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TRIVIUM: Interview mit Paolo Gregoletto

13.03.2013 | 06:40

Ein Gespräch zwischen den Alben.

TRIVIUM ist mittlerweile eine feste Größe innerhalb der Metalszene. Als Metalcore-Band beginnend wurden die Amerikaner um Matthew Heafy zu Zeiten von "The Crusade" selbst im klassischen Lager teilweise als "die neuen METALLICA" angesehen. Seitdem hat sich die Band jedoch wieder modernen Klängen zugewandt und scheint mit "In Waves" einen eigenen Sound in der Mitte dessen gefunden zu haben.

Wir sprachen mit Bassist Paolo. Eine Bestandsaufnahme mit einem bemerkenswert konzentrierten Gesprächspartner.


Paolo, wie geht es dir? Wie steht es um TRIVIUM?

Uns geht es ausgezeichnet! Die letzte Zeit in Europa und vor allem Deutschland war super. Deutschland ist für uns zu einer zweiten Heimat geworden. Die Leute mögen das neue Album wirklich gerne. Das ist wirklich toll und inspiriert uns auch für das nächste Album.

Wie läuft es mit Nick, eurem "neuen" Drummer? Seid ihr nach wie vor glücklich mit eurer Entscheidung? Fühlt es sich wieder wie eine richtige Band an?

Ja, ich denke, es ist sogar eine stärkere Band, als es vorher war. Ich glaube, dass wenn man so viel unterwegs ist, bringt das eine Band entweder näher zusammen oder reißt sie auseinander. Durch Nicks Einstieg sind wir nun ohne Frage eine viel tightere Live-Band. Auch als Freunde sind wir enger zusammengewachsen und müssen nicht mehr so viel Rücksicht aufeinander nehmen Wir kommen miteinander aus, und wenn es mal Probleme gibt, dann lösen wir sie wie Erwachsene, wie es sich gehört. Es ist wie eine Bruderschaft. Kämpfe gibt es immer wieder, aber die muss man auch beseitigen können. TRIVIUM ist unser Leben und wir wollen nicht, dass uns kleine Dinge dabei im Wege stehen. Die vorherige Situation war nicht dementsprechend. Sie war giftiger. Lineup-Wechsel sind nichts Schönes, aber so ist das nun einmal. Ich war sehr froh, jemand ins Boot zu holen, den ich persönlich seit der Kindheit kenne.

Lass uns noch einmal einen Blick zurück auf "In Waves" werfen. Das Album ist nun fast seit zwei Jahren draußen. Seid ihr damit noch immer glücklich?

Ja, das Album hat wirklich Tolles für uns bewirkt. Es war unser meistverkauftes Album hier in Deutschland. Aber auch abseits der Plattenverkäufe und mit Nick als neuem Mitglied konnten wir uns neu präsentieren und hatten einfach Spaß, wieder Musik zu machen. Es sollte eine Platte sein, die vor allem uns selbst Freude bereitet. Es war, als würden wir noch einmal unser erstes Album schreiben. Jedes Mal, wenn du eine Platte aufgenommen hast, fängst du an, zurückzuschauen und denkst dir: "Oh, was haben wir hier gemacht? Und was da?" Aber in Wirklichkeit sollte man sich einfach zurücklehnen und die Musik machen, die man selbst gerne hören will. Wir hatten bisher Glück, weil die Leute verstanden haben, was wir tun. Mittlerweile haben wir auch unseren Sound etabliert. "In Waves" hat Aspekte aller bisherigen Alben. Mit Nick ist es dadurch wie ein Neuanfang. Wir wissen, wer wir sind und fühlen uns mit unserer Musik wohl.

Wie ordnest du das Album in der Gesamtentwicklung von TRIVIUM ein? Auf "The Crusade" habt ihr euch stark an altem Thrash der Marke METALLICA orientiert, zuvor wart ihr mehr in der Metalcore-Schiene. Ist "In Waves" daher ein Schritt zurück oder gar einer weit voraus?

Obwohl "Ascendancy" so ein erfolgreiches Album war und es wirklich gut für uns lief, gab es es ziemlich viele negative Reaktionen, die uns als 18,19-jährige natürlich nicht kalt ließen. Aber anstatt einfach weiterzumachen, bauten wir Veränderungen ein, was wir rückblickend betrachtet nicht hätten tun müssen. Mit "In Waves" haben wir nun gezeigt, dass wir diesen Leuten gar nichts beweisen müssen. Wir wollen das machen, was für uns gut funktioniert.

Als ich mir die Platte gekauft habe, schaute ich mir verdammt häufig das Artwork an und dachte mir: "Was zur Hölle was soll das bloß sein?". Kannst du es mir bitte verraten?

Das ist lustig, denn die Leute, mit denen wir bezüglich des Artworks zusammengearbeitet haben, machen eigentlich kaum etwas mit Bands. Es sind Freunde von uns aus der Kunstszene von Orlando, die so ziemlich alles außer Musik machen. Wir haben ihnen Demos gegeben und meinten, dass wir mal etwas probieren und nicht wieder dieses typische Albumcover wollten. "Hört euch die Demos an, und bringt uns etwas cooles!" Wir guckten uns das Bild an und dachten uns: "Wow, das ist mal verrückter Scheiß!" Matt [Matthew Heafy, Sänger und Gitarrist - OP] hat nachgefragt, was das sein soll, worauf sie meinten, dass eine Antwort die Sache ruinieren würde. Das ist nun zwar so eine Phrase, aber: Es ist, was es ist. Auch im Musikvideo wollten wir nicht offensichtlich zeigen, was genau vor sich geht. Nicht alles muss gelüftet werden. Das war aus unserer Sicht ein unkonventionelles Vorgehen. Ich finde, dass das eine gute Entscheidung war, denn dies hat dem Album seine eigene, unverwechselbare Vision gegeben.

Dein Gesang hat sich aus meiner Sicht verbessert. Vor allem wenn du gleichzeitig mit Matt singst, klingt das wirklich toll. Wie fühlst du dich dabei?

Wenn ich mir Videos von früher angucke, ist vor allem Matt ein nicht nur gesanglich richtig starker Frontmann geworden. Er hat nun eine wirklich tolle Präsenz und scheint sich gefunden zu haben. Nach einer Phase, wo ich neu in der Band war und einer, wo wir sehr aggressiv zu Werke gingen, wissen wir jetzt, wer wir sind und was wir tun. Singen tun wir nun seit einer ganzen Weile und du lernst es einfach mit der Zeit. Wir spielen zu jedem Album ca. 200 bis 250 Shows, was die Stimme stärkt. Zudem kümmert man sich besser um sich selbst. Auch die Technik der In-Ears hilft enorm. Aber wir kennen mittlerweile auch unsere Stimmen und wissen, in welchen Lagen wir gut klingen und versuchen nicht mehr, irgendetwas zu singen, obwohl es uns nicht liegt.

Ihr habt 2011 in Wacken eine tolle Show gespielt. Dort waren einige Songs auf der Setlist, die noch gar nicht veröffentlicht waren. Viele Musiker sprechen von diesem speziellen Reiz, neues Material live zu spielen. Kannst du dies den Leuten erklären, die nicht selbst Musiker sind?

Danke! Ja, das ist wirklich aufregend. Du willst, dass die Leute hören, woran du gearbeitet hast. An dem Material, was die Leute neu hören, hat man selbst bereits schon seit Monaten gebastelt. Du lebst mit den Sachen und wirst wirklich begeistert von ihnen. Aber man muss schon aufpassen und den Leuten Neues nicht eins nach dem anderen um die Ohren hauen. Wir haben damals die Mayhem-Festivals gespielt und sind extra für drei Shows nach Europa geflogen. Wir landeten in Hamburg und sind von dort aus direkt nach Wacken auf die Bühne. Wir fühlten uns gut mit dem neuen Album und hatten wirklich Lust, es zu präsentieren. Der Auftritt dort war auch etwas besonderes für uns. Bei dem alten Kram reagieren die Leute immer sofort darauf und gehen ab. In dem Fall war es aber so, dass die neuen Lieder vielleicht sogar noch eine Stufe darüber waren. Die Leute fühlten sich direkt mit dem Album verbunden. Dass der Wackenauftritt so gut lief, half dem Album und auch der Tour natürlich enorm.

Wie ist deine Meinung zu AS I LAY DYING? Sie sind ja ebenfalls eine moderne und sehr erfolgreiche Band aus den USA.

Ich bin seit langer Zeit Fan der Band. Wir touren schon seit 2005 mit ihnen. Ich finde, dass sie mit der Zeit im Vergleich zu ihren alten Aufnahmen sogar noch zugelegt haben. Sie sind darüber hinaus auch eine superstarke Live-Band. Wir sind gut mit ihnen befreundet und freuen uns immer wieder, mit ihnen zu touren, weil es einfach super Jungs sind.

Gibt es denn eine Band, wo du mit TRIVIUM gerne noch einmal den Support geben würdest? Oder seht ihr euch nun in erster Linie als Headliner?

Ich denke, wir wollen vorwärts gehen und uns vor allem als Headliner etablieren. Was Support angeht, haben wir für einige der besten Bands eröffnet: IRON MAIDEN, MACHINE HEAD... Ich will es nicht beschwören, aber ich denke, dass wir damit durch sind und nun auf die nächste Stufe wollen. Aber vielleicht ergibt sich ja noch einmal eine richtig gute Tour mit großen Locations.

Was ist deiner Ansicht nach der Unterschied zwischen dem Touren in den USA und in Europa, besonders in Deutschland?

Meiner Meinung nach ist die Unterstützung für harte Musik hier wesentlicher besser. Allein die Anzahl der Metal-Festivals! Die Frage stellt sich gar nicht. Ich meine, die Staaten sind toll. Es gibt dort viele Leute, man kann dort eine Menge Geld verdienen. Wir haben glücklicherweise eine wirklich solide Fanbasis in Amerika. Denn die Dinge ändern sich so schnell. Die Szene zu der Zeit, wo wir angefangen haben, und jetzt ist so unterschiedlich. Es gibt verschiedene Metalszenen, die eher  getrennt voneinander leben. Hier ist das im Gegensatz dazu nicht so. Es läuft mehr oder weniger alles unter dem Schirm der harten Musik. Auf euren Festivals sieht man eben alles. Das mag ich.

Wie sind TRIVIUMs Pläne für die nahe und etwas weiter entfernte Zukunft?

Wir schreiben an einem neuen Album und wollen dies im späten Sommer / frühen Herbst veröffentlichen und dann auch wieder auf eine Europa-Tour kommen.

Nun darfst du noch etwas an deine deutschen Fans loswerden!

Es bleibt mir einfach nur, "Danke!" zu sagen. Die letzten Jahre waren wirklich toll für uns. Wir freuen uns darauf, wiederzukommen!

Vielen Dank für das Interview!


Ich habe zu danken!

Redakteur:
Oliver Paßgang

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