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TUATHA DE DANANN: Interview mit Bruno Maia

01.01.1970 | 01:00

Brasilien ist aus musikalischer Sicht bekannt dafür, heiße Latino-Rhythmen oder, von der metallischen Perspektive betrachtet, harten Tribal bzw. Neo Thrash hervorzubringen. Dass Ausnahmen die Regel bestätigen, zeigen jedoch TUATHA DE DANANN, eine fünfköpfige Band aus dem Land des Sambas, die astreinen Celtic Metal bieten, wie ihn europäische Kapellen nicht schöner hinbekommen könnten.
Bruno Maia, bandintern neben den Clean Vocals auch für Gitarre, Flöte, Tin Whistle und Madoline zuständig, wusste so einiges rund um TUATHA DE DANANN, die Faszination für keltische Mythen, die brasilianische Metalszene und vieles mehr zu erzählen... .


Kathy:
Zuallererst: Wie kommt es, dass eine brasilianische Band sich so für europäische Mythen und Legenden wie Zwerge, Elfen usw. begeistert?

Bruno:
Nun, vielleicht klingt es etwas seltsam, aber mich fasziniert die keltische Kultur schon seit Kindertagen. Ihre Spiritualität, ihre Symbolik, ihr Leben, ihre Mythen und all das verbunden mit diesen magischen Gestalten, das habe ich von jeher sehr gemocht. Ich las alles, was ich über die Kelten finden konnte – zuerst die Saga über König Artus, und dem folgte eine Vielzahl an anderen Geschichten und Legenden. Da ich außerdem noch Musik- und Metal-Fan bin, war es klar, dass wir die keltischen und mittelalterlichen Einflüsse mit dem Metal vermischen würden, als wir die Band gründeten. Übrigens: Die Zwerge, Elfen usw., ich glaube nicht, dass das nur Mythen sind..., sie sind die Geister der Natur, sie existieren wirklich, und das nicht nur in Europa. Sie leben auf der ganzen Welt.

Kathy:
Wie genau seid ihr mit der keltischen/irischen Musik in Kontakt gekommen?

Bruno:
Was soll ich sagen – diese Musik ist einfach wundervoll! Aber es ist ziemlich schwierig, etwas davon hier in Brasilien zu bekommen, zum Glück bessert sich die Lage grade etwas. Meine anfänglichen Quellen waren diverse Kontakte und Material aus England.

Kathy:
Wer von euch hatte schlussendlich die Idee, die keltischen Melodien mit Heavy Metal und Growls zu verbinden?

Bruno:
Das war, wie bereits angesprochen, ich. Aber alle in der Band liebten die Idee sofort, und heute wissen auch die anderen, wie man Songs in dieser Art und Weise schreibt.

Kathy:
Wo habt ihr denn gelernt, Instrumente wie die Tin Whistle, die Flöte oder die Geige zu spielen? Ich könnte mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, Lehrer dafür in Südamerika zu finden, gerade, wenn man damit irisch beeinflusste Musik machen möchte.

Bruno:
Also, ich spiele ja die Flöten und Whistles; meine Tin Whistle hat mir ein Freund aus Irland mitgebracht und ich musste mir selber beibringen, sie zu spielen, allein durch das Anhören keltischer Musik. Aber da ich davor schon Flöte gespielt habe, ging das alles recht einfach. Leonardo hat sich das Geigespielen auch selber beigebracht, später hat er dann aber doch noch begonnen, Unterricht zu nehmen.

Kathy:
Früher nanntet ihr euch PENDRAGON – warum habt ihr den Bandnamen in TUATHA DE DANANN geändert und was bedeutet er?

Bruno:
Als wir unter dem Namen PENDRAGON unser erstes Demo „The Last Pendragon“ aufnahmen, fanden wir heraus, dass es bereits eine andere, progressive Band mit diesem Namen gab, also mussten wir unseren Titel ändern. Ich beschäftigte mich zu der Zeit sehr mit der Saga der Tuatha De Danann – sie sind das Volk der Göttin Danú, der Mutter aller Götter, eine Elfenrasse, die Irland vor langer Zeit bevölkerte. Sie brachten die magischen Künste mit und die übermäßige Liebe zur Natur, sie waren die Herren über Leben, Träume und Tod, sie kamen aus dem Himmel und brachten die Sonne mit. Mit dem Einzug des Christentums konvertierten die Tuatha De Danann zu irischen Heiligen, blieben in den Köpfen der Menschen aber als Feen, Elfen usw. erhalten... . Oh, es ist so eine schöne Saga, so voller Magie – und so war es eigentlich nur natürlich, dass die Band den neuen Namen TUATHA DE DANANN bekam.

Kathy:
In euren Liedern erzählt ihr von Zwergen, Elfen, Feen usw. Basieren diese Texte auf traditionellen Geschichten oder habt ihr euch den Trinker „Finganfor“, die Rebellion der Zwerge („Tin Gara La Tina Dun“) und all die anderen Erzählungen selbst ausgedacht?

Bruno:
In manchen Stücken erzählen wir keltische Legenden, aber meistens erschaffen wir unsere Geschichten selbst, wie eben den Zwerg „Finganfor“, das wunderbare Land „Tan Pinga Ra Tan“ (inspiriert vom keltischen Tir Nan Og) und andere. Dabei können uns viele Sachen inspirieren, z.B. der Mond, das Feuer, das Feenvolk selbst und manchmal auch einige Flaschen Wein... .

Kathy:
Wer hat das hübsche Cover-Artwork eures Albums gestaltet? Es scheint eure Musik geradezu zum Leben zu erwecken.

Bruno:
Das hat ein großartiger Künstler und Freund von uns entworfen, sein Name ist Juliano Oliveira (thyr@ig.com.br). Er ist ein großer Verehrer der keltischen und wikingischen Kultur und seine Arbeiten sind brillant! Wir setzten uns mit ihm in Verbindung und schilderten ihm, was wir uns als Artwork vorstellen würden, und er machte seinen Job viel besser als wir erwartet hatten – das Cover ist voll von Leben, Freude, Party, Liebe und Verbundenheit mit der Natur.

Kathy:
Beim Anhören des Albums merkt man schnell, dass ihr große Freude am Spielen habt. Wie kann man sich da einen Live-Auftritt von TUATHA DE DANANN vorstellen, als eine große Party zusammen mit dem Publikum?

Bruno:
Oh ja, wir machen eine große Metal-Show, voll mit Flöten, Mandolinen und Geigen, und wir lachen und tanzen dazu. Wir lieben es einfach, live zu spielen, es ist eine super Party für uns, ein regelrechtes Zelebrieren der Existenz.

Kathy:
In Europa haben wir einige Bands, die einem ähnlichen musikalischen Stil wie ihr frönen, z.B. CRUACHAN aus Irland. Kennt ihr sie oder andere Gruppen, die keltisch beeinflussten Metal spielen?

Bruno:
Ja, wir kennen CRUACHAN und einige andere Bands wie WAYLANDER, MAEL MORDHA u.a.

Kathy:
Was für Bands mögt ihr privat?

Bruno:
Ich persönlich bin sehr in den Siebziger Jahren verankert, ich liebe RAINBOW, LED ZEPPLIN, YES, THE DOORS und JETHRO TULL, aber ich bin zudem auch ein großer Fan von Death, Doom und Heavy Metal. Bands wie OBITURAY, MORBID ANGEL, ANATHEMA, MY DYING BRIDE CATHEDRAL, die alten HELLOWEEN, AMORPHIS, SKYCLAD und noch viele andere zählen da zu meinen Favoriten.

Kathy:
Wie sieht’s eigentlich momentan in der brasilianischen Metalszene aus und was für Bands stehen grade hoch im Kurs?

Bruno:
Oh, in Brasilien haben wir extrem viele Bands, Konzerte, Fanzines, Webzines,... – wir können uns freuen, eine sehr reiche Undergroundszene zu besitzen, viel größer und besser als noch vor einigen Jahren. Und soweit ich weiß stehen momentan vor Allem Bands im Bereich des Melodic Metal hoch im Kurs.

Kathy:
Was weißt bzw. denkst du von der europäischen Metalszene?

Bruno:
Europa hat die beste Metalszene! In all seinen Ländern gibt es so viele Bands, Locations für Konzerte und Headbanger..., großartig!

Kathy:
Besteht denn die Chance, dass ihr irgendwann mal über den großen Teich kommt und einige Konzerte in Europa spielt?

Bruno:
Schon, wir sind ja letztes Jahr sogar beinahe rübergekommen, aber leider kamen uns dann Probleme dazwischen. Es ist ein großer Traum von uns, mal in Europa zu spielen, aber wir brauchen erstmal bessere Promotion bei euch, um diesen Traum wahrwerden zu lassen.

Kathy:
Wart ihr schon mal in Deutschland? Und was für drei Worte fallen dir spontan ein, wenn du den Begriff „Deutschland“ hörst?

Bruno:
Leider waren wir noch nie in Deutschland. Und zu Deutschland fällt mir ein: Bier, Nietzsche, Goethe, Kai Hansen, Wagner und Bayern (das waren aber mehr als drei Worte :-) - Anm. d. Verf.).

Kathy:
OK, letzte Frage: Wenn du die Möglichkeit hättest, dich in eines der Fabelwesen zu verwandeln, über die ihr singt, welches wäre das und warum?

Bruno:
Ich wäre gerne ein Elf – dann würde ich durch die Wälder tanzen, zwischen den Bäumen herumspringen und den Mond ansingen... .

Redakteur:
Kathy Schütte

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