück ist es so gelaufen, wäre es nicht so gekommen, hättest du dich vielleicht im Kreis gedreht. Im Nachhinein sind dabei nur positive Geschichten rausgekommen.

Alke:
Habt ihr irgendwelche Lieblingslieder auf der CD?

Frank:
Das ist immer stimmungsabhängig. Wir waren jetzt durch die Promotiontour hauptsächlich in großen Clubs, wie Matrix und da spielen sie halt hauptsächlich den schwarzen Dancekram. Da laufen dann halt so Sachen wie "Shining star", aber man kann nicht sagen, dass es dann dein Lieblingslied ist. In dem Falle ist es dann dort dein Lieblingslied, in anderen Situationen gibt es andere "Lieblingslieder". Ich finde es ganz gut, dass es breit gefächert ist.

Felix:
Also mein Lieblingslied ist die ganze CD, von Anfang bis Ende. Es sind keine untauglichen Sachen drauf, aber es gibt jetzt kein Lied, wo ich sagen würde, das ist jetzt der Song. Und das wir "Felix in the sky" ausgesucht haben, liegt nicht daran, dass wir nun gesagt haben, dies ist nun die Single, das ist der Höhepunkt der CD.

Alke:
Hattet ihr vor den Aufnahmen Erwartungen an die CD. Geht ihr schon mit dem Gedanken an die Arbeit, dass die CD mal ganz groß rauskommen soll?

Felix:
Nee, natürlich sind Promoter am rumkramen, es gibt Radiopromoter, die gleich im Vornherein sagen, dass viele Leute auch Angst vor dem Namen haben und alleine dadurch wird nicht viel gehen. Da hat sich nicht viel geändert. Wir müssen halt sehen, was dabei rauskommt. Es ist nicht so, dass wir uns deswegen jetzt aussaugen. Es hat mich lange angekotzt. Es gibt viele Leute, die interessiert es einen Scheiß, ob du etwas mit Herz machst, ob du Songs schreibst, ob du an der Sache dran bist. Da zählt dann nur wenn du sagst, dass du so und soviel Platten verkauft hast. Da geht dann auf einmal eine Augenbraue hoch. Ich meine das ist die Welt, aber ich denke mir dann immer: Du Arschloch, du bist der letzte, dem ich eine CD schenken würde.

Alke:
Wo holt ihr euch die Inspiration für die Texte her? Schaut ihr da in eurem Privatleben?

Felix:
Es ist eine Mischung aus Allem. Es sind natürlich auch Sachen, die man selbst erlebt hat, aber es ist nicht so, dass es eine rein autobiographische Geschichte ist. Es ist nicht so, dass wir uns ransetzen und überlegen wo jetzt der konzeptionelle Ansatz ist oder wo der rote Faden, der durch das Ganze führt. Es gibt ja solche Bands, die sich überlegen: Wir machen jetzt ein Album und da ist das Thema Monster, etc.. Das ist bei uns gar nicht so. Die Songs entstehen eigentlich immer dann, wenn es für uns eine Notwenidgkeit ist einen Songs zu machen. Entstehen tun die Songs zuerst einmal über eine Musik, über eine Gesangsmelodie, die ich dazu mache. Erst die zweite und die dritte Stimme und erst dann kommt eigentlich die Textgeschichte. Wir könnten jetzt eine Stunde lang nur über Text reden. Bei dem Lied "Daddies coming home" zum Beispiel und "She`s leaving home", da geht es dann um Themen wie Kindesmissbrauch. Die Sache müsstet ihr eigentlich kennen, bevor ich hier riesen Vorträge halte.

Alke:
Wie zufrieden seid ihr mit eurem neuen Produzenten John Fryer?

Felix:
Wir lieben ihn.

Frank:
Im Grunde ist er nicht komplett unser neuer Produzent, weil er auch bei Schönsee sehr viel gemacht hat. Wenn du willst sind wir auch selber Produzenten. In den meisten Fällen ist es so, dass man sagt ein Produzent ist jemand, der Qualitäten zum Zuge bringt oder so. Wir sind auf alle Fälle mit John Fryer sehr zufrieden.

Felix:
Das sind halt immer so Bezeichnungen. So wie Roman Schönsee unser Kreativ- Producer ist, das heißt, er ist nicht unser Studioarsch, der manchmal kommt. Er hat sich bei den Aufnahmen sehr gut eingebracht. Ich muss sagen, er hat es sehr verstanden sich in die Geschichte rein zu versetzen. Im Nachhinein, muss ich sagen, ist das mit John Fryer eine super Geschichte, weil er uns soundtechnisch sehr gut weitergeholfen hat. Aber nicht nur das, er hat sehr viel gemacht und hat sich auch sehr gut eingebracht in die ganze Geschichte. Wir haben damit einen ganzen Sprung nach vorne gemacht. Früher waren wir der Meinung, dass wir gesagt haben: Einen Produzenten brauchen wir nicht. Wenn ich mir aber heute die alten Scheiben anhöre und dann die neue Scheibe, denke ich mir, ohne die ganze Promo- und Productiongeschichte würde ich gar nichts mehr machen. Das bringt nur Rage. Das ist wie Erwachsenwerden vom Sound her.

Alke:
Wie merkt man diese Veränderungen, gerade im Vegleich zu den alten CD`s? Wie merkt man auch die Veränderungen durch John Fryer?

Felix:
Erwachsenwerden.

Alke:
Kann man das noch etwas näher ausführen?

Felix:
So ein Album wächst ja während des Entstehens. Vor zweieinhalb Jahren, als SILKE BISCHOFF intern Probleme hatte, hat es sich ergeben, dass wir uns gedacht haben: Wir spielen eh ständig Songs und das nicht für irgendwelche Leute, sondern für uns und für eins- zwei Besucher, die wir dann damit zu Tränen rühren. Wir haben dann gesagt, dass wir damit ins Studio gehen. Wir haben dann ein halbes Duzent Songs aufgenommen und das war eigentlich sehr "erdiges" Zeug. Viele Gitarrenbässe, echtes Schlagzeug. Es gab Leute, die rumgeunkt und uns gefragt haben: Sagt mal, wollt ihr jetzt Rock`n Roller werden, oder was? Uns war von Anfang an klar, dass es eine Basicgeschichte ist und es am Ende so in die Richtung gehen wird.

Alke:
Seid ihr mit eurer Bandformation so zufrieden oder plant ihr die Band noch zu erweitern?

Frank:
Also einen neuen Sänger könnten wir noch gebrauchen. (lacht)

Felix:
Oder ein guter Gitarrist wäre auch nicht schlecht. Nee, es ist super so. Wen ich auch noch erwähnen möchte ist (Kathy P.?). Das hat sich organisch so ergeben, sie ist die Freundin vom Roman und es hat sich ergeben, dass sie bei dem ein oder anderen Song mitsingt. Früher hätte ich gedacht: Brauche ich da eine Stimme? Ich lege einfach zehn Stimmen übereinander, zweite, dritte.. und lauter so verschachtelte Geschichten. Inzwischen muss ich sagen, bei manchen Songs kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass sie nicht mit drauf ist.

Alke:
Sind irgendwelche Auftritte bei Festival geplant?

Felix:
Also wir sind eigentlich mehr eine Studioband. Ich würde am liebsten jetzt wieder ins Studio gehen und neue Songs aufnehmen. Ich würde auch gerne Fotoaufnahmen für SILKE BISCHOFF machen. Da ist man ein wenig zurückhaltend. Es ist nicht ausgeschlossen, aber es ist nicht so, dass wir den Drang haben unbedingt auf die Bühne zu müssen.

Alke:
Was haltet ihr von Napster, eure Lieder sind ja dort kostenlos weltweit zu erhalten.

Felix:
Also das ist schwierig zu beurteilen. Es würde mich natürlich ärgern, wenn das neue Album dort schon vor der Veröffentlichung runter zu laden wäre.

Frank:
Im Grunde genommen regt es mich schon ein bisschen auf. Zum anderen arbeite ich jedoch in diesem Bereich und lebe in diesem Bereich und ich finde das auch irgendwie super, wenn ich jetzt nicht der Musikant wäre. Ich würde das dann begrüßen, denn ich könnte mir dann Lieder von Bands runter ziehen, alles umsonst und alles ganz klasse. Es ist ja nun aber so, dass wir dadurch schon ein wenig genapt werden.... genapstert werden.

Felix:
Wir haben vielleicht immernoch diese alte Punkattitude, indem wir sagen: Ich brenn dir die CD... Ich denke, wenn du noch etwas so drumrum hast, gerade die Fotogeschichte und so weiter. Also ich würde mir, wenn ich das jetzt nicht selber machen würde, die Sachen kaufen, um etwas wirklich zu haben. Jetzt ist ja alles nurnoch so eine digitale Geschichte. Es werden e- mails verschickt mit einem Haufen Rechtschreibfehler, alles gefühllos.... eigentlich traurig muss ich ein Stück weit sagen. Auf der anderen Seite, ich habe jetzt nicht das Gefühl, als gingen uns Millionen von Mark dadurch flöten, nur weil jemand sich das runter zieht.

Frank:
Also wenn es so wäre, dass uns Millionen dadurch flöten gingen, dann würde ich mir denken: Ich engagiere einfach einen Killer und lasse ihn erschießen. Den Arsch. (lacht)

Alke:
Ist es für euch vorstellbar mit anderen Bands zusammen zu arbeiten?

Felix:
Ja, es ist für uns grundsätzlich vorstellbar, obgleich es aber noch keine konkreten Pläne gibt.

Alke:
Was sind eure Lieblingsbands?

Felix:
Also meine Lieblingsband ist Type O Negative. Ich habe früher eine Zeit lang nur schwarze Musik gehört, bin auch nur in schwarzen Clubs gewesen und habe nur solche Musik gehört wie Bauhaus oder Joy Division, alles was zu der Zeit so lief. Meine letzte CD die ich mir gekauft habe ist "Music" von Madonna. Also es ist nicht so, dass das jetzt reduziert wird auf eine Schublade, sondern schon relativ offen.

Frank:
Lieblingsband, das ist schwierig. Da gibt es das, was einen geprägt hat, das ist die eine Geschichte und was man dann momentan hört, das kann im nächstes halben Jahr dann wieder variieren. Was einen geprägt hat, also bei mir sind das auf alle Fälle die Beatels.

Alke:
Hört ihr privat auch noch eure eigenen CD`s?

Felix:
Also die Alten nicht mehr. Ich könnte mir jederzeit vorstellen alte Lieder noch einmal zu erneuern und neu aufzunehmen. Das finde ich hoch interessant zu sehen, wie der Song nach einem, zwei Jahren klingt. Es ist nicht so, dass ich die alten CD`s nun Zuhause einlege und pausenlos höre. Ich höre die neue Scheibe natürlich ohne Ende, weil es noch relativ neu ist. Ältere Sachen höre ich vielleicht in Clubs, aber es ist nicht so, dass ich sie mir Zuhause reinlege.

Alke:
Was habt ihr für Berufe oder reicht das Geld, das ihr mit der Musik verdient?

Felix:
Nee, wir machen schon noch andere Sachen. Da sieht man auch, dass es mit "Live" problematisch ist. Ich mache Projektmanagement der Druckvorstufe, das heißt Anzeigen, Prospekte, Abwicklung, Termine und und und... Frank hat einen Job in der Internetecke. Demnach ist das jetzt nicht so, dass wir uns allein nur über SILKE BISCHOFF definieren. Und dann eben noch die Fotosessions, die ich aber hauptsächlich für SILKE BISCHOFF mache.

Alke:
Ihr fotographiert ja auf den Releaseparties weibliche Fans, von denen ihr dann ja die besten Bilder heraussucht und auf euer neues Cover bringt. Welche Kriterien habt ihr für die Auswahl des Covergirls festgelegt?

Felix:
Wie groß die Möpse sind. (lacht) Nein, es werden einfach ein Haufen Bilder gemacht. Es sind auch schon einige am Start. Um ehrlich zu sein, unsere allererste Aufnahme in Bochum, da habe ich schon zu ihr gesagt: So das können wir jetzt eigentlich abbrechen, wir nehmen dich und fertig. Aber es gibt eine Menge Bilder, einige Stellen wir auf unsere Homepage. Es werden aber für das Cover nur zwei oder drei genommen. Die Mädchen laden wir dann aber noch einmal nach Hause ein und machen dann noch richtige Fotosessions. Das jetzt ist ja nur Polaroid- Quatsch, damit wir wissen, wer was ist. Ich muss sagen, es sind aber schon sehr nette Leute drauf, aber das eigentliche Shooting ist dann bei uns Zuhause.

Alke:
Eine Frage haben wir noch zum Schluss. Was wolltet ihr schon immer mal gefragt werden?

Felix:
Es gibt keine Lieblingsfrage, wenn ich etwas unbedingt sagen will, dann baue ich das unauffällig an eine andere Frage ran. Aber fragt mich nach dem Sinn des Lebens... (lacht).

Frank:
Warum hat mich nie jemand gefragt, wieso ich gerade so Gitarre spiele? (zeigt) Warum hat mich niemand gefragt, wieso ich die Songs immer im 3/4- Takt spiele? Das hat mich nie jemand gefragt...

Alke Diepenbrock (GothicParadise.de)

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