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TOTENGEFLÜSTER - Interview mit Totleben, Narbengrund und Frostbitten

22.11.2017 | 19:46

Die deutschen Symphonic Black Metaller TOTENGEFLÜSTER haben vor Kurzem mit "Im Nebel der Vergänglichkeit" ihr starkes zweites Album veröffentlicht, und zwar auf dem zuvor eigens gegründeten Label Pale Essence Music. Im Interview haben sich Totleben, Narbengrund und Frostbitten bereitwillig meinen Fragen gestellt und sehr interessante Antworten bezüglich der aktuellen Scheibe und des eigenen Labels gegeben. Aber lest selbst.

Hi Leute, erstmal vielen Dank dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Wie geht es euch?

Narbengrund: Nun, unser Zweitling wandelt nach einer gefühlten Unendlichkeit endlich unter euch... das ist schon ein sehr gutes Gefühl. Wir hatten auch schon einige nette Gelegenheiten, ihn, zumindest teilweise, Publikum zu präsentieren, was fast ein noch besseres Gefühl gewesen ist. Leider gab es auch einen unerfreulichen Zwischenfall bei unserem Drummer, der das Gesamtbild etwas trübt. Privat war es bei manchen von uns etwas... "turbulent" – ich hoffe das genügt an Auskunft.

Euer aktuelles Album "Im Nebel der Vergänglichkeit" wurde über euer eigens gegründetes Label Pale Essence Music veröffentlicht. Warum habt ihr euch nach nur einem Album auf der Habenseite dazu entschieden, ein eigenes Label zu gründen?

Totleben: Trotz des hohen Aufwands, welchen wir betreiben, waren wir für kein einziges Label passend, dabei hatten wir sehr viel Zeit investiert, zumindest interessierte Labels für TOTENGEFLÜSTER zu finden. Die Wahrheit ist, dass sich kein einziges Label dafür gefunden hat. Da es uns aber enorm wichtig war, einen Vertrieb für das zweite Album zu haben, war die Labelgründung nötig. Den Leuten gefällt, was wir tun, und sie unterstützen uns großartig. Ich kann daher nicht wirklich verstehen, warum das so lief. Aber gut - ich bin mit der Entscheidung, meine eigene Plattenfirma zu gründen, mehr als zufrieden.

Frostbitten: Irgendwie muss und will man ja auch weiter kommen und seine Reichweite weiter ausbauen, und dazu war dieser Schritt, wie Totleben schon sagte, einfach notwendig. Das Tolle ist, wir haben alles selbst in der Hand und können schalten und walten, wie wir wollen.

Werden auch Alben von anderen Bands über Pale Essence Music veröffentlicht, oder erstmal nur eigene Sachen?

Totleben: Es sind derzeit zwei weitere Bands geplant, wer das sein wird, kann ich derzeit aber noch nicht verraten. Es ist, wenn alles gut läuft, sogar noch eine Veröffentlichung für dieses beziehungsweise Anfang nächsten Jahres geplant.

Kommen wir auf das aktuelle Album "Im Nebel der Vergänglichkeit" zu sprechen. Auffallend ist die transparentere und klarere Produktion im Vergleich zum Debüt. Habt ihr euch bewusst für diesen Sound entschieden, denn vielen Fans hat gerade der rohe Sound auf "Vom Seelensterben" gefallen?

Totleben: Ich habe während der Produktion zum ersten Album viel dazu gelernt, und als ich das Album dann schließlich mit einem gewissen Abstand nach der Veröffentlichung wieder genauer gehört hatte, sind mir doch einige Dinge aufgefallen, die ich gerne klarer und definierter gehabt hätte. Das wurde dann auf dem aktuellen Nachfolger behoben. Ich bin daher vollstens zufrieden mit dem aktuellen Album. Ich muss auch dazu sagen, dass wir es damals einfach auch nicht besser konnten. Hätten wir damals die Möglichkeit einer besseren, klareren Produktion beziehungsweise das Know How gehabt, wäre auch diese CD sicher etwas polierter daher gekommen. Trotzdem bin ich enorm stolz auf unser erstes Werk, da auch dort 120% des damals Machbaren umgesetzt wurde. Daher war einfach nicht mehr möglich. Dies damals erreicht zu haben macht mich auch heute noch sehr froh.

Narbengrund: Ich denke auch, dass der definiertere, klarere Sound den neuen Songs besser zu Gesichte steht. Nehmen wir allein mal Songs wie 'Totengeflüster' oder 'Creatio Ex Nihilo', die brauchen einen gewissen "Wumms", weil sie eben nicht, beziehungsweise nur bedingt wie typische Black-Metal-Songs funktionieren. Letztlich ist es als Künstler auch das Wichtigste mit sich selbst beziehungsweise seinem Werk zufrieden zu sein. Wenn es den Fans passt, umso besser, wenn nicht, dann ist es eben so. Wenn man damit beginnt sich für jemanden zu verbiegen, ganz egal ob es nun ein Label oder die Fans sind, ist das schlicht Selbstbetrug und zerstört die Kunst von innen heraus, weil es sie aushöhlt und, Achtung Wortwitz, "künstlich" macht.

Frostbitten: Ja, ein besserer Sound war auf jedenfall etwas, worauf ich sehr viel Wert gelegt habe bei unserem neuen Album. Wie Totleben schon sagte, wäre damals einfach auch nicht mehr möglich gewesen und es ist ja auch gut so. Ich persönlich finde es zum Beisiel sehr schön wenn man eine Entwicklung von Album zu Album hört und spürt, und dieses Mal hatten wir die Möglichkeiten. Bei den vielen Spuren, die wir haben, und dem ganzen Orchester, ist es einfach enorm wichtig für einen klaren, druckvollen Sound zu sorgen, damit auch die ganzen Details zum Vorschein kommen.

Wie seid ihr bis jetzt mit den Reaktionen auf "Im Nebel der Vergänglichkeit" zufrieden?

Totleben: Es ist definiv ein Album, welches eben deswegen gefällt, was es tut, oder genau deswegen auch nicht. Ich denke ich spreche für die Mehrzahl der Bandmitglieder, wenn ich sage, dass wir alle zufrieden sind mit dem, was wir geschaffen und erarbeitet haben. Insgesamt sind die Reaktionen gut.

Die Kompositionen der neuen Scheibe erscheinen deutlich ausgereifter und komplexer als auf dem Debüt, was sicher auch daran liegt, dass ihr mittlerweile zur vollständigen Band herangewachsen seid?

Totleben: Vor allem mir hat das Livespielen sehr viel an Erfahrungen für die zweite Scheibe gebracht. Man merkt einfach, was auch als Live-Song funktioniert und was man lieber auf einer Platte lässt. Das zweite Album, wie auch das Erste, ist zum größten Teil musikalisch aus meinen Gedanken entsprungen. Ich hatte aber diesmal viel mehr Feedback von der Band zu den neuen Songs. Narbengrund gab dann wie beim ersten Album dem Ganzen ein Gesicht und den lyrisch-thematischen Inhalt.

Narbengrund: Es wäre doch irgendwie traurig, wenn dies nicht der Fall wäre, aber ich glaube, dass dies weniger am kompletten Line-Up liegt, sondern daran, dass wir als Künstler gewachsen sind.

Frostbitten: Ich habe zusammen mit Totleben an diesem Album viel mehr mit am Songwritingprozess und den Drumarrangements gearbeitet als bei unserem Vorgänger. Ich konnte meinen Stil und meine Ideen viel mehr miteinbringen und das merkt man auch. Ein weiteres Merkmal sind die Drums. Beim Vorgänger "Vom Seelensterben" waren die Drums schon fertig programmiert, als ich zur Band gestoßen bin. Bei dem jetzigen Album habe ich zu 100% meine echten Drums und meinen Drumstil miteinbringen können, was man natürlich deutlich merkt.

Mit 'One With The Void' habt ihr einen für euch recht ungewöhnlichen Song auf dem Album, der mich von der Stimmung her sehr an TYPE O NEGATIVE erinnert hat. Was hat euch dazu inspiriert?

Totleben: Mein Gedanke zum Musikalischen des Songs war es, einfach etwas "breites, atmosphärisches" zu schreiben, einen Song, der sich einfach auch mal Zeit lässt, um zur vollen Entfaltung zu kommen. Ich denke das tut er. Für mich muss ich sagen, dass ich mich weniger von Bands inspirieren lasse, sondern eher versuche, einfach das, was ich fühle, durch die Musik, die Orchestration, die Gitarren usw. darzustellen. Ich nehme den TYPE O NEGATIVE Vergleich aber gern als Lob an. 'Black No. 1' ist einfach auch so ein genialer Song!

Narbengrund: Als ich den Song zum ersten Mal gehört hatte, hatte ich sofort eine Vorstellung davon, wie er von den Vocals her klingen sollte. Es ist ein besonderer und ein eher atypischer TOTENGEFLÜSTER Song, weswegen ihm auch ein besonderer stimmlicher Anstrich gebührt.

Frostbitten: Als Totleben und mir die Idee zu dem Song gekommen ist, fuhren wir gerade im Winter mit dem Auto durch verschneite Straßen und Wälder, auf dem Weg zu unserem Proberraum. Die Natur inspirierte uns da schon, was man auch in dem Lyric-Video zum Song 'One With The Void' deutlich merkt. Zudem war es gewollt, Abwechslung in das Album zu bekommen und einen düsteren, atmosphärischen, aber dennoch zu uns passenden, tiefgründigen Song zu schreiben. Ich denke, der Überraschungseffekt und dass wir auch mal anders können, ist uns mit diesem Song gelungen.

Könnt ihr etwas zu den Texten auf der Scheibe sagen?

Narbengrund: Sie handeln vom Leben, dem Nebel der Vergänglichkeit. Sie handeln von der Suche nach einem Sinn, von Selbstreflexion, von Todessehnsucht, aber auch dessen makabrer Ästhetik, sie kritisieren sowohl den Menschen als Einzelwesen als auch die gewaltigen Strukturen, in denen er versucht, sich zu organisieren. Wir sind eine Krankheit, befallen diesen Planeten, raffen ihn dahin, zerstören was uns lieb und teuer ist, zerstören sogar uns selbst, aber wir sind wer wir sind... und ich denke, als Künstler können wir mit unserer Musik vielleicht mehr bewegen als mit unserem Freitod.

Eine sehr wichtige Rolle spielt bei TOTENGEFLÜSTER auch die visuelle Komponente, für die Totleben zuständig ist. Man sieht, dass da jede Menge Arbeit und Liebe zum Detail drinsteckt. Leider wird dieser Aspekt mittlerweile auch im Metal oft vernachlässigt. Woran liegt das Deiner Meinung nach?

Totleben: Ein Gesamtartwork diesen Ausmaßes zu erstellen und sich erst einmal auszudenken, ist enorm zeitaufwändig. Es bedarf dann auch noch der passenden Umsetzung. Es ist, wenn man das in Auftrag geben würde, und man die Arbeitsstunden rechnen würde, für einige Bands einfach nicht bezahlbar. Ich selbst saß an dem kompletten Artwork, von der Planung bis hin zum fertigen Artbook, etwa 1500 Arbeitsstunden, bis alles ferig war. Wenn man das mit einem läppischen Stundenlohn von 10€ mal ausrechnen will, wird schnell klar, dass das kaum zu stemmen ist.

Ihr habt ja bereits einige Konzerte unter anderem in England und der Schweiz gespielt. Sind weitere Livetermine in Deutschland in diesem oder dem nächsten Jahr geplant?

Frostbitten: Aufgrund einer Verletzung an meiner Hand mussten wir leider schon zwei Shows absagen. Ein Konzert steht aber noch an für dieses Jahr und zwar am 09.12.2017 in Offenburg. Für nächstes Jahr wäre auch schon ein Konzert im Januar in Österreich geplant gewesen, was wir aber leider aus verschiedenen Gründen des Veranstalters absagen mussten. Für nächstes Jahr bin ich gerade dran, Shows zu planen und zu organisieren.

Narbengrund: Ja, es sind noch Termine geplant. Leider haben wir aber einige Termine aufgrund unseres Drummer-Ausfalls nicht wahrnehmen können, ich hoffe aber, dass wir diese nachholen können.

Vielen Dank für eure Zeit und die interessanten Ausführungen, ich wünsche euch natürlich weiterhin viel Erfolg. Die letzten Worte gehören euch.

Narbengrund: Wir danken für das Interview! Ich hoffe, wir konnten euch etwas Einblick in die Welt von TOTENGEFLÜSTER geben, ohne euch die Lust am selber Entdecken zu rauben.

Frostbitten: Vielen Dank euch für das Interview, Horns Up!

Totleben: Danke euch! Rock on!

Redakteur:
Hermann Wunner

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