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STRATOVARIUS: Interview mit Jens Johansson

01.01.1970 | 01:00

Mit der am 28.5. erscheinenden CD "Intermission" werden sich STRATOVARIUS in eine zweijährige Pause verabschieden. Die letzte Möglichkeit ein paar Fragen beantwortet zu bekommen wollte ich mir natürlich unter keinen Umständen entgehen lassen. So rief mich Jens vor einigen Tagen an und stand Rede und Antwort.

Jens:
Hi hier ist Jens, ich bin grad im schönen Deutschland, in Donzdorf.

Georg:
Hi, hier ist Georg, ich bin grad in Stuttgart, eigentlich hätten wir uns ja treffen können, Donzdorf ist ja gleich um die Ecke.

Jens:
Stimmt genau, wir sind durch Stuttgart gekommen.
Ich habe Schnee erwartet, nach all den Nachrichten.

Georg:
Ja, scheiß Wetter, so eine Kälte mitten im April. Naja, aber wir haben nur wenig Zeit und so sollten wir mal lieber mit der Arbeit beginnen.

Jens:
Nein, nein, nein, nein, Fuck die Arbeit. (beide lachen)

Georg:
Ihr habt jetzt ein Album bei Nuclear Blast veröffentlicht. Denkst du, daß das der richtige Zeitpunkt ist, eine 2jährige Pause einzulegen?

Jens:
Sicherlich hätten wir uns wieder ins Studio verziehen können und eine neue Scheibe aufnehmen. Aber wir hatten in den letzten 5 Jahren so viel Stress. Jedes Jahr haben wir ein Album veröffentlicht und im Anschluss gab es ausgedehnte Touren. Wir wollen einen Burn Out verhindern. Es würde STRATOVARIUS auch nichts bringen, wenn wir nicht mehr ganz bei der Sache wären und nur ein halbherziges Album veröffentlichen würden. Wenn, dann wollen wir alles geben. Wenn wir weiter Gas gegeben hätten, hätte es sein können, daß einer durchdreht oder sich umbringt.

Georg:
Gut, das wär nicht so der Bringer, aber andererseits habt ihr gerade wahnsinnig viel Erfolg und die Szene ist auch recht groß geworden, aber wer weiß was in zwei Jahren sein wird?

Jens:
Möglicherweise ist sie noch größer.

Georg:
Möglicherweise ist sie kleiner und es gibt eine Thrash-Revival.

Jens:
Kann sein. Das kann man jetzt noch nicht wissen. Ich bin auch etwas traurig über die Pause. Aber die letzten 5 Jahre waren schon sehr stressig mit den Promotouren, Interviews, Album aufnehmen und Welttourneen. Und gerade das Jahr 2000 war da schon sehr stressig mit dieser ausgedehnten Tour. Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn die Pause etwas kürzer ausfallen würde und wir Ende 2002 ins Studio gehen würden. Aber das wird sich zeigen.

Georg:
Was wirst du in den 2 Jahren machen.

Jens:
Ich werde versuchen auszuspannen. Und dann hab ich da noch ein Side-Projekt mit meinem Bruder namens JOHANSSON, mit dem wir auch schon 3 Alben veröffentlicht haben. Wir haben vielleicht 35 Minuten Material und dafür werde ich noch einiges Schreiben. Aber ich werde mich jetzt auch nicht in irgendetwas hineinstressen.

Georg:
Wenn man halt 5 Jahre Gas gegeben hat und dann gar nichts mehr tun würde, könnte es ja sein, daß man in ein Loch fällt.

Jens:
Ich habe das schon einmal gemacht, ich glaube nicht, daß es mir passiert. Es ist eher eine Art Regeneration. Es ist sicher schon anderen Bands passiert. Aber ich glaube dieser Band wird es nicht passieren. Bei uns ist keiner Verrückt, Alkoholiker oder nimmt Drogen. Da wird sich eher einer beim Mountain-Biking ein Bein brechen. Ich glaube die Pause ist notwendig um einfach mal auszuspannen und sich zu regenerieren. Aber ich habe auch nicht vor mich zuhause zu langweilen.

Ich hoffe halt daß Timo Tollki 2002 sich zu langweilen anfängt und wir dann früher ins Studio gehen.

Georg:
Und was wird Timo in der Zeit machen?

Jens:
Er will eine Solo Scheibe aufnehmen.

Georg:
Irgendwie macht jeder von euch eine Solo Scheibe.

Jens:
(lacht) ja. Wenn du sagst 3 Jahre Pause klingt es ziemlich lang. Aber wir bringen ja jetzt diese "Intermission" CD heraus und dann sind es ja nur noch 2 Jahre.

Georg:
Auf der "Intermission" sind 4 neue Songs. Sind das Songs die von der "Infinite" Session stammen und nicht aufs Album gefunden haben?

Jens:
Die ersten beiden ("Will My Soul Ever Rest In Peace", "Falling Into Fantasy" d.Verf.) sind komplett neu. Die hat Timo extra für das Album geschrieben. Diese zwei Songs sind nicht besonders schnell und nicht so richtig Metal. Ich denke das wird auch die Richtung seiner Solo CD sein. "The Curtains Are Falling" habe ich für "Infinite" geschrieben. Aber wir haben damals nur die Drums aufgenommen. So konnte ich jetzt noch etwas am Song feilen und wir haben ihn nun auf dieser CD veröffentlicht. Und der vierte Song ("Requiem", d. Verf.) ist eigentlich der älteste. Der wurde geschrieben bevor Jörg und ich bei der Band waren. Er wurde als Intro für diverse Shows verwendet und wir dachten es sei eine gute Idee ihn auf das Album zu packen.

Georg:
Und dann habt ihr ja noch Japan Bonus Tracks draufgepackt.

Jens:
Ja, in Japan sind die CDs sehr sehr teuer. Ohne Bonus Tracks verkaufst du dort gar nichts. Da ist es billiger sich die CD aus Europa zu importieren. Auch verkauft man in den ersten 3 Monaten 95% seiner CDs, danach geht so gut wie gar nichts mehr. Von daher ist es auch kein Problem wenn wir sie jetzt auf die "Intermission" CD packen.

Es ist ungefähr so. Wenn wir jetzt ein neues komplettes Studio Album gemacht hätten, wäre es vermutlich kein so gutes STRATOVARIUS Album geworden. Gerade Timo braucht jetzt einfach etwas anderes als Metal. Die zwei Songs die er für diese CD geschrieben hat sind ja auch eher langsam und weniger Metal. Er muß einfach mal aus dem System ausbrechen und was langsameres machen. Und wenn die Pause dann um ist, ist jeder wieder hungrig und hoch motiviert. Im letzten Dezember war keiner mehr hungrig auf Tour zu gehen. Nach 5 Jahren Stress brauchst du einfach mal ne Pause um wieder hungrig darauf zu werden. Und mit dieser Intermission wollen wir den Fans etwas zurückgeben. Sie müssen nicht diese scheiß teuren Japan Importe für 60 DM kaufen um an die Songs zu kommen. Und wir wollen die CD auch im Mid-Price Segment platzieren, das ist dann zwar wie wenn wir Geld verlieren, aber das macht uns nichts. Wir wollen halt auch nochmal darauf aufmerksam machen, daß wir nicht aufhören sondern einfach nur eine Pause einlegen.

Georg:
Wo wurde die Live Version von "Hunting High And Low" aufgenommen?

Jens:
Ich weiß es nicht sicher, aber ich glaube in Lyon in Frankreich. Aber ich habe keine genauen Informationen.

Georg:
Und der Song wurde für die CD nochmal kräftig nachbearbeitet?

Jens:
Da habe ich keine Ahnung. Ich weiß ja nichtmal wo es aufgenommen. Vielleicht wurde es ohne Overdoubts aufgenommen, vielleicht auch nicht. Bei "I Surrender" weiß ich daß es ohne Overdoubts aufgenommen wurde, einige von uns waren etwas angetrunken. Den haben wir auf einer Party in Helsinki aufgenommen und wir hatten etwas zuviel von dem Finlandia Wodka intus. Aber bei "Hunting High And Low" hab ich keine Ahnung.

Georg:
Wie zufrieden bist du mit der "Infinite"- Tour.

Jens:
Es war eine definitiv gute Tour. Wir haben an mehr Orten und in größeren Hallen gespielt. Es war eine großartige Tour. RHAPSODY und SONATA ARCTICA waren auch sehr nette Gesellen.

Georg:
Hier in Stuttgart hatten RHAPSODY einen miserablen Sound. War das überall so?

Jens:
Ich habe nicht jede Show gesehen, aber der STRATOVARIUS Sound war okay?

Georg:
Ja, der war sehr gut.

Jens:
Nun, ich denke das liegt an dem sehr bombastischen Sound von RHAPSODY, das ist verdammt schwer zu mischen. Der STRATOVARIUS Sound ist da etwas schlichter und von daher auch besser zu mixen. Wir haben unseren Soundmann ja auch schon 5 Jahre mit an Bord und der hat es echt drauf, der kennt jeden Song auswendig und weiß genau wann er welchen Knopf drehen muß.Er ist wie das sechste Bandmitglied. Ich habe auch in Hallen wo es eine sehr schlechte P.A. gab (wie in Amerika wo es z.T. nur Stereo Speakers gab) nichts negatives gehört. Er mixt einen wirklich guten Sound.
Bei RHAPSODY liegt es wohl an der Komplexität, sie haben all diese Chöre, Orchestralen Parts, und die Band und alles zum selben Zeitpunkt. Ich wollte das nicht mixen müssen. Ich denke das ist sehr schwierig. Sie haben ja all diese Samples mit dem Orchestralen Stuff und die Keayborads und die Gitarren und so weiter..

Georg:
Nach den vielen Touren die du schon gefahren bist. Gibt es da eine Story die du preis geben würdest?

Jens:
Oh weia, da gab es wirklich viele komische Geschichten. Ich erinnere mich da an eine Story mit Yngwie Malmsteen. Das war noch in den 80ern. Wir waren viel jünger und verrückter. Wir haben viel getrunken und einiges kann man echt nicht erzählen. Aber einmal sind wir vom JFK Airport in den Staaten nach Japan geflogen. Wir mußten noch in Alaska zwischenlanden und wir waren ziemlich betrunken. Wir saßen in der First Class und schrien die ganze Zeit herum. Die anderen Fluggäste wollten schlafen und sich erholen. Und da haben so ein paar Idioten ihnen den Flug verdorben. In Alaska mußte das Flugzeug zwischenlanden um aufzutanken. Und da hat eine Frau auf unsere Sitze Eiswasser geleert. Yngwie war sehr sauer. Und ich war so besoffen und wollte mir keine Erkältung mit den nassen Klamotten holen und hab mich dann im Flugzeug ausgezogen und bin dort nackig rumgesprungen. Ich hab da auch noch Fotos wie ich dort herumgesprungen bin. Als wir in Tokio gelandet sind standen dort 16 Polizisten herum und haben auf uns gewartet. Aber sie haben nichts gemacht. Ich denke heute hätten sie uns mitgenommen. Die Flugvorschriften sind ja wesentlich strenger geworden. Die Sicherheit wird ja wesentlich größer geschrieben. Das war der verrückteste Trip den ich je erlebt habe.

Georg:
Als Online Magazin ist die nächste Frage natürlich obligatorisch. Wie stehst du zum Internet?

Jens:
Oh, ich denke es ist ein nettes Werkzeug. Man kann überall die Informationen herbekommen, die man sucht. Ich hoffe auch daß es gut für die Musik ist.

Georg:
Oh ich denke es ist sehr gut für Musik. Bands können weltweit mit ihren Fans in Kontakt treten. Mir fällt da mit LIGHTMARE eine kleine Frankfurter Powermetal Combo ein, die sogar in Brasilien eine Fanpage hat.

Jens:
Ich bin halt nur etwas besorgt wegen der MP3 Geschichten. Es gibt keine Strukturen die einem Künstler auch etwas bezahlen, für die Musik die er macht.

Georg:
Nun, das nicht, andererseits kann man ja so viel mehr Menschen erreichen. Das sind ja auch Werbeausgaben. Wenn jemand die Musik mag wird er ja hinterher auf die Konzerte geben. In den 80ern gab es ja auch die Tapes die getauscht wurden.

Jens:
Nun, man kann es sicher auch nicht mehr stoppen (lacht). Ich glaube auch, daß die Bands so viel mehr Fans erreichen können, aber ich bin mir nicht sicher ob die Bands wirklich mehr davon haben. Ich habe es halt in den 70ern erlebt. Für Europa gibt es da keine so guten Statistiken weil es so zersplittert ist. Aber in den Staaten war es ein Blutbad als das Kopieren auf Kassette losging. Die LP-Verkäufe zwischen 74 und 75 gingen massiv zurück. Und viele Bands wurden gedroppt. Und viele der Musik wurde nicht mehr produziert weil es sich nicht mehr gelohnt hat. Es ist sehr sehr schwierig.

Georg:
Das habe ich noch in den Windeln miterlebt. Aber andererseits gehen ja hauptsächlich die wirklichen Größen in der Musikszene gegen MP3s vor.

Jens:
Nun, versteh mich nicht falsch. Internet Promotion ist eine tolle und wichtige Sache. Blos wenn die Verkäufe in den Keller gehen, wie es damals in den 70ern war, dann ist das ziemlich problematisch für die Musiker. Ich fürchte halt daß viele gute Musik nicht produziert wird, weil sich damit kein Geld mehr machen lässt. Ich liebe diese progressive experimentelle Musik und vieles wurde in den 70ern wegen eben dieser Kassetten nicht mehr produziert.

Georg:
Tja.. und nun war das Band zu Ende und die Interviewzeit ebenso, so daß wir diese wirklich interessante MP3 Diskussion nicht mehr fortsetzen konnten. Jens freut sich schon auf das Comeback in zwei Jahren und wünscht euch Lesern eine gute Zeit bis dahin.

Redakteur:
Georg Weihrauch

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