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SINNER: Interview mit Fritz Randow, Henny Wolter

01.01.1970 | 01:00

Nachdem wir am Samstag auf der Listening Session das neue SINNER Album "There Will Be Execution" vorgespielt bekamen, war es an der Zeit noch ein kleines Interview mit Henny Wolter und Fritz Randow zu führen. Natürlich plauderten wir im weiteren Verlauf nicht nur über das im Januar erscheindende Album sondern auch über deren Hauptbands PRIMAL FEAR und SAXON.

Georg:
Beim einmaligem Hören hatte ich doch den Eindruck, dass gerade die schnelleren Songs eine gewisse Affinität zu PRIMAL FEAR aufweisen.

Henny:
Das hast du jetzt aber schön gesagt. (lacht)

Georg:
Inwieweit macht es Sinn ein SINNER Album aufzunehmen, das so eine Nähe zu PRIMAL FEAR aufweist. Oder wollt ihr damit auch die PRIMAL FEAR Fans ködern?

Henny:
Nein, glaube ich nicht. Es wird da sicher eine Schnittmenge geben, von Leuten denen beides gefällt. Aber der Hauptunterschied ist nicht die Musik - wie du schon richtig bemerkt hast - sondern Mats Vocals und Texte. Die gehen in eine andere Richtung als die, die Ralf für PRIMAL FEAR schreibt. Das ist eigentlich der Hauptunterschied und die Daseinsberechtigung für SINNER.

Fritz:
Man kann es auch anders herum sehen. SINNER gibt es schon viel länger als PRIMAL FEAR. Warum machen die solche Musik wie wir?

Henny:
Da hat er ganz recht.

Georg:
Hat SINNER für euch mittlerweile Projektstatus?

Henny:
Nein, SINNER hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Insofern kannst du auch davon ausgehen, dass es auch in 10 oder 15 Jahren noch neue SINNER Alben geben wird. Es ist schon eine Band. Aber Mat bevorzugt es seine SINNER Alben mit den Leuten und zu dem Zeitpunkt aufzunehmen, zu dem er gerade Lust darauf hat. Da sucht er sich alles aus. Und wenn es dann zeitmäßig klappt, dann ist es Zeit eine neue SINNER Platte zu machen.

Georg:
Die Besetzung hat sowieso eine Tendenz zum Allstar-Lineup.

Fritz:
Was soll ich dir jetzt darauf antworten. Das muß ich mir erst einmal warm runtergehen lassen. Wenn ich da an meine ersten 5 Jahre SINNER zurückdenke. Was hat sich da geändert? Wir sind immer noch die gleichen Freaks die Bock darauf haben gemeinsam Musik zu machen. Dass es sich umständehalber ergeben hat, dass wir auch in anderen Bands erfolgreich Musik machen. Eigentlich mag ich den Ausdruck auch nicht so sehr. Eigentlich klingt er ja gut und dick und international. Aber eigentlich sind wir die Lausebengels geblieben, die wir früher auch schon waren. Und wenn morgen einer von uns bei DEEP PURPLE einsteigt, wird er wieder beim nächsten SINNER Album mitmachen. Das ist einfach so.

Georg:
Inwieweit bist du in den Songwriting Prozess involviert?

Fritz:
Überhaupt nicht. Ich habe eine Demo-CD bekommen. Die habe ich mir 2 mal angehört. Dann bin ich ins Studio gegangen und habe angefangen zu recorden. Ich spiel mein Schlagzeug dazu und das reicht mir völlig. Das passt, das funktioniert. Natürlich überleg ich mir auch ein eigenes Arrangement zu den Songs. Auf den Alben waren immer wieder Songs dabei, da fand ich das programierte Drumming auf den Demos nicht so gut, da haben wir alles über den Haufen geschmissen und wenn es gepasst hat, haben die Jugs gesagt: "Jawoll". Wenn das nicht so ist, sagen die Jungs mir:" Pass mal auf Fritz, das und das ist der Plan" und wenn ich mir das zwei oder dreimal angehört hab, sag ich: "Ja, das passt". Aber mit Songwriting habe ich nichts am Hut. Jeder soll das machen, was er kann. Und Songwriting gehört nicht zu meinen Stärken.

Georg:
Gibt es einen Unterschied zwischen PRIMAL FEAR und SINNER im Studio?

Henny:
Ja, den gibt es. PRIMAL FEAR ist wesentlich anstrengender. Bei SINNER waren wir sehr entspannt und haben auch sehr schnell aufgenommen. Ich glaube wir haben nicht mehr als 3 Wochen gebraucht um das Album aufzunehmen. Und das ist für heutige Verhältnisse ziemlich schnell. Das war alles ziemlich frisch und wir haben auch nicht lange rumgeeiert und irgendwas nochmal gemacht. Das war der Hauptunterschied zu PRIMAL FEAR was die Aufnahmen angeht.

Georg:
Ich hatte das Gefühl, dass das Album erst in der zweiten Hälfte sein eigenes Flair versprühen konnte, da es sich dort von der PRIMAL FEAR Schiene gelöst hat. War die Reihenfolge der Songs dahingehend beabsichtigt?

Henny:
Ja, da kommen ein paar SINNERtypschie Stücke. Aber ich glaube nicht dass das so beabsichtigt war. Für die Reihenfolge ist Mat verantwortlich. Ich weiß es daher nicht genau, aber ich glaube, dass er es wenn, dann unbeabsichtigt gemacht hat. Es ist in der Tat so, dass die SINNERtypischen Songs erst weiter hinten sind. Aber sie sind drauf.

Georg:
Wird es auch eine SINNER Tour geben?

Fritz:
Da steht einiges zum Gespräch, aber ich kann dir da jetzt nichts definitives sagen, weil ich selber nichts definitives weiß. Aber es wird daran gearbeitet. Es wird irgendwas passieren.

Henny:
Ich weiß einige definitive Sachen. Die sind schon bestätigt. Das wird im Februar mit HAMMERFALL und MASTERPLAN sein. Da lässt sich nichts mehr dran ändern.

Georg:
Eine große Zahl Bands würde so eine Halbballade wie "The River" bombastisch ausbauen. Ihr habt hier eine charmante rohe Version gewählt.

Henny:
Das ist auch kein SINNER Style Songs so bombastisch aufzublasen. SINNER sind eine pure Rock N Roll, Hard Rock, Heavy Rock Band. Ich bin froh, dass das nicht passiert ist.

Fritz:
Dafür, wo andere Bands Chöre und Orchester brauchen, haben wir zwei Gitarristen. Ich mein höre dir die Jungs doch mal an.

Henny:
Wir werden da auch schon gut gefeatured. (Er meinte den Gitarrensound) Da bin ich auch beruhigt darüber. Ich sehe das mit Gelassenheit und Zufriedenheit.

Fritz:
(lacht) Sehr gut Herr Kollege, sehr gut ausgedrückt.

Georg:
Das METALLICA Cover von "Wherever I May Roam" klang für mich etwas schneller als das Original.

Fritz:
Keine Ahnung. Ich hab das Original schon so lange nicht mehr gehört.

Henny:
Ja, es ist ein bisschen schneller als das Original. Aber an sonsten ist es wie das Original.

Georg:
Macht es Sinn einen solchen Song zu covern und nur an der Geschwindigkeit zu variieren?

Fritz:
Einspruch, Einspruch, Einspruch. Bei allem Respekt vor METALLICA, ich liebe diese Band. Aber hör mal beide Versionen hintereinander. Die haben sicher einen guten Sound. Aber du hörst den Unterschied. Da steckt bei uns wesentlich mehr Druck dahinter. Ich weiß, ich lehne mich damit weit aus dem Fenster heraus. Aber das METALLICA Zeugs klingt da wesentlich dünner.

Henny:
Ja, aber es stimmt. Die Musik ist nahe am Original. Du mußt aber die Geschichte dieser Coverversion beachten. Mat wurde angefragt ob er eine SINNER Nummer für einen METALLICA Tribute machen wollte. Unter dieser Prämisse haben wir den Song aufgenommen. Dass er so kraftvoll rüberkommen wird, haben wir nicht erwartet. Und jetzt wird er doch auf der Limited Edition drauf sein.

Georg:
Ihr habt ja schon recht viele Covers wie z.B. ACCEPT gemacht:

Henny:
Ja, DEEP PURPLE

Fritz:
MIDNIGHT OIL , BILLY IDOL

Henny:
Richtig, ja, da gibt es einen Sack voller Sachen.

Fritz:
Ja, da könnte man ein Album machen: SINNER Tribute To The Rest Of The World.

Henny:
Das solltest du doch noch nicht sagen. Das wird unser nächstes Projekt. (lacht)

Georg:
Okay, wenn noch Zeit ist, würde ich euch gern noch zu den Stammformationen befragen. Wie war so dein Eindruck von der PRIMAL FEAR Tour?

Henny:
Also mein Lieblingsland war Spanien. Ich hab meistens unterschiedliche Lieblingsländer. Diesmal war es Spanien. Es war geiles Wetter und ich war am Mittelmeer und hab geschwommen. Geile Konzerte, prima Wetter. In Granada hatten wir ein Ding mit 3500 Leuten und in den Clubs waren so um die 800 Leute.

Georg:
Sucht ihr euch eigentlich absichtlich so Begleitbands, die die Gefahr bergen euch an die Wand zu spielen?

Henny:
Ja, das doofe ist, wenn du dir ne Scheiß Begleitband holst, dann kommen weniger Leute und wenn du dir ne gute Begleitband suchst, besteht natürlich die Gefahr, dass du an die Wand gespielt wirst. Vor allem mußt du dich tierisch anstrengen. Aber letzteres ist mir lieber, weil der Zuschauer mehr für seine Kohle kriegt und geht weniger angepisst aus dem Konzert als wenn du irgendwelche Affen vor dir hast und dich geil fühlen kannst weil du sie wieder fertig gemacht hast. Zumal wenn du ne Band von Leuten wie Terrana oder Smolski vor dir hast, mußt du als Instrumentalist genau aufpassen, was du machst. Und das spornt schon an. Du kannst da nicht einfach rumsauen sondern mußt dein bestes geben.

Georg:
Deswegen hat sich der Klaus wohl auch clevererweise das Drum-Solo gespart.

Henny:
(lacht) Das mag ein Grund gewesen sein. Aber er steht eh nicht so auf Drum Solis. Die spielt er nur wenn sie ihm befohlen werden.

Georg:
Ja, so ein Drumsolo vom Terrana ist schon ein Highlight. Aber 10 Minuten ist auch etwas heftig.

Henny:
Ja, hart an der Grenze, aber ich muß dir Recht geben. Der ist unschlagbar. Der Typ ist ja nicht nur ein geiler Drummer sondern auch noch Entertainer, Stand Up Comedian, Clown, Dschungelman in einem. Das rechtfertigt schon ein 10-minütiges Drum Solo. Ich mag den gerne.

Georg:
War es eigentlich Mut oder Wahnsinn nach Smolski noch ein Gitarrensolo zu spielen?

Henny:
Ich denke weder noch. Ich habe ja ein Solo gespielt das auf Entertainment ausgelegt war. Ich bin nicht so ein Fingerakkrobat. Dem Smolski seine Nummer ist ja auf sein virtuoses Fingerspiel ausgelegt. Meins dagegen war kurz und schmerzfrei. Die Leute dürfen auch mal in die Gitarre reingreifen und so. Denke sowas kann man schon machen. Und Stephan ist halt schnell. Er ist ein hervorragender Gitarrist und da braucht man sich nicht hinter Smolski verstecken wenn man sein eigenes Ding macht. Aber selbst wenn ich nicht hinter Smolski gespielt hätte, wäre mein Solo nicht länger gedauert. Für mich ist es wichtig, dass die Leute entertaint werden. Von daher lieber kurz und schmerzlos. Ich seh das ähnlich wie Klaus und bin deswegen auch kein großer Freund von Solis. Außer es gibt was zu lachen oder zum mitmachen oder zum gewinnen.

Fritz:
Geil.

Henny:
Ja, stell dir das so tombolamäßig vor. Wer am schnellsten ist gewinnt. Das wär mal genial.

Georg:
Was war dein Lieblingskonzert in Deutschland?

Henny:
Die Zeche. Es gibt da nichts vergleichbares. Das ist das Granada von Deutschland. Da gibt's nichts vergleichbares. Das ist einfach geil dort. Das wird jeder sagen, der dort gespielt hat.

Georg:
Würdest du den Fans empfehlen sich die neue SAXON Scheibe mit den neu eingespielten Klassikern zu holen, oder sollen sie doch lieber zu den alten remasterden Scheiben greifen?

Fritz:
Ich würde den Leuten auf jeden Fall empfehlen die neue zu holen. Aus dem einfachen Grund. Normal ist es ja so, man nimmt die alten Songs, remasterd sie und bläst sie ein bisschen auf. Wir wollten, dass die alten Songs so klingen wie sie heute klingen sollen. Wir haben sie neu aufgenommen und abgemixt. Und die Verkaufszahlen der ersten fünf Tage sprechen dafür, dass wir den richtigen Weg gegangen sind.
Im Januar kommt der Adler auf Tour. Wir werden da zehn Shows spielen, fünf in Deutschland und fünf im Ausland. Danach geht's ins Studio und es wird auch noch eine Live DVD geben.

Georg:
Das wird recht teuer den Adler zu transportieren.

Fritz:
Für unsere Fans ist uns nichts zu teuer.

Georg:
Is klar, Joey. (allg. Gelächter)

Henny:
Der Müller, unser Lichtmann kennt das Teil. Der meint das Ding wiegt 8.5 Tonnen.

Fritz:
Das glaub ich nicht.

Henny:
Naja, vielleicht auch 5.8 Tonnen. Aber für mich ist das ein Grund auf die Tour zu gehen. Ich freu mich schon darauf zu sehen.

Georg:
Okay, dann bitte ich euch noch um die abschließenden Worte.

Fritz:
Na, was will er denn hören?

Georg:
Sowas wie "Powermetal.de" ist das tollste Magazin auf Erden.

Henny:
Wie heißt das Magazin? (Gelächter) Nein sag doch nochmal.

Georg:
Steht doch auf meinem T-Shirt.

Henny:
Hi, hier ist Henny Wolter von PRIMAL FEAR. Ich lese nur Powermetal D E.

Redakteur:
Georg Weihrauch

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