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SPOCK'S BEARD: Interview mit Dave Meros

13.12.2006 | 11:58

SPOCK'S BEARD haben mit ihrem neunten Studioalbum erneut bewiesen, dass sie zur Speerspitze des progressiven Rock gehören. Bassist Dave Meros stellte sich meinen Fragen mit Humor und Charme und entführt uns bis in seine jüngste Kindheit.

Peter:
Dave, als erstes: herzlichen Glückwunsch zu einem weiteren, tollen Album. Wie sind denn die Reaktionen bisher?

Dave:
Vielen Dank! Bisher sind die Reaktionen wirklich ziemlich gut. Viele Leute sagen, dass es unser bestes "Post-Neal"-Album ist und einige sagen gar, dass es unser bestes Album überhaupt ist.
Wir hatten auch schon vor dem Release sehr beeindruckendes Feedback. Wir haben einige Soundclips auf unsere Homepage und auf MySpace gestellt und die wurden VOR dem Release bereits insgesamt 57.000-mal gespielt. Das ist phantastisch.
Natürlich gab es auch einige negative Kommentare, aber die scheinen von diesen echten Prog-Hardlinern zu kommen, die alles verachten, was nicht wie der klassische, britische 70er Prog-Sound klingt. Es war teilweise auch sehr verwirrend. Während einer einen Song absolut hasste und meinte, dies sei das mieseste, was wir je gemacht haben, liebte der nächste genau diesen Titel und mochte den am wenigsten, den der erste Typ am meisten mochte. Verrückt.
Ich denke, wir umspannen einfach zu viele verschiedene Stile für die meisten Leute und so mögen sie nicht das ganze Album. Es ist erstaunlich genug, dass es genügend Leute gibt, die es dennoch tun.

Peter:
Ihr habt das Album einfach "Spock's Beard" genannt. Die meisten Bands machen das auf ihrem ersten Album oder um ein Zeichen für einen Neuanfang zu setzen. Ist "Spock's Beard" ein neuer Anfang, auch wenn das Album nicht danach klingt?

Dave:
Nein, es gab tatsächlich keinen anderen Grund als die Tatsache, dass wir es cool fanden.
Wir hatten wieder unser übliches Brainstorming über den Titel und hatten dabei auch die üblichen Ideen: den Namen eines Songs verwenden, es "SB9" nennen, es irgendwie ganz wichtig klingen zu lassen, ein Wortspiel mit der Zahl/dem Wort "neun" und natürlich hatten wir auch wieder unseren typischen dummen Ideen und dreckigen Witze.
Schließlich waren wir der Meinung, dass wir das alles schon mal gemacht haben und so wollten wir es so simpel wie möglich halten. Natürlich kommt das jetzt voll auf uns zurück, weil wir immer gefragt werden, warum das Album schlicht "Spock's Beard" heißt.

Peter:
Äh, sorry. Denn wäre es ein neuer Anfang, dann wäre 'On A Perfect Day' der letzte Blick zurück. Immerhin klingt der Song sehr viel mehr nach SPOCK'S BEARD mit Neal Morse als jeder andere Song, den ihr ohne ihn geschrieben habt.

Dave:
Stimmt, dieser Song klingt wirklich mehr wie ein "Original" SPOCK'S BEARD-Song als jeder andere zuvor. Aber das ist nicht vorsätzlich passiert. All die Jahre mit Neal und seiner Musik werden immer ein großer Einfluss für uns sein. Und das kommt letztendlich von den ganzen, großen Bands, die auch Neal beeinflusst haben wie YES, GENESIS, KING CRIMSON, PINK FLOYD, GENTLE GIANT, THE BEATLES, LED ZEPPELIN usw., usw.
Und ich hoffe wirklich, dass "On A Perfect Day" kein letzter Blick zurück ist, denn ich mag diese Songs sehr gerne.

Peter:
Das Album ist voll mit Streichern und Bläsern. War es eine große Herausforderung die Arrangements für sie zu schreiben? Und wie wollt ihr die Songs live präsentieren?

Dave:
Diese Parts zu schreiben war natürlich Extraarbeit, aber es hat eine Menge Spaß gemacht. Und die moderne Technik macht es für uns Musiker auch sehr viel einfacher es aufzunehmen. John Boegehold und ich haben die Streicher- und Bläserparts als MIDI-Dateien aufgenommen, dann ließ John sie durch seine Musiksoftware laufen, machte ein paar Anpassungen, um es für einen Musiker lesbarer zu machen und dann – wie von Geisterhand – wurden die Seiten ausgedruckt! Sehr viel besser als noch vor 20 Jahren, als man entweder mit Stift und leeren Notenblättern da saß und das Ganze niederschreiben musste oder man jemandem hunderte von Dollar gezahlt hat, um dies für dich zu tun.

Peter:
'Skeletons At The Feast' ist ein sehr schräges Instrumental. Was mich überrascht, ist die Tatsache, dass es der zweite Song auf dem Album ist. Glaubst du nicht, dass er etwas abschreckend wirken könnte, selbst für Prog-Fans?

Dave:
Doch, aber das hat uns noch nie von etwas abgehalten! Wir schaffen es so ziemlich jede Person an einer Stelle einer CD zu irritieren. Es gibt einfach nichts, was wir tun können, um wirklich jeden glücklich zu machen. Also machen wir, was wir am besten können und am folgen unseren Vorlieben.
Hauptsächlich liegt das wahrscheinlich daran, dass wir viele verschiedene Stile schreiben und spielen. Wenn du also geradlinigen, echten Prog magst, stehst du vielleicht auf 1/3 oder 1/4 der CD und der Rest ist Müll für dich. Magst du aber nur Rock, ist der Anteil, den du magst, der gleiche. Der Rest fällt in die Kategorie "Diverses", die dann Sachen wie Jazz, Fusion, R&B, Pop, Balladen etc. enthält. Vielleicht machen wir irgendwann einen Country- oder Polka-Song und stoßen den Leuten vor dem Kopf, denen wir bisher nicht vor den Kopf gestoßen haben. Es gibt überraschend viele Leute, die den ganzen Kram mögen. Ich schätze mal, da draußen existieren mehr musikalisch schizophrene Typen neben uns! :-)
Es ist vielleicht nicht der beste Ansatz für uns, wenn wir eine stärkere, musikalische Identität als Band aufbauen wollen, oder? Aber alle von uns schreiben Songs unterschiedlich, und um unseren Sound einheitlicher zu gestalten, dürften wir nur ein oder zwei Personen erlauben Songs zu schreiben. Und das würde für uns nicht funktionieren ... aus vielen Gründen.

Peter:
'With Your Kiss' begeistert mit dem brillanten Percussion-Part im Mittelteil. Warum hat es so lange gedauert, bis ihr den Vorteil eines derart großartigen Schlagzeugers in dieser Art genutzt habt?

Dave:
Nick hat auf allen Alben unglaubliche Sachen gemacht. Aber du hast Recht, es ist das erste Mal, dass die Drums so massiv im Vordergrund stehen. Ich vermute, es wird die Leute dazu zwingen seinen Genius zu erkennen. Nick dachte, dass dieser Tribalpart an der Stelle einfach cool wäre und es klingt schlicht fantastisch.

Peter:
Welchen Einfluss auf eure Verkaufszahlen hatte Neal's Ausstieg aus der Band? Sind sie ungefähr stabil geblieben oder gefallen/gestiegen?

Dave:
Sie sind ungefähr gleich geblieben. Es gab ein leichtes Hoch bei den Verkäufen, als wir "V" veröffentlicht haben, doch abgesehen davon, sind die Verkäufe ungefähr so, wie sie immer waren.

Peter:
Wie steht es mit der Tour? Gibt es schon Daten und nehmt ihr diesmal einen Support mit?

Dave:
Wie es mit einem Support aussieht, weiß ich noch nicht. Manchmal machen wir Touren ohne Support, einfach weil wir zwei Drumsets und so viele Keyboards haben, dass das Equipment von dem Support einfach nicht mehr mit auf die Bühne passt. Wir müssen mal sehen, wie wir das diesmal machen.
Es sieht aber danach aus, dass wir im Mai touren werden. Es gibt schon einige bestätigte Termine und wir füllen gerade den Rest.

Peter:
Ihr seid bestätigt für das Rock Hard-Festival. Was erwartet ihr dort und was können die Fans erwarten? Werdet ihr einen speziellen Set für die Metalheads spielen?

Dave:
Wir haben darüber nachgedacht eher die härteren Rocksongs zu spielen. Aber selbst das würde eher schwach klingen im Vergleich zu all den Metalbands dort um uns herum. Von daher weiß ich noch nicht, was wir machen werden. Vielleicht sollten wir einfach wir sein und nicht zu viel darüber nachdenken. Ich denke, wir sollten einen Song proben, den wir mal als Bonustrack in Japan vor ein paar Jahren veröffentlicht haben. Er heißt 'Into Fire'. Er ist wahnsinnig komisch ... Mittsiebziger DEEP PURPLE headbanging. Ich mag ihn wirklich.
Ein andere Idee wäre natürlich, dass wir unsere Balladen 'Hereafter', 'June', 'Carrie', 'Shining Star', 'She Is Everything' und 'Wouldn't Let It Go' spielen, um zu sehen, womit wir so vom Publikum beworfen werden. ;-)

Peter:
Wer war der beeindruckendste Musiker mit dem du jemals gearbeitet hast und warum?

Dave:
Es ist schwierig nur einen zu nennen. Es gab schon eine Menge Musiker, mit denen ich gearbeitet habe und die mich absolut beeindruckt haben und bei denen ich mich irgendwie mickrig gefühlt habe. Die Leute, die mich am meisten beeindrucken, sind die, die mehr als ein Instrument spielen können und das auf außergewöhnlichem Niveau. Und wenn diese Leute dann auch noch die perfekte Gabe besitzen Songs zu arrangieren und zu komponieren, beeindrucken sie mich noch mehr, da dies ja noch mal ein großes, zusätzliches Talent bedeutet, das sie besitzen müssen. Klingt so, als würde ich Neal Morse beschreiben, oder?

Peter:
Was war die bisher peinlichste Situation auf der Bühne?

Dave:
Ganz superschreckliche Momente wie beispielsweise in meine Hose zu pinkeln, gab es bislang noch nicht. Gott sei Dank. Das würde sich auch sicher in meiner Erinnerung verankern. Es gibt ein paar Sachen, die ziemlich peinlich wirkten als sie passiert sind. Doch wenn man zurück blickt, war es eigentlich keine große Sache oder sogar ziemlich cool.
Einmal, das ist schon sehr lange her und ich war noch jünger und attraktiver, ist ein Mädchen auf die Bühne geklettert, auf mich zu gerannt und hat angefangen mich zu küssen. Das war mir damals ziemlich peinlich, aber heute finde ich, dass ich darauf echt stolz sein sollte.
Ach, und hier ist noch eine Story. Die ist wirklich, wirklich sehr alt. Ich war so sechs oder sieben Jahre alt, also noch bevor ich überhaupt Klavierstunden genommen habe und irgendwas über Musik wusste. Ich hatte ein kleines Spielzeugklavier und ich habe herausbekommen, wie man einen kleinen, coolen Song damit spielen konnte.
In meiner Schulklasse gab es Stunden, wo jeder, der singen oder spielen konnte, auf die Bühne gehen konnte, um sein Talent dem Rest der Klasse zu zeigen. Ich dachte, dass mein Song wirklich gut funktionieren würde und ging zu dem Klavier, zählte sechs Noten von der letzten Taste nach oben, so wie ich es mit meinem Spielzeugpiano gelernt hatte und begann zu spielen.
Natürlich hat das überhaupt nicht funktioniert und klang wie der totale Müll. Schlicht und ergreifend total daneben. Ich war sehr erstaunt und konnte überhaupt nicht verstehen, warum es so schrecklich klang. Also hörte ich auf, zählte noch mal die sechs Noten und begann noch mal von vorn. Natürlich klang es genauso schlecht wie zuvor. Ich wusste nicht, was ich tun sollte und bin wieder auf meinen Platz zurückgegangen. Jeder in der Klasse dachte, ich hätte einen Witz gemacht und begann zu lachen, sogar der Lehrer. Mein Gott, war das peinlich. So peinlich, dass ich mich heute noch so gut daran erinnere, als wäre es gerade letzte Woche gewesen.

Peter:
Was sind deine fünf Lieblingsalben aller Zeiten?

Dave:
Hmm, das ändert sich von Tag zu Tag abhängig von meiner Stimmung, aber heute wären es:
LED ZEPPELIN – "II", JELLYFISH – "Bellybutton", TOOL – "Lateralus", JIMI HENDRIX – "Band Of Gypsies" und THE BEATLES – "Revolver".
Jetzt, wo ich über tolle Alben nachdenke, möchte ich noch zehn hinzufügen, die wirklich sehr zu empfehlen sind und die du unbedingt kennen solltest. Okay, los geht's:
PORCUPINE TREE – "In Absentia", BAD COMPANY – "Bad Company", THE WHO – "Live At Leeds", ROBIN TROWER – "Bridge Of Sighs", YES – "Fragile", GENESIS – "Lamb Lies Down On Broadway", MILES DAVIS – "Bitches Brew".
Okay, okay ... ich höre ja schon auf. :-)

Peter:
Die Tipps sind notiert! Und wen würdest du auf ein dein eigenes Festival einladen?

Dave:
SPOCK'S BEARD (natürlich!), TOOL, PORCUPINE TREE, THE MARS VOLTA, SYSTEM OF A DOWN und ähnliche Bands, wenn es die Zeit erlaubt.

Peter:
Na, da wäre ich dabei! Dave, Danke für das Interview.

Redakteur:
Peter Kubaschk
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