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THE FREEKS: Interview mit Stoner-Urgestein Ruben Romano

18.03.2014 | 07:49

Zur Zeit ist Ruben Romano schwer mit seiner Band THE FREEKS beschäftigt, die mit "Full On" eines der besten Psych'n'Roll-Alben des Jahres 2013 veröffentlicht hat.

Mit ihm sprachen wir über Metamorphosen von Punk, Hippietum und Heavy Metal, hören einiges über die Vernetzung der Stonerrockszene Kalifornien und erfahren das Wort, welches wir alle unseren Kindern mit auf den Weg geben sollten.

Ich falle gleich mal mit der Tür ins kalifornische Haus! Wann kommt Ihr denn mal nach Europa auf Tour? Gibt es denn schon gebuchte Tourdaten für deutsche Clubs oder Festivals?

Wir arbeiten daran! Außerdem sind wir alle sehr gespannt darauf, in Deutschland wieder im Namen des Rock'n'Roll unterwegs zu sein. Aber es geht mal wieder und wie immer ums Geld - the unfortunate evil. Da wir alles selbst und ohne Label organisieren, fällt so schon einmal diese Kohle als Unterstützung weg. Deshalb sind wir wieder auf die Hilfe unserer Fans angewiesen.

Ruben Romano

Ja, wer ist denn bei Euch für die Tour-Organisation zuständig? Macht ihr wirklich alles alleine? So steht es zumindest auf Euren Webseiten...

Lustig, das passt ja, dass es einen Song auf dem ersten THE FREEKS-Album gibt, der da ' It Is Written' ("Es steht geschrieben" M.F.) heißt. Wir haben eigentlich für Europa eine Vermittlungsagentur in Deutschland sitzen. Sie ist in Wartestellung und bereit loszulegen, wenn wir dann einen Cash-Flow erreicht haben sollten, um für uns dort tätig zu werden. Also ja, wir sind immer noch irgendwie allein und auf eigene Faust unterwegs. Ich hoffe immer auf die Meldungen, dass "Full On" es für die Clubbetreiber wert ist, gespielt zu werden.

Sie sollten ja zumindest ihre Abende gesichert kriegen, mit all den Gebühren. Wir zumindest wollen natürlich den Break-Even-Point bei den Kosten erreichen, die die Clubs brauchen und so eine gesamte Tour durchfinanzieren. Ich bin aber zuversichtlich, dass dies bald geschehen wird.

Also das hört sich an, als wäre THE FREEKS eher ein lockerer Zusammenschluss von Freunden, die Musik machen und leben. Oder ist die Band doch ein festes professioneller aufgezogenes Projekt mit geplanter Zukunft? Ich meine, das Potenzial ist da, "Full On" ist für mich eines der eindrucksvollsten Rock-Alben des Jahres 2013 gewesen!

Vielen Dank, wir sind alle hier sehr stolz auf dieses Album. Die Band ist heute eine sehr feste Einheit geworden, wir alle sind noch dazu sehr enge und langjährige Freunde. Wir haben das Gefühl, es gibt ein großes Potenzial in dieser Band und die allerbesten Möglichkeiten, sich dementsprechend zu bewegen und zu agieren. Wir haben auch schon wieder eine ganze Reihe neues Material und Songideen für den Nachfolger von "Full On" entworfen. Das Teil wird genauso spannend und energiegeladen sein!

Full On

Seid Ihr mit der Resonanz auf das Album zufrieden?

Ja, sehr sogar! Bestens! Und ich weiß auch, dass sich, sobald wir die Möglichkeit bekommen, um es auf den Bühnen in ganz Europa zu spielen, das Ganze noch viel viel mehr verstärken wird.

Ihr sagt ja, es ist psychedelischer Punk-Rock'n'Roll, den Ihr da macht! Ich selbst mag Name-Dropping nicht, aber welche Einflüsse finden sich bei Euch jetzt wieder?

Ich danke den 60er Jahren für die Töne, den 70ern für die Riffs und den 80ern für die Angst. Einige Bands finde ich, schaffen es, dass alle diese Dinge zusammenpassen, wie derzeit THE SHIT, GOLDEN VOID und OFF!. Diese Bands umfassen all diese Töne, Riffs und die Angst perfekt!

Fast alle Musiker in der Band sind keine unbekannten: sie waren bei NEBULA, FU MANCHU, ANGRY SAMOANS, gar der THE BLUE MAN GROUP. Wie lange kennt Ihr Euch einander denn schon?


Gitarre 2

Die anderen Bands, die wir hier noch nennen könnten, sind ROADSAW aus Boston und die L.A.- Lokalhelden BACKBITER und SMOKING SUNSHINE. Wir alle kennen uns jetzt seit wahrscheinlich über 20 Jahren. Zum ersten Mal  traf ich Jonathan in den frühen Jahren von FU MANCHU, es drehte sich damals bei uns viel um OBSESSED, FU MANCHU und BACKBITER. Dann, als wir FU's durch die Staaten tourten, trafen wir ROADSAW und spielten mit ihnen in Boston. NEBULA tourte damals ebenfalls, unser Tom war damals als unser Roadie dabei. Dann tourte er mit ROADSAW in Europa und da ist es dann dazu gekommen – so war das wirklich – dass er dort Hari besser kennengelernt hat.

Mit NEBULA teilten wir uns damals einen gemeinsamen Proberaum, so mit Rauchen und in der Sonne abhängen und dabei kam es dann dazu, dass ich Esteban traf. Also ja, wenn ich so darüber erzähle - es begann alles, unser ganzer gemeinsamer Weg – bereits in der FU MANCHU-Ära. Verdammt, wie die Zeit vergeht!

Aber noch einmal zum Genre: Psych'n'Roll: Worauf habt Ihr Euch als Musiker am schnellsten einigen können, was in die Mischung unbedingt mit hinein soll? Die Prise Punk? Eher der Stoner Rock?

Hey, das gefällt mir, Psych'n'Roll! Ich denke, es kommt nur darauf an, wie das Gefühl ist, welches im erlebten Moment herrscht. Wenn vor allem das Riff oder eine solche Idee wie ein Strom ins Fließen kommt. Ja, das ist es, denke ich.

Um was geht es vor allem in den Texten? Was kommentiert Ihr?

Ja, Lyrics sind seltsam, für mich sind sie irgendwann da, sie tauchen einfach auf und dann rollt das wie von selbst. Ich scheine auch vorher keine Art Eingebung zu bekommen oder so was, bevor ich dann was aufschreibe. Was ich dann so schreibe, normalerweise ist es bereits irgendwo in mir drin manifestiert, ich muss es dann nur noch irgendwie schaffen auszudrücken, was unbedingt - zur Hölle damit! - hinaus muss. Der Song 'Weirdness ' zum Beispiel, da hatte ich überhaupt keine Ahnung!

Deshalb schrieb ich nach der musikalischen Fertigstellung über all die gruseligen seltsamen Dinge, an die ich gerade gedacht hatte, halt das, was die Menschen so tun: ihre Geheimnisse, über ihre Skelette und es ergab irgendwie letztlich einen Sinn. Aber wenn ich Dir das jetzt nicht erzählt hätte, würdest Du wahrscheinlich denken, ich habe dort über eine Katze, eine Ratte, ihr Gespräch und dann noch über einen Mönch gesungen. Und würdest Dich fragen: Was zum Teufel?

Hast Du noch Kontakte mit den alten Band-Projekten?

Ja schon, der einzige, mit dem ich nicht in Kontakt bin, ist Eddie. (Eddie Glass, Gitarrist von NEBULA M.F.)

Warum gibt es vor allem in Kalifornien so viele Bands, die diese punkigen Stil mit dem Rock der Siebziger mischen? Ist es wirklich dieser Stereotyp sonnenverwöhnter Skater und von Kids, die den britischen Punk mit der Hippie-Kultur ihrer Eltern vermischt haben?

Kalifornien: Surfen, Skaten und Liebe. Ja, es passiert dort eine ganze Menge! Mit Musik ging es bei mir schon in der Grundschule los. Von der Disco-Musik meiner Mom weg ging es schnell zu LED ZEPPELIN und DEEP PURPLE. Dann landeten die ersten beiden Tapes von VAN HALEN bei mir – das waren meine beiden älteren Cousins. Sie fütterten mich damit beim Schaukeln und überall, wo es ging und es war wirklich viel besser als DONNA SUMMER!

Doch wie ich auf die Punk-Szene traf: das war zunächst allein meine eigene Entdeckung. In den frühen 80er Jahren, während ich in der Mittelschule war, kam ich natürlich an BLACK FLAG und CIRCLE JERKS nicht vorbei. Damals lebte ich in Südkalifornien. In Orange County, um genau zu sein, so dass ich aus der angepissten Punk-Ecke zu den Straight Edgern wechselte, zu Bands wie UNIFORM CHOICE oder 7 SECONDS. Nie genug bekommen aber konnte ich von MINOR THREAT, noch heute ist sie eine meiner absoluten Lieblings-Bands. Bis zum heutigen Tag!

Drumset

Dann kamen die Briten: G.B.H. ... RUDIMENTARY PENI und das sollte man echt nicht vergessen: vor dem ganzen SEX PISTOLS-Ding. Aber als dann RKL (RICH KIDS ON LSD) ihre "Beautiful Feeling" EP mit Texten wie "Smoke that Dube to my forehead, sit in my mouth fall on my bed" veröffentlicht hatten – da hatte sich die Szene bereits sehr verändert - für mich zumindest.

Als nächstes kamen die 90er und ich grub Bands wie TAD aus, mit solchen Songs wie 'Jack Pepsi': Yeah - lasst uns verdammt noch mal Heavy spielen! Und nun? Zurück zu BLACK SABBATH? Die sind doch so alt, aber es ist trotzdem so herrlich verstrahlt! Lasst uns das Zeug wieder suchen! Ausgraben, was noch älter ist und immer noch schwerer und abgefahrener! Da, MC5 und THE STOOGES! Nun war unsere Revolution in vollem Gange, es drehte sich und es dreht sich immer weiter. Ich glaube, das ist so in etwa eine Stereotype, das sollte man nicht als etwas Ganzes, Festes, Abgeschlossenes betrachten, es ist auf jeden Fall immer etwas da. Immer...

Seid Ihr denn Hippies?

Nö, nicht wirklich, beim zweiten Hingucken vielleicht...

Warum denn das?

Hippies sind wie religiöse Fanatiker, die immer versuchen zu predigen und zu beurteilen, aus diesem Grund sage ich mal: NO WAY !

Aber mein verstorbener großer Freund Ralph Rjeily - R.I.P., mein Freund! - sagte einmal zu mir: "Wollen wir nicht eigentlich alle Hippies sein?" Ich dachte über das nach, was er versuchte, mir in seinem ausgeprägten dänischen Akzent zu sagen und kam zu der Erkenntnis, dass er irgendwie ja Recht hatte mit der Frage: Ich persönlich will niemanden hassen, ich will niemanden irgendwie verletzen oder auch niemanden irgendwie dabei stören, bei dem, was er tut.

Ruben Romano liveIch möchte nur meine eigene Ruhe und Frieden – wie alle anderen auch. Die Theorie der Hippieness ist so groß, aber sie ist wie die Theorie des Kommunismus.

Große Theorien, aber es ist auch immer dasselbe damit: alle arbeiten daran mit, auch wenn sie wirklich schmutzig sind. Gierig und lebenshungrig, wie wir sind, beginnen wir unsere Suche, als kleine grüne schleimige Kugeln fangen wir an und die ganze Zeit geht es doch eigentlich nur ums Überleben, ums Durchkommen. Ich sage zwar immer zu meiner Tochter, dass "LOVE" das geheime Passwort für das Ganze ist, aber ich bin deswegen noch lange kein Hippie!

O.k. Schön beschrieben, sehe ich ähnlich. Was kommt als nächstes von THE FREEKS? Ein neues Album?

Wir arbeiten gerade heftig daran, neues Material aufzunehmen und bald zu veröffentlichen, das ist mal sicher!

Ich hoffe sehr, dass wir uns vorher bald mal erleben. Du mit deiner Gitarre. Ich in der Nähe Eurer Verstärker. Vielen Dank für Deine Zeit. Alles Gute!

Das hoffe ich, dafür bin ich auch! Du bist herzlich wie alle eingeladen und ich danke Dir. Cheers.

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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