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SUIDAKRA: Interview mit Arkadius

14.11.2006 | 14:53

Nach dem doch etwas unterschiedlich aufgenommenen "Command To Charge" ist SUIDAKRA mit "Caledonia" ein weiteres herrliches Stück folkloristischen Death Metals gelungen. Worum es darin geht, was der Name bedeutet und was die Lieblingslegende der Jungs ist, stellt Arkadius im folgenden Interview klar.

Lars:
Hallo, beschreib doch mal das neue Album.

Arkadius:
"Caledonia" stellt eine akustische Führung durch die alten, rauen schottischen Highlands dar. Eine bewegend mitreißende Geschichte kombiniert mit einem aggressiven Soundtrack, Akustik-Zwischenstücken und variablen Gesangspassagen. Außerdem kommt wieder der Dudelsack in vier Songs zum Einsatz.
Der Grundgedanke des lyrischen Konzepts von "Caledonia" ist, die mystische Seite des Stammes der Pikten (die Ureinwohner des alten Schottland) zu beleuchten, ihren Krieg gegen das angreifende Römische Reich und dadurch das Zusammentreffen von zwei grundsätzlich verschiedenen Welten. Das Zentrum der Geschichte bilden die spirituellen und kulturellen Aspekte, der beiden aufeinander prallenden Welten.

Lars:
Wo liegt der Unterschied zwischen "Caledonia" und "Command To Charge"?

Arkadius:
Auf dem Vorgängeralbum "Command To Charge" sind wir einige neue musikalische Wege gegangen. Die Scheibe klang moderner und war weniger atmosphärisch als alles, was wir davor gemacht haben. Aber wir wollten bewusst in eine andere Richtung gehen und neue Dinge ausprobieren, da wir das Gefühl hatten, dass einige SUIDAKRA-typischen Trademarks ihren Reiz verloren hatten. Deshalb haben wir mit dem Gesang unseres damaligen Sängers Mathias herum experimentiert, es kam zum ersten Mal ein Dudelsack zum Einsatz, wir waren in einem anderen Tonstudio als sonst, haben ein ungewöhnliches CD-Artwork verwendet und so weiter.
"Caledonia" hingegen ist folkiger, bombastischer, atmosphärischer und insgesamt homogener. Ich denke, dass jeder, der sich irgendwann in den vergangenen zwölf Jahren mit SUIDAKRA identifizieren konnte, seine Freude an diesem Album haben wird.

Lars:
Welche Idee und welches Textkonzept stehen hinter "Caledonia"?

Arkadius:
Die Geschichte handelt von den Ureinwohnern Schottlands, die sich über 300 Jahre gegen das römische Imperium behaupten mussten und bitteren Widerstand leisteten, sodass die Römer nach zahlreichen Kämpfen und Verlusten beschlossen, einen riesigen Wall zu bauen, um endlich Ruhe zu haben. Naja, die Pikten gaben aber keine Ruhe und später kam es noch zu erstaunlichen Ereignissen wie dem Verschwinden der damals weltberühmten und sehr ruhmreichen 9. Legion, die in irgendeiner nicht dokumentierten Schlacht scheinbar vollkommen ausgelöscht wurde. Wir wollten aber keine Geschichtsdoku machen und haben deshalb auch die tieferen Bedeutungen solcher Ereignisse beleuchtet und wir haben uns natürlich auch den Freiraum gegönnt, ein paar Dinge ein wenig auszuschmücken. Aber auf der anderen Seite war es auch manchmal schwer, denn wir konnten kaum alte piktische Namen verwenden, weil man die nur mit verknoteter Zunge aussprechen kann...

Lars:
Welche Instrumente verwendet ihr auf "Caledonia"?

Arkadius:
Neben den klassischen Metal-Instrumenten, haben wir den Dudelsack zum zweiten Mal in der Bandgeschichte eingesetzt. Axel, der Piper, hat bereits auf dem Vorgängeralbum seinen Teil beigetragen. War es bei "Command To Charge" eher ein Experiment für uns, so haben wir für "Caledonia" den Dudelsack beim Songwriting fest eingeplant und extra Melodien dafür vorgesehen.
Des Weiteren haben wir, wie schon in der Vergangenheit des Öfteren, wieder den Synthesizer für uns entdeckt. Allerdings haben wir dieses Instrument eher im Hintergrund platziert, da wir den Synthesizer lediglich benutzen um gewisse Atmosphären zu schaffen.

Lars:
Wie kam es zu eurem Bandnamen?

Arkadius:
Es war eigentlich ganz unspektakulär Der Bandname ist eigentlich aus einer Langeweile heraus entstanden. Wir saßen rum und haben alle möglichen Namen rückwärts gelesen, da manche echt lustig klangen. Als mein Name an der Reihe war, kam SUIDAKRA heraus und wir dachten, das klingt wie ein Bandname für eine Metalband, also haben wir uns von da an SUIDAKRA genannt.

Lars:
Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Arkadius:
Nun, jeder in der Band hat so seine eigenen Vorbilder, die aus unterschiedlichsten musikalischen Ecken kommen. Einige meiner Vorbilder sind STEVE VAI, JIMI HENDRIX, RORY GALLAGHER & ANDY SUMMERS. Für mich muss ein guter Gitarrist nicht nur technisch perfekt spielen, sondern auch das richtige Gefühl beim Spielen haben, welches sich auf den Zuhörer überträgt.

Lars:
Was war euer bestes Konzert?

Arkadius:
Es gab in der Bandgeschichte so einige saugeile Konzerte und jedes SUIDAKRA-Mitglied hat so seine Favoriten, aber das Konzert in Moskau im Februar 2006 war für jeden von uns etwas Besonderes. Wir waren spielerisch mit uns zufrieden und die Leute dort haben uns abgefeiert. Wenn man bedenkt, dass wir dort zuvor nie gespielt haben, muss ich zugeben, dass wir das so nicht erwartet haben.

Lars:
Was sind eure textlichen und eure Songwriting-Einflüsse?

Arkadius:
Also textlich ist es glaube ich recht einfach, weil wir ja schon immer Texte hatten, die von der keltischen Mythologie bzw. Geschichte beeinflusst wurden. Marcel schreibt bei uns fast immer die Texte und er legt sehr großen Wert darauf, dass sie auch etwas Besonderes sind, denn sie sollen die Atmosphäre, die wir mit unserer Musik kreieren, unterstützen.
Die Texte handeln allerdings nicht nur von irgendwelchen Geschichten oder Märchen, sondern sie behandeln bestimmte durchaus ernsthafte Themen. Bei den Texten von "Caledonia" lässt sich das gut beschreiben: Es geht inhaltlich um das alte Schottland, das im 1. Jhd. n. Chr. vom Römischen Imperium angegriffen wurde und behandelt dabei zum einen die unterschiedlichen kulturellen Aspekte dieser aufeinander prallenden Welten und zum anderen auch einige mythologische Aspekte, denn die Pikten waren ein sehr naturverbundenes Volk, wie z.B. die Kelten oder die Germanen. Aber die Texte erzählen nicht nur die Geschichte, sondern wir haben auch ein paar Dinge hinzugedichtet, um ein kompletteres Bild zu erhalten, denn die meisten überlieferten Daten über diese Kultur sind aus römischer Feder, d.h. nicht wirklich objektiv. Außerdem befindet sich in dieser Story auch ein tieferer Sinn, denn es ist auch heute noch ein aktuelles politisches Thema, dass eine Weltmacht ein kleineres unterentwickeltes Land bedroht. Dieses Thema bricht in den Texten auch immer wieder durch und beleuchtet es aus verschiedenen Blickwinkeln. Man könnte also sagen, dass unsere Texte, genauso wie unsere Musik, auch ein Mix aus verschiedenen Aspekten ist, denn sie beinhalten ein bisschen Mythologie, vermischt mit einigen historischen Fakten und das alles ist verbunden mit einem ernsthaften Hintergrund.
Naja und musikalisch machen wir glaube ich das, was alle Musiker tun - wir lieben die Musik und es vergeht kein Tag, an dem wir keine Musik hören. Und bei uns ist es so, dass wir einen sehr offenen Musikgeschmack haben. Wir hören nicht nur Metal, sondern uns gefallen auch viele andere Musikrichtungen. Z.B. ist JOHNNY CASH gerade bei uns sehr aktuell, aber es sind auch einige Interpreten dabei, die überhaupt nichts mit unserer eigenen Musik zu tun haben... Aber am stärksten beeinflusst haben uns, glaube ich, die frühen IN FLAMES und IRON MAIDEN, d.h. unser Favorit ist natürlich der Metal und wir mögen es gerne ein wenig progressiv und mit schön viel Melodien - um's kurz zu sagen...

Lars:
Wie kam es zu eurer heutigen musikalischen Ausrichtung?

Arkadius:
Es war eigentlich ein ganz natürlicher und nicht geplanter Prozess. Zum einen sind einige Line-up Wechsel innerhalb der Band der Grund dafür gewesen. Jedes Bandmitglied bringt seinen eigenen Einfluss mit in den Sound ein, so ist es natürlich, dass sich unser Stil im Laufe der Jahre verändert hat. Zum anderen entwickeln wir uns als Musiker ständig weiter, lernen immer mehr dazu und nutzen unsere Erfahrungen. Um sich weiterzuentwickeln, muss man manchmal über den Tellerrand hinausschauen, dies führt zu neuen Einflüssen. Es ist uns allen wichtig, dass ein SUIDAKRA-Album nicht wie ein anderes klingt, ohne dabei unseren eigenen Sound zu verlieren.

Lars:
In welche musikalische Schublade würdet ihr euch stecken?

Arkadius:
Ich sehe uns in der Melodic-Folk-Death-Metal-Schublade. Es war schon immer schwer, eine treffende Definition für unseren Sound zu finden. Uns ist es eigentlich egal. Stilistiken sind gut für die allgemeine Beschreibung eines Sounds, allerdings reicht es bei manchen Bands nicht aus, mit einer Stilrichtung den Sound zu beschreiben. Meiner Meinung nach ist es am besten, in die Alben rein zu hören und sich selbst ein Bild zu machen.

Lars:
Gibt es eine interessante Tourstory?

Arkadius:
Auf Tour passieren natürlichen jeden Tag irgendwelche lustigen Stories. Aber es gibt da jetzt keine besondere Geschichte, die man hervorheben müsste. Es war bisher das übliche Chaos "on the road" und am Ende hat doch immer alles geklappt. Aber ich hätte an dieser Stelle einen interessanten Studioreport unter http://www.suidakra.com/index.php?page=studioreport zu bieten. ;-)

Lars:
Habt ihr schon mal Hiddentracks auf CDs versteckt und wenn ja, wo versteckt ihr sie meistens?

Arkadius:
Wir haben auf "Command To Charge" 'Moonlight Shadow' von MIKE OLDFIELD als Hiddentrack versteckt. Wir finden das Original klasse und wollten es einfach aus Spaß covern, allerdings hat der Song nicht zum Rest des Albums gepasst, so haben wir uns auf den Hiddentrack geeinigt. Ansonsten hat man auch nicht viele Möglichkeiten, Tracks zu verstecken...

Lars:
Was wäre für dich die perfekte All-Star-Band?

Arkadius:
Für mich wäre es Jimi Hendrix an der Gitarre, James Hetfield am Gesang, Cliff Burton am Bass und Thomas Lang an den Drums. Würde mich echt interessieren, was da für eine musikalische Richtung herauskommen würde.

Lars:
Was ist eure Lieblingsband?

Arkadius:
Es sind sehr unterschiedliche Bands, weil wir nicht nur Metal-Bands hören. Da für uns nicht die Musikrichtung ausschlaggebend ist, sondern die Songs einfach nur ballern müssen. ;-) Angefangen bei Bands wie SOCIAL DISTORTION, BLACK LABEL SOCIETY, SKYCLAD, TOOL und TURBONEGRO bis hin zu DREAM THEATER, DEATH, EDGE OF SANITY & AMOPRHIS.

Lars:
Was macht ihr in eurer Freizeit?

Arkadius:
Überwiegend zusammen Musik und all die organisatorischen Dinge, die mit SUIDAKRA verbunden sind. Ansonsten machen wir den Kram, den alle anderen Leute auch machen. ;-)

Lars:
Wohin geht es im Urlaub?

Arkadius:
Auf Tour, hahaha. Ich muss gestehen, dass wir in den letzten Jahren kaum im Urlaub waren, da wir diesen immer für Studio bzw. Touren verplant haben. Aber wenn es mal hinhaut, dann muss es irgendetwas entspanntes sein. Und da hat so jeder seine Vorlieben. Marcel z.B. macht gerne Ausflüge nach Schottland, Irland oder Mallorca, wohingegen ich dieses Jahr auf Korfu meinen Urlaub verbracht habe.
Kulturen und Sehenswürdigkeiten interessieren mich sehr, aber ich brauch auch Meer, Strand und Pool, um die Seele etwas baumeln zu lassen.

Lars:
Arbeitet ihr noch, und wenn ja, wie harmonieren Musik und Job zusammen?

Arkadius:
Drei von uns arbeiten und einer studiert, wobei der Student die meiste Zeit hat, hahaha. Es gehört schon ein gewisses Organisationstalent dazu, aber da die Musik unsere Leidenschaft ist, haben wir es bisher immer geschafft, beides unter einen Hut zu kriegen.

Lars:
Was ist eure Lieblingssage/-legende?

Arkadius:
Also am Besten fragen wir da Marcel. ;-)

Marcel:
Der "Räuber Hotzenplotz", hahaha... Nein, Spaß beiseite, ich find die "Mabinogion"-Erzählungen aus Wales am spannendsten, denn die finde ich von allen Sagen am lebendigsten und am originellsten. Hier hat auch die Artus-Sage ihren Ursprung und das war auch meine Inspirationsquelle für die Texte von "Emprise To Avalon", wo ich versucht habe, mich von der klassischen Erzählweise der Artus-Sage zu lösen, die ja ein Produkt des Mittelalters ist. Manche Forscher behaupten sogar, dass besonders in den Sagen aus Wales noch Reste der mündlich überlieferten druidischen Weisheiten durchschimmern, die ja bekanntlich keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben. Die Geschichten sind superinteressant, man muss sich zwar ein wenig an die unaussprechlichen Namen gewöhnen und sich sehr auf die Story einlassen, denn es gibt viele fantastische Ereignisse, die nur im übertragenen Sinn zu verstehen sind, aber wenn man das tut, merkt man, dass diese Kultur, die keine Schrift benutzte, um Weisheiten und Ereignisse zu dokumentieren, sondern nur solche Erzählungen dafür benutzten, wirklich wahre Meister der Sprache waren. Sie hatten eine unglaublich bildhafte Sprache und viele Gegenstände hatten eine übertragene Bedeutung, was die Geschichten natürlich schwer verständlich macht... Diese Erzählweise würden viele vielleicht als umständlich bezeichnen, aber ich halte die Sprache für eine der wichtigsten Fähigkeiten der Menschen und ich find es sehr bedauerlich, dass diese Fähigkeit heutzutage immer mehr verkümmert.

Redakteur:
Lars Strutz

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