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SUIDAKRA: Interview mit Arkadius

01.01.1970 | 01:00

Zufälle gibt´s! Da latscht man eher deplaziert im Backstage-Bereich rum und stolpert dabei über einen Musikanten, der sich sofort freudig erregt zu einem Interview bereit erklärt. So geschehen im Falle von SUIDAKRA-Sänger und -Gitarrist Arkadius Antonik, der uns nach einem höchst gelungenen Auftritt auf dem Summer Breeze Open Air (siehe entsprechenden Bericht) gerne Rede und Antwort stand und sich dabei als ausgesprochen umgänglicher und sympathischer Zeitgenosse entpuppte.

Rainer:
Fangen wir mal mit Eurer neuen Platte an. Wo siehst Du denn die hauptsächlichen Unterschiede zwischen "The Arcanum" und der letzten Scheibe, "Lays From Afar"?

Arkadius:
Die liegen eigentlich im Songwriting. Die neuen Songs klingen ausgereifter und kompakter, obwohl sie noch abwechslungsreicher sind. Ein weiterer großer Unterschied ist der, daß "Lays From Afar" ein Konzeptalbum war, mit entsprechenden Texten, während auf der neuen Platte die einzelnen Lieder jeweils abgeschlossene Geschichten sind. Auch der Sound ist deutlich besser: wir haben zum ersten mal die Gitarren auf "D" gestimmt und wieder bei Andy Classen aufgenommen, mit dem wir sehr zufrieden waren. Wir haben dieses mal auch mit Pro Tools gearbeitet anstatt mit der Bandmaschine, deshalb klingt die Platte insgesamt fetter wie die letzte.

Rainer:
Wieviel Zeit habt Ihr denn insgesamt in etwa verwendet für Songwriting, Rehearsing und Aufnahme?

Arkadius:
Bei uns ist es eigentlich immer so, daß wenn wir eine Platte fertig produziert haben, wir uns sofort daran machen, neues Material zu schreiben. Von daher ist das keine bestimmte Phase.

Rainer:
Also kein Songwriting Prozeß im eigentlichen Sinne?

Arkadius:
Genau! Wir machen das halt nebenbei, neben den Livegigs. Und wenn wir dann das Material zusammenhaben -das dauert bei uns meistens ein Jahr- dann buchen wir das Studio, gehen rein und... öhmmm... aufnahmetechnisch haben wir insgesamt 3 Wochen gehabt, davon 2 Wochen aufgenommen und 1 Woche gemastert. Im Großen und Ganzen brauchen wir jedenfalls immer so ein Jahr. Wir haben ja `97 unsere erste aufgenommen und jetzt, 2000, haben wir schon das vierte Album, also...

Rainer:
Andy Claassen ist ja ein sehr renommierter Produzent, wie groß war denn sein Einfluß?

Arkadius:
Der Andy Claassen hatte auf den Songwriting Prozeß eigentlich keinen Einfluß, aber er bringt sich mit ein. Er ist professionell, er beteiligt sich an den Arrangements. Er macht die ganze Sache irgendwie runder und feiner. Er hat supergute Ideen, aber er verändert die Lieder nicht so, daß sie sich im Songwriting selbst verändern, sondern gibt denen sozusagen den letzten Schliff. Man könnte schon sagen, daß der Andy Claassen so das sechste Mitglied bei uns ist, ein stilles Mitglied. Aber der Typ ist echt professionell!

Rainer:
Nun sind die Aufnahmen ja schon einige Zeit her...

Arkadius:
... ein paar Monate, ja...

Rainer:
... seid Ihr denn zum heutigen Zeitpunkt noch hunderprozentig zufrieden damit oder sagt Ihr Euch, das und das hätten wir besser machen können?

Arkadius:
Nein, als wir unsere erste Produktion beim Andy Claassen gemacht hatten -das war die "Lays From Afar"- da waren wir schon sehr zufrieden. Gut, es gab schon einige Punkte, wo wir gesagt haben, ja okay, am Gesang müssen wir noch arbeiten und so. Das waren auch die Punkte, worauf wir uns diesmal konzentriert haben und wenn ich ehrlich bin gibt es wenige Sachen, wo man sagen könnte, das könnten wir noch verbessern. Im Moment sind wir super hundertprozentig überzeugt von dieser Sache. Natürlich kann sich das in einem Jahr oder so ändern, rückblickend. Aber dafür ist die Sache noch irgendwie zu frisch. Wir sind da noch euphorisch, im Moment sind wir echt 100 pro zufrieden.

Rainer:
Wenn Ihr die Zeit und die finanziellen Möglichkeiten dazu hättet, gäbe es dann irgendwas, was Ihr oder Du gerne mal ausprobieren würde(s)t? Irgendeine musikalische Vision?

Arkadius:
Bei uns in der Band ist es ja so, daß irgendwie Jeder seinen Einfluß mit reinbringt und die Lieder deswegen so facettenreich sind. Und irgendwie sind die Interessen von allen Mitgliedern so gedeckt. Wenn ich jetzt eine Phase hab, wo mir Black Metal oder Death Metal oder auch Thrash-Sachen einfallen, dann bring ich das auch rein und somit hat irgendwie keiner das Bedürfnis, solche Projekte zu starten. Im Grunde genommen kannst Du sagen, jeder Song ist erst fertig, wenn alle Mitglieder hundertprozentig damit zufrieden sind. Hat eben den Vorteil, daß man dann nicht so den Zwang verspürt, irgendwelche Projekte zu starten.

Rainer:
Wo liegt denn so der musikalische Background der einzelnen Mitglieder?

Arkadius:
Eigentlich kannst Du sagen, daß unsere Einflüsse durch die gesamte Metal-Szene sind. Angefangen bei Heavy Metal, also Acts wie (IRON) MAIDEN, die alten METALLICA, auch AC/DC, die ganzen Rocksachen; bis hin über Death Metal und Black Metal. Wir sind nicht so, daß wir Black Metaller oder Death Metaller sind, wir sind einfach Metaller! Es ist ja auch superschwer, unsere Musik zu bezeichnen; ich hab bis jetzt noch Keinen gefunden, der mir genau sagen konnte "Ihr macht den und den Stil". Weil wir verschiedenste Einflüsse haben. Der Marcel (Rhythmusgitarrist - d.Verf.) zum Beispiel hört auch neben Metal noch diese folkigen Sachen, diese Irische Folklore. Das ist dann halt der einzige Einfluß außerhalb des Metals, der dann mit reinfliesst.

Rainer:
Das heisst, Ihr unterscheidet Euch nicht grob im einzelnen Musikgeschmack, sondern seid alle irgendwo zwar open minded, aber in etwa gleichauf?

Arkadius:
Genau!

Rainer:
Was hörst Du denn zur Zeit für Sachen und was hören die anderen, ganz aktuell?

Arkadius:
Wie schon angesprochen, eigentlich alles. An aktuellen Platten zum Beispiel die neue HYPOCRISY. Die neue DEICIDE ziehen wir uns rein, obwohl wir da ein bischen enttäuscht waren, weil die ein bischen zu langsam war. Aber ich hör mir auch genauso gut jetzt "Back In Black" von AC/DC an oder alte MAIDEN, auch die neue MAIDEN. [Es folgt eine kleine Diskussion über IRON MAIDEN *grins*]

Rainer:
Gehen wir mal weg vom neuen Album. Bevorzugt Ihr eigentlich die Arbeit im Studio oder Live-Auftritte? Oder hält es sich in etwa die Waage?

Arkadius:
Öhmmm... beides ist geil, bei uns ist es nicht so, daß wir sagen "wir sind lieber im Studio" oder "wir sind eine reine Liveband". Wir freuen uns immer, wenn wir ins Studio gehen, weil wir irgendwie nach einem Jahr auch wieder den Drang dazu verspüren. Wir sind aber auch total fertig danach, weil das super anstrengend ist, Du mußt Dich super konzentrieren und so. Und dann, wenn wir rauskommen und das neue Material in der Hand haben, dann freuen wir uns auch tierisch, wieder die Sau rauszulassen. Das gehört zusammen, irgendwo.

Rainer:
Wenn Du jetzt mal ver gleichst: ein Open Air Gig wie hier und eine "normale" Club Show, was ist Euch denn lieber?

Arkadius:
Beides hat so seine Vor- und Nachteile. Clubshows, finde ich persönlich, sind irgendwie ein bischen persönlicher, weil man da meistens eine ganz andere Atmosphäre hat. Und diese Open Air Sachen, da ist man ein bischen abgeschottet von den Fans, meistens ist das der Fall. Irgendwie aber ist das dann auch ein geiles Feeling, mal was anderes zu erleben. Und das ist ja auch das geilste daran, wenn Du Musik machst. Wenn das jetzt Alles immer dasselbe wäre, dann würdest Du ja nach einer Zeit den Spaß verlieren. Aber dann kommt halt im Sommer diese Phase mit den Open Airs und dann freut man sich auch; genau wie jetzt übers Studio.

Rainer:
Die Möglichkeit, mal Leute zu erreichen, die vielleicht bisher mit der Band nicht so vertraut waren, die wisst Ihr also auch zu schätzen?

Arkadius:
Ja klar, natürlich. Wir freuen uns ja auch über jeden Fan oder jeden, der die Musik hört. Das ist irgendwie das geilste, wir sind auch jedem Einzelnen dankbar dafür. Und wenn die Leute mitmachen, dann macht das uns auch viel mehr Spaß.

Rainer:
Kommen wir mal aufs Thema Internet. Ihr habt ja eure homepage neu gestartet (www.suidakra.de), von daher habt Ihr auch einen gewissen Bezug zum Internet. Du hast sicherlich die Geschichte mit Napster mitbekommen, was hältst Du denn davon?

Arkadius:
Ich find das eigentlich eine Sauerei, gerade von METALLICA. Das war ja eigentlich der Grund, warum die überhaupt so groß geworden sind, daß früher Leute zu Konzerten gegangen sind, irgendwie Livemitschnitte gemacht haben...

Rainer:
... Tapes getradet haben...

Arkadius:
... und Tapes getradet haben, ja, und alles... und jetzt da die Welle zu machen, wie ein Märtyrer, aus kommerziellen Gründen. Das kann ich auch nicht nachvollziehen, weil sich das "Schwarze Album" weltweit 16 Millionen mal verkauft hat. Die können die Kohle nicht mehr ausgeben. Ich würde das ja verstehen, wenn dadurch eine kleine Demoband zugrunde geht, weil die keine Chance hat. Dann würde ich sagen, ok, kauft die CDs, um die zu unterstützen; aber bei METALLICA ist es echt total lächerlich.

Rainer:
Du siehst also das Internet für eine relativ kleine Band wie Euch eher als Möglichkeit, mal etwas Werbung zu betreiben, mal eine MP3 reinzustellen...

Arkadius:
Ja! Im Napster bin ich auch die ganze Zeit unterwegs und da biete ich auch den Leuten die MP3s an. Wenn die irgendwie Schwierigkeiten haben, zum Beispiel aus Kanada, durch den Vertrieb an die ranzukommen, dann lass ich die auch von mir aus die ganze CD runterladen. Weisst Du, mir geht es darum, daß die Leute einfach die Musik kriegen und hören.

Rainer:
Dein Interesse ist also, Du machst Musik für die Leute...

Arkadius:
... natürlich spielt Geld immer eine Rolle. Aber es ist ja so: das Geld, was ich im Leben schon in die Musik reingesteckt hab, das kann mir eh Keiner mehr zurückzahlen, weil das eben so viel ist. Und es ist eben wie mit jeder anderen Sache, die Du machst: irgendwie brauchst Du Geld, um überleben zu können. Keiner kann sagen, "Ihr seid jetzt Kommerz, weil Ihr Geld nehmt". Selbst die übelsten Underground Bands nehmen Eintritt bei ihren Konzerten. Irgendwie müssen sie ja neue Saiten kaufen oder mal eine Gitarre.

Rainer:
Um nochmal auf die MP3s zurückzukommen...

Arkadius:
... also bei mir ist das so. Wenn ich die Dinger auf dem PC hab, dann bin ich trotzdem nicht hundertprozentig befriedigt. Ich kauf die CD, wei ich ein Sammler bin.

Rainer:
Also mit Booklet usw....

Arkadius:
Ja, das gehört dazu! Das ist schon geil, aber da fehlt Einem irgendwas. Ich denk mal, die Meisten nutzen diese MP3 Geschichte, um mal reinzuhören. Aber kuck Dir das mal an, heutzutage ist so eine Veröffentlichungswelle, jeden Monat! Schlag mal die Rock Hard auf, wieviele Bands, wieviele Platten es gibt. Soviel Geld verdienst Du gar nicht, irgendwie mußt Du da mal auswählen. Da hast Du (mit MP3s - d.Verf.) die Möglichkeit, auch mal reinzuhören und zu sagen, die Sache gefällt mir, die hol ich mir.

Rainer:
Du hast das Thema Geld gerade mal angesprochen, wie verdient Ihr denn Euren Lebensunterhalt?

Arkadius:
Wir sind drei Studenten und zwei von uns gehen arbeiten. Der Bassist und der Schlagzeuger gehen arbeiten, die anderen studieren und haben halt einen Nebenjob, um die ganze Sache zu finanzieren. Ich zum Beispiel arbeite auf der Post nebenbei, die Daniela (Keyboarderin - d.Verf.) auch; und der Marcel bei seinem Vater in der Firma, irgendwie. Irgendwie muß man ja ein Studium auch finanzieren und die Band. Ich mein, man kauft sich in zwei Jahren mal eine Gitarre für 1.700 oder 2.000 Mark, dann ist das halt eine grössere Investition. Aber Du mußt ja auch irgendwie den Proberaum bezahlen und neue Saiten, all die Sachen. Da brauchst Du eben einen Nebenjob.

Rainer:
Wie schauts denn mit Touraktivitäten aus?

Arkadius:
Die halbe Tour ist schon gebucht, das Setup steht auch schon. Als Headliner THYRFING, dann DIE APOKALPYTISCHEN REITER, dann NAGELFAR und dann wir.

Rainer:
Wenn Ihr die Möglichkeit hättet, Euch irgendeine Band auszusuchen. Mit wem würdet Ihr denn gerne mal auf Tour gehen?

Arkadius:
Man hat ja Träume, so große Bands wie IRON MAIDEN oder sonst was. Solche Idole. Aber ich sag mal, was Melodisches, so wie CHILDREN OF BODOM wäre bestimmt nicht schlecht.

Rainer:
Ok! Gibts zum Abschluß noch irgendetwas, was Du unseren Lesern ganz persönlich sagen willst?

Arkadius:
Ich will mich an dieser Stelle erst mal bei allen Fans bedanken, allen Leuten, die uns mal gehört haben und gut finden. Danke für Eure Unterstützung! Und allen anderen Leuten würde ich raten, mal auf unsere homepage zu gehen und da mal was anzuhören. Nein, im Ernst; ich bin jetzt nicht so der Rumschleimer. Ich würd einfach sagen: METAL RULES! Das ist das, was zählt! (Verdammt richtig! - d. Verf.). Und vielen Dank für das Interview.

Rainer:
Vielen Dank auch an Dich!

Bleibt nachzutragen, daß der Kollege Christian und meine Wenigkeit uns danach noch recht angeregt mit dem guten Arkadius unterhielten und dieser ein absoluter Metalfreak und äusserst netter Zeitgenosse ist. Was lernen wir daraus? Auch ein improvisiertes Interview kann ein voller Erfolg sein!

Redakteur:
Rainer Raithel

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