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SUBWAY TO SALLY: Interview mit Bodenski

01.11.2007 | 22:57

Ein Bastard entspringt einer Kreuzung verschiedener Blutlinien. In musikalischer Hinsicht können dies Rock und Mittelalter, Metal und andere düstere Klänge sein. Und so haben die Potsdamer Stilkreuzer SUBWAY TO SALLY ihr neuntes Album eben "Bastard" betitelt. Gitarrist und Leiermann Bodenski, seines Zeichens Vater vieler SUBWAY-Songs, spricht über die 15-jährige Bandgeschichte, eine Actionreise durch Russland und den Grund, warum der Ethno-Beginn des neuen Songs 'Voodoo' so vertraut klingt. Vorhang auf ...

Carsten:
Einst als Miterfinder des deutschen Mittelalter-Rocks gefeiert, habt ihr euch vor einigen Jahren mehr den Metal- und Gothic-Klängen verschrieben. Die musikalische Szene-Schubladen-Frage ist ja zugegeben etwas abgedroschen. Anders gefragt: In welcher Art von Clubs verbringt ihr denn eure Freizeit? Oder seid ihr doch vermehrt auf Mittelaltermärkten anzutreffen?

Bodenski:
Nun ja, unsere Musik ist ja nicht so sehr ein Produkt unseres Freizeitverhaltens. Man darf es sich auch nicht so vorstellen, dass wir uns damals zusammengesetzt haben und nach einer durchgrübelten Nacht den Mittelalter-Rock erfunden haben. Wir sind sieben Individuen in der Band und jeder bringt eine eigene musikalische Vergangenheit und Gegenwart mit. Es gibt die verschiedensten Geschmäcker innerhalb unserer Gruppe und so kam es halt zu dieser durchgeknallten Mischung. Wenn man sich mal unser erstes Album anhört, dann kann man entdecken, dass die vielen Einflüsse zum Teil noch nebeneinander stehen. Erst mit der Zeit verschmolz alles zu diesem eigenen Stil, dem dann ein Name gegeben wurde. In der langen Zeit, die diese Band nun schon existiert, haben wir uns natürlich weiterentwickelt. Um uns herum ist ja auch die Zeit nicht stehen geblieben.

Carsten:
Nach einer Akustik-Tour hat man auf eurem neuen Album nun das Gefühl, ihr wolltet euren Fans zum kleinen Jubiläum all das präsentieren, was eure 15-jährigen Bandgeschichte ausgemacht hat: Harte Gitarren treffen auf atmosphärische Klänge, während 'Tanz auf dem Vulkan' etwa ganz stark an euer früheres Schaffen erinnert. Wie siehst du das?

Bodenski:
Die Akustik-Tour hat im Nachhinein betrachtet wirklich einen großen Einfluss auf das neue Album gehabt. Dabei war es gar nicht mal so sehr das Bedürfnis, es endlich wieder krachen zu lassen, obwohl auch das durchaus von uns gewollt war. Vielmehr war es die Erfahrung, in einem ganz ursprünglichen Sinn mal wieder miteinander zu musizieren, die uns beflügelt hat. Wir haben unser altes Bandfeeling wieder entdeckt, das aus einer Zeit stammt, als wir bei Frau Schmitt in der Küche gehockt haben und irische Reels rauf und runter spielten. Deshalb ist die "Bastard" auch über weite Strecken in Sessions entstanden und noch nie haben so viele Musiker etwas zum Gelingen eines Albums beigesteuert, wie bei dieser Scheibe.

Carsten:
Ich persönlich hatte das Gefühl, dass ihr nicht nur musikalisch eure Bandgeschichte Revue passieren lasst, sondern auch vom Flair her. So erinnert mich 'Puppenspieler' von seiner Art her stark an 'Mephisto'. Oder liege ich völlig falsch?

Bodenski:
Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Ich als Musiker sehe da natürlich gewaltige Unterschiede, aber wenn ich es mir recht überlege, ist da vielleicht wirklich etwas dran. In beiden Songs schlüpft Eric in die Rolle des großen Manipulators.

Carsten:
Der rhythmische Ethno-Anfang von 'Voodoo' kommt aber sicherlich nicht nur mir sehr bekannt vor. 'Die Schlacht' begann doch genau so?

Bodenski:
Was ich wirklich witzig finde, ist die Tatsache, dass uns kein einziger Journalist bisher darauf angesprochen hat. Daran kann man mal wieder sehen, wie oberflächlich die meisten sind. Natürlich ist das ein Zitat und ein gewolltes dazu. Beide Songs stammen aus einer Zeit. 'Die Schlacht' schaffte es schon auf das Album "Herzblut". Wir haben uns damals viel mit solchem Kram beschäftigt. Diese Ethno-Elemente haben 'Voodoo' ganz wesentlich inspiriert, aber der Song ist damals nicht zu Ende gedacht worden – bis Anfang dieses Jahres. Ohne die Trommeln und das Gesangssample wäre es nicht der Song gewesen, den wir machen wollten. Also erlaubten wir uns, uns selber zu zitieren. Dudelsäcke werden ja auch mehrfach verwendet.

Carsten:
Im Folgenden entwickelt sich 'Voodoo' dann zu einem sehr starken Song, mein persönlicher Favorit auf "Bastard". Ich habe mich nur gefragt, woher diese Aggression im Text stammt bzw. gegen wen sie sich richtet?

Bodenski:
Ich habe mich intensiv mit dem Thema Fluch befasst. Es ist etwas, was sich durch alle Kulturen zieht und was es überall auf der Welt zu allen Zeiten gegeben hat. Ein Fluch ist Gewaltanwendung auf einer psychologischen Ebene. Das fand ich interessant und wie oft in meinen Texten gehe ich dann in die Ich-Perspektive. Dadurch wird der Song so intensiv. Natürlich auch durch die kongeniale Umsetzung durch Eric.

Carsten:
Und mit 'Die Trommel' habt ihr nach 'Falscher Heiland' einen weiteren Anti-Kriegssong geschrieben?

Bodenski:
Sicherlich geht es in dem Text um das Grauen des Krieges, aber es geht auch darum, dass wir Menschen uns leicht manipulieren lassen. Wir sind bereit, uns in Abenteuer zu stürzen und Risiken einzugehen, von denen wir glauben, dass diese für uns bestimmt sind. Oft gibt es ein böses Erwachen. 'Falscher Heiland' war ja auch ein Song, der sich damit beschäftigte, dass uns überall Menschen begegnen, die uns erzählen wollen, was gut für uns ist und uns mit fertigen Meinungen konfrontieren.

Carsten:
Vor der "Bastard"-Veröffentlichung konnten die Fans auf eurer Homepage wie bei einem Adventskalender jeden Tag in einen Song rein hören. Wie war das Feedback?

Bodenski:
Außerordentlich positiv. Was mich besonders erstaunt, ist, dass jeder, den ich spreche, einen anderen Song der Platte favorisiert. Das hat es so noch nie gegeben.

Carsten:
Euer neues Album gibt es ja auch als Ledertasche. Sicher ein edles Teil. Aber was hältst du allgemein von der Diskussion, Bands würden ihren Fans das Geld aus der Tasche ziehen, indem sie ihre Alben in zig verschiedenen Versionen raus bringen?

Bodenski:
Ganz ehrlich? Ich bin kein großer Fan von zu vielen Versionen. Das ist auch keine alleinige Entscheidung der Band. Da engagieren sich halt die Plattenfirmen sehr. Allerdings finde ich, dass sich jeder frei entscheiden kann, was er haben möchte. Wenn jemand wirklich ein Sammler ist und ein Stück einer limitierten Auflage besitzen möchte – warum nicht?

Carsten:
Zur Bastard-Tour wird auf eurer Homepage ein Tagebuch erscheinen. Ist es euch ein besonderes Bedürfnis, den Fans so viele Einblicke ins Bandleben zu geben wie möglich?

Bodenski:
Tourtagebücher sind schon seit langem fester Bestandteil unserer Homepage. Wer sich auf eine Bühne stellt, sollte sich auch nicht zu fein sein, ein paar Einblicke in das Dahinter zu geben. Intime Geheimnisse bleiben natürlich davon unberührt.

Carsten:
Ihr habt vor kurzem euer erstes Konzert in Russland gespielt. Was für Eindrücke sind bei dir hängen geblieben?

Bodenski:
Das Ganze lief ab wie im Actionfilm. Rein in den Flieger, raus aus dem Flieger, Stadtrundfahrt, Wodka, Absturz an der Hotelbar, ewiger Soundcheck am nächsten Tag, Konzert vor begeisterten Russen, die sogar die deutschen Texte mitsangen, Wodka, Absturz an der Hotelbar, rein in den Flieger, raus aus dem Flieger.

Carsten:
War bei eurem Aufenthalt dort denn auch etwas von der dortigen politischen Situation zu spüren? Man liest ja oft von wachsender organisierte Kriminalität und zugleich Putins wachsendem Einfluss, dem viele diktatorische Züge nachsagen.

Bodenski:
Wir sind durchweg wirklich politisch interessierte Menschen. Unser Besuch war jedoch viel zu kurz, um da wirklich mitreden zu können. Wir waren damit beschäftigt, unsere Kurzreise über die Bühne zu bringen. Unser Dolmetscher hatte alle Hände voll zu tun, uns an Hotelrezeptionen und Flughafenschaltern vorbei zu schleusen.

Carsten:
Klingt schon fast nach Agenten-Thriller. Zurück zu eurer bevorstehenden Tour: Was erhoffst du dir, gerade nach der vorigen Tour durch Kirchen?

Bodenski:
Dass wir es mal wieder ordentlich krachen lassen!

Carsten:
Na, das will ich hoffen. Viel Spaß dabei!

Redakteur:
Carsten Praeg

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