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THRESHOLD: Im Rückspiegel, Part III - "Critical Mass", "Subsurface" & "Dead Reckoning"

13.11.2012 | 10:53

Im letzten Teil unserer Rückschau auf die THRESHOLD-Diskographie geht es um die Alben "Critical Mass", "Subsurface" und "Dead Reckoning" und natürlich auch um den Ausstieg und den Tod von Andrew "Mac" McDermott.


"Critical Mass"


Bei "Critical Mass" wird Richard erstmals als einer der Hauptsongwriter für die Hälfte der Songs geführt, zudem erscheint es nur ein Jahr nach "Hypothetical". "Ja, darauf bin ich auch heute noch stolz. Es war das erste Mal, dass ein Line-up zwei Alben in Folge eingespielt hat. Vorher gab es immer wieder Änderungen am Schlagzeug und am Gesang, aber dieses Mal klangen wir wie eine echte Band, die weiß, was sie tut. Ich habe immer Bands bewundert, die kreativ geblieben sind, ohne dass sich das Line-up geändert hat. Vor allem QUEEN hat mich in der Hinsicht immer beeindruckt, denn es waren immer nur die Vier. Manchmal haben sie sich gehasst, aber sie sind immer zusammengeblieben und haben sich immer entwickelt."

Dass Richard hier erstmals als Hauptsongwriter aufgeführt wird, ist allerdings tatsächlich gar nicht richtig. "Ja, Karl und ich überarbeiten gerade die Credits für "Clone" und "Hyptothetical", denn da steht, dass alle Songs von Karl, Jon, Nick und mir geschrieben wurde, was so nicht ganz korrekt ist und wir korrigieren das gerade für die "Definitive Editions". Schon auf "Hypothetical" hatte ich die Hälfte der Songs geschrieben und es hatte sich bewährt, also haben wir das auf "Critical Mass" wieder so gemacht."

Einer dieser Songs hört auf den Namen 'Avalon' und hatte damals schon ein paar Jahre auf den Buckel, wie Richard verrät: "Ja, 'Avalon' habe ich geschrieben, als ich noch zur Schule ging. Wenn du die damalige Version mit der heutigen vergleichst, wirst du immer noch merken, dass dies der Ursprung war. Vor allem der Refrain und die Grundidee zu den Lyrics stammen noch aus der Zeit. Natürlich war ich damals noch ein lausiger Musiker und nicht wirklich in der Lage meine Ideen vernünftig umzusetzen, aber die Basis wurde schon vor langer, langer Zeit gelegt.", lacht Richard.

Mit 'Critical Mass' gibt es zudem zum ersten und bislang einzigen Mal einen Titelsong zu hören. "Im Grunde sind wir keine Fans von Titelsongs, denn das Album soll für sich sprechen und kein Song hervorgehoben werden, so haben wir auch auf "March Of Progress" den Opener in 'Ashes' umbenannt, nachdem klar war, dass wir das Album "March Of Progress" nennen würden. Aber 'Critical Mass' nimmt ja mit seinen fast 14 Minuten da schon eine Sonderstellung ein und von daher hatten wir uns damals entschieden, auch das Album so zu nennen. Interessanterweise haben Karl und Jon zuerst den dritten, dann den zweiten und zum Schluss den ersten Teil geschrieben und dabei dann irgendwann gemerkt, dass die Parts doch ziemlich gut zusammenpassen und sie da so zusammengefügt, dass sie eine lange Komposition ergeben."

"Subsurface"


Mit "Subsurface" hatte man bereits das vierte Werk mit Mac am Mikro veröffentlicht, welches gleichzeitig Karls Favorit ist und den eingeschlagenen Weg im Grunde konsequent weiterverfolgt.

"Ja, das kann man so stehen lassen. Wir hatten ja schon darüber gesprochen wie wichtig ein Signature-Sound ist und vielleicht ist "Subsurface" deshalb auch mein Lieblingsalbum von uns. Ich denke, darauf sind die meisten Tracks, die ich absolut liebe, wie 'Mission Profile', 'The Art Of Reason', 'Ground Control', 'Flags And Footprints' oder 'The Destruction Of Words', die eben jenen Signature-Sound am Besten repräsentieren. Außerdem hatten wir eine ganz fantastische Tour zusammen mit DEADSOUL TRIBE. Es war witzig, wieder mit Devon, wie er sich jetzt nennt, auf die Bühne zu gehen, nachdem wir zehn Jahre zuvor noch als Support für PSYCHOTIC WALTZ unterwegs waren. Da hatten wir wirklich eine tolle Zeit, auch wenn es mit Mac immer mal wieder etwas schwierig war. Er hat beispielsweise das Einstudieren der Lyrics nie so ernst genommen, sodass er auf der Bühne eben auch schon mal das Publikum übernehmen lassen musste. Das wirkte dann wie ein cooles Showelement, wenn die Leute mitsangen und es war fantastisch. Aber bei manchen Gigs war schon die Anzahl der Zuschauer dafür eigentlich zu klein und wenn sie dann noch singfaul waren, hatte Mac schon ein kleines Problem.", lacht Karl und ergänzt: "Auf der Tour war der große Teil aber wirklich fantastisch und die guten Tage bei Mac haben deutlich überwogen. Immer, wenn er vor der Show nichts getrunken hatte und die Texte komplett drauf hatte, war er der beste Sänger, den ich je auf einer Bühne gesehen habe."

Dies hat Richard ja auch schon ähnlich zu Protokoll gegeben. "Ja, das kann man wohl auch nicht anders sehen. Ich fand es halt immer schade, dass es diese Phasen gab, weil ich das immense Potenzial von Mac gesehen habe und ich mir gerne ausgemalt habe, wie toll es wäre, wenn er doch seine großartigen Leistungen konstant gebracht hätte. Das ist etwas, was ich an dem Damian von heute sehr mag. Er nimmt den Job sehr ernst und ist auf jeden Gig super vorbereitet und wir wissen immer, was wir von ihm erwarten können. Da kommt es nicht vor, dass wir Zuschauer mit einer vielleicht durchschnittlichen Show enttäuschen und erst gar nicht zurückkehren müssen, um noch einmal in der Stadt zu spielen."

"Dead Reckoning"


"Dead Reckoning" hat aus verschiedenen Gründen einen besonderen Platz in der Geschichte von THRESHOLD. Es ist das letzte Werk mit Mac, es ist das erste Album bei Nuclear Blast und es hat sogar ein paar Death-Metal-Vocals zu bieten. "Für mich ist "Dead Reckoning" nach wie vor unser bestes Album. Normalerweise sage ich das immer über das neue Album, aber "March Of Progress" ist noch zu frisch. Das ist wie eine gute Flasche Wein, die frisch geöffnet wurde und noch atmen muss, aber bei "Dead Reckoning" würde ich auch fünf Jahre später noch nicht einen Ton ändern wollen. Ich finde, jeder Track ist toll und Mac singt besser als je zuvor und zudem ist die Produktion auch wirklich gelungen.", gerät Richard ins Schwärmen.

"Mit Nuclear Blast im Rücken, wollten wir ein etwas härteres Album abliefern, was uns auch gelungen ist. Doch 'Pilot In A Sky Of Dreams' hat mich zu der Zeit verfolgt. Karl wollte es erst gar nicht auf dem Album haben, aber mich hat die Nummer nicht losgelassen und sie wurde länger und länger und komplizierter und komplizierter, aber ich konnte einfach nicht aufhören, daran zu arbeiten. Als ich dann den Vorschlag machte, den Song in der Mitte des Albums zu platzieren, um so dem düsteren, harten Album etwas Licht hinzuzufügen, hat Karl dann zugestimmt.", erzählt Richard.

Dass es dann aber auch gleich die Single wurde, war nicht der Plan der Band. "Wir waren immer der Meinung, dass 'Slipstream' die perfekte Single gewesen wäre, aber Nuclear Blast wollte unbedingt 'Pilot In A Sky Of Dreams' nehmen. Karl und ich wollten das zuerst nicht und waren auch wirklich überrascht, dass das Label ausgerechnet den softesten und längsten Song auskoppeln wollte, aber irgendwann hatten sie uns überzeugt. Der Plan war dann, dass wir 'Slipstream' als zweiten Song auskoppeln und auf Tour auch ein paar Mal Dan Swanö (hat die Death-Metal-Vocals auf "Subsurface" eingesungen - PK) auf die Bühne zu holen, um die Nummer richtig spielen zu können. Aber nachdem Mac die Band verlassen hatte, machte das ja leider keinen Sinn mehr."

Der Ausstieg von Mac kam so plötzlich wie unerwartet. "Ganz ehrlich, wir wissen bis heute nicht, warum Mac ausgestiegen ist. Er sollte ein paar Tage vor dem ersten Gig zu uns nach England kommen, da er ja immer noch in Deutschland gewohnt hat und am Tag, als er fliegen sollte, erhielten wir eine SMS oder eine e-Mail - ich bin da nicht mehr ganz sicher -, dass er nicht kommen würde und er sein Leben wieder in den Griff bekommen muss. Und wir dachte nur, dass das sein Leben gewesen sei und wir ein Jahr daraufhin gearbeitet haben. Wir haben dann versucht ihn noch einmal zu kontaktieren, aber er hat sich nie wieder zurückgemeldet. Wir hätten wirklich gerne gewusst, was denn los war, aber wir hatten keine Chance. Vielleicht hat er gemerkt, dass es die falsche Entscheidung war, aber ich mag hier auch nicht groß spekulieren. Und jetzt ist er gestorben und wir hatten nie die Gelegenheit noch einmal miteinander zu sprechen und das ist wirklich, wirklich traurig. Aber auch wenn es nicht immer einfach mit Mac war, so erinnere ich heute mich nur noch daran, dass wir zusammen fünf tolle Alben aufgenommen haben. Wir hatten viele fantastische Shows zusammen und er wird durch seine Songs unsterblich bleiben.", beendet ein hörbar emotionaler Richard diese Reise in die Vergangenheit.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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