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STORMWARRIOR: Interview mit Lars Ramcke

09.12.2019 | 23:10

Endlich halten wir "Norsemen" in den Händen, endlich stürmen die STORMWARRIOR-Jungs voller Tatendrang wieder an die Front und halten Kriegerhymnen, epische Melodien und bockstarke Hits par excellence parat, endlich hat das lange Warten nach "Thunder & Steele" ein Ende. Grund genug also, Lars Ramcke, dem Kopf der hanseatischen Riffbande, ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Lars, mein Guter. Lang ist's her, als wir das letzte Interview geführt haben. Vielen Dank, dass du dir erneut etwas Zeit für meine Fragen nimmst. Wie geht es dir denn? Wie groß ist die Erleichterung nun endlich das lang ersehnte, neue Album fertig zu haben?

Moin Marcel, stimmt, ist schon eine ganze Weile her. Und doch wiedererkannt, hehe! Ich kann nicht klagen, danke. Was das Album angeht, ist es ja nicht so, wie viele annehmen, dass mit Albumabgabe dann die Arbeit vorbei ist. Dann geht ja erst die ganze Promoarbeit los, Videoproduktionen, Websites, Online Shop, Merchandise. Heutzutage gehört dazu dann auch eine entsprechende Verwaltung der Social-Media-Auftritte, die wir zugegebenermaßen bisher immer etwas vernachlässigt haben, uns hier jetzt aber etwas neu aufgestellt haben und mit Hochdruck daran arbeiten, das Ganze etwas besser in Schwung zu kriegen. Wenn man dann noch nebenher "normal" arbeiten geht, kann das zeitweise schon mal in zwei Fulltimejobs ausarten - was hier jetzt seit etwa 12 Monaten so läuft, hehe. Aber man will es ja auch irgendwie so haben, dann soll man auch nicht klagen.

Einen großen, positiven Knall gab es vor einiger Zeit, als Falkos Rückkehr öffentlich wurde. Wie kam es zu dieser "Reunion". Speziell bei 'Storm Of The Northe' trommelt er sich die Seele aus dem Leib. Wie fühlt es sich an, ihn wieder in der STORMWARRIOR-Mannschaft zu haben?

Es ist einfach großartig, ihn wieder dabei zu haben. In den letzten Jahren ist nach und nach immer wieder ein Teil vom alten STORMWARRIOR-Spirit weggebrochen und es hat sich für mich irgendwie immer mehr einfach nur nach einer Art Job angefühlt, sozusagen mit Geschäftsbeziehungen zu Leuten, mit denen man zwar gut auskommt, aber ansonsten schon aufgrund der Entfernungen nicht viel mehr als die musikalische Zusammenarbeit im Rahmen vereinzelter Shows zu tun hat. Mit Falkos Rückkehr hat sich das schlagartig wieder in eine Richtung gedreht, wie es eigentlich sein sollte, da uns eben der überwiegende Teil der Aufbauphase der Band und damit auch viele wichtige, schöne, aber natürlich auch verrückte Erlebnisse verbinden: das erste Studio im alten GAMMA RAY-Bunker, die ersten Produktionen, die Japan-Tour usw. Da hingen wir schon viel zusammen damals. Die mittlerweile verjährten Frauengeschichten lassen wir hier mal beiseite, haha. Ich kann sagen, dass der alte Spirit und die alte Spielfreude definitiv wieder zurück sind und das macht mich sehr glücklich und dankbar. Ich denke, das hört man dem neuen Album auch an, nicht nur an den Drums.

Mit Björn Daigger ist seit längerem ein neuer zweiter Gitarrist an Bord. Hat er es geschafft, in die Fußstapfen von Alex Guth zu treten? Wie konnten sich sowohl Björn als auch Falko ins Songwriting zum neuen Album einbringen?

Ja, Björn hat sich gut eingefügt, sowohl in den STORMWARRIOR-Sound auf der Bühne als auch im Studio. Wir arbeiten mittlerweile auch zusammen an diesem ganzen Social-Media-Kram und können uns da sehr gut austauschen und ergänzen. Witzig ist, dass Björn zu Beginn dachte, wir würden ihn nicht sonderlich mögen innerhalb der Band, da wir Norddeutschen anscheinend im nüchternen Zustand etwas weniger Smalltalk-affin sind, als er es aus seiner Mannheimer Region wohl gewohnt war. Das hat er aber auch irgendwann verstanden, hehe. Songwritingtechnisch stammt von Björn der Großteil von 'Sword Dane', wie ich finde einer der stärksten Songs auf dem Album. 'Freeborn' ist im Prinzip auch fast komplett auf Falkos Mist gewachsen und der Titelsong 'Norsemen' basiert sogar auf einem alten Song von Falko und mir aus der Zeit irgendwann zwischen dem "Northern Rage"-Album und der "Heading Northe"-Platte, meine ich. Er wurde damals nicht so ganz fertig bzw. hatte einfach nicht gepasst, weil wir uns da auch nicht so ganz einig waren über die Ausarbeitung. Jetzt konnten wir das gute Stück endlich fertigstellen. Passt dann natürlich auch sinnbildlich ganz gut zur Wiederbelebung des alten STORMWARRIOR-Spirits mit Falkos (und Yenz') Rückkehr in die Band.

Ich habe es gerade schon angesprochen, "Norsemen" steht in den Startlöchern und ist ein Schlachtruf erster Klasse geworden. Seit "Thunder & Steele" sind fast sechs Jahre ins Land gezogen. Warum hat es mit "Norsemen" etwas länger gedauert und mit welcher Zielsetzung bist du an das neue Album herangetreten?

Zum einen hatte ich privat eine Menge auf dem Zettel zum Abarbeiten bzw. Nachholen, wobei dann einfach auch nicht der nötige freie Kopf da ist, um an etwas Neuem zu arbeiten, das die Qualität besitzt, um da auch entsprechend hinter stehen zu können. Zum anderen kann ich auch nicht leugnen, dass die Motivation immer weiter gesunken ist, da es sich, wie oben beschrieben, schon mehr und mehr eher als Job denn als Band und Spaß anfühlte. Die Zielsetzung war einfach nur, den neu bzw. wiedergefundenen STORMWARRIOR-Geist einzufangen und da anzuknüpfen, wo die "Heading Northe"-Scheibe damals geendet hatte.

Ich muss ehrlich sagen, dass mir auf "Thunder & Steele" das anmutige, epische Intro gefehlt hat, was es heuer mit 'To The Shores Where We Belong' wieder gibt. War es also wieder an der Zeit für einen STORMWARRIORschen Albumbeginn?

Auf jeden Fall!

Ich möchte noch einmal auf euren Titeltrack eingehen. Kannst du da noch etwas mehr über den Ursprung erzählen?

Ja, da habe ich wohl weiter oben schon etwas vorgegriffen. Der Song 'Norsemen' stammt in seiner Urversion (Arbeitstitel war glaube ich damals 'Metallian Lord' oder sowas) aus der "Northern Rage"/ "Heading Northe"-Phase. Ich hatte den immer irgendwie noch im Hinterkopf, weil eigentlich nicht mehr so viel fehlte, um den Song von 80 auf 100% zu bekommen. Mit Falkos Rückkehr und der Arbeit am neuen Album hat sich dann der Song irgendwie wie von selbst zu Ende geschrieben und sich der Kreis geschlossen. Als Titelsong verbindet er dann zudem sogar noch das neue Album mit dem alten Geist von damals. Besser passen kann es dann auch einfach nicht.

Mit 'Sword Of Valhalla' habt ihr ja - durch und durch positiv gemeint - den Vogel abgeschossen in Sachen Länge. Was war ausschlaggebend hierfür? Wie kam es zu 'Sword Of Valhalla'?

Naja, Longtracks hatten wir ja damals bereits mit 'Chains Of Slavery' und auch 'Lindisfarne' auf den ersten beiden Alben, auch wenn diese nicht ganz die 10-Minuten-Marke knackten. Da wollte ich aber definitiv anknüpfen. Dass es dann etwa 11 Minuten geworden sind, war auch nicht geplant. Aber wenn es läuft und dann auch nicht langweilig wird, muss man es halt so weiterlaufen lassen, wie es aus einem rauskommt. Der Schlusspart als großes Finale des Albums war in der Vorproduktion ohne die Chöre schon cool, hat aber erst durch die Ideen von Yenz während unserer Chorsessions nochmal so richtig die endgültige Größe erreicht. Die Gesangsessions mit Yenz sind auch immer wieder ein absolutes Highlight für mich während der Albumproduktion, da dann immer noch wieder neue, ganz eigene klangliche Facetten in den Songs dazukommen, die das Ganze dann nochmal mit einem Extra-Touch Epik versehen.

In Sachen Sound, Abwechslung und Artwork erinnert mich "Norsemen" ziemlich stark an die "Heading Northe"-Großtat. Könnte man auch sagen, dass das aktuelle Bollwerk Potential zum "Heading Northe"-Nachfolger haben könnte?

So war die Zielsetzung, ja.

Konzeptionell behandelt das Album das Kriegerdasein der alten Nordmänner. Ein für STORMWARRIOR prädestiniertes Thema. Woher hast du dir die Inspirationen zu den Texten und Songs geholt?

Ich lese halt sehr viel in der Richtung. Ich hatte damals zu "Northern Rage"-Zeiten sogar Skandinavistik und vor-/frühgeschichtliche Archäologie studiert, das Studium allerdings später aufgrund der Jobaussichten eher in den privaten Bereich verschoben. Die Arbeitsplätze in Schleswiger Wikingermuseen sind ja eher begrenzt und Übersetzer beim Norddeutschen Geheimdienst war jetzt auch nicht so meine Richtung, haha. Im Laufe der Jahre sammeln sich dann natürlich auch ein paar hundert Bücher in der hauseigenen Bibliothek an und da die archäologische Arbeit in Nordeuropa ja auch noch nicht ganz abgeschlossen ist, kommen ja auch immer wieder neue Publikationen in diversen Sprachen von Dänisch bis Englisch dazu. Der Lesestoff geht da auf jeden Fall nicht so schnell aus.

Mit 'Odin's Fire' und 'Freeborn' sind die ersten Vorboten gut ausgewählt. Stehen die Songs repräsentativ für STORMWARRIOR anno 2019?

Die beiden Songs sind ja nur zwei Ausschnitte des kompletten Albums und es lohnt sich natürlich, das Album auch in voller Länge durchzuhören. Ansonsten denke ich, als Aushängeschild passen die beiden Songs eigentlich ganz gut und Ingo Spörl von Hard Media hat auch ganz coole Lyricvideos dazu machen können. Wir sind auf jeden Fall zufrieden mit den Ergebnissen.

Die ersten Live-Dates für 2020 werden allmählich veröffentlicht. Kannst du uns auch schon etwas zu weiteren Tour- oder Festivalaktivitäten im kommenden Jahr erzählen?

Wir sammeln halt was reinkommt und gucken, dass möglichst viel davon auch umzusetzen ist. Eine (Support)-Tour ist natürlich so eine Sache. Da muss man immer schauen, ob bzw. was dann auch Sinn macht. Es bringt ja auch nichts, auf einer eigentlich namhaften Tour als Opener ohne Sound und Licht zu spielen, wenn dann noch eine mittlere Band mit großem Drummer-Ego ihr enormes Drumset auch noch in die Mitte der Bühne platziert und nicht gesprächsbereit ist, etwas zu kooperieren, damit man vielleicht mehr als 10 cm Platz auf der Bühne haben könnte. Das ist natürlich dann auch etwas Glückssache, welche Bands gerade unterwegs sind und was dann in welchem Rahmen auch gut zusammenpasst. Eigentlich sind wir da immer recht unkompliziert, aber Sinn machen muss es für uns eben auch. Ein paar Headlinershows werden wir aber hier und da mit Sicherheit auch anvisieren. Da haben wir bei den beiden Releaseshows in Hamburg und Mannheim kürzlich regen Zuspruch erhalten.

Lars, "Norsemen" ist ein wahnsinnig gutes Album geworden, mit dem ich euch alles erdenklich Gute wünsche. Ich denke, wir sehen uns spätestens im März zum Ragers Elite Festival. Welche Worte möchtest du noch an unsere Leser richten?

Lasst die Finger vom Comedy-Metal, haha!

Redakteur:
Marcel Rapp

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