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SWALLOW THE SUN: Interview mit Mikko Kotamäki

11.12.2006 | 22:40

Die Zahlenkombination 070207 sollten sich Anhänger depressiver Klänge dick hinter die Ohren schreiben, denn genau dann - am 7. Februar 2007 - werfen SWALLOW THE SUN ihren dritten Longplayer auf den Markt. Wer die finnischen Trauerklöße bereits kennt, wird nicht enttäuscht werden, denn trotz des optimistischen Titels "Hope" bietet der Silberling erneut schwermütige Kost vom Feinsten.
Stilistisch gesehen würde ich das Album zwischen den beiden Vorgängern einordnen: Neben den sperrigen, in der Tradition des Zweitlings "Ghosts Of Loss" stehenden tiefschwarzen Selbstmordhymnen 'Too Cold For Tears', 'No Light, No Hope' und dem fast schon Funeral-Doom-inspirierten 'Doomed To Walk The Earth' gibt es mit 'These Hours Of Despair' und 'The Empty Skies' wieder ein paar verhältnismäßig flotte Stücke, wie man sie vom Debüt "The Morning Never Came" kennt. Gleichzeitig finden sich auf "Hope" aber auch drei verträumtere, da mit großzügigen klaren Gesangspassagen versehene Songs, nämlich neben dem Titeltrack auch die erste Single 'Don't Fall Asleep' und natürlich die von KATATONIA-Sänger Jonas Renkse mit Gastvocals veredelte Gänsehautnummer 'The Justice Of Suffering'. All dies macht "Hope" zum bisher abwechslungsreichsten SWALLOW THE SUN-Album, und mit dem neuen Label Spinefarm im Rücken und ein paar Live-Gigs im Rest der Welt dürfte das Jahr 2007 für den Sechser äußerst vielversprechend verlaufen. Der schweigsame Sänger Mikko Kotamäki sieht das glaube ich auch so.

Elke:
Hallo Mikko, wie viele Interviews hast du heute bereits gegeben?

Mikko:
Drei oder vier. Ich fange langsam an, betrunken zu werden.

Elke:
Dann lass uns doch gleich über euer nächstes Werk "Hope" sprechen. Dem dritten Album einer Band wird in der Regel eine besondere Bedeutung zugemessen - das berühmte "make it or break it"-Album. Ist da etwas dran?

Mikko:
Nicht wirklich. Wir machen eigentlich immer nur das, worauf wir Lust haben, und lassen uns überraschen, was passiert. Natürlich ist uns bewusst, dass dieses Album für uns wichtig ist, jetzt wo wir bei Spinefarm [dem größten finnischen Label - die Verfasserin] unter Vertrag stehen. Wir hatten auch noch nie zuvor so viel Promotion für ein Album. Aber wir bleiben uns trotzdem treu.

Elke:
Warum seid ihr zu Spinefarm gewechselt? War der Vertrag mit Firebox ausgelaufen?

Mikko:
Richtig. Firebox ist ein sehr gutes Label, aber sie haben keine besonders tollen Kontakte und Vertriebswege außerhalb Finnlands. Deswegen wollten wir zu einem Label wechseln, das uns in dieser Hinsicht mehr bieten kann.

Elke:
Das scheint sich bereits auszuzahlen. Es gibt sogar eine eigene Homepage für das Album, www.070207.com. Ich nehme an, das hätten euch Firebox nicht bieten können?

Mikko:
Ja, genau, und wir wissen diese Promotion auch sehr zu schätzen. Hoffentlich läuft alles gut.

Elke:
Die Zahlenkombination 070207, also das Veröffentlichungsdatum des Albums, wurde gut gewählt - sie ist sehr leicht zu merken.

Mikko:
Das stimmt. Unser Manager hatte diese Idee.

Elke:
"Hope" ist ein sehr optimistischer Titel für ein SWALLOW THE SUN-Album, aber das Intro auf der besagten Webseite verkündet bereits, dass "die Hoffung sterben wird". Gibt es überhaupt irgendeinen Hoffnungsschimmer auf dem Album, oder führt der Titel in die Irre, weil es genauso hoffnungslos ist wie die Alben zuvor?

Mikko:
(überlegt) Das ist eine ziemlich schwere Frage. Nun, lass es mich so sagen: Es gibt etwas Hoffnung, aber nicht sehr viel. Natürlich ist die Musik sehr deprimierend und die Texte verbreiten wenig Hoffnung, aber es gibt etwas Hoffnung zwischen den Zeilen.

Elke:
Warum habt ihr euch für den Titel entschieden - um die Fans zu verwirren?

Mikko:
Wir hatten einige Titel zur Auswahl, aber ich denke, "Hope" ist ein guter Name für ein Album. Er ist kurz und leicht zu merken. Und außerdem eher ungewöhnlich für uns.

Elke:
Gestern hattet ihr in Hamburg gemeinsam mit euren Landsmännern MOONSORROW eine öffentliche Listening-Session, zu der neben den üblichen Pressevertretern auch eure Fans eingeladen waren. Wie war's?

Mikko:
(lacht) Es war großartig! Wir waren völlig betrunken. Es kamen nicht sehr viele Leute, aber es war cool, und ich mochte die Bar. Ville Sorvali von MOONSORROW hat sich völlig abgeschossen, er war letzte Nacht vermutlich der betrunkenste Mensch in ganz Hamburg.

Elke:
Wie fielen die Reaktionen zum Album aus?

Mikko:
Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir, dass sie es mögen. Ich war die meiste Zeit mit Interviews beschäftigt, in denen ich mit Lob überschüttet wurde.

Elke:
Euer Gitarrist Juha hat in einem anderen Interview mal gesagt, dass es sein Ziel sei, Songs zu schreiben, die man mit Kurzfilmen vergleichen kann. Welche Art von Filmen befinden sich auf "Hope"?

Mikko:
(überlegt) Natürlich Horror-Filme mit etwas Dramatik. Ich würde sagen, sie stehen in der Tradition von David Lynch-Filmen.

Elke:
Die größten Unterschiede, die ich auf "Hope" bemerkt habe, liegen zum einen in der stärkeren Verwendung von klarem Gesang, zum anderen sind einige Stücke wieder etwas härter. Insgesamt scheint das Album etwas eingängiger und direkter auszufallen als "Ghosts Of Loss".

Mikko:
Das sehe ich auch so. Keine Ahnung, ob es so viel mehr klaren Gesang auf dem Album gibt. Ich wollte nicht ausschließlich tiefe Growls verwenden, denn es ist langweilig, wenn man die ganze Zeit nur grunzt. Wir haben daher auf diesem Album ein paar andere Gesangselemente angetestet und hoffen, es gefällt den Leuten.

Elke:
Wie habt ihr Jonas Renkse dazu bekommen, bei 'The Justice Of Suffering' als Gastsänger mitzuwirken?

Mikko:
Wir spielten letzten Sommer mit KATATONIA zusammen auf einem Festival in Finnland. Ich habe Jonas Backstage getroffen und ihn einfach gefragt, ob er Interesse an einem Gastauftritt hätte, und er hat zugestimmt.

Elke:
War der Song bereits fertig, als ihr Jonas fragtet, oder wurde er speziell auf seine Stimme zugeschnitten?

Mikko:
Der Song war bereits fertig komponiert, aber Jonas hat seine Gesangslinien selbst ausgearbeitet. Er wurde also nicht direkt auf ihn zugeschnitten, aber er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass es ein toller Song wurde. Ich habe auch selbst schon einige Male versucht, 'The Justice Of Suffering' alleine zu singen, damit wir ihn live spielen können, und auch das funktioniert irgendwie.

Elke:
Juha hat einmal zugegeben, dass er sehr auf diesen Funeral-Doom-Kram steht. Diskutiert ihr gelegentlich darüber, wie "doomig" eure Musik ausfallen soll?

Mikko:
Nein. Ich würde unsere Musik auch überhaupt nicht dem Doom-Genre zuordnen. Es unterscheidet sich meiner Meinung nach gravierend von traditionellem Doom. Ich denke daher nicht, dass wir sehr "doomige" Musik machen.

Elke:
Ich finde es immer wieder überraschend, dass eine Band wie eure in der Lage ist, Singles zu veröffentlichen und damit auch noch Erfolg hat. 'Forgive Her' stieg auf Platz 4 der finnischen Single Charts ein, das Album "Ghosts Of Loss" selbst auf Platz 8. Hat dich das damals überrascht?

Mikko:
Ja, es war eine riesige Überraschung für uns. Ich hoffe, wir werden mit unserem neuen Album an diesen Erfolg anknüpfen können. Ich glaube, das war das erste Mal überhaupt, dass eine solche Musik sich in den Single-Charts platzieren konnte.

Elke:
Wie erklärst du dir den Erfolg?

Mikko:
Ich habe nicht den blassesten Schimmer - das solltest du unsere finnischen Fans fragen.

Elke:
Ihr dreht zu den Singles auch regelmäßig Videos. Werden diese im finnischen Fernsehen gezeigt?

Mikko:
Nicht unbedingt, obwohl wir natürlich Musikkanäle haben und eine "Headbanger's Ball"-Sendung. Ich weiß selbst nicht genau, warum wir Videos drehen, aber es sicher gut, welche zu haben für den Fall, dass man sie eines Tages für irgendwas braucht. Vielleicht wird so was ja bei euch in Deutschland gezeigt?

Elke:
Leider auch nicht - ich glaube, der Markt für Metal-Videos hat sich im Laufe der Jahre eher verschlechtert.
Ihr verwendet auf den Singles auch immer sehr interessante Bonus-Tracks. Auf der letzten gab es eine Coverversion des CANDLEMASS-Stückes 'Solitude' mit Magister Albert von REVEREND BIZARRE am Gesang. Für 'Don't Fall Asleep' habt ihr ein Cover von dem TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS-Werk 'Alavilla Mailla' (bzw. in eurer Version 'These Low Lands') eingeplant, bei dem Tomi Joutsen von AMORPHIS hinterm Mikro steht. Warum hebt ihr diese Coversongs immer für die Singles auf?

Mikko:
Der TIMO RAUTIAINEN-Song wird glaube ich auch auf der Digipack-Version des Albums enthalten sein. Wir spielen einfach gelegentlich gerne einen Coversong. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr genau daran erinnern, wie es zu den Gastbeiträgen von Albert und Tomi kam. Ich denke, Alberts Stimme hat einfach besser zu dem CANDLEMASS-Song gepasst als meine eigene. Und Tomi hatte einfach Lust auf das TIMO RAUTIAINEN-Cover.

Elke:
Ihr seid bisher nicht sehr oft außerhalb eures Heimatlandes aufgetreten. Wird sich das mit dem neuen Label ändern?

Mikko:
Ja, da bin ich zuversichtlich. Es gibt bereits Überlegungen, auf dem einen oder anderen Sommer-Festival zu spielen, und auch über eine Tour denken wir nach. Wir werden sehen, was sich davon verwirklichen lässt - Lust dazu haben wir auf jeden Fall.

Elke:
Wie würdest du jemandem ein SWALLOW THE SUN-Konzert beschreiben, der euch bisher noch nicht live sehen konnte?

Mikko:
Das ist schwer zu sagen, denn ich habe uns selbst ja noch nicht live gesehen. Aber ich denke, obwohl wir sehr langsame Musik spielen, haben wir energievolle Live-Shows. Ihr werdet es sehen!

Elke:
Ich hatte bereits das Vergnügen, euch auf dem diesjährigen Tuska Festival in Helsinki zu sehen, und war jedenfalls recht angetan von eurer Show.

Mikko:
Mochtest du meinen Hut?

Elke:
Oh ja, an den kann ich mich erinnern - das war eine Art Cowboy-Hut. Trägst du den nicht immer?

Mikko:
Nein, das war ein Witz, den ich mir an diesem Tag erlaubt habe - eine Anspielung auf "Brokeback Mountain" (lacht). Dabei habe ich den Film gar nicht gesehen.

Elke:
Was wird in den nächsten zwei Monaten auf der Webseite zum Album passieren?

Mikko:
Wir werden ein paar Video-Aufnahmen aus dem Studio online stellen und solche Sachen. Außerdem veranstalten wir einen Wettbewerb, bei dem man Vorschläge für unsere nächsten T-Shirts einreichen kann. Die besten Motive werden dann gedruckt.

Redakteur:
Elke Huber

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